US-Sanktionen: Lohnt sich der Kauf eines Huawei-Handys noch?

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Huawei P30 von hinten
Bildquelle: Simone Warnke/inside handy
Die Lage zwischen den USA und Huawei hat sich immer mehr zugespitzt. Die von US-Präsident Trump auferlegten Sanktionen schwächen den Betrieb des Handy-Herstellers und gestalten die Zukunft schwammig. Eines steht dabei aber fest: Vor allem die Kunden werden mit offenen Fragen zurückgelassen.

Das Embargo und die Sanktionen, die die USA dem chinesischen Hersteller Huawei auferlegen, wirken sich nicht nur auf Seiten des Handels aus. Vor allem Kunden sind gebeutelt und stehen mit Fragezeichen im Gesicht vor Huawei-Smartphones. Denn der Streit hat auch zur Folge, dass Smartphones von Huawei teilweise zu Schleuderpreisen angeboten werden. Die daraus resultierende Frage ist zwangsläufig: Lohnt es sich noch, ein Huawei-Handy zu kaufen oder nicht?

Wie sieht die Lage aktuell aus?

Die America-First-Politik und die „Angst“, die nationale Sicherheit durch die Zusammenarbeit mit Huawei zu gefährden, heben den Handelsstreit zwischen den USA und dem chinesischen Hersteller Huawei in neue Dimensionen. Was mit Spionage-Vorwürfen begann, hat seinen Höhepunkt in einem Boykott Huawei’scher Produkte gefunden. US-Präsident Donald Trump forcierte die Sanktionen, indem er US-Firmen Lizenzen auferlegt, sofern sie mit Huawei zusammenarbeiten wollen. Diese Lizenzen müssen von der Regierung abgesegnet werden, was in Anbetracht der Spionage-Vorwürfe jedoch unwahrscheinlich ist.

Dadurch haben US-Unternehmen wie Google oder auch der Chip-Hersteller ARM die Zusammenarbeit mit Huawei aufgekündigt. Allerdings bot man Huawei eine 90-tägige Schonfrist, die noch bis zum 19. August gilt. Innerhalb dieses Zeitraums können sowohl Huawei als auch US-Firmen die Geschäftsbeziehungen fortsetzen beziehungsweise an einer Lösung für nach Ablauf der Frist arbeiten. Dank der Schonfrist kann Huawei beispielsweise noch Android-Updates für verschiedenste Smartphones wie dem Huawei P Smart und P20 Lite im Akkord ausrollen.

Huawei-Sanktionen: So geht es weiter

Die Auflagen für Huawei werden sich in den USA mit Ablauf der Frist wahrscheinlich verschärfen. Nichtsdestotrotz steht jetzt schon fest, dass Smartphone-Einheiten, die bis dato noch nicht die Produktionshallen von Huawei verlassen haben, am meisten von den Sanktionen betroffen sind. Das heißt konkret, die Zukunft des Mate 30 Pro beispielsweise ist bislang noch unklar. Sie werden dann nicht mehr mit vorinstallierten Google-Apps wie Google Maps oder Gmail versehen sein. Solche Apps müssten Nutzer sich dann von anderen Anbietern installieren.

Anders sieht es bei Huawei-Smartphones aus, die man bereits nutzt, die man kürzlich gekauft hat oder die sich noch im Handel befinden. Die sogenannten „Bestands-Smartphones“ funktionieren auch in Zukunft mit Android. Sie sollen weiterhin in vollem Umfang Updates erhalten und somit auch regelmäßige Sicherheitspatches. Der Zugang zum Play Store wird ebenfalls weiterhin gegeben sein. Ob auch noch das Update auf Android Q kommt, ist indes unklar. Gänzlich ausgeschlossen ist es nicht.

Android möglicherweise weiterhin an Bord?

Trotz Lizenzen und Sanktionen: Android könnte weiterhin auf Huawei-Handys laufen. Der Unterschied bei kommenden Handys wäre dann, dass der chinesische Hersteller nicht mehr das Gesamtpaket erwirbt, sondern salopp gesagt nur noch die Grundversion. Das heißt, dass mindestens das Google-App-Paket wegfällt. Außerdem bekommt Huawei vorab keinen Zugang mehr zu neuen Versionen von Android, sodass sich die System-Aktualisierungen spürbar nach hinten verschieben.

Mittlerweile hat Google eine Ausnahme von der US-Regierung gefordert und verlangt, dass man die Regeln auch nach der Schonfrist lockert oder eine gänzliche Ausnahme bei den Geschäftsbeziehungen zwischen Huawei und Google macht. Der Grund: Man befürchtet, dass Huaweis Betriebssystem wegen etwaiger Software-Fehler deutlich unsicherer sein könnte. Das wirke sich letztlich auch auf die Sicherheit der Nutzer aus.

Huawei mit eigenem Betriebssystem?

Huawei arbeitet wohl an einem eigenen Betriebssystem, das auf den Namen Ark OS hört. Problematisch ist hier, dass man nicht weiß, wie gut das System bei seinem Marktstart funktionieren wird und welche Spezifikationen es bietet. Zudem soll es erst Anfang 2020 global auf den Markt kommen. Da man die enge Verzahnung von Google-Diensten mittlerweile gewöhnt ist, bleibt abzuwarten, wie sich die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Drittanbieter-Apps gestaltet. Möglich ist, dass Huawei eine Android-Kompatibilität integriert, sodass man auch weiterhin zum Beispiel Google-Apps nutzen könnte. Offizielle Aussagen oder Details gibt es bis dato von Huawei aber noch nicht.

Huawei Handy kaufen, ja oder nein?

Huawei-Smartphones werden durch die Sanktionen teilweise zu echten Schleuderpreisen angeboten. Verbraucher kommen so in Versuchung, schnell zuzuschlagen und sich ein Gerät des chinesischen Herstellers zuzulegen. Doch kann man ein Huawei Handy noch kaufen?

Vorab: Man kann unmöglich vorhersehen, wie sich der Handelsstreit zwischen den USA und Huawei weiterentwickelt, auswirkt oder wie er endet. Dennoch: Möchte man sich zeitnah ein Handy von Huawei kaufen, sollte man mit vergleichsweise wenig Probleme rechnen. Sicherheitsupdates, der volle Funktionsumfang von Google-Apps sowie der Zugriff auf den Play Store sind versprochen. Das jetzt gekaufte Huawei-Smartphone wird also mit Ablauf der Schonfrist im August also nicht direkt unbrauchbar.

Anders sieht es eben bei jenen Modellen aus, die erst nach August auf den Markt kommen. Für sind bislang keine Updates sicher, ebenso wenig wie die Nutzung von gängigen Apps. Kurzum: Ihre Zukunft liegt schlichtweg noch im Ungewissen.

Interessenten kann also nicht pauschal von einem Kauf eines Huawei-Handys abgeraten werden. Allerdings kann man die Entwicklungen aufmerksam beobachten oder auch abwarten. Es gibt beinahe täglich neue Meldungen, die den Streit zwischen den USA und Huawei beleuchten. Im Zweifelsfall sollten Käufer sich letztlich über mögliche Problematiken bewusst sein.

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  • Huawei P30 Topnewsbild: Simone Warnke/inside handy

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Simone Warnke
Simone liebt Technik und kann sich heute immer noch für ein Smartphone mit mechanischer QWERTZ-Tastatur begeistern. Wenn sie nicht gerade mit David vor der Kamera steht, im Schnittraum sitzt oder Handys miteinander vergleicht, studiert die gebürtige Aachenerin in Bonn Komparatistik - und vergleicht Bücher. Neben ihrer Leidenschaft für Literatur ist Simone ein Bonvivant. Reicht man ihr leckeren Wein und ein paar Tapas, kann man ihr hin und wieder ein paar Sätze auf Spanisch entlocken. Sollte Simone jemand oder etwas auf die Palme bringen - was in etwa einmal pro Dekade passiert - bleibt sie nur kurz oben sitzen. Und lächelt dabei auch schon wieder.

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6 KOMMENTARE

  1. Dass Trump gegen Huawei ist, spricht für Huawei-Handys. Die USA-Smartphones sind eben nicht mehr konkurrenzfähig!

  2. Wann fällt den Chinesen auf, das sie ein weit mächtigeres Druckmittel in der Hand haben, das Trump und der MAGA das Genick brechen kann… Steht hinten auf jedem IPhone.. was bedeutet das Trump allenfalls n Blackberry hat…

    Assembled in China….

  3. Wie schon gesagt wurde kann China trump mindestens das Leben genauso schwer machen. Wenn sie keine i phone mehr bauen schaut der ami(trump) ganz dumm aus der Wäsche!
    China ist noch ganz ruhig aber Reize den Drachen nicht denn er hat mehr in der Hand dem Ami den Hahn ab zu drehen… Trump fang besser an nach zu denken bevor China euch nichts mehr baut das sind nicht nur Telephone sie bauen den meisten Kram den ein amerikanischer Haushalt hat! LG Pi

  4. Mal ehrlich, jeder der weiter als im die nächste Ecke denkt, weiß das dieser Krieg von trump nicht gewonnen werden kann und es auch nicht um Spionage geht. Und zweitens Google spioniert doch eh alles aus. Die NSA hat doch auch vollen Zugriff auf Google und IOS, nur für die Apple fan Boys. Dann lieber bei huawai mit eigenem Betriebssystem als die Amis bei ihrem ego trip zu unterstützen und die Unsicherheit wie es als nächstes weiter geht.

  5. Wisst ihr was? Ich sag besser nichts, hab kein Ahnung von dem Ganzen. Hey aber danke für den hilfreichen Artikel und die tollen Kommis darunter, hat mir sehr geholfen!
    Lg Elav

  6. Wird durch solch eine Blacklist auch die Möglichkeit eingeschränkt Custom Roms und die Open Gapps zu installieren? Es kann ja nicht verhindert werden, was der Privatnutzer sich dann auf sein Gerät installiert?

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