Huawei Mate 10 Pro: Der einjährige Test

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Das Huawei Mate 10 Pro von hinten
Das Mate 10 Pro war vergangenes Jahr eines von drei Flaggschiff-Modellen Huaweis. Eigentlich wurde es erst im Oktober 2018 abgelöst - vom Mate 20 Pro. Bis zu diesem Zeitpunkt nutzte Blasius Kawalkowski, stellvertretender Chefredakteur bei inside handy, das Mate 10 Pro als Alltagshandy. Nach einem Jahr gibt es ein Fazit. Und das fällt nicht zugunsten des Mate 20 Pro aus.

Die Mate-Geschichte reicht bis ins Jahr 2013 zurück. Damals brachte der chinesische Smartphone-Hersteller das erste Mate-Modell auf den Markt, das noch den Beinamen “Ascend” mit sich führte und rund 500 Euro kostete. Nach sieben weiteren Modellen war das Mate 10 Pro 2017 Huaweis Antwort auf das Samsung Galaxy Note 8 und Apples iPhone 8 Plus. Doch konnte sich Huawei mit seiner Mate-Serie endgültig im Segment oberhalb der Spitzenklasse festbeißen? Das wollte ich wissen. Dafür legte ich mein Motorola Moto Play in die Schublade und richtete das Mate 10 Pro ein.

Powerbank? Brauche ich nicht.

Schon nach wenigen Tagen war ich von der Akkulaufzeit beeindruckt. Das Moto Play war mein erstes Smartphone, das ich ohne Bedenken zwei Tage mitführen konnte, ohne dass ich mir Gedanken über Steckdosen und Powerbanks machen musste. Das Mate 10 Pro verhielt sich ganz ähnlich. Bereits im Test für inside handy übertraf die Akkuleistung des Geräts die vieler anderer Top-Modelle. Und noch heute steht es im Segment der Oberklasse an der Spitze aller bislang getesteter Smartphones der Redaktion.

Nach einem Jahr Nutzung hat sich an der Akkulaufzeit des Mate 10 Pro nichts verändert. Es hält noch genau so lange durch wie zu Beginn, als es noch neu war.

Erweiterbarer Speicher? Brauche ich auch nicht.

Huawei brachte das Mate 10 Pro in nur einer Speicherausführung in den Handel – 128 GB. Eine MicroSD-Karte lässt sich nicht einlegen. Doch die habe ich auch nie gebraucht. Trotz fast 9.000 Fotos und 170 mal kürzeren, mal längeren Videos in 4K-Auflösung, trotz dutzender offline gespeicherter Playlists und Alben auf Spotify und trotz 147 installierter Apps – es blieben mir immer noch fast 46 GB Speicherplatz. Ähnlich geht es nun mit dem Mate 20 Pro weiter – die NM-Card ist nach wie vor leer.

Was für ein Sound

Während ich Musik nur über Kopfhörer, Bluetooth-Lautsprecher oder eine gescheite Anlage höre, schaue ich mir auf meinem Smartphone häufig kurzweilige Videos auf YouTube und anderen Videoplattformen an. Und das ist im Vergleich zu anderen Smartphones mit dem Mate 10 Pro ein wahrer Genuss. Die Stereo-Lautsprecher liefern einen derart guten Klang ab, dass man sich Videos tatsächlich gerne ansieht und nicht das Bedürfnis hat, sich Kopfhörer aufzusetzen oder an den Laptop zu gehen. Viele neue Smartphones liefern einen deutlich miserableren Sound – insbesondere bei hoher Lautstärke-, sodass man häufig vor der Wahl steht: Auf das Display gucken und das Video sehen oder Handy mit reduzierter Lautstärke an das Ohr halten und aus dem Film ein Hörspiel machen.

Die beste Kamera …

… ist die, die man dabei hat. Dieses Mantra ist bereits etwas abgegriffen, aber nach wie vor gültig. Und immer dabei hat man das Smartphone. Das Moto Play hat mich zwar hinsichtlich Performance und Akkulaufzeit überzeugt. Was die Kamera anging, war ich aber nur bei guten Lichtverhältnissen zufrieden. Das Mate 20 Pro hingegen liefert in nahezu jeder Lichtsituation ein gutes Foto ab. Nun mag der Vergleich zwischen einem Mittelklasse-Smartphone wie dem Moto Play und einem absoluten Spitzenmodell etwas hinken. Aber: Es ist nicht die Smartphone-Kamera, die das Foto macht. Ich mache das Foto. Es kommt also nicht so sehr auf Megapixel, Blendenöffnungen und Brennweiten an. Es war die Software des Mate 10 Pro, die mich beim Fotografieren und Filmen weitaus besser unterstützte.

Übrigens: Das Mate 10 Pro besitzt eine Dual-Kamera. Hinter einem der beiden Objektive befindet sich ein Monochrom-Sensor, der die Aufnahme von Schwarz-Weiß-Fotos erlaubt. Obwohl ich bei Streetfotografie ausschließlich auf Bilder in Schwarz-Weiß setze, habe ich die Möglichkeit, das Bild bereits beim Auslösen Monochrom aufzunehmen, nie in Betracht gezogen. Vielleicht lag es am fehlenden RAW-Format, vielleicht am zu starken Bildrauschen bei wenig Licht. Anscheinend war ich aber nicht der Einzige, der mit dem SW-Sensor nichts anfangen konnte. Beim Mate 20 Pro musste dieser einem Ultraweitwinkel weichen.

Schnell, schneller, Mate 10 Pro

Was die Performance angeht, habe ich bereits Smartphones von Huawei und Honor in der Hand gehabt, die nach einiger Zeit in der Benutzung enorme Geschwindigkeitseinbußen hatten. Anfangs merkt man das nicht. Das Handy ist neu, im Hintergrund werden nur wenige Daten synchronisiert. Doch im Laufe der Zeit kommen weitere Konten und Apps hinzu, die Daten senden und empfangen, obwohl wir diese in dem Moment der Bedienung vielleicht gar nicht nutzen. Viele Smartphones werden dann langsamer. Nicht das Mate 10 Pro. Es lieferte zu jeder Zeit eine zufriedenstellende Performance ab. Und auch nach einem Jahr gibt es hinsichtlich der Leistung keinen Ausschlag nach unten.

Man gewöhnt sich an alles

Das Mate 10 Pro hat einen Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. Ein Jahr lang war ich der festen Überzeugung, dass Gesichtsentsperrung bei Handys überflüssig ist. Bereits beim Herausziehen aus der Hosentasche hielt ich den Zeigefinger auf den biometrischen Sensor, sodass das Handy sich bereits entsperrt präsentierte, als ich es anguckte. Beim Mate 20 Pro ist das anders. Zwar besitzt es auch einen Fingerabdrucksensor, der sich Star-Trek-mäßig unter dem Display befindet. Jedoch hat das neue Mate-Modell auch einen 3D-Face-Scan. Die Entsperrung via Gesichtsüberprüfung funktioniert hier blitzschnell.

Zwar hätte ich auch beim Mate 10 Pro auf den Gesichtsscan setzen können, jedoch arbeitet das Gerät nur mit einem 2D-Verfahren. Die Erkennungsgenauigkeit ist dadurch niedriger, die Posenunabhängigkeit und Überwindungssicherheit schlechter. Dadurch wird das Gesicht, etwa bei Dunkelheit oder bei schräger Draufsicht, nicht erkannt. Da der Fingerabdrucksensor unter dem Display des Mate 20 Pro deutlich schwerer erreichbar ist und nicht so schnell reagiert wie der des Mate 10 Pro, und weil die Gesichtsentsperrung des Mate 20 Pro deutlich besser arbeitet, entsperre ich nun via Gesicht statt Fingerabdruck. Das ist aber wirklicher kein Vorteil. Hier funktioniert das besser, dort eben etwas anderes. Man gewöhnt sich an beides.

Die Nutzeroberfläche – es gibt besseres

EMUI – Huaweis Benutzeroberfläche – ist nicht mein Fall. Es ist die Optik, die mir nicht gefällt. Deshalb nutzte ich auf dem Mate 10 Pro lange Zeit “Evie” und später den “Microsoft Laucher”. Beide sind einfacher in der Bedienung – reagieren beispielsweise auf Gesten – und sind simpler gestaltet. In beiden Launchern lassen sich etwa nicht deinstallierbare Apps verstecken. Das verschlankt den App-Drawer erheblich.

Fazit

Ob hinsichtlich der Kamera, des Akkus, der Rechenpower oder beim Display: Das Mate 20 Pro ist in nahezu jeder Kategorie ein Stück besser als das Mate 10 Pro. Das unter anderem ergab der direkte Vergleich der beiden Spitzenmodelle. Die Medaille hat aber auch eine Kehrseite: Huawei verlangt für das Mate 20 Pro derzeit rund 1.000 Euro. Der Preis für das Mate 10 Pro hingegen ist mittlerweile auf das Niveau eines Mittelklasse-Smartphones gefallen. In Angeboten ist das ehemalige Flaggschiff immer wieder für unter 400 Euro zu haben. Und für das Geld bekommt man meiner Meinung nach derzeit kein besseres Smartphone.

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