Interview Benjaming Grimm von der freenet AG Das 5G-Gespräch: So könnte der Mobilfunkvertrag der Zukunft aussehen

vom 15.09.2018, 14:43
freenet-Netze-Leiter Benjamin Grimm im Interview über 5G, Mobilfunk und Verträge
Bildquelle: freenet AG, Pixabay, Pixabay

5G war ein wichtiges und großes Thema auf der IFA 2018 in Berlin. Im Gespräch mit Benjamin Grimm, Leiter Netze und Angebote bei freenet, ging es um den Mobilfunkvertrag der Zukunft, die Problematik bei garantierten Mindestbandbreiten und um Zero-Rating-Angebote. Das Gespräch führten Thorsten Neuhetzki und Michael Stupp.

inside handy: Herr Grimm, Wann wird 5G für den privaten Nutzer relevant?

Benjamin Grimm: Bis wir 5G wirklich breit im Konsumentenbereich sehen werden, haben wir sicherlich 2023 und später. Die Netze werden Stück für Stück auf- und ausgebaut werden. Das läuft nicht wie bei der Einführung des Farbfernsehens, dass jemand 2020 den Hebel umlegt und dann haben wir überall 5G. In den aktuellen Diskussionen zu 5G wurde das nicht deutlich.

inside handy: Wie sieht denn ein 5G-Mobilfunkvertrag aus? Alle "Unlimited" oder wie aktuell, ein paar Gigabyte bis zur Drosselung?

Grimm: Dass "Unlimited-Tarife" und 5G zwingend zusammenhängen, glaube ich nicht unbedingt. Tatsache ist, dass die 4G-Netze aktuell nicht voll ausgelastet sind. Umgekehrt hat aber der eine oder andere Netzbetreiber möglicherweise die Sorge, dass, wenn alle unbegrenzt surfen können, es in der Netzkapazität eng werden könnte. Und zu stark Investieren möchte man in 4G vermutlich auch nicht mehr, wenn 5G schon vor der Türe steht. “Unlimited”-Verträge können sich aber auch über andere Faktoren voneinander unterscheiden.

"Garantierte Bandbreiten statt Maximalbandbreiten"

inside handy: Welche Modelle sind hier konkret denkbar und wo liegen die Unterschiede?

Grimm: Wenn Sie zum Beispiel in die Schweiz schauen, stellen Sie fest: Dort gibt es seit geraumer Zeit "Unlimited"-Tarife, die sich über die Geschwindigkeit abstufen lassen. Es gibt beispielsweise "Unlimited" mit 20 Mbit/s bis "Unlimited" mit maximaler Geschwindigkeit - zum Beispiel 500 Mbit/s - dazwischen dann von S, M, L bis XL diverse Varianten mit unterschiedlichen Bandbreiten.

Wenn wir das auf 5G beziehen, denke ich: Ja, das wäre ein Thema. Und dann gibt es vielleicht den Discount-Tarif mit der nach "best effort" vor Ort verfügbaren Bandbreite, die die im Vertrag bekundete Maximalgeschwindigkeit nicht überschreitet.

inside handy: Und im "Premium-Bereich"?

Grimm: Hier gibt es dann den "Platin-Tarif", der weiterhin 200 Euro im Monat kostet, dann aber eine garantierte Bandbreite hat. Heute gibt es in den Tarifen eine Maximalbandbreite, aber keine garantierte.

Der Kunde hätte dann beispielsweise 500 Mbit/s Maximalbandbreite und davon 100 Mbit/s garantiert. Solche Modelle sind in anderen Industrien längst üblich.

inside handy: Aber dann wird es doch schwierig, wenn 10 von diesen Kunden auf einmal in einer Funkzelle eingeloggt sind?

Grimm: Dafür muss das Netz dann entsprechend ausgebaut sein. Und natürlich muss durchgerechnet werden, wie teuer so ein Tarif sein muss, damit diese Leistung auch wirtschaftlich erbracht werden kann. Dabei ist es wichtig, dass 5G durch Wettbewerb schnell eine hohe Marktdurchdringung erreicht: Wenn 5G eine Exoten-Technologie für einige wenige bleibt, wird auch niemand für wenige Nutzer einen entsprechenden Mast im Bayerischen Wald aufstellen.

inside handy: Sind solche Tarife in Deutschland zulässig und entsprechen der Netzneutralität?

Grimm: Ja, da kein Dienst dadurch ungleich behandelt wird. Sicherlich müssen auch juristische Aspekte wie die Netzneutralität bei der Ausgestaltung berücksichtigt werden. Die netzseitige Komprimierung von Videodiensten könnte ebenso wie das Thema Roaming eine Rolle spielen. Das wird ja aktuell diskutiert, Stichwort: Telekom StreamOn oder Vodafone GigaPass.

"StreamOn ist eine kleine Mobilfunk-Innovation"

inside handy: Sie sehen also kein Problem in diesen Zero-Rating-Dienstangeboten der Netzbetreiber, so wie es die Bundesnetzagentur tut?

Grimm: Per se haben wir damit keine Probleme. Wir haben selbst auch Dienste, wie zum Beispiel waipu.tv, die schnell und ohne unverhältnismäßige Anforderungen Anschluss finden. Aus unserer Sicht wirkt es so, dass auch kleine und, beziehungsweise oder, ausländische Anbieter es relativ einfach schaffen können, die angebotenen Schnittstellen zu bedienen und Partner zu werden. StreamOn-Partner zu werden kostet kein Geld, es gibt keine Mindestabnahme. Die Hürden für die Anbieter halten sich also in Grenzen.

inside handy: Aber es geht nicht nur um den Einstieg, sondern auch um die Nutzung im Roaming.

Grimm: Telekom und Vodafone sagen hier verständlicherweise: Es ist ein nationales Angebot, das ich dem Kunden on Top anbiete und für das der Kunde auch nicht extra zahlt. Wenn diese Angebote nun automatisch Standard-Roaming-Dienste wären, wären die Kosten unkalkulierbar und StreamOn und GigaPass würden womöglich nicht mehr angeboten.

Und das wäre schade, denn es ist schon eine kleine Innovation: Man kriegt zu dem in Deutschland eher geringen Datenvolumen eine Ergänzung, die für den Kunden unter Umständen viel Extra-Volumen ohne weitere Kosten bedeutet. Und das aus Regulierungsgründen aufs Spiel zu setzen, halte ich grundsätzlich für falsch.

inside handy: Und was wünschen Sie sich in dieser Hinsicht?

Grimm: Vorrangig Rechtssicherheit. Auch wir bieten bei freenet Tarife mit StreamOn-Option an und sind deshalb auch von der Bundesnetzagentur kontaktiert worden.

inside handy: Könnten Sie denn überhaupt eine Lösung anbieten?

Grimm: Technisch können wir als Diensteanbieter das nicht selbst lösen. Wir müssen also eine Einigung zwischen Telekom, Vodafone und dem regulierenden Gegenpart abwarten. Es wäre aus meiner Sicht aber ein falsches Signal, wenn die Roaming-Regulierung uneingeschränkt angewendet werden würde. Das könnte auch nachhaltig zur Eintrittsbarriere für alles werden, was an Innovation neu in den Markt kommen könnte.

inside handy: Vielen Dank für das Gespräch!



Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Michael Stupp
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Themen dieser News: Mobilfunk-News, Mobiles Internet, Mobilfunk-Discounter, Mobilfunktechnik

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