MirrorLink und die Verschmelzung von Auto und Smartphone

8 Minuten
MirrorLink
Bildquelle: VW
Kassettenradios, Discman und CD-Wechsler waren gestern: Mittlerweile dominieren multimediale Alleskönner die Armaturenbretter und Smartphones halten Einzug ins Auto. Die bekannten Möglichkeiten, um das Handy mit dem Cockpit zu verbinden, sind MirrorLink und Android-Auto sowie Apples CarPlay. Was dahintersteckt und welche Schwächen die Systeme haben, verrät inside-handy.de.

MirrorLink Übersicht

Der Standard MirrorLink wird von einem Konsortium (Car Connectivity Consortium, kurz: CCC) aus Auto-, Smartphone, Infotainment- und Peripheriegeräte-Herstellern gesetzt und baut grundsätzlich auf das Internet-Protokoll (IP). Damit lassen sich verschiedene Geräte und Software-Plattformen recht einfach miteinander verbinden.

Während noch vor wenigen Jahren ein Autotelefon gerade im Business-Bereich zur Ausstattung eines Autos dazu gehörte, übernimmt nun das Smartphone einige der Funktionen. So können das Smartphone und das Entertainment-Paket des Wagens per USB-Kabel via Plug and Play verbunden werden. Mirrorlink stellt dabei sicher, dass sich Android-Geräte für die erweiterten Funktionen des Autos nutzen lassen.

Google hat mit Android Auto einen Standard gesetzt, der in MirrorLink-Umgebungen immer verbreiteter wird. Apple kontert hier und hat mit seinem CarPlay ein Konkurrenz-Produkt in petto. Beiden gemein ist die Verschmelzung der Smartphone- und Auto-Funktionen solange die beiden verbunden sind. Darunter fallen beispielsweise die jeweilig hauseigenen Navigations-Apps Googles Maps und auch Apple Maps, aber auch die Fremdhersteller von Apps zur Orientierung wie Navigon, TomTom, Waze oder das in den Besitz der deutschen Autohersteller Audi, BMW und Mercedes Benz übergegangene Here, das grundsätzlich vom Handy-Pionier Nokia stammt. 

MirrorLink
Bildquelle: Google Play Store

Screenshots der Peugeot-App MyPeugeot.

Mehr als nur Musik-Streaming

Mirrorlink-App VW Spritspartrainer

Bildquelle: VW

Eine der Hauptaufgaben der Schnittstelle Mirrorlink umfasst die multimediale Unterhaltung der Fahrgäste über das bordeigene Audio- und Videosystem. Audio-Apps wie beispielsweise Apple Music oder Google Play Music bringen die Streaming-Inhalte und auch die eigene Audio-Mediathek des Handys über die Anlage zum Nutzer.

Neben der Steuerung des Infotainments im Auto ermöglicht MirrorLink je nach Ausstattung des Entertainment-Systems die Einbindung von hauseigenen und fremden Apps in die Darstellung des Radio- oder Navigations-Bildschirms. Beispiele für Applikationen direkt von KFZ-Herstellern finden sich im Googles Play Store en masse. So hält Volkswagen beispielsweise einen Spritspar-Trainer namens “Think Blue” oder auch die Fernbedienungs-App “Media Control” bereit.

Doch es geht auch anders herum: So können Apps die Daten des Bordcomputers (Verbrauch, Geschwindigkeit) auf dem Smartphone verarbeiten oder auch am Fahrzeug befindliche Ausstattung nutzen. So kann über MirrorLink die Antenne des Autos dazu genutzt werden, den Empfang des Smartphones zu verbessern.

Bei allen Funktionen stellt MirrorLink sicher, dass die Steuerung über das Radio, den Touchscreen oder auch über die Lenkradfernbedienung des Wagens geschieht. Damit kann das Smartphone in der Mittelkonsole liegen bleiben und der Fahrer sich auf den Verkehr konzentrieren.

Voraussetzungen für Mirrorlink

Die generellen Fähigkeiten von MirrorLink sind recht umfangreich, jedoch können die Möglichkeiten auch recht schnell von der vorhandenen Ausstattung des Fahrzeugs oder des Smartphones eingedampft werden. Für eine vollständige Ausschöpfung aller Funktionen bedarf es bei einigen Fahrzeugherstellern eines Griffs ins oberste Entertainment-Regal. Der kann allerdings dem Kunden verwehrt bleiben, da manche Ausstattungsvarianten nur in Modellen der Mittel- oder Oberklasse angeboten werden. Mittlerweile finden sich solche Systeme aber auch schon in der Einsteigerklasse wieder.

Solche Einschränkungen sind bisher noch Standard und auch die Smartphone-Hersteller verfügen noch nicht über ein breites Angebot an Hardware. Gerade ältere Modelle oder solche aus dem unteren Preissegment sind oftmals nicht mit einer MirrorLink-Funktion zu haben.

Car Connectivity Consortium (CCC)

Zu den wohl bekanntesten Mitgliedern des CCC gehören unter anderem die deutschen Autobauer BMW, Mercedes und VW. Dazu sind fast alle der großen KFZ-Hersteller weltweit vertreten. Jüngstes Mitglied ist derzeit Peugeot Citroen (PSA). Die Franzosen haben sich im März 2016 der Kooperation angeschlossen.

Automobilhersteller im CCC

  • Fiat
  • Mercedes Benz
  • Volkswagen
  • Seat
  • Toyota
  • Mazda
  • Hyundai
  • Honda
  • PSA (Peugeot, Citroen)
  • General Motors (Chevrolet, Cadillac)
  • KIA
  • Skoda
  • Citroen

Auch die Smartphone-Hersteller lassen sich nicht lumpen und gehören reihum zu den Förderern von Mirrorlink. Die aktuellen Smartphones – zumindest im Spitzenbereich – sind von den Herstellern bereits mit MirrorLink ausgestattet: So gehören das Huawei P10 und die letztjährige A-Reihe von Samsung zu den MirrorLink-fähigen Smartphones.

Smartphone-Hersteller im CCC

  • HTC
  • Huawei
  • LG
  • Samsung
  • Sony

Apple CarPlay

Das Pendant zu MirrorLink von Apple ist CarPlay und der iPhone-Erfinder geht damit wie so oft einen weniger offenen und eigenen Weg. Einige Autohersteller haben schon darauf reagiert und statten ihre Fahrzeuge mit beiden Systemen aus. Der Funktionsumfang von Apples CarPlay ist vergleichbar zu dem von MirrorLink. Nach dem Verbinden des iPhones mit einem USB-Eingang des Autos übernimmt Siri teilweise Funktionen und der Nutzer kann über das Smartphone, die Lenkradfernbedienung oder den Auto-eigenen Tochscreen Medieninhalte, die Navigation über das Smartphone oder auch Telefonate steuern. So können Anrufe über einen Tipp auf den Touchscreen des Autos angenommen und über die App Karten navigiert werden. Für Entertainment sorgen auch Drittanbieter-Apps, die CarPlay unterstützen. So können Hörbücher über Audiobooks.com oder die App Audible sowie Musik über die Streaming-App Spotify gehört werden.

Apple-Nutzer benötigen für die Nutzung von CarPlay mindestens iOS 7.1 oder höher, die Aktivierung von Siri und eines der folgenden iPhone-Modelle:

Apples CarPlay wird von einer großen Anzahl von deutschen, wie auch japanischen, französischen und auch amerikanischen Autoherstellern angeboten. Die komplette Modellliste finden interessierte Nutzer unter Apple.com. Hier eine Auswahl der Anbieter in Deutschland: 

  • Volkswagen, Seat, Skoda, Porsche, Audi (2017er Modelle)
  • BMW (2017er Modelle)
  • Peugeot, Citroen, DS Automobiles
  • Mercedes Benz
  • Opel, Mitsubishi, Suzuki, Volvo, Ford (2017er Escape), Kia, Hyundai und Honda
  • Chevrolet
  • Honda
  • Hyundai
  • KIA
  • Opel
  • Volvo

Preise und Verfügbarkeit

MirrorLink mag in den aktuellen Topmodellen des Smartphone-Marktes schon integriert und deshalb gefühlt als kostenloses Gimmick mit gekauft worden sein, jedoch bleibt es nicht bei der zum Teil schon recht wuchtigen Investition von beispielsweise einem Galaxy S8, das mittlerweile deutlich im Preis gesunken ist.

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Wer in den Genuss eines gespiegelten Smartphone-Displays im Auto kommen will, und über die wagenseitigen Steuerelemente auf sein Telefon zugreifen möchte, muss auch bei der Ausstattung des Autos einen Regalboden höher greifen als bei der Grundausstattung. Das ist allerdings mittlerweile auch in der Einsteigerklasse möglich: Ob Opel Adam, Volkswagen Fox oder auch Seat Ibiza, die Schwelle seitens der Autohersteller wird immer niedriger. Bei den Smartphone-Herstellern dagegen sträuben sich noch einige Unternehmen, die Auto-Konnektion auch in ihre Mittel- oder Einsteigerklasse zu verbauen. HTC und Samsung sind hier Vorreiter: Teile der Desire-Linie und auch die Galaxy-A-Klasse sind mit MirrorLink ausgestattet. Wie vergleichsweise günstig MirrorLink, in diesem Fall zusammen mit Android Auto in einem Vehikel angewendet werden kann, zeigt die folgende Beispielrechnung:

Mit diesen Kombinationen können die Funktionalität von MirrorLink oder Apples CarPlay für gut 600 beziehungsweise knapp 630 Euro genossen werden.

Android Auto und CarPlay nachrüsten

Nutzer älterer Autos oder PKW ohne native Unterstützung der Konnektionsstandards können sich im Zubehörhandel bedienen. Car-HiFi-Ausstatter wie Pioneer, Alpine oder JVC bieten Lösungen oft im Doppel-DIN-Format an, die ebenfalls mit großen Displays und damit Touch-Steuerung aufwarten. Für die Spitzenmodelle werden hier allerdings 600 Euro und mehr aufgerufen. Es geht allerdings günstiger. Einsteigermodelle mit großem Display gibt es auch schon für unter 300 Euro.

Hierbei muss allerdings noch beachtet werden, dass solche Systeme oft einen größeren Eingriff in das Entertainment-System und die Elektrik des Autos darstellen und nicht von unbedarfter Hand eingebaut werden können. Somit ist ein Einbau in einer Fachwerkstattt oder vom Händler selbst zu empfehlen, was das Nachrüsten zu einem teuren Spaß werden lassen kann.  

Fazit

MirrorLink und Apple CarPlay stellen sich aktuell als noch recht teurer Spaß heraus, der allerdings mittlerweile bei den Smartphones in die Mittelklasse und bei den Autoherstellern in die Einsteigerklasse Einzug gehalten hat. Mit der Weiterentwicklung und mit einem größeren Angebot von Apps wird die Technologie voraussichtlich in Zukunft noch erschwinglicher und wohl auch vielseitiger.

Die Möglichkeit, mit den Auto-eigenen Steuerelementen auf das Smartphone zuzugreifen und die Befehle auch im Display des Wagens verfolgen zu können, ist sicherheitstechnisch ein Fortschritt, jedoch muss gerade ohne ein Head-Up-Display trotzdem der Blick in die Mittelkonsole und weg von der Straße führen. Dazu kommt die erhöhte Variabilität der angezeigten Inhalte, die eine höhere Aufmerksamkeit vom Fahrer fordert.

Pro

  • Weniger Ablenkung vom Straßenverkehr
  • Apps können einen Mehrwert beinhalten

Contra

  • Noch recht teuer
  • Noch recht wenige Apps

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