Samsung Galaxy A6 im Test: Die Messlatte wird versetzt

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Samsung Galaxy A6
Bildquelle: Michael Büttner / inside handy

Samsung hat aufgeräumt. Nachdem das Galaxy A5 (2017) besonders in Deutschland ein nach eignen Aussagen voller Erfolg war, hat man sich vorerst für das Jahr 2018 gegen eine Neuauflage des Bestsellers entschieden. So gab es bisher auch kein Galaxy A3 in einer 2018er-Version. Also alles Neu? Ja, aber nicht ganz: Nachdem das Galaxy A8 erst nur als Business-Version, dann als normales Modell in Deutschland aufgeschlagen ist, hat Samsung das Galaxy A6 und das Galaxy A6+ nachgeschoben. Doch ist damit die Galaxy-A-Reihe gerettet und kann den Testerfolg der Modelle aus dem Vorjahr wiederholen?

Galaxy A6 und Galaxy A6+ – die technischen Daten

Die beiden Modellbrüder unterscheiden sich in den technischen Eckdaten gravierend und Samsung zeigt wieder einmal die Doppelmodell-Taktik. So wird das kleinere Galaxy A6 nicht nur in der Größe sparsamer ausgestattet, sondern auch bei Prozessor, Front- wie Hauptkamera, Display und Akku. Unter anderem bietet das Super-AMOLED-Panel des Galaxy A6 eine HD+-Auflösung von 720 x 1.480 Pixeln. Beide Displays sind jedoch im modernen 18,5:9-Format ausgeführt. Eine Notch, also der Einschnitt im Panel am oberen Rand, fehlt bei beiden Modellen.

Zudem erscheinen das Galaxy A6 und A6+ zusätzlich als Duos-Variante, die auch für den Test der beiden Geräte vorliegt. Tatsächlich setzt Samsung auf eine „echte“ Dual-SIM-Funktion, denn die Handys können hier sowohl zwei SIM-Karten als auch eine Micro-SD-Karte zur Speichererweiterung aufnehmen.

Samsung Galaxy A6
 Samsung Galaxy A6 2018

Bildquelle: Samsung
Display 5,6 Zoll, 720 × 1.440 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8.0 Oreo
Prozessor Exynos 7870
Octa-Core 1,6 GHz
RAM 3 GB
interner Speicher 32 GB
MicroSD ja (256 GB)
Kamera vorne/hinten 16 MP / 16 MP
Fingerabdruckscanner  ja
Akku  3.000 mAh
induktives Laden  nein
USB-Port  USB 2.0 Typ-B
IP-Zertifizierung  keine
Abmessungen (mm)  149,9 × 70,8 × 7,7
Farben Schwarz, Gold, Blau
Einführungspreis  399 EUR
Veröffentlichung  14.05.2018

Design und Verarbeitung

Betrachtet man das Galaxy A6 mit ausgeschaltetem Display von vorne, stellt sich kein Must-Have-Gefühl dar. Im Gegenteil: Das Smartphone wirkt beliebig und könnte ebenfalls als Mittelklasse-Modell von Huawei oder HTC durchgehen. Knipst man jedoch den Bildschirm an, lässt sich das A6 allein am voreingestellten Hintergrund schnell als Smartphone von Samsung identifizieren. Der in das Metallgehäuse eingelassen Schriftzug des koreanischen Unternehmens auf der Rückseite bestätigt letztlich die Vermutung.

Die Optik des Kameramoduls, unterhalb dessen sich auch der Fingerabdrucksensor befindet, spricht die Sprache der Galaxy-S-Reihe und erinnert deutlich an das S9. Im Gegensatz zum aktuellen Flaggschiff besteht der Korpus allerdings nicht aus Glas. Samsung setzt bei der Mittelklasse auf Leichtmetall. Das führt dazu, dass die Koreaner bei der Produktion Antennenstreifen im Gehäuse einlassen mussten, da es sonst zu Empfangsproblemen gekommen wäre. Nun sind Metallgehäuse nichts Neues auf dem Smartphone-Markt. Bevor der Trend zu Glas Einzug hielt, gelang es aber Herstellern wie HTC oder Apple, diese Antennen geschickter und unauffälliger in das Gehäuse zu integrieren. Samsung hingegen rückt sie mit der Anordnung am oberen und unteren Rand in den Vordergrund. Ein Gutes hat das aber: Mit ihrer Dominanz lenken sie von der hässlichen Beschriftung unterhalb des CE-Logos und Mülltonnen-Symbols ab. Interessant bei der Gestaltung der Rückseite ist zudem die Ähnlichkeit mit der J-Reihe, namentlich dem Galaxy J6 (2017). Samsung orientiert sich bei seiner neuen Mittelklasse also am Aussehen der Einsteigerklasse des Vorjahres und mischt sie mit Details der S-Serie. So wirkt das Design wie es ist: zusammengeschustert.

Links Lautstärke, rechts Ein- und Ausschalten: Die Anordnung der Taster ist Samsung-typisch, auch wenn der nahezu obsolete Bixby-Button der Oberklasse vorenthalten bleibt. Merkwürdig erscheint die Anordnung des Lautsprechers: Statt am unteren Rand, oder gar oben und unten für einen Stereoklang, entschied sich Samsung dazu, den winzigen Schallerzeuger oben rechts oberhalb des Ein- und Ausschalt-Tasters unterzubringen. Beim Musikhören oder anschauen von Filmen ist das zunächst sehr ungewohnt, da der Ton von rechts, respektive links oben kommt – je nachdem, ob man das A6 im Quer- oder Längsformat hält. Gut, dass Samsung anderen Herstellern nicht nacheifert und auf den Klinkenanschluss verzichtet. So lassen sich etwa bei den beiden beschriebenen Szenarien Kopfhörer anschließen. Apropos: Im Handgepäck des Galaxy A6 befindet sich neben Steckdosenadapter und Datenkabel ein Headset der Variante „Hop-On-Hop-Off-Bus“.

Galaxy A6: Die Verarbeitung im Hands-On

Hinsichtlich der Verarbeitung erlauben sich mittlerweile nur wenige Smartphone-Hersteller einen Schnitzer – selbst Modelle der Mittel- und Einsteigerklasse sind in den allermeisten Fällen frei von Fehlern. Auch das Galaxy A6 wirkt solide, verwindungssteif und kommt ohne scharfe Kanten in die Hand des Käufers. Der Aluminium-Body fühlt sich hochwertig an; die Rundungen schmiegen sich geschmeidig an die Hand. Beim Betätigen der Tasten ist ein angenehmes Klicken zu vernehmen, das mit einem guten Druckpunkt einhergeht.

Das Design des Galaxy A6 wirkt nicht modern, frisch oder innovativ. Samsung geht auf Nummer Sicher und bringt ein solides Smartphone auf den Markt. Das können andere auch. Somit bleibt hier nur eine gute Durschschnittswertung für Samsungs neue Mittelklasse.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Display

Das Panel des Samsung Galaxy A6 erstreckt sich auf eine Diagonale von 5,6 Zoll und bietet dabei eine Auflösung von 720 x 1.480 Pixeln. Das bedeutet, Samsung hat sein schwächstes Galaxy-A-Modell des Jahres 2018 auf das Auflösungsniveau des Vorjahres-Galaxy-A3 geparkt. Durch das neue Format von 18,5:9 und der Diagonale von 5,6 Zoll ergibt sich eine Pixeldichte pro Zoll von etwas unter 300. Damit wird die Grenze des menschlich noch Erkennbaren unterboten. Trotzdem bildet das Galaxy A6 scharf genug ab. Das Super-AMOLED besticht durch ordentliche Leitungen im Display-Test, jedoch hebt es sich nicht sonderlich aus dem Markt ab. Die Super-AMOLED-Technik bringt starke Schwarzwerte und gute Kontraste.

Neben der Darstellung von Inhalten, geht es seit einiger Zeit bei Displays auch um den Rahmen um das Panel herum. Hier kann Samsung nicht ganz überzeugen. Die Ränder sind ober- und unterhalb des Panels sehr deutlich. Gerade am unteren Rahmen wird die Fläche nicht genutzt und so hätte man hier noch etwas für die Display-zu-Gehäuse-Wertung machen können. Etwas befremdlicher sind jedoch die seitlichen Ränder, die weit breiter sind, als zur Zeit im Smartphone-Markt üblich.

Das Samsung Galaxy A6 kann Datenschutzexperten nicht empfohlen werden. Es lässt sich auch noch bei schräger Draufsich gut ablesen. Das große Aber folgt jedoch auf dem Fuße. Die Farben durchlaufen beim Kippen mehrere Stufen. So legt sich wahlweise und zum Teil auch gleichzeitig je nach Betrachtungswinkel ein grüner, ein blauer und ein gelber Schleier auf das Display und verkorkst so die Weißwerte und die sonstigen Farben.

Samsung Galaxy A6 im Test – Display-Einstellungen

Die automatische Helligkeitsregelung hat eine herausragende Stärke und eine weniger aufdringliche aber sichtbare Schwäche: Sie regelt bei Dunkelheit deutlich unter das marktübliche Niveau herunter. Das hilft im Kino nicht aufzufallen und schont beim nächtlichen Zocken oder Mails beantworten die Augen. Dafür regelt die Automatik etwas hakelig und nicht so flüssig wie man es erwartet.

Das Display hat seine Stärken klar in der von der Super-AMOLED-Technik herrürenden Darstellung. Schärfe und die Blickwinkelstabilität fallen etwas ab. Samsung bewegt sich jedoch auf einem guten aber durchschnittlichen Niveau.

Teilwertung 3,5 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Samsung stattet sein neues „kleines“ Mittelklasse-Smartphone mit einem Exynos 7870 aus eigenem Hause aus. Damit verbaut man einen ähnlichen Prozessor wie schon im vergangenen Jahr beim Galaxy A5 (2017). Dazu gibt es 3 GB Arbeitsspeicher und 32 GB für Daten außerhalb von laufenden Prozessen. Damit positioniert man sich im unteren Mittelklasse-Segment. Positiv: Der Speicher kann trotz eingelegter zweiter SIM-Karte noch erweitert werden. Hier sind noch einmal 256 GB mehr Datenkapazität drin. Ein Hybridslot bleibt dem geneigten Kunden somit erspart.

In der Verbindungstabelle zeigen sich einige kleine Lücken. Was jedoch vorhanden ist, kann mit Qualität punkten. Ärgerlich ist jedoch der alte USB-Standard, der nicht mehr so recht ins Jahr 2018 passt. Bluetooth 4.2 gehört ebenfalls nicht zum aktuellen Repertoir der Hersteller. Infrarot-Schnittstelle und Qi sind dabei verzichtbare Eigenschaften, jedoch fehlen sie für eine volle Liste.

Feature Vorhanden Funktion
HSPA Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE Mobilfunkstandard, Down-max 150 Mbit/s, Up-max: 50 MBit/s
USB-OTG Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Kabellose Display-Übertragung Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (z.B. Miracast/AirPlay/Google Cast)
MHL Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version 4.2
WLAN-Standards IEEE 802.11 a/b/g/n
Qi Ermöglicht das kabellose Laden des Smartphones

Galaxy A6 im Benchmarktest

Die technische Ausstattung des Galaxy A6 ist Mittelklasseware von der Stange. So kommt es folgerichtig auch zu einem mittelprächtigen Ergebnis im Benchmark-Test. Als Grundlage dessen wurde AnTuTu in der Version 7.0.9 verwendet. Am Ende mehrerer Durchläufe kristallisierte sich ein Ergebnis von knapp 64.000 Punkten heraus. Kein Vergleich etwa zum aktuellen Spitzenreiter OnePlus 6, das 200.000 Punkte mehr einheimsen konnte. Bezieht man das Ergebnis auf die Mittelklasse, sieht es auch hier nicht unbedingt rosig für das Galaxy A6 aus. So erreichte das Huawei P20 lite im gleichen Test 87.260 Punkte. Auch das Motorola Moto G6 brachte es auf über 70.000 Zähler.

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät Samsung Galaxy A6  69.754
 direkte Konkurrenten Huawei P Smart 87.360
Motorola Moto G6 70.031
HTC Desire 12+ 70.559
ehemalige Mittelklassemodelle Huawei Y6 2017 40.974 (AnTuTu 6.0)
Samsung Galaxy J3 (2017) 46.110 (AnTuTu 6.0)
Honor 6A 43.925 (AnTuTu 6.0)
 aktuelle Referenz (Android) Sony Xperia XZ2 Compact 264.971
Samsung Galaxy S9+ 249.185
Samsung Galaxy S9 244.895

Doch wie schlägt sich das Galaxy A6 im Alltag? Benchmark-Ergebnisse sind nur eine Seite der Medaille. So können eine gute Verzahnung von Hard- und Software oder optimiertes Leistungsmanagement auch aus vergleichsweise schwachen Prozessoren viel herausholen und eine flüssige Bedienung garantieren. Die Wahrheit liegt beim Galaxy A6 irgendwo in der Mitte. So gelingen Alltagsaufgaben flott und das Wischen in Menüs und Einstellungen geht ohne Wartezeiten von der Hand. Wird es anspruchsvoller muss das Galaxy A6 auch mal zwischen zwei Aktionen durchatmen. Auch nach einer intensiven Nutzung von Social-Media-Apps mit vielen Bildern und Interaktionen braucht das Galaxy A6 etwas, um nach dem Schließen den Homescreen wieder vollumfänglich darzustellen. Das ist alles kein Beinbruch, jedoch geht das auch in der Mittelklasse bei anderen Herstellern flüssiger.

Telefonqualität

Bei allem Display, bei allen Apps und bei allem mobilen Internet – das wichtigste an einem Telefon ist immer noch die Anruffunktion. Samsung bekommt es hier nicht hin, ein High-End-Gefühl zu vermitteln. Im normalen Modus, also mit dem Handy am Ohr, klingt der Gesprächspartner für den Galaxy-A6-Nutzer und andersherum etwas künstlich. Es wirkt, als würde ein Filter nicht nur die Hintergrundgeräusche, sondern gleich Teile der Stimme abschalten. Trotzdem wird das Gegenüber immer verstanden und auch die Lautstärke gibt sich keine Blöße. Nimmt man das Mobiltelefon vom Ohr und versetzt es in den Freisprechmodus, zeigt sich eine Schwäche, die auch beim Musikhören auftaucht: Der Lautsprecher spielt nicht gerade audiophil und die Stimmen wirken blechern. Doch auch hier gilt: Man versteht sich und das Galaxy A6 ist laut genug.

Auf dem Papier stellt Samsung ein Smartphone der unteren Mittelklasse auf die Beine und dieser Eindruck bestätigt sich in der Praxis: Das Galaxy A6 kann viel, kommt jedoch nicht weit über den durchschnitt hinaus. Die Wertung wird jedoch von der Hybridschacht-losen Dual-SIM-Funktion und der ansprechenden Ausstattung gestützt.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Kamera

Samsung setzt in das Gehäuse vorne und hinten jeweils Sensoren mit 16 Megapixeln ein. Davor wird bei der Hauptkamera ein Objektiv mit einer Blende von 1:1,7 geschnallt. Damit ergibt sich eine lichtstarke Kombination mit vergleichsweise hoher Auflösung. Mit dem Verzicht auf eine Doppelkamera oder einen Bildstabilisator hat man es hier mit einer eher klassischen Smartphone-Kamera zu tun. Auch eine zweifarbige LED- und die AI-Unterstützung beim Fotografieren oder ein Laser-Autofokus fehlen im Paket. Doch wenn die Qualität stimmt, kann man auf das alles verzichten und auch mit einem simplen Kamera-Aufbau glücklich werden.

Bildqualität – Ein zweischneidiges Schwert

Nimmt man sich die Bilder des Galaxy A6 zur Brust, ist schnell klar, dass es sich hierbei eher um eine Diva als um einen genügsamen Waldschrat handelt. So ist man sich nie sicher, wo der nächste Fotounfall oder das nächste Hochglanzbild herauskommt. Die Gegensätze werden am Testchart klar: Die Mitte des Bildes strotzt vor Schärfe, während die Ränder hart abfallen. Dazu werden im spärlichen Licht tolle Ergebnisse erzielt, sobald jedoch der Blitz dazwischenfunkt, verschwinden Details und die Farben werden schwächer.

Ähnliche Kontraste sind bei Makroaufnahmen zu verzeichnen. Sitzt der Autofokus nach einigen gescheiterten Versuchen, zeigen sich starke Bilder mit tollen Farben. Die Schärfe kann jedoch in der Praxis nicht ganz mit der am Testchart mithalten. Hier unterstützt die Software den Schärfeverlauf und so entstehen ab und an unnatürliche Verlagerungen des Fokus. Die Dynamik im Freien könnte ebenfalls etwas höher sein. Kontrastreiche Aufnahmen verlieren so in den hellen oder den dunklen Bereichen schnell an Details. Trotz allem ist die Kamera für den Alltag mit genug Qualität ausstaffiert – wenn man bereit ist für ein Foto öfter abzudrücken.

Samsung Galaxy A6 im Test – Kameratest

Video und Selfies

Im Bewegtbildbereich geht es eher gemütlich zu. Full-HD-Videos sind das Maximum an Auflösung. Auch Super-Slow-Mo oder eine normale Zeitlupenfunktion werden nicht unterstützt. Der Autofokus pumpt kräftig und so braucht die Kamera beim Wechsel von einem Objekt zum anderen etwas, bis die Schärfe sitzt. Auch die Anpassungen an die Lichtverhältnisse der Szenerie gelingen der Kamera nicht besonders schnell. Somit ist das Galaxy A6 nichts für Videografen und solche, die es noch werden wollen.

Anders sieht es bei Selbstbildnissen mit der Frontkamera aus. Doch wer hier Wunderdinge erwartet wird ebenfalls etwas enttäuscht. Die Frontknipse zeichnet mit hoher Auflösung, aber wie die Heckkamera, mit wenig Dynamik auf. Doch beim gelungenen Selfie geht es ja nicht um den Hintergrund. Der Vordergrund, also das Gesicht des Fotografen, kann mit allerlei Filter und Masken belegt werden. Wenn wirklich alles ausgeschöpft wird, bleibt auch kaum noch Raum für das „echte“ Foto und so werden vor allem Nutzer auf ihre Kosten kommen, die die Selbstdarstellung eher als Ausdrucksform denn als Kunstform sehen.

Die App – Weniger ist nicht mehr

Bei der App und damit bei den Einstellungen zur Bildbeeinflussung sieht es bei Samsungs Galaxy A6 mau aus. Der Pro-Modus sollte den Namen besser nicht tragen: Er besteht aus einem groben Weißabgleich, einer ISO-Wert-Einstellung und einer Belichtungskorrektur. Manuelle Schärfe, Belichtungszeiteinstellung oder die Regelung der Farbtemperatur per Hand sind nicht integriert. Dafür sind es wiederum Filter und Masken, die das Bild der Kamera-App prägen. Dazu gibt es bei den Modi mit „Serienaufnahmen“, „Panorama“, „Nachtmodus“ und „Sport“ eher Hausmannskost. Einzig die „Sound & Shot“-Funktion kann hier herausstechen. Sie belegt das Bild, das aufgenommen wird, mit der akustischen Atmosphäre der Umgebung. Das kann schön sein oder das romantische Bild des Eifelturms im Pariser Verkehrsgetöse untergehen lassen. Insgesamt ist die App übersichtlich, jedoch ist das hier auch keine Kunst. Ohne großen Funktionsumfang lässt sich auch wenig in tiefe Menüstrukturen oder verzweigten Modus-Oberflächen verstecken.

Samsung Galaxy A6 im Test – Die Kamera-App

Die Kamera des Galaxy A6 kann wunderbare Bilder produzieren. Was sie nicht kann: Narrensichere Schnappschüsse am Fließband produzieren. Dazu ist die Videoabteilung vernachlässigt worden und die App eher dürftig ausgestattet. Hier wäre mit der verbauten Hardware mehr drin gewesen.

Teilwertung: 3 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Mit der Android-Version 8.0.0 auf dem Galaxy A6 verzichtet Samsung auf das neueste Derivat aus dem Hause Google und damit auf Android 8.1. Die Koreaner überziehen das mobile Betriebssystem mit der hauseigenen Nutzeroberfläche Experience 9.0 und sind damit eher am Puls der Zeit. Die Sicherheits-Patch-Ebene liegt auf dem Niveau von April 2018. Samsung ist jedoch bemüht, seine Smartphones mindestens vierteljährig auf die neuste Sicherheitsstufe zu stellen. Bei der A-Reihe kann man davon ausgehen, dass das auch noch mindestens zwei Jahre geschehen wird.

Auf große Spielereien verzichtet Samsung und stattet das Galaxy A6 mit so manchen eigenen nützlichen Features aus. Bloatware ist dagegen nicht zu finden. Dafür gibt es mit Bixby, Bixby Vision und Smart Things, dem Geräte-Manager für Samsung-Peripherie-Produkte, und allerlei weitere Software-Stückchen, die volle Breitseite Service auf das Smartphone. Das Ganze führt jedoch auch dazu, dass sich Funktionalitäten doppeln und somit Platz und Übersicht kosten. Unter anderem gibt es zwei Mail-, zwei Galerie-, zwei Browser- und zwei Store-Apps auf dem Mittelklässler.

Die Übersichtlichkeit geht jedoch nicht gänzlich verloren. Verpackt in Ordnern im App-Drawer finden so alle Apps ihren Platz und man kommt schnell zurecht. Somit ist die Oberfläche von Samung nah am Google-Original und schlank wie auch performant.

Samsung Galaxy A6 im Test – Die Menüs und Einstellungen

Sound und die Konzentration auf das Wesentliche

Im Musik-Bereich verzichtet Samsung auf eine eigene App und verlässt sich hier auf Google und dessen Play Musik. Doch ganz gibt man das Zepter der Multimedia-Leistung doch nicht an den Betriebssystem-Entwickler ab. Aus der Musik-App heraus kommt man direkt in die Musik-Einstellungen Samsungs und damit in das Hoheitsgebit von Dolby Atmos und Adapt Sound. Was Samsung hier auffährt hat Flaggschiff-Niveau und stünde somit jedem Smartphone am Markt gut zu Gesicht. Ein manueller Equalizer, auf die eigenen Ohren anpass- und individualisierbare Einstellungen und die Digitalfilter der „Soundalive“-Brigade machen das Galaxy A6 zum Anpassungskönig in der Mittelklasse.

Die Enttäuschung wandert jedoch mit den beigelegten Kopfhörern in den Gehörgang des Nutzers. Also nicht ganz hinein. Die Ohrhörer sind nämlich keine In-Ear-Kopfhörer und bestechen eher durch schlechten Sitz und fehlende Abschirmung vor Fremdschall, als durch Klangqualität. Dazu werden die Kopfhörer eher lieblos zusammengebaut und lassen beispielsweise einen Knickschutz an der Kabelfernbedienung und den Ohrhörern selbst vermissen. Gut, dass man über den Klinkenanschluss auch alte Schätzchen oder hochwertigere Kopfhörer an das Galaxy A6 anschließen kann. Dann ist es auch möglich, ein schlichtes UKW-Radio zu betreiben. Für sparsame Nutzer eine echte Alternative zu Datenvolumen-fressenden Streams über die mobile Datenautobahn.

Samsung Galaxy A6 im Test – Die Musik-Einstellungen

Der Lautsprecher, der am rechten oberen Rand des Smartphones sitzt, wirkt sich in diesem Bereich wie der beigelegt Kopfhörer negativ auf die Bewertung aus. Ohne Bass und blechern schwingt die Musik aus dem kleinen Schlitz im Rahmen. Wie voluminöser Klang auch im Smartphone geht, zeigt aktuell LG im G7 ThinQ. Hier kann sich Samsung noch einmal eine Scheibe abschneiden oder gleich, wie gemunkelt, das ganze Display zum Lautsprecher werden lassen. Beides sollten Verbesserungen gegenüber dem Status quo des Galaxy A6 bringen.

Bei der Software setzt sich Samsung hier die Chefmütze auf, bei der Multimedia-Leistung gibt es aber speziell beim Zubehör und dem eingebauten Lautsprecher Nachbesserungsbedarf.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Akku

Der Akkutest beinhaltet in den ersten acht Stunden eine aktive Nutzung des Smartphones mit jeweils 30 Minuten spielen, Video Streamen, Radio hören und telefonieren. Dazu werden in dieser Zeit Screenshots und Testbilder erstellt, Uploads und Downloads getätigt und im Internet gesuft. Nach der ersten Phase schließt sich eine zweite an, in der die Standby-Zeit von 16 Stunden durchlaufen wird in der nichts mit dem Smartphone getan wird.

 Modell  Kapazität (mAh) Akkustand Verbrauch
Arbeitstag (8h) Nacht im Standby (16h) Intensivtest (8h) Standby (16 h)
Samsung Galaxy A6 3.000 69 54 31 15
Alternativen
LG Q6 3.000 61 54 39 7
Motorola Moto G6 3.000 53 47 47 6
Huawei P Smart 3.000 65 54 35 9
Huawei Mate 10 Lite 3.340 67 56 33 11
Nokia 7 Plus 3.800 66 53 34 13

Nach der ersten Runde und acht Stunden hartem Testalltag blieben dem Galaxy A6 noch 69 Prozent der Energie im Tank. Nach der Standby-Phase konnten noch 54 Prozentpunkte übrig bleiben. Damit ist der Standby-Verlust etwas zu hoch. Mit 15 Prozentpunkten liegt er deutlich oberhalb des Durchschnitts, der sich unterhalb der Zehn-Prozent-Grenze beim Verbrauch einpendelt. Trotzdem kann der Akku eine ordentliche, wenn auch keine Top-Bewertung abgreifen. Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte das Samsung-Smartphone in der zweiten Nacht an die Steckdose hängen.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Fazit

Das Galaxy A6 markiert Samsungs Grenze der Mittelklasse zum Einsteigerbereich. Dabei wirkt das Galaxy A6 jedoch eher wie ein Einsteiger als ein Mittelklasse-Smartphone. Der hervorragende Eindruck der Generation Galaxy-A-Smartphones aus dem Jahr 2017 kann das aktuelle Modell nicht bestätigen. Es ist ein praktischer Begleiter im Alltag ohne signifikante Schwächen. Doch im heiß umkämpften Mittelklassebereich reicht das nicht mehr aus. Die Konkurrenz aus China drückt ein ums andere Mal ähnlich ausgestattete Handys für unter 200 Euro auf den Markt und Samsung muss aufpassen, hier nicht zu viel Premium in einem Bereich zu simulieren, wo es nicht um Premium-Etikette, sondern um knallharte Preis-Leistungs-Vergleiche geht.

Gesamtwertung: 3,5 von 5 Sternen

Testsiegel Samsung Galaxy A6

Pros des Galaxy A6

  • starke Verarbeitung
  • gute Ausstattung
  • stabiler Akku

Contras des Galaxy A6

  • schwache Musik-Hardware
  • Patchwork-Design
  • Kamera-Diva

Preis-Leistung

gut 300 Euro verlangt Samsung für das Galaxy A6. Damit ist es, gemessen an der letztjährigen Generation der Galaxy-A-Klasse günstig. Das liegt aber eher daran, dass die vergangene Generation schon mit einem frechen Preisschild aufwartete. Dass Samsung auch in der Mittelklasse nicht vor selbstbewussten Preisen zurückschreckt, ist bekannt und wundert kaum. Der Markt wird es für die Nutzer richten. Doch damit ist auch Geduld gefragt. Denn: Schnell fällt der Preis bei entsprechenden Verkaufszahlen nicht. Trotzdem ist das Galaxy A6 kein Preis-Leistungs-Tipp, könnte es aber in wenigen Wochen oder Monaten werden.

Alternativen

Im Preisbereich des Samsung Galaxy A6 befinden sich so viele Smartphones auf dem Markt, dass schnell die Übersicht verloren geht. Nicht nur eine schier unendliche Anzahl an Modellen von verschiedensten Herstellern, auch die jährlichen Modellpflege-Maßnahmen erschweren die Suche nach geeigneten Alternativen. Die geeignetsten Mittel hierfür sind die Bestenlisten von inside handy, die nach aktuellem Preis aufgeschlüsselt, die besten Smartphones in den unterschiedlichen Preisbereichen aufzeigen:

Bildquellen:

  • Samsung Galaxy A6: Michael Büttner / inside handy
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„KI ist derzeit noch sehr, sehr dumm“ – Google-Manager bricht eine Lanze für die Menschheit

"Künstliche Intelligenz wird uns in einigen Jahren weit überlegen sein und mehrere Jobs obsolet machen" – So oder so ähnlich klingen viele der Prognosen über die Zukunft und sie alle malen ein Schreckensszenario, laut dem sich die Menschheit eines Tages der künstlichen Intelligenz unterwerfen müsse. Einer der es eigentlich wissen sollte, steuert dem nun entgegen. Googles KI-Chef Andrew Moore.
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Michael Büttner
Michael liebt Technik und ist stellvertretender Chefredakteur bei inside handy. Anderen auch bekannt als der Franke in Bonn, der Macher oder der Handwerker für sämtliche Reparaturen der Redaktion. Nach Praktika bei der Neuen Presse in Kronach, den Nürnberger Nachrichten und dem Systemkamera-Blog, startete Michael bei inside handy und verdient sich seine Sporen vor allem im Hardware-Bereich. Balanciert er mal nicht zwischen Tagesgeschäft, Testgeräten und Co, betätigt er sich ab und an als Jäger im Pokémon-Dschungel. Ein ungewöhnlicher Anblick wäre es dabei nicht, ihm dank seiner Boulder-Fähigkeiten kletternd an einer Felswand zu begegnen. Abseits dessen begeistert er sich für Fotografie, Wanderungen, kulinarische Feste und Blasius Kawalkowski.

Handy-Highlights

Samsung Galaxy A6 (2018) Front

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