Huawei Mate 10 Pro im Test: Kamera-Granate und Akku-Wunder

Datum: 05.11.2017 | Wertung: 91% | Produkt: Huawei Mate 10 Pro Dual SIM
Huawei Mate 10 Pro im Test
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de

Huawei hat Mitte Oktober sein neues Flaggschiff Mate 10 Pro vorgestellt. Mit ihm nehmen die Chinesen die Spitzenmodelle Galaxy Note 8 und iPhone 8 Plus der Konkurrenten Samsung und Apple ins Visier. Mit rund 800 Euro ist Huaweis Oberklasse zwar etwas günstiger – doch kann sie mit den Rivalen mithalten? Der Test von inside-handy.de löst auf.

Huawei, weltweit Nummer drei der größten Smartphone-Hersteller, hat seine Antwort auf Samsungs Galaxy Note 8 und Apples iPhone 8 Plus vorgestellt und tauft das Kind Huawei Mate 10 Pro. Das "Pro" im Namen zeigt schon, dass es auch ein "normales" Mate 10 geben muss. Das gibt es auch, jedoch nicht hierzulande. Nach Europa kommt lediglich die "Pro"-Version.

Huawei Mate 10 Pro – Die technischen Daten

Wie es sich für das neue Flaggschiff von Huawei gehört, wird in ihm die neueste Prozessor-Generation aus eigenem Hause, der Kirin 970 verbaut. Zudem kommen ein fast randloses Display, eine Doppelkamera und eine beeindruckende Mobilfunk-Anbindung zum Zuge.

 Huawei Mate 10 Pro
 
Huawei Mate 10 Pro
Display 6 Zoll, 1.080 × 2.160 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8.0 Oreo
Prozessor Huawei Kirin 970
Octa-Core
RAM 6 GB
interner Speicher 128 GB
MicroSD keine Erweiterung möglich
Kamera vorne / hinten 8 MP / 12 und 20 MP (Dual Kamera)
Fingerabdruckscanner ja
Akku 4.000 mAh
USB-Port USB Typ-C
IP-Zertifizierung IP67 (kurzweiliges Untertauchen)
Abmessungen (mm) 154 x 75 x 7,9
Farben Blau, Braun, Gold-Schwarz
Einführungspreis 799 Euro

Design und Verarbeitung

Das Äußere des Huawei Mate 10 Pro geht mit dem Trend: Ein 18:9-Display wird mit schmalen Rändern ober- und unterhalb des Panels kombiniert und zeigt sich auf einem ähnlichen Niveau wie jenes Display des Samsung Galaxy Note 8. Die Design-"Richtlinie" für das Jahr 2017 wurde schon im Frühjahr durch das Galaxy S8 und das Galaxy S8 Plus sowie das LG G6 festgesetzt und nun hat auch Huawei nachgezogen. Bei den beiden "normalen" Spitzenmodellen der Chinesen, dem P10 und dem P10 Plus, hat man noch auf das Design aus dem Vorjahr mit vergleichsweise breiten Rändern gebaut.

Nun ist allerdings auch Huawei im Jahr 2017 angekommen. Das Design des Mate 10 Pro kann dabei durchaus gefallen. Der Hersteller verzichtet bei dem Pro-Modell jedoch auf gekrümmte Display-Ränder und biegt stattdessen nur die Rückseite. Dort wird das Mate 10 Pro zum Rahmen hin schmaler. Der Rücken wird von den beiden einzeln eingelassenen Kameramodulen dominiert. Sie kommen in Kombination mit einem "Leica"-Schriftzug, einem Doppel-LED-Blitz und einer Sensoreneinheit zum Kunden. Unterhalb der Armada an einzelnen Bauteilen integriert Huawei den runden Fingerabdrucksensor, der in einem Rahmen etwas tiefer eingelassen ist. Huawei hinterlegt die Kamera-Ausstattung mit einem breiten Farbstreifen, von Huawei Signature Stripe genannt, der sich nur im Ton von der Farbe des Rückens absetzt. Der designerische Kniff ist gefällig, jedoch auch kein Highlight. Das verbaute Glas auf der Rückseite versucht ebenfalls, Akzente zu setzen und das gelingt vor allem an den Kurven in der Nähe der Rahmen: Hier reflektieren die Glaskrümmungen beim Bewegen das Licht und sorgen so für kleine, optische Aha-Erlebnisse.

Huawei Mate 10 Pro: Hands-On-Fotos

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    Hands-On-Bilder des Huawei Mate 10 Pro.
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de
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    Hands-On-Bilder des Huawei Mate 10 Pro.
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de

Die Front gibt sich gegenüber dem Rücken unauffällig: An Display-Ränder im Miniformat hat man sich gewöhnt und so bleiben begeisterte Luftsprünge beim ersten Aktivieren des Bildschirms aus. Trotzdem hat Huawei seine Hausaufgaben auch hier gemacht. Der Rand unterhalb des Displays wird von einem "Huawei"-Schriftzug geprägt, der oberhalb des Panels von Näherungssensor, Kamera und Lautsprecher zum Telefonieren zu finden ist. Die Ränder an den Längsseiten sind praktisch nicht vorhanden und es stellt sich High-End-Feeling ein. Trotzdem hat das Rahmenlos-Konzept an Reiz verloren.

Hat man bei Huawei noch beim P10 und dem P10 Plus mit den Farbspezialisten von Pantone zusammengearbeitet, wurde beim Mate 10 Pro wieder etwas weniger Wert auf die Kolorierung der Handys gelegt. Trotzdem sind immerhin drei Farben in Deutschland erhältlich: Blau, Braun und das omnipräsente Grau-Schwarz. Die Version in Pink-Gold kommt nicht nach Deutschland.

Wenn das Huawei Mate 10 Pro das erste Mal in die Hand genommen wird, wundert sich der Besitzer erst einmal: Wie ein 6-Zoll-Smartphone fühlt sich das Mate 10 Pro auf keinen Fall an. Es wirkt geradezu zierlich, wenn man sich ins Bewusstsein ruft, welche Display-Größe hier in der Hand liegt. Trotzdem ist das Mate 10 Pro ein großes Handy und nicht für kleine Hände gedacht. Die Taster zum lauter und leiser stellen des akustischen Outputs und zum (de-)aktivieren des Displays lassen sich zumindest als Rechtshänder trotz des großen Formfaktors einfach erreichen und besitzen einen ordentlichen Druckpunkt. Mit durchschnittlich langen Fingern gelangt man auch komfortabel an den Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. Etwas schade ist, dass die beiden Kamera-Module recht weit aus dem Gehäuse herausragen und das Mate 10 Pro dadurch nie ruhig auf dem Rücken abgelegt werden kann ohne dass man sich fast schon automatisch Sorgen um die Glasflächen macht.

Die Verarbeitung des Aluminium-Glas-Gehäuses kann im ersten Eindruck in allen Bereichen überzeugen. Störende Kanten oder Spaltmaße findet man fast nirgends am Mate 10 Pro. Dort wo doch Spaltmaße auftauchen, sind sie kaum wahrnehmbar und Ausfräsungen sowie Bohrungen fallen ebenso wenig negativ auf. Alle Öffnungen sind fein entgratet und auch die Materialien an sich fühlen sich gut an. Eine Ausnahme: Die Kameraeinfassungen sind recht scharfkantig. Das hätte Huawei auch deutlich schöner lösen können.

Das Huawei Mate 10 Pro ist solide designt, toll verarbeitet und spricht mit dem rundlichen Glasrücken eine große Kundschaft an. Der Wow-Effekt durch das Display bleibt jedoch aus, auch wenn sich das gesamte Smartphone stylisch und auf der Höhe der Zeit gibt.

Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen

Display

Mit 18:9-Format, 6 Zoll Größe, HDR-Fähigkeit und einer Auflösung von 1.080 x 2.160 Pixeln wirkt das Display auf den ersten Blick sicher in der Oberklasse verortet. Stutzig macht jedoch die Auflösung bei genauerem Hinsehen: Sie liegt auf Full-HD-Niveau und spielt somit alles andere als in der Oberklasse mit. Die Pixeldichte liegt bei gut 400 ppi und somit weit im Bereich, in dem für das menschliche Auge bei normaler Nutzung kein Pixel mehr zu sehen ist. Krümmungen an den Rändern spart sich Huawei und baut lieber auf 2,5D-Glas.

Technisch basiert das Display auf einem OLED-Panel. Farben werden dadurch recht intensiv aber noch nicht unnatürlich dargestellt. Die Kontraste sind gut, ebenso wie Weiß- und Schwarzwerte. Zudem sind die Blickwinkel so stabil, dass auch bei extrem schräger Draufsicht alles gut erkennbar ist, ohne dass Inhalte dunkler oder verschwommener dargestellt werden. Die automatische Helligkeitsregelung funktioniert stufenlos, auch wenn sie hin und wieder etwas Zeit benötigt, um die Displayhelligkeit dem Umgebungslicht anzupassen. Die maximale Helligkeit ist so gut, dass sich Texte auch direkter Sonneneinstrahlung gut lesen lassen. Im umgekehrten Fall lässt sich die Helligkeit extrem abdunkeln. So stören alle, die im Kino keine anderthalb Stunden auf ihr Handy verzichten können, ihre Mitgucker nicht beim Filmsehen.

Ob Farbtemperatur, Schonmodus für die Augen oder Farbmodus, der zwischen „Normal“ und „Lebhaft“ unterscheidet: Huawei liefert das Mate 10 Pro mit einigen Display-Einstellungen, die der Nutzer hinsichtlich seiner Sehgewohnheiten verändern kann.

Es wird sicherlich Menschen geben, die Full-HD bei einem Smartphone dieser Klasse bemängeln. Doch das macht sich bei der Akkuleistung bemerkbar, wie die gleichnamige Kategorie im Test zeigt. Dennoch hätte eine höhere Auflösung bessere Schattierungen und feinere Konturen bewirkt.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Huawei entwickelt als einer von insgesamt drei Herstellern eigene Recheneinheiten für seine Smartphones. Neben Apples A11 Bionic und Samsungs Exynos 8895 sowie Qualcomms Snapdragon 835 gesellt sich mit dem Kirin 970 der vierte Hochleistungsprozessor ins Geschäft der Smartphones. Er wird von einer GPU und einer, wie Huawei es nennt, NPU unterstützt. Letztere soll die künstliche Intelligenz ins Mate 10 Pro bringen und die beiden herkömmlichen Bauteile unterstützen. Der Kirin 970 baut dabei auf acht, die GPU gar auf zwölf Kerne. Der Hauptrechner soll laut Huawei 20 Prozent schneller sein als der Vorgänger Kirin 960, die GPU 50 Prozent effizienter. Müssen Prozesse ausgelagert werden, greift das Huawei Mate 10 Pro auf einen Arbeitsspeicher von 6 GB zurück. Sollen Daten wie Bilder oder Videos dauerhaft gespeichert werden, steht ein 128 GB großer Speicher zur Verfügung – erweiterbar ist er aber nicht.

Im Benchmark-Test zeigt das Mate 10 Pro, dass es sich definitiv auf dem gegenwärtigen Niveau der Top-Smartphones dieses Jahres befindet. Mit 176.482 Punkten sortiert es sich unter den Top 5 der jemals getesteten Android-Smartphones von inside-handy.de ein. Um genau zu sein, belegt es hinter dem OnePlus 5 den zweiten Platz.

Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy S8 kommt im Test von inside-handy.de auf 174.550 Punkte und ist damit etwas schwächer als das Mate 10 Pro. Auch Sonys 2017er Modell des XZ Premium kommt "nur" auf 170.532 Punkte. In die Nähe des Huawei-Smartphones gelangt allerdings das Nokia 8, das ein Ergebnis von 175.517 Punkten verbuchen kann.

Benchmark-Tests im Vergleich

Umfeld Modell Benchmark-Wert
  Sony Xperia XZ Premium 170.532
direkte Konkurrenten Samsung Galaxy S8 174.550
  Nokia 8 175.517
     
  Samsung Galaxy S7 132.648
ehemalige Spitzenmodelle LG G5 137.548
  OnePlus 3T 163.521
     
aktuelle Referenzen  OnePlus 5

180.641

Doch was bedeutet das in der Praxis? Im alltäglichen Gebrauch lassen sich keine Ruckler feststellen – was bei einem Flaggschiff dieser Klasse aber auch enttäuschend gewesen wäre. Im Gegenteil: Das Mate 10 Pro sprintet durch die Anwendungen und lotst den Nutzer ohne Verzögerungen zwischen zwei Schritten oder dem Hin- und Herspringen durch mehrere Apps.

Bei den Verbindungsmöglichkeiten lässt sich Huawei nicht lumpen und verbaut USB-Typ-C und LTE Cat.18 in sein Spitzenmodell. Mit dem Modem für die Mobilfunkanbindung sollen Downloads mit bis zu 1,2 Gbit/s möglich sein. Eine Geschwindigkeit, die hierzulande von keinem Netz auch nur Ansatzweise erreicht wird. Vodafone hat allerdings kürzlich angekündigt, erste Mobilfunk-Basisstationen gigabitfähig zu machen. Die Bluetooth-Version kann mit dem aktuellen Standard nicht ganz Schritt halten: Statt Bluetooth 5 müssen sich Anwender mit der Version 4.2 zufrieden geben. Löblich in diesem Bereich: Huawei bietet auch eine Dual-SIM-Version an, die auf beiden SIM-Karten mit LTE funktioniert und so keine bedeutenden Einschränkungen beim Einsatz zweier Karten aufweist.

Feature Vorhanden Funktion

HSPA

▲  Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ ▲  Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE ▲  Mobilfunkstandard, Down-max 1.000 Mbit/s, Up-max: 100 MBit/s
USB-OTG ▲  Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA ▲  Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC ▲  Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Kabellose Display-Übertragung ▲  Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (z.B. Miracast/AirPlay/Google Cast)
MHL ▼  Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung ▼  Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version ▲  4.2
WLAN-Standards ▲  IEEE 802.11 a/b/g/n/ac
Qi ▼  Ermöglicht das kabellose Laden des Smartphones

Einen anderen Trend, den Samsung bereits beim Galaxy S8 vorgegeben hat, setzt Huawei im Mate 10 Pro ebenfalls um: Mit einem Kabel können Nutzer das Smartphone an einen herkömmlichen Monitor anschließen und so als Desktop-PC-Ersatz nutzen. Dafür kann auch die Verbindungsbox des Tablets Matebook genutzt werden. Dann bieten sich auch einige Möglichkeiten, um Peripheriegeräte außerhalb der Bluetooth-Verbindung mit dem Mate 10 Pro zu vernetzen. Die Telefonfunktion lässt sich dabei weiter nutzen. Sie wird von der AI aus dem NPU gesteuert: Die künstliche Intelligenz misst stetig die Geräusche im Hintergrund, aber auch die Stimme des Gesprächspartners und passt die Stimme so an, dass der Gesprächspartner immer einen klaren Klang erhalten soll - egal ob in der Bahn geflüstert oder auf dem Konzert ins Telefon geschrien.

Huawei hat beim Mate 10 Pro auch an wenig aufmerksame Nutzer gedacht und integriert eine IP-67-Zertifizierung in das Flaggschiff. Damit hält das Mate 10 Pro einen starken Regenschauer aus und sollte auch bei kurzfristigem Untertauchen weiter funktionsfähig sein. Auf einen Klinkenanschluss muss man beim Mate 10 Pro verzichten, ein Adapter von USB Typ-C auf den traditionellen Kopfhörer-Anschluss liegt jedoch bei. Wer keine Kopfhörer zur Verfügung hat, der kann jedoch auch auf die beigelegten USB-Typ-C-Kopfhörer zurückgreifen.

Wer mit dem Mate 10 Pro telefoniert, hört seinen Gesprächspartner klar und deutlich. Auch die Freisprecheinrichtung konnte im Test überzeugen. Die Lautsprecher des Huawei-Flaggschiffs liefern eine solide Leistung ab, ohne zu glänzen. Im Test befand sich das Smartphone im Telekom-Netz, der Angerufene im Festnetz.

Was die Ausstattung angeht, setzt Huawei beim Mate 10 Pro auf Hochleistung. Der pfeilschnelle Prozessor gepaart mit 6 GB RAM und einem voluminösen internen Speicher lassen kaum Wünsche offen. Auf kabelloses Aufladen via Qi müssen Nutzer des Mate 10 Pro allerdings ebenso verzichten, wie auf eine Speichererweiterung via Micro-SD-Karte.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Kamera

Huawei hat die Kamera-Sektion des Mate 10 Pro mit dem bekannten Setup von zwei unterschiedlichen Sensoren hinter gleichen Objektiven bestückt. Wie aus früheren Modellen bekannt, wurde wieder mit Leica zusammengearbeitet und ein Schwarz-Weiß-Sensor mit einer RGB-Kamera kombiniert. Dabei kommen wiederum die NPU und ihre AI zum Einsatz. Sie wurde laut Huawei für die Szenenerkennung mit 100 Millionen Bildern trainiert. Machine Learning nennen das die Entwickler und versprechen eine bessere automatische Erkennung von unterschiedlichen Bildaufbauten und damit eine bessere Auswahl der Einstellungen der Kamera.

Der Sensor, der auch Farben erkennen und verarbeiten kann, kommt dabei mit 12 Megapixeln daher. Der Schwarz-Weiß-Sensor dagegen löst mit 20 Millionen Bildpunkten auf. Beiden Kameras stehen eine Blende mit einer Öffnung von f/1.6 und eine Brennweite von umgerechnet 27 mm zur Verfügung. Für noch mehr Leistung bei Dunkelheit soll ein optischer Bildstabilisator sorgen. Er wird jedoch nicht in beiden Kameramodulen verbaut, sondern verrichtet seinen Dienst lediglich im RGB-Teil. Beide Sensoren werden mit einem Stabilisator softwareseitig ruhiggestellt. Beim Autofokus geht man bei Huawei weniger Kompromisse ein: Hier kommen gleich vier Methoden zum Einsatz: So stehen ein Laser-Autofokus, die Fokussierung über Tiefeninformationen, ein Kontrast- und ein Phasen-Autofokus bereit.

Auf der Front gibt sich das Mate 10 Pro gediegen und begnügt sich mit 8 Megapixeln und einer Blende von f/2.0. Damit sollten anspruchsvolle Selfies jedoch kein Problem sein und auch das ein oder andere Selbstporträt in Bewegtbild wird sich machen lassen.

In der Praxis hat die Hauptkamera Licht- und Schattenmomente. Während nahezu alle geschossenen Fotos eine sehr hohe Schärfe aufweisen und die Kamera auch bei Nacht sehr gute Ergebnisse liefert, stolpert die Software über die eigenen Beine, wenn es um Fotos mit unscharfem Vorder- oder Hintergrund geht. Öffnet man die Blende und fokussiert auf den Hintergrund, werden Personen oder Details im Vordergrund zwar unscharf aber auch seltsam ausgeschnitten dargestellt. Im umgekehrten Fall verhält sich die Software zwar etwas besser, der Bokeh-Effekt ist aber bei Weitem nicht mit dem einer DSLR in Verbindung mit einem Teleobjektiv vergleichbar. Nahaufnahmen hingegen können sich sehen lassen und überzeugen mit einem hohen Detailgrad und einem ausgewogenen Kontrastverhältnis.

In der folgenden Galerie wird die Kameraqualität anhand von Beispielbildern bewertet:

Huawei Mate 10 Pro: Kamera-Test-Fotos

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    Aufnahme mit offener Blende und Fokus auf den Vordergrund.
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de
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    Aufnahme mit offener Blende und Fokus auf den Hintergrund.
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de

Kamera-Software

Wer sich einmal drei Minuten Zeit nimmt und die Kamera-App des Mate 10 Pro studiert, weiß beim nächsten Zücken des Smartphones für eine Lichtbildaufnahme, was zu tun ist. Mit einem Display-Wischer von links nach rechts lassen sich verschieden Modi wie „Monochrom“, „Video“, „3D-Panorama“ oder „Lichtmalerei“ auswählen. Hier verbergen sich auch die Zeitraffer- und Zeitlupenfunktion. Mit einem Wisch von rechts nach links hingegen fördert man die Kamera-Einstellungen zu Tage. Auch ein Profi-Kamera-Modus ist vorhanden und verbirgt sich über dem Auslöser. Hier lassen sich ISO-Wert, Verschlusszeit oder auch der Weißabgleich manuell bestimmen.

Huawei Mate 10 Pro: Die Kamera-Software

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    Die Kamera-Software des Huawei Mate 10 Pro
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de
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    Die Kamera-Software des Huawei Mate 10 Pro
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de

Zwar weist die Kamera des Huawei Mate 10 Pro einige Schwächen auf, jedoch befindet sie sich insgesamt auf einem bereits sehr hohen Niveau. Aus diesem Grund fallen die kleinen Makel nicht sonderlich ins Gewicht. Volle Punktzahl deshalb in dieser Kategorie.

Einzelwertung: 5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Während viele Hersteller derzeit immer noch Smartphones mit Android Nougat auf den Markt bringen, stattet Huawei sein neuestes Modell mit Android 8 Oreo aus. Das Paket wird mit EMUI 8.0 verheiratet, der hauseigenen Nutzeroberfläche. Bei der neuesten Version der Software kann man nun auch in den Benachrichtigungen eine Splitscreen-Ansicht öffnen. Dazu ist der virtuelle Hilfsknopf, der bisher den Schnellzugriff auf unterschiedliche Apps und Funktionen bot, aktualisiert worden. Durch das Floating Dock kann auf eine Navigations-Leiste verzichtet werden und so bleibt noch mehr Platz auf dem Display.

Die Software passt sich beim Anschluss an einen Monitor automatisch an und zeigt dort eine Desktop-Ansicht ähnlich derer aus dem DeX-System von Samsung. Dabei sind beide Displays weiter nutzbar. Das Ganze nennt Huawei dann Enhanced Experience und verspricht ein produktives Arbeiten über das Smartphone. Zwar ist dafür – im Gegensatz zu Samsungs Lösung – keine DeX-Station notwendig. Allerdings lässt sich das Mate 10 Pro auch nicht ohne weiteres an einen großen Bildschirm anschließen. Wer einen USB-Typ-C-Adapter mit HDMI-Eingang hat und diesen mit Monitor und Mate 10 Pro verbindet, kann das Gerät auch als Desktop- oder Notebook-Ersatz nutzen. Im Lieferumfang ist aber nichts dergleichen vorzufinden. Darüber hinaus sind nicht alle Apps für große Monitore oder weitere Peripherie-Geräte wie Maus und Tastatur optimiert.

Huawei Mate 10 Pro: Software und Benutzeroberfläche

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    Entsperrbildschirm
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de
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    Startbildschirm
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de

Musikplayer und Sound

Neben Google Play Musik hat Huawei auf dem Mate 10 Pro auch einen eigenen Musikplayer installiert. In der Bibliothek wird die eigene Musik nach Titeln, Interpreten, Alben und Ordnern sortiert. Zudem lassen sich eigene Wiedergabelisten erstellen und einzelne Songs als Favoriten ablegen. Ein Equalizer wird verfügbar, wenn Kopfhörer angeschlossen sind. Höhen und Tiefen lassen sich dann dem eigenen Gehör anpassen.
Der Sound wird über die beiden Lautsprecher oberhalb des Displays sowie der unteren Kante ausgegeben. Dabei ist einer für hohe und der andere für tiefe Töne zuständig. Dreht man die Lautstärke bis zum Anschlag auf, fängt es bei so mancher Musik an zu scheppern. Bis zu einem gewissen Grad sind Höhen und Tiefen aber ausgewogen – auch wenn aus den Lautsprechern nicht gerade der Bass trieft.

Das beigelegte Headset eignet sich für Telefonate oder die Wiedergabe von Podcasts. Wer allerdings gerne und viel Musik hört, sollte ein paar ordentliche Kopfhörer zu Hilfe nehmen.

Android in seiner aktuellsten Version, eine recht übersichtliche Benutzeroberfläche – auch wenn sie nicht jeden Geschmack trifft – und eine Benachrichtigungs-LED stehen auf der Haben-Seite. Was fehlt ist ein FM-Radio. Die nicht völlig überzeugenden Lautsprecher sorgen ebenfalls für Punktabzug.

Einzelwertung: 4 von 5

Akkuleistung

Huawei Mate 10 Pro Akku-Siegel

Der Akku des Mate 10 Pro ist für ein Spitzenmodell mit einer vergleichsweise hohen Kapazität ausgestattet. Mit 4.000 mAh bei 4,5 V und 5 A Ladestrom sowie USB 3.1 lässt sich der Energiespeicher trotz des großen Depots flott laden. Im Test füllte sich die Batterie am mitgelieferten Ladegerät binnen einer halben Stunde zu 44 Prozent. Etwas verwunderlich ist jedoch, dass Huawei den Glastrend auf der Rückseite seines Smartphones mitgeht, den Grund für diesen Trend, jedoch außen vor lässt: Viele Hersteller verbauen Glas oder Plastik auf ihrer Rückseite, damit es möglich ist, das Gerät drahtlos über den Standard Qi zu laden. Diese Funktion fehlt dem neuen Huawei-Flaggschiff.

Hinsichtlich der Akkulaufzeit musste sich der Energieträger im standardisierten Test der Redaktion bei dauerhaft aktiviertem Bluetooth, WLAN und GPS sowie E-Mail-Push einem 30-minütigen Gespräch, 30 Minuten Musikhören per Webstream sowie 30 Minuten Spielen und einer 30-minütigen HD-Video-Wiedergabe über YouTube stellen. Hinzu kamen die Aufnahme mehrerer Fotos und Videos, das Surfen auf verschiedenen Webseiten und ein Benchmark-Test.

Am Ende dieses anspruchsvollen 8-stündigen Arbeitstages ließen sich 75 übriggebliebene Prozent von der Akkuskala ablesen. Damit landet das Mate 10 Pro unter den Top 5 jemals von inside-handy.de getesteten Smartphones. Im Standby-Modus verlor der Akku des Mate 10 Pro nur sechs Prozentpunkte – ein Top-Wert. Nach insgesamt 24 Stunden verblieben somit noch 69 Prozent. Somit ist ein weiterer Tag außer Reichweite einer Steckdose locker drin.

Smartphone-Akkus im Vergleich

 Modell Kapazität (mAh)Akkustand Verbrauch 
Arbeitstag (8h)Nacht im Standby (16h)Intensivtest (8h)Standby (16 h)
direkte Konkurrenz    
Sony Xperia XZ Premium 3230 53 43  47 10 
Samsung Galaxy S8 3000 58 51 42 7
Nokia 8 3090 71 65 29 6
ehemalige Spitzenmodelle    
Samsung Galaxy S7 3000 65 58 35 7
LG G5 2800 58 43 42 15
OnePlus 3T 3400  69 61 31 8
aktuelle Referenzen    
HTC U11 3000 47 33 53 14
Samsung Galaxy S8 3000 58 51 42 7
OnePlus 5 3300 66 46 34 20

Volle Punktzahl. Mehr noch: Die Akkulaufzeit übertrifft die vieler anderer aktueller Top-Modelle um Längen.

Einzelwertung: 5 von 5

Fazit zum Huawei Mate 10 Pro

Mit dem Mate 10 Pro bringt Huawei ein Smartphone-Modell der Spitzenklasse auf den Markt. Das Design ist aktuelle Mode von der Stange; die Verarbeitung auf hohem Niveau – auch wenn die scharfkantige Einfassung der beiden Kameraobjektive für Punktabzug sorgt. Das Display löst „nur“ in Full-HD-Qualität auf, liefert aber dennoch eine für das menschliche Auge gute Qualität.

Die Kombination aus leistungsstarkem Prozessor und 6 GB Arbeitsspeicher sorgt für eine sehr gute Performance. Speicherhungrige Nutzer könnten den nicht erweiterbaren Speicher bemängeln. Für die meisten dürfte das 128 GB große Datendepot aber bei weitem genügen.

Wer gerne und viel fotografiert und stets eine gute Kamera in der Hosentasche haben möchte, der wird mit dem Mate 10 Pro glücklich. Auch längeren Foto-Touren steht nichts im Weg, da der Akku locker zwei Tage durchhält.

Gesamtwertung: 4,5 von 5

Huawei Mate 10 Pro Testsiegel

Pros des Huawei Mate 10 Pro

  • Exzellente Kamera
  • Pfeilschnell
  • Leistungsstarker Akku

Contras des Huawei Mate 10 Pro

  • Keine Speichererweiterung
  • Scharfkantige Kameraeinfassung
  • Kein kabelloses Aufladen möglich

Preis-Leistung

Hauwei verlangt für das Mate 10 Pro zum Marktstart rund 800 Euro. Auch wenn das eine Stange Geld ist, fordern die Konkurrenten für ein Smartphone mit ähnlich guter Ausstattung 200 bis 300 Euro mehr. In einigen Kategorien, wie etwa der Akkulaufzeit, hat das Mate 10 Pro sogar die Oberhand und lässt Note 8 oder iPhone 8 Plus hinter sich.

Alternativen

Die schärfste Konkurrenz zum Mate 10 Pro könnte aus den eigenen Reihen stammen. Das Hauwei P10 Plus ist mit seinem 5,5-Zoll-Display zwar etwas kleiner, von der übrigen Ausstattung her dem Mate 10 Pro aber sehr ähnlich. Zudem ist es aktuell über 200 Euro günstiger. Auch das Galaxy S8+ ist derzeit für rund 600 Euro erhältlich. Vor allem in puncto Display übertrifft das Samsung-Modell das Mate 10 Pro. Die wohl günstigste Alternative kommt aus dem Hause LG und hört auf die Bezeichnung LG G6. Mit rund 400 Euro kostet es nur halb so viel, bringt aber eine vergleichbare Leistung aufs Parkett.

Autor: Blasius Kawalkowski

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