Samsung Galaxy Note 9 im Test: Besser geht’s nicht

20 Minuten
Samsung Galaxy Note 9
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside handy

Ist das Galaxy Note 9 das letzte Smartphone seiner Art? Dieses Gerücht sorgte vor Kurzem für Aufsehen. Samsungs Smartphone-Chef DJ Koh aber zerstreute es bei der Präsentation des Note 9. „In naher Zukunft wird sich nichts am Start der S-Serie in der ersten Hälfte und der Note-Serie in der zweiten Hälfte des Jahres ändern”, sagte Koh. Dem Galaxy Note 10 dürfe also nichts im Wege stehen.

Doch zunächst einen Schritt zurück, geht es doch hier um das aktuelle Modell. War Samsung nach dem Galaxy-Note-7-Debakel beim Note 8 noch sehr zurückhaltend was etwa den Akku angeht, baut der südkoreanische Hersteller im Note 9 einen Energieträger mit der bis dato höchsten Kapazität in dieser Klasse ein. Zumindest wenn es um die eigene Modellreihe geht, denn das Huawei Mate 10 Pro beispielsweise hat ebenfalls einen 4.000-mAh-Akku an Bord.

Ein etwas schnellerer Prozessor, ein etwas größeres Display und ein deutlich größerer Akku: Das sind nur drei Eigenschaften, die sich gegenüber dem Galaxy Note 8 verbessert haben. Einer der größten Unterschiede ist jedoch der Stift, von Samsung S-Pen genannt. Die Koreaner haben ihn im Galaxy Note 9 nämlich etwas smarter gemacht. Wie? Sie haben Bluetooth integriert. Und einen Akku. Doch dazu später mehr. Wer sich die technische Ausstattung im Detail ansehen möchte, kann das in der folgenden Tabelle machen:

Galaxy Note 9 – Die technischen Daten

 Samsung Galaxy Note 9
 
Quelle: Samsung
Display6.4 Zoll, 1.440 x 2.960 Pixel
Betriebssystem-VersionAndroid 8.1 Oreo
ProzessorSamsung Exynos 9810
Octa-Core 2,7 GHz
RAM6 / 8 GB
interner Speicher128 / 512 GB
MicroSDja (512 GB)
Kamera vorne/hinten8 Megapixel /
12 + 12 Megapixel (Dual Kamera)
Fingerabdruckscannerja
Akku4.000 mAh
USB-PortUSB 3.1 Typ-C
IP-ZertifizierungIP68 (Schutz vor Untertauchen)
Abmessungen (in mm)161,9 x 76,4 x 8,8
FarbenSchwarz, Braun, Blau, Violett
Einführungspreis999 EUR
Marktstart24.08.2018

Betrachtet man das Galaxy Note 9 von vorne, wird man kaum Unterschiede gegenüber dem Vorgängermodell feststellen. Der Größenunterschied von 0,1 Zoll ist so marginal, dass er nicht ins Gewicht fällt. Apropos Gewicht: Auch hier sind es lediglich sechs Gramm, die das Galaxy Note 9 mehr auf die Waage bringt. Mit 8,8 Millimetern ist es aber auch um 0,2 Millimeter dicker geworden – was wohl auch am größeren Akku liegt. Hand angelegt hat Samsung aber beim Übergang zur Rückseite. Der Aluminium-Rahmen ist nicht mehr ganz so rund wie noch beim Vorgänger. Er ist kantiger geworden, maskuliner, markanter. Das stellt man spätestens dann fest, wenn man das Business-Smartphone in die Hand nimmt und es mit ebendieser umschließt. Und wie bei der Note-Serie üblich: Für kleine Hände ist das Galaxy Note 9 nicht geschaffen.

Design und Verarbeitung des Galaxy Note 9

Auf der Rückseite geht es weiter mit den Neuerungen. Befand sich beim Galaxy Note 8 der Fingerabdrucksensor noch rechts neben der Kamera, wandert er beim Galaxy Note 9 unter das Kameramodul. Dieses Manko behob Samsung bereits beim Galaxy S9 und S9+. Möchte man das Smartphone per Zeigefinger entsperren, ertastet dieser eine Vertiefung, in der sich der biometrische Sensor befindet. Rutscht man zu hoch, wird eine klare Kante fühlbar, die dem Nutzer sagt: Stopp, gleich befingerst du das Abdeckglas der Kamera.

Darüber hinaus hat sich Samsung beim S-Pen ins Zeug gelegt. Bei der blauen Version des Galaxy Note 9 zieht der Nutzer einen Gold-gelben Stift aus dem Schacht – ein wahrer Blickfang. Die schwarze Variante hingegen beheimatet einen pechschwarzen S-Pen.

Verarbeitung

Das Galaxy Note 9 ist so stabil wie ein knapp zehn Millimeter dickes Stück Stahl – könnte man meinen. Denn bei Beanspruchung auf Biegung oder Torsion passiert nichts. Ebenso wäre es eine Farce, wenn man dem 1.000-Euro-Smartphone ein Knarzen entlocken könnte. Die Verarbeitung ist demnach auf allerhöchstem Niveau. Erratisch fallen ein paar Unstimmigkeiten auf. So haben das Kameramodul und der darunter liegende Fingerabdrucksensor zwar dieselbe Form, jedoch lugt ersteres etwas unschön aus dem Gehäuse hervor. Zwar ist das beim iPhone X oder dem Huawei P20 Pro noch auffälliger. Allerdings hat Samsung das Note 9 gegenüber dem Vorgängermodell bereits einen µ dicker gemacht. Mit noch einmal 0,3 Millimeter mehr hatte die Kamera bündig mit dem Gehäuse abgeschlossen. Das ist aber bereits Nörgeln auf hohem Niveau. Wer das Note 9 ohnehin mit einer Schutzhülle umwickelt, muss sich darüber keine Gedanken machen.

Auffälliger sind da schon die Knöpfe rechts und links vom Display. Sie sind bei der Bedienung zwar gut im Rahmen zu ertasten, wirken dadurch aber auch etwas scharfkantig. Wenn man aber auch hier der Kritik widerspricht, bekommt man ein tadellos verarbeitetes Smartphone. Zudem punktet Samsung mit einem üppigen Lieferumfang. Neben Standardkost wie einem Netzteil samt Datenkabel gibt es zwei Adapter (USB-C auf USB-B und USB-C auf USB), zwei weitere Stiftspitzen inklusive Werkzeug für den S-Pen und drei Silikonaufsätze in unterschiedlichen Größen für die beiliegenden AKG-Kopfhörer.

Zwar gibt beim Designs Abzüge hinsichtlich Innovationen und der Haptik – Glas ist nachwievor nicht der beste Werkstoff für Smartphone-Gehäuse – jedoch macht der umfangreiche Lieferumfang Boden gut. Mit Adaptern und Werkzeug das nicht selbstverständlich ist, geht Samsung weit über den Standard hinaus.

Einzelwertung: 5 von 5 Sternen

Das Display des Galaxy Note 9

Mit 6,4 Zoll in der Diagonalen ist das Super-AMOLED-Display des Galaxy Note 9 nur 0,1 Zoll größer als das des Galaxy Note 8. Die Auflösung indes bleibt bei WQHD+. In Kombination sinkt also die Pixeldichte von 522 auf 514 ppi, was jedoch keinerlei Auswirkung auf die Brillanz des Bildschirms hat. Hinsichtlich der automatischen Helligkeitsregelung reagiert das Galaxy Note 9 ein bisschen träge, wenn man sich aus einer hellen in eine dunkle Umgebung bewegt. Andersherum ist die Reaktion deutlich flotter. Zudem lässt sich das Display sehr dunkel einstellen, sodass man auch noch nachts im Bett E-Mails an Geschäftspartner verschicken kann, ohne dass es den Schlafrhythmus des Ehepartners oder der Geliebten stört.

Bei der Display-Technologie fällt die Entscheidung – wie bei Samsung üblich – zugunsten eines Super-AMOLED-Panels. Als Schutz vor Kratzern belegt der Smartphone-Hersteller den Bildschirm mit einer Schicht Gorilla Glass 5.

→ Was bedeutet eigentlich AMOLED?

Bei der Blickwinkelstabilität gibt es nichts auszusetzen. Das Display büßt kaum an Strahlkraft ein. Jedoch wird es etwas bläulich, wenn man das Smartphone neigt. Hinzu kommt eine Kontrasterhöhung, die in Abhängigkeit von der Helligkeitsregelung hinzugeschaltet wird. Das passiert, wenn die Displayhelligkeit ihr Maximum erreicht.

Testsiegel Samsung Galaxy Note 9

Was Farben, Kontraste sowie Weiß- und Schwarzwerte betrifft gibt es nichts zu meckern. Einzig die abermals abgerundeten Display-Kanten sind dem einen oder anderen Nutzer ein Dorn im Auge. Vor allem dann, wenn man mit dem Stift Interaktionen am Rand ausführen möchte. Auf eine Notch verzichtet Samsung beim Galaxy Note 9 und geht diesen unbegründeten Trend nicht mit.

Display-Einstellungen

Von Standards wie der automatischen Helligkeit und dem Blaufilter, der ab einer bestimmten Uhrzeit die Farbtemperatur des Display wärmer reguliert, über farborinetierte Bildschirmmodi bis hin zur einstellbaren Bildschirmauflösung, die übrigens als Werkseinstellung auf Full-HD+ (1.080 x 2.220 Pixel) eingestellt ist: Das Galaxy Note 9 bietet seinem Nutzer zahlreiche Möglichkeiten, den Bildschirm seinen Sehgewohnheiten anzupassen. Wer dabei jedoch überfordert ist, lässt alles so, wie es ist. Samsung hat nämlich eine ausgewogene Kalibrierung getroffen.

Volle Punktzahl. Das Display des Galaxy Note 9 ist derzeit unschlagbar.

Einzelwertung: 5 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Mit dem Samsung Exynos 9810, bis zu 8 GB Arbeitsspeicher und 512 GB Datendepot liefert das Galaxy Note 9 eine geballte Hardware-Kombination. Darüber hinaus lässt sich der Speicher per Micro-SD-Karte auf eine Gesamtkapazität von über 1 TB bringen. Doch kann diese Konfiguration, die im Quartett aktuell alle anderen schlagen würde, auch in der Praxis überzeugen?

Wenn es um die Geschwindigkeit geht, macht das Note 9 eine gute Figur. An keinem Punkt kommt es zu Verzögerungen oder Rucklern. Das bestätigt auch der Benchmark-Test von AnTuTu, in dem das S-Pen-Smartphone auf 246.735 Zähler kommt. Das ist zwar ordentlich, zur Spitzenposition fehlt dem Note 9 aber Einiges. Ganz oben thront derzeit das HTC U12+, das im Test von inside handy auf gut 270.000 Punkte kam. Ebenfalls vor dem Note 9: Das OnePlus 6 (269.000 Punkte) und das LG G7 ThinQ (262.000 Punkte). Selbst das Galaxy S9+ übertrumpft mit rund 249.000 Zählern das Note 9. Für den Test lag die etwas schwächere Variante mit 6 GB RAM und 128 GB internem Speicher vor. In einem weiteren Versuch mit der Note-9-Version samt 8 GB Arbeitsspeicher könnte der Wert noch einmal deutlich höher ausfallen.

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät Samsung Galaxy Note 9  246.735
 direkte Konkurrenten Huawei P20 205.561
Sony Xperia XZ2 258.397
Huawei Mate 10 Pro 212.419
ehemalige Spitzenmodelle Apple iPhone 7 172.705
Huawei P10 164.163
Samsung Galaxy Note 8 167.779
OnePlus 6 268.802
aktuelle Referenz LG G7 ThinQ 262.448
HTC U12+ 270.006

Hinsichtlich seiner Schnittstellen ist das Galaxy Note 9 bestens ausgestattet – auch wenn der eine oder andere Nutzer MHL oder DLNA vermissen dürfte. Ein LTE-Chip erlaubt Downloads mit bis zu 1,2 GBit/s (Cat. 18). Eine Geschwindigkeit, die hierzulande gegenwärtig von keinem Netz auch nur ansatzweise erreicht wird. Vodafone hat aber bereits erste Städte mit Mobilfunk-Basisstationen ausgestattet, die gigabitfähig sind.

Darüber hinaus unterstützt das Note 9 Bluetooth 5.0 und den parallelen Betrieb von zwei SIM-Karten. Aufgrund eines Hybrid-Slots muss der Nutzer bei Letzterem aber auf die Speichererweiterung verzichten. Zudem ist, entgegen dem Trend, weiterhin ein Klinkenanschluss vorhanden. Versenkt man das Smartphone unabsichtlich in der Latrine, ist es dank IP68-Zertifizierung kein Fall für den Reparatur-Service. Kurz mit Wasser abbrausen und schon sieht das Note 9 aus wie neu.

Als Geschäftsmann oder Geschäftsfrau telefoniert man sicherlich häufiger als üblich. Und wer Kunden oder Geschäftspartner anruft, wird sie – natürlich abhängig von Netz und Empfang – klar und deutlich verstehen. Auch im Auto als Freisprecher kann das Note 9 überzeugen.

Samsung Galaxy Note 9
HSPA
HSPA+
LTE (Up-max / Down-max Mbit/s) 225 / 1.200 MBits
USB-OTG
DLNA
NFC
Kabellose Display-Übertragung
MHL
Infrarot-Fernbedienung
Bluetooth-Version 5.0
WLAN-Standards IEEE 802.11 a/b/g/n/ac
Qi
Dual-SIM

Das Galaxy Note 9 liefert in dieser Kategorie überaus ordentlich ab. Zwar verliert es hier und da einen Prozentpunkt, insgesamt gelingt es dem Smartphone aber dank neuester Verbindungs-Standards und einer hervorragenden Hardware-Ausstattung die volle Punktzahl zu erreichen.

Einzelwertung: 5 von 5 Sternen

Kamera des Galaxy Note 9

Bei der Kamera-Ausstattung hat sich gegenüber dem Galaxy Note 8 zwar einiges verbessert, respektive geändert. Jedoch ist die Doppelkamera mit der des Galaxy S9+ identisch. Käufer bekommen also eine Kamera mit variabler Blende und eine mit langer Brennweite, die sich etwa für Porträtaufnahmen und Naheinstellungen eignet. Beide Kameramodule verfügen über eine optische Bildstabilisierung. Das ist insbesondere bei Dunkelheit oder dem Fotografieren mit langer Brennweite von Vorteil. Hier kommt es nämlich zu langen Belichtungszeiten, die beim Fotografieren aus der Hand schnell zu verwackelten Ergebnissen führen.

Während andere Hersteller die zweite Kamera eher stiefmütterlich behandeln und sie oft sogar nur aufgrund einer Aufwertung im Datenblatt in den Smartphone-Korpus einbauen, setzt Samsung auf ein zweites vollwertiges Objektiv mit leistungsstarkem Sensor. Zwar ist die Tele-Kamera mit einer Blende von f/2.4 auf den ersten Blick nicht besonders lichtstark, liefert aber vergleichbar gute Fotos wie die Hauptkamera. Entgegen der Annahme, das Smartphone würde beim Betätigen des virtuellen “x2”-Buttons auf die Tele-Brennweite umschalten, kommt diese nur in der Einstellung “Live-Fokus” zum Einsatz. Im Automatik- sowie im Pro-Modus wird lediglich digital gezoomt. Kommt man in die Versuchung im Live-Fokus zu fotografieren, darf man sich auf Bilder mit extrem unscharfen Hintergrund freuen. Einerseits. Andererseits wird die Unschärfe zwar mithilfe der Kamera mit Normal-Brennweite berechnet, jedoch auch mit viel Software. So kommt es des Öfteren vor, dass in den Schärferandbereichen ein scharfer Hintergrund zu sehen ist, der eigentlich nicht da sein dürfte, da die Schärfeebene eigentlich woanders liegt. Dieses Problem dürfe aber von keinem Smartphone-Hersteller so schnell gelöst werden – außer dieser verwendet einen deutlich größeren Sensor hinter der Linsengruppe.

Die Stärken der Kamera-Ausstattung des Galaxy Note 9 sind ein rasanter Autofokus, starke Farben, ein kolossaler Makromodus und die Variabilität durch die Blendenverstellung. Hiermit lässt sich mehr oder weniger Bokeh herausholen oder aber die Belichtungszeit runtersetzen. Die Naheinstellgrenze ist erfreulich kurz. Das kommt insbesondere bei Makros zur Geltung. Darüber hinaus sind Fotos auch bei Dunkelheit recht rauscharm und überzeugen mit einer enormen Schärfe. Die folgende Galerie liefert einige Beispiele aus der Praxis:

Samsung Galaxy Note 9 im Test: Fotos aufgenommen mit den Kameras des Smarttphones

Filmaufnahmen mit dem Galaxy Note 9

Für Videographen und Kameraleute gibt es gute Nachrichten: Die Reaktionszeiten bei Filmaufnahmen sind erfreulich kurz, ebenso wie die automatische Einstellung hinsichtlich von Belichtung und Schärfe. Zudem gelingen dank optischem Bildstabilisator ruhige Kamerafahrten auch ohne Schwebestativ oder Gimbal.

Hinzu kommt eine Superzeitlupe mit 960 Bildern pro Sekunde, die bei guten Lichtbedingungen beeindrucken kann. Hier gibt es jedoch auch Kritik: Samsung bringt den Slow-Mo-Modus lediglich in 720p während Konkurrent Sony in seinen Spitzenklasse-Modellen einen Sensor mit den gleichen Spezifikationen aber Full-HD-Auflösung verbaut. Trotzdem lassen sich beeindruckende Zeitlupen-Aufnahmen produzieren. Vor allem die Vorauswahl des Startbereiches kann gefallen: Man wählt einen Punkt im Bild aus und die Zeitlupenphase mit 960 Bildern pro Sekunde startet in dem Moment, in dem das Galaxy Note 9 eine Bewegung wahrnimmt. Dafür hat man bei Bedarf auch mehrere Anläufe. So läuft das Video durch, und die Zeiten, in denen 960 Bilder pro Sekunde aufgenommen werden, starten automatisch immer wieder neu.

Kamera-Software

Die Oberfläche der Kamera-App ist sehr übersichtlich und intuitiv – und das, obwohl sehr viele Modi und Einstellungen vorhanden sind. Die Anwendung ist von Beginn an so einfach zu verstehen und zu bedienen wie einst ein Nokia-Handy. Hält man das Note 9 hochkant, sind unten auf dem Display Schnelleinstellungen wie Blitz ein- und ausschalten, Filter oder der Wechsel zur Frontkamera zu finden. Oben sieht der Nutzer, in welchem Modus er sich aktuell befindet. Statt auf die einzelnen Modi mit dem Finger oder Stift zu tippen, reagiert die App auch auf Wischgesten. Wischt man von links nach rechts oder umgekehrt, wechselt man zwischen den Modi hin und her. Beim Wischen von oben nach unten oder andersherum wechselt die App von Haupt- auf Frontkamera.

Samsung Galaxy Note 9 im Test: Die Kamera-App

AR-Emoji

Apropos Frontkamera: Diese löst Fotos mit bis zu 8 Megapixeln auf und liefert bei Videoaufnahmen ein QHD-Ergebnis. Zudem kommt sie bei Apples Animoji-Konkurrenz-Modus AR-Emoji zum Einsatz. Hier lassen sich auch personalisierte Emojis erstellen und anschließend über WhatsApp und den Facebook Messenger versenden. Insgesamt 18 Emotionen sind dabei schon vorgebaut und können in die Kommunikation eingestreut werden. Die Realitätsnähe der Emoji-Ergebnisse wirft jedoch Fragen auf. Bei selbstgebauten auf dem eigenen Gesicht basierenden Emojis ist deutlich der asiatische Touch zu sehen. Große geschminkte Augen und ein im Vergleich zum Kopf kleiner Körper erinnern an Anime-Figuren aus einem Manga.

AR-Emoji beim Samsung Galaxy Note 9
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside handy

Mit der Kamera des Galaxy Note 9 gelingt nicht nur der Schnappschuss, sondern auch tolle Aufnahmen – egal ob Foto oder Video. Dazu muss man noch nicht einmal den Automatikmodus verlassen. Zudem machen die Zeitlupen- und AR-Emoji-Einstellung Spaß. Zweiteres aber wohl nicht dauerhaft.

Einzelwertung: 5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Beim Betriebssystem setzt Samsung auf Googles Android in der Version 8.1. Ein Update auf das kürzlich vorgestellte Android 9 Pie ist aber so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Koreaner bespannen das Google-OS mit der eigenen Nutzeroberfläche Samsung Experience 9.5. Im Vergleich zur Software der beiden Flaggschiffen der S-Reihe gibt es kaum Unterschiede. Die Bedienoberfläche ist sehr aufgeräumt, was beim Galaxy Note 4 noch ganz anders war. Grundfunktionen wie der App-Drawer, den man mit einem Wisch nach oben hervorholt, die Schnelleinstellungen, sowie der Benachrichtigungsbereich hat Samsung im Laufe der Zeit immer näher an Googles Optik angepasst. Auch die Einstellungen sind zunächst übersichtlich gestaltet. Jedoch kann man sich viele weitere Ebenen tiefer graben und sich hier und da schon einmal verlieren. Wer weiß, wie die Funktion heißt, nach der er sucht, dem sei die Suchleiste ganz oben im Einstellungsmenü ans Herz zu legen.

Zu noch mehr Sauberkeit verhelfen die spartanisch vorinstallierten Anwendungen. Bis auf einige Google-Apps, ein paar Microsoft-Anwendungen wie Word, Excel und Co. sowie Samsungs eigene Programme ist keine Bloatware vorhanden.

Ein Schmankerl hält Samsung für eine Zielgruppe bereit, die definitiv nicht zur Business-Klasse zählt. Über die App „Game Launcher“ lässt sich nämlich das Spiel „Fortnite“ installieren. Dieses ist anfangs exklusiv nur über Samsung-Smartphones spielbar.

Zum Computer per HDMI

Hinsichtlich der Entsperrmethode hat sich nichts verändert. So lässt sich das Galaxy Note 9 beispielsweise per Fingerabdrucksensor oder mit der Kombination aus Iris-Scanner und Face-Unlock entsperren. Änderungen gibt es jedoch an der DeX-Funktion, die das Smartphone mit einer zwischengeschalteten Station zum PC machen kann. Bereits im vergangenen Jahr hatte Samsung diese Möglichkeit präsentiert. Pluspunkt für das Galaxy Note 9 ist hierbei jedoch, dass es zwar die Samsung DeX Schnittstelle unterstützt, diese aber eigentlich nicht mehr benötigt. Für die Umwandlung vom Smartphone in einen (fast) vollwertigen PC muss dabei nicht mehr, wie beim Galaxy S9 und S9+, auf eine separate Station zurückgegriffen werden. Die Umwandlung kann einfach via HDMI-Adapter herausgekitzelt werden.

Das Bixby-Problem

Die Assistenzsoftware Bixby hat Samsung bereits zusammen mit dem Galaxy S8 präsentiert – also vor etwa anderthalb Jahren. Bis heute spricht der Sprachassistent kein Deutsch. Mehr noch: Der für deutsche Nutzer nahezu unbrauchbare Taster an der linken Flanke ist seit dem S8 integriert – auch beim Galaxy Note 9. Nicht nur das Googles ebenfalls vorinstallierter Sprachassistent deutlich smarter ist und auch deutsch spricht. Der Button stört die gesamte Bedienung ungemein. Immer wieder wird er fälschlicherweise gedrückt, wenn man das Smartphone in den Standby-Modus schicken will. Und das passiert nicht nur Neulingen. “OK Google, schalte Bixby ab”, will man sagen. Doch es würde nichts bringen.

Rock’n’Roll

Ganz anders hingegen sieht es beim Sound aus. So erzeugen die Stereo-Lautsprecher durch Dolby-Atmos von AKG einen räumlichen Klang und überraschen das Gehör bei der erstmaligen Wiedergabe eines Songs. Apropos Musik: Diese wird ab Werk über die Google-eigene Musik-App abgespielt. Samsung verzichtet also auf eine Eigenentwicklung und überlässt das Feld dem Suchmaschinenriesen. Das verschlankt zwar die Software und verhindert Dopplungen, wirkt aber auf der anderen Seite etwas lieblos. Hier zeigt sich deutlich der schmale Grad und das Dilemma der Hersteller: Eigenentwicklung oder Google-Bausteine. Beides hat Vor- aber auch Nachteile.

Die dem Galaxy Note 9 beigelegten AKG-Kopfhörer machen einen ordentlichen Job, kommen aber nicht an das USonic-Headset von HTC heran. Sie lassen ein wenig die Tiefen vermissen. Gegensteuern kann man in der Einstellungs-Option “Tonqualität und Effekte”. Erfreulich ist, dass Samsung weiterhin beim kabelgebundenen Musikausgang auf eine 3,5-mm-Klinkenbuchse setzt. Was in dieser Kategorie fehlt ist ein FM-Radio.

Der rundum neue S-Pen

Die wohl wichtigste Neuerung hinsichtlich Soft- und Hardware betrifft den S-Pen. Da dieser beim Galaxy Note 9 Bluetooth-fähig ist, lassen sich mit dem Stift beispielsweise PowerPoint-Präsentationen oder Bilder in der Galerie weiterklicken, wenn man das Smartphone per HDMI-Kabel an einen großen Bildschirm wie den heimischen Fernsehapparat anschließt. Zudem kann der Stift als Fernauslöser für die Kamera fungieren oder als Fernbedienung für Spotify. Der integrierte Akku setzt dem Nutzer zwar Grenzen – nach einer halben Stunde muss er nämlich wieder aufgeladen werden – jedoch ist der Energieträger binnen 40 Sekunden von 0 auf 100 Prozent aufgeladen. Dafür muss man ihn nur in den Schacht des Galaxy Note 9 schieben.

Nach wie vor gilt: Der Stylus macht schon bei der herkömmlichen Bedienung Sinn und verbessert die Präzision gerade bei der Navigation in Texten mit kleiner Schrift und bei der wenn es um Grafik- oder Bildbearbeitung geht. Hinzu kommen die hauseigenen und auf den Stift optimierten Apps zum Einsatz. Sie erscheinen sobald der Stift aus seinem Schacht hervorgeholt wird und umfassen Notizen, Screenshot-Optionen, Live-Nachrichten und eine Übersetzungs-Funktion, bei der ein Text mit dem Stift markiert und daraufhin in einer anderen Sprache ausgegeben wird. Eine weitere Produktivitätshilfe ist die Notiz-Funktion auf dem Sperrbildschirm. Stift raus, schreiben, speichern und die Notiz ist hinterlegt. Gegenüber dem Note 8 hat Samsung an dieser Stelle nachgebessert. Waren Schriftstücke, die im Sperrbildschirm entstanden sind, einst nachträglich in der Notizen-App nur als Bild gespeichert, lassen sie sich nun nachträglich auch bearbeiten.

Trotz smartem Stift muss das Galaxy Note 9 in dieser Kategorie Federn lassen. Ein FM-Radio fehlt, die Kopfhörer dürften einen etwas satteren Sound liefern und Bixby wäre eventuell nützlich, wenn es auf Deutsch verfügbar wäre.

Einzelwertung: 4,5 von 5

Akkuleistung des Galaxy Note 9

Nachdem das berühmt-berüchtigte Note-7-Debakel vor allen Dingen auf den zu großen Akku geschoben wurde, versucht Samsung den „Stunt“ mit 4.000 mAh erneut. Im Vergleich zum Note 8 wächst der Energiespeicher somit um stolze 700 mAh. Der große Akku darf also als eine wenig spektakuläre, aber deutliche Errungenschaft des Galaxy Note 9 gewertet werden. Obendrein kann der Akku weiterhin kabellos aufgeladen werden.

Hinsichtlich der Akkulaufzeit musste sich der Energieträger im standardisierten Test der Redaktion bei dauerhaft aktiviertem Bluetooth, WLAN und GPS sowie E-Mail-Push einem 30-minütigen Gespräch, 30 Minuten Musikhören per Webstream sowie 30 Minuten Spielen und einer 30-minütigen HD-Video-Wiedergabe über YouTube stellen. Hinzu kamen die Aufnahme mehrerer Fotos und Videos, das Surfen auf verschiedenen Webseiten und ein Benchmark-Test.

Am Ende dieses anspruchsvollen 8-stündigen Arbeitstages ließen sich 60 übriggebliebene Prozent von der Akkuskala ablesen. Damit landet das Note 9 im Mittelfeld der von inside handy getesteten Smartphones. Im Standby-Modus verlor der Akku des Top-Modells neun Prozentpunkte – ein guter Wert. Nach insgesamt 24 Stunden verblieben somit noch 51 Prozent.

Akkulaufzeit Galaxy Note 9
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside handy

Smartphone-Akkus im Vergleich

 Modell  Kapazität (mAh) Akkustand Verbrauch
Arbeitstag (8h) Nacht im Standby (16h) Intensivtest (8h) Standby (16 h)
Samsung Galaxy Note 9 4.000 60 51 40 9
Alternativen
Samsung Galaxy Note 8 3.300 59 43 41 16
Huawei Mate 10 Pro 4.000 75 69 25 6
Huawei P20 Pro 4.000 68 53 32 15
Razer Phone 4.000 61 53 39 8
Referenz
LG X power2 4.500 83 74 17 9

Die zweite Kategorie, in der das Galaxy Note 9 an der vollen Punktzahl vorbei schrappt. Der Verbrauch während des laufenden Betriebs ist ein wenig zu hoch. Geschuldet ist das vor allem dem großen und hochauflösenden Display sowie der High-End-Hardware.

Einzelwertung: 4,5 von 5

Fazit zum Galaxy Note 9

Samsung gelingt eine kleine aber feine Weiterentwicklung der Note-Reihe. Der Bluetooth-fähige S-Pen darf jedenfalls zu den Highlights gezählt werden, der verlagerte Fingerabdrucksensor unterhalb des Kameramoduls gehört zur Kategorie: Fehler eingesehen und behoben. Ein bisschen Design hier, etwas Hardware-Upgrade da: Wahnsinnig viel hat sich im Vergleich zum Galaxy Note 8 nicht getan. Samsung setzt eher punktuell an und schafft beispielsweise mit einem deutlich größeren Akku und der Verdopplung des internen Speichers in der kleinen Version Verkaufsargumente.

Trotz des Akku-Upgrades ist die Laufzeit nur “Gut” und Bixby steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Wer diese beiden Kritikpunkte ausblendet, bekommt ein Smartphone mit einem fantastischen Display und einer Kamera, die ganz locker jede Kompakte auskontert. Nicht zuletzt diese beiden Eigenschaften verhelfen dem Galaxy Note 9 zur Spitzenwertung. Besser geht’s nicht.

Testsiegel Samsung Galaxy Note 9

Pros des Galaxy Note 9

  • Herausragende Kamera
  • Brillantes Display
  • Smarter S-Pen nun noch smarter
  • Hervorragende Stereo-Lautsprecher

Contras des Galaxy Note 9

  • Unnützes Bixby
  • Keine überragende Akkulaufzeit
  • Nur marginale Weiterentwicklung des Designs

Preis-Leistung

Käufer müssen mindestens 1.000 Euro auf das Konto von Amazon, Media Markt und Co. überweisen, um ein Galaxy Note 9 ihr Eigenen nennen zu dürfen. Die Version mit 512 GB Speicher und 8 GB RAM schlägt sogar mit 1.250 Euro zu Buche. Für Kunden der Business-Klasse kein sonderlich hoher Betrag für ein Smartphone, das unterwegs auch einen Computer ersetzen kann. Für Fortnite-Spieler jedoch, die meist im Teenager-Alter sind, ist das eine Stange Geld. Wenn man als Samsung-Fan stattdessen zum aktuell deutlich günstigeren Galaxy S9+ greift, muss man zwar auf den stylischen Stylus verzichten, bekommt aber ein nahezu gleichwertiges Smartphone. Hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis also eher.

Alternativen

Wer nach Alternativen zum Galaxy Note 9 sucht, wird nicht viele finden. Kein anderer Hersteller bietet hierzulande Smartphones mit Stiftbedienung an. Wer auf den Stylus verzichten kann und bei Samsung bleiben möchte, greift zum Galaxy S9+. Wer ein großes Display favorisiert und einen Business-Touch will, kann auch zum Huawei Mate 10 Pro greifen. Mit rund 450 Euro kostet das Smartphone noch nicht einmal die Hälfte des Note 9. Aber Obacht: Mit dem Mate 20 Pro steht der Nachfolger bereits in den Startlöchern.

Bildquellen:

  • Samsung Galaxy Note 9: Blasius Kawalkowski / inside handy
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Ein Mann im Anzug benutzt ein Smartphone

Congstar Basic: Smartphone-Tarif für 5 Euro ohne Laufzeit

Mit dem neuen Basic Tarif erweitert der Mobilfunkanbieter Congstar ab heute sein Tarifangebot für Mobilfunk-Einsteiger. Für 5 Euro monatlich bekommen die Kunden 500 MB Datenvolumen im Telekom-Netz und gleichzeitig 100 Gesprächsminuten in alle deutschen Netze.
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Blasius liebt Technik, Musik und Fotografie. Während er sich bei technischen Themen für Innovationen begeistert, greift er beim Musizieren auf die Old-School-Akustikgitarre und für großartige Fotos auf die klassische Spiegelreflexkamera zurück. Er ist nicht nur im Privatleben ein Familienmensch, sondern als stellvertretender Chefredakteur auch eins der Oberhäupter der Redaktion. Blasius rechnet Handypreise zwar immer noch in D-Mark um, doch seine ruhige, ausgeglichene, kreative Art und sein Einsatz von immer treffenden und humorvollen GIFs, lassen darüber hinwegsehen.

Handy-Highlights

Samsung Galaxy Note 9 Front

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1 KOMMENTAR

  1. Meiner Meinung nach fehlt für dieses „Businis-Mobilephone“ eine Infrarot-Schnittstelle, weil sich damit z. B. Beamer bedienen lassen.

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