OnePlus 6 im Test: Rakete ohne Sonderausstattung

18 Minuten
OnePlus 6
Bildquelle: Michael Büttner

Während Samsung, Huawei oder LG für ihre Top-Smartphones zum Marktstart mittlerweile Preise von knapp 1.000 Euro aufrufen, bleibt OnePlus bodenständig. Für das Modell mit 64 GB internem Speichervolumen und 6 GB RAM verlangen die Chinesen rund 520 Euro. Für 100 Euro mehr gibt es das OnePlus 6 mit 8 GB Arbeitsspeicher und 256 GB Datendepot. Und selbst dieser Preis liegt etwa 300 Euro unter dem des Huawei P20 Pro oder des Galaxy S9. Nun muss das OnePlus 6 noch zeigen, dass es in der Champions League der Smartphone-Hersteller um den Pokal mitspielen kann.

OnePlus 6 – Die technischen Daten

Wenn es um Prozessor, Display oder Kamerasensoren geht, setzt OnePlus seit jeher auf die neuesten Bauteile. Das ist auch bei der siebten Generation der Fall. In nahezu allen Bereichen wurde die Hardware verbessert.

OnePlus 6
LG G7 ThinQ gegen OnePlus 6
Display 6.28 Zoll, 1.080 × 2.280 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8.1 Oreo
Prozessor Qualcomm Snapdragon 845
Octa-Core 2,8 GHz
RAM 6/8 GB
interner Speicher 64/128/256 GB
MicroSD nein
Kamera vorne/hinten 16 MP/
20 und 16 MP (Dual Kamera)
Fingerabdruckscanner ja
Akku 3.300 mAh
USB-Port USB Typ-C
IP-Zertifizierung Schutz vor Spritzwasser
Abmessungen (mm) 155,7 × 75,4 × 7,75
Farben Schwarz, Weiß, Grau
Einführungspreis 519 EUR
Aktueller Marktpreis 519 EUR

Design und Verarbeitung

Mirror Black, Midnight Black und Silk White: Bei der ersten Betrachtung des OnePlus 6 fallen sofort die drei unterschiedlichen Farben ins Auge, die jeweils auch eine leicht veränderte Haptik bieten. Das besondere daran sind aber nicht die Farbtöne, sondern das Gesamtkonzept. Mit jeder Farbe ändert sich der Charakter des OnePlus 6.

Das Spiel mit Farben und Licht

Die hochglänzende Version „Mirror Black“ erinnert stark an Konkurrenten wie das Galaxy S9. Mit ihr begibt sich OnePlus voll in den Mainstream und zeigt, dass man raus will, aus dem Nischendasein. Dabei wirkt das Design etwas abgekupfert und nicht ganz so elegant und hochwertig wie bei anderen Herstellern. Da kann auch das eingebaute „S“ in den Spiegelungen nicht helfen. Das mehrschichtige Glas erreicht nicht die Tiefe eines Galaxy S9 oder den Glanz eines HTC U11.

Das Hauptmodell und die Variante, die wohl am häufigsten den Weg zum Käufer finden dürfte, nennt OnePlus Midnight Black – jene Version, die auch der Redaktion zum Test vorliegt. Das Design wirkt dabei klassisch; mattes schwarz vermittelt einen hochwertigen Eindruck, was durch einen matten, gleichfarbigen Rahmen und einer Heck-Oberfläche, die schimmert, ohne zu glänzen, verstärkt wird. Bei Lichteinfall zeigt die gläserne Rückseite aber, dass sie nicht einfach nur matt ist. Im Schein einer Lichtquelle werden abermillionen winzige Punkte sichtbar, die entweder an eine Metallic-Lackierung eines Autos oder aber an ein RGB-Bildschirm erinnern, den man aus nächster Nähe betrachtet. Zudem erscheint – je nach Lichteinfall – ein „S“, das auf die unterschiedlich angeordnete Löcher in den verschiedenen Schichten des Abdeckglases zurückzuführen ist. Darüber hinaus erweckt das mitternachtsschwarze Modell nicht den Anschein, dass die Rückseite aus Glas besteht. Schnell könnte man meinen, dass es sich bei dem Material um Metall handelt. Es ist jedoch die für Metall typische niedrige Temperatur, die man beim Anfassen vermisst und die es als Glas enttarnt.

Das krasse Gegenteil zum Klavierlack des tiefschwarzen Models ist das Design der Variante „Silk White“. Das matte Finish, das durch Perlenstaub zwischen den Glasschichten erreicht wird, zeigt sich unorthodox und sehr gefällig. Der glanzlose Rahmen besitzt einen natürlichen metallischen Schimmer und ist bei der Farbgestaltung in Rose-Gold nicht jedem Nutzer zu empfehlen. Jedoch harmonieren die Farben hervorragend und es entsteht ein sehr angenehmes Design, das so nicht überall vorzufinden ist. Das Besondere jedoch ist, dass sich die unterschiedlichen rückseitigen Beschichtungen auch unterschiedlich anfühlen.

OnePlus geht den Modetrend mit

Das OnePlus 6 wirkt beim ersten Mal in der Hand etwas zu rund, zu wenig griffig und fast schon einen Tick zu groß. Zudem erinnert es an das runde Design eines Galaxy S9. Nimmt man sich jedoch etwas Zeit und lässt sich auf das neue High-End-Modell aus China ein, zeigt es, dass es mehr zu bieten hat, als nur abgerundete Gehäusekanten. Auch die Größe schrumpft geistig, wenn man sich den geringen Rahmenflächen um das Panel herum bewusst wird.

Die feinen Nuancen der drei Farben in der Haptik kommen beim direkten Vergleich zum Tragen: Das glänzend-schwarze Modell wirkt mit der Zeit etwas weniger hochwertig als die beiden matten Varianten. Gerade das weiße OnePlus 6 überrascht in der Hand mit einem Gefühl von Keramik, auch wenn dort das harte Material nicht verbaut wurde.

Die Formgebung ist trotz allem recht feminin geraten, was dazu führt, dass das OnePlus 6 sehr sanft und geschmeidig in der Hand liegt. Damit befindet es sich tief in der Handfläche. Ein sicherer Griff ist auch mit durchschnittlich großen Händen möglich. Die zum Teil etwas glatten Oberflächen brauchen jedoch genau diesen festen Griff, damit das neue Flaggschiff nicht aus der Hand rutscht. Halt finden die Finger an den mechanischen Steuerelementen wie dem Power-Button, der Lautstärkewippe und dem Fingerabdruck-Sensor. Er ist in die Rückseite eingelassen und kann mit dem Zeigefinger ordentlich erreicht werden. Der Slider zum Stummschalten des Smartphones liegt jedoch nur knapp in der Reichweite des Daumen. Hier hätte OnePlus einen Zentimeter weniger Raum lassen können.

Wie schon beim Vorgängermodell 5T wurde die untere Rahmenkante etwas angeschrägt – heißt, sie läuft schräg zur Rückseite hin weg. Damit ist das Handy von hinten betrachtet etwas kürzer als von vorne. Das mag zwar ein Designmerkmal sein, hat jedoch den Nachteil, dass der USB-Stecker beim Laden halb hervorsteht. Man mag es als Charakter auslegen, man kann jedoch auch die Meinung vertreten, dass OnePlus hier auf biegen und brechen eine eigene Design-Idee unterbringen wollte.

Verarbeitung auf Top-Niveau

An der Verarbeitung lässt sich kaum negative Kritik äußern. Spalten oder Grate lassen sich nicht ertasten und auch die Öffnungen im Metallrahmen sind ohne scharfe Kanten ausgeführt. Die Buttons und auch der Slider tasten beziehungsweise rasten satt und wirken stabil. Hier wandelt OnePlus auf guten alten Pfaden. Sucht man das Haar in der Suppe, lässt sich das Schutzglas des Kameramoduls respektive sein Einbau kritisieren. Es fehlt ein Zehntel Millimeter, damit das Glas bündig mit dem das Modul umgebenden Rahmen abschließt. So sammelt sich schnell Schmutz in den Kanten, was sich durchaus negativ auf die Fotoqualität auswirken kann.

Volle Punktzahl. Das OnePlus 6 ist eine konsequente Weiterentwicklung des 5T. Beim Design orientiert sich das Unternehmen allerdings an aktuellen Trends und setzt lediglich mit den verschiedenen Rückseiten, die sich nicht nur in ihren Farben, sondern auch der Haptik unterscheiden, ein Ausrufezeichen. Zudem ist das Gerät verwindungssteif wie ein Stahlträger.

Einzelwertung: 5 von 5 Sternen

Display

Seit einiger Zeit setzen Smartphone-Hersteller verstärkt aufs langgezogene Display-Format. Nur Sony will diesen Trend nicht mitgehen. Dabei gibt es hierbei vor allem Vorteile bei der Bedienung. So lassen sich etwa Nachrichten mit einer Hand deutlich einfacher tippen. Auch OnePlus baut im OnePlus 6 einen Bildschirm im 18:9-Format ein. Die Bildschirmecken befinden sich innerhalb eines Standardvierecks. Diagonal gemessen liegt die Bildschirmgröße bei 6,28 Zoll im vollen Viereck und bei 6,12 Zoll für die abgerundeten Ecken. Hinsichtlich der Auflösung setzt der Hersteller auf Full-HD+, sodass Inhalte mit 1.080 x 2.280 Pixeln dargestellt werden. Daraus errechnet sich eine Pixeldichte von 400 ppi. Bei der Display-Technologie fällt die Entscheidung zugunsten eines AMOLED-Panels. Trotz Gorilla Glass 5 wird das OnePlus 6 mit einer Schutzfolie über dem Display ausgeliefert. Offenbar traut man hier dem Glas-Spezialisten Corning nicht über den Weg.

An der Auflösung gibt es nichts auszusetzen, auch wenn 400 Bildpunkte pro Zoll im Vergleich zum HTC U12+ etwa, das 537 ppi sein Eigen nennen kann, mickrig erscheinen. Durch den Einsatz von organischen Leuchtdioden im Panel wirken die Farben deutlich kräftiger als es bei IPS-Displays der Fall ist. Insbesondere Grün wird sehr verstärkt wiedergegeben. Wem es zu grün wird, der kann in den Display-Einstellungen die Farben seinen Ansprüchen entsprechend kalibrieren. Die Kontraste hingegen sind gut, ebenso wie Weiß- und Schwarzwerte. Zudem sind die Blickwinkel so stabil, dass auch bei extrem schräger Draufsicht alles gut erkennbar ist, ohne dass Inhalte dunkler oder verschwommener dargestellt werden. Die automatische Helligkeitsregelung funktioniert stufenlos und mit enormer Geschwindigkeit. Die maximale Helligkeit reicht aus, um Texte auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesen zu können. Im umgekehrten Fall lässt sich die Helligkeit extrem abdunkeln.

Eine Besonderheit, die seit dem Essential Phone das Display-Design bei Smartphones verändert hat, ist auch beim OnePlus-Modell der neuesten Generation vorhanden. Die Rede ist von der Einkerbung am oberen Rand des Bildschirms. Diese Aussparung, die es unter der Bezeichnung „Notch“ in den Sprachgebrauch geschafft hat, kommt aktuell in sehr vielen Smartphones zum Einsatz. Der Vorteil der Notch liegt darin, dass das Display größer wird, Hörmuschel und Kamera aber dennoch Platz auf der Vorderseite finden. Jedoch reduziert der Einschnitt den Platz für Benachrichtigungssybole. Wie sich das lösen lässt, erklärt die Redaktion im Abschnitt „Software und Multimedia“. Ob die Display-Aussparung nur ein Trend ist oder ein Übergang zu einem vollkommen randlosen Display, wie etwa dem Vivo Nex, wird sich noch zeigen. Fest steht jedoch, dass die Notch aktuell die Design-Innovation auf dem Smartphone-Markt ist – ob der Nutzer will, oder nicht.

OnePlus 6 mit und ohne Notch
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside handy

Hell, scharf und kontraststark: Das Display des OnePlus 6 bietet alles, was sich ein Nutzer derzeit wünschen kann. Eine Besonderheit, wie etwa Force Touch oder die Unkaputtbarkeit eines Moto Z2 Force besitzt es aber nicht.

Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

OnePlus stattet sein neuestes Smartphone-Modell mit Qualcomms aktuellen Spitzenprozessor aus. Je nach Wahl der Variante wird der Snapdragon 845 von 6 respektive 8 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Auch hinsichtlich des internen Speichers hat der geneigte Käufer die Wahl zwischen 64, 128 und 256 GB. Und die sollte vor dem Kauf überdacht werden, da das OnePlus 6 keine Möglichkeit bietet, das Datendepot per Speicherkarte aufzustocken.

Die Konfiguration der Hard- und Software musste im Test auf den Prüfstand. Im Benchmark-Test von AnTuTu in der Version 7.0.8 erzielte das Smartphone ein Ergebnis von 268.802 Punkten. Der Redaktion liegt die Midnight-Black-Variante mit 128 GB Speicher vor. Damit springt der Neuling auf Platz 2 der jemals von inside handy getesteten Smartphones. Nur das HTC U12+ bringt rund 2.000 Zähler mehr zustande. Auf Rang drei folgt das LG G7 ThinQ (262.448 Punkte). Den Sony Xperia XZ2 (258.397). Den dritten Platz belegt das Samsung Galaxy S9+ (249.185).

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät OnePlus 6 268.802
Samsung Galaxy S9+ 249.185
direkte Konkurrenten Sony Xperia XZ2 258.397
HTC U12+ 270.006
Huawei Mate 10 Pro 216.125
ehemalige Spitzenmodelle Samsung Galaxy S9 244.895
 LG G7 ThinQ 262.448
aktuelle Referenz HTC U12+ 270.006

Der hohe Wert im Benchmark-Test spiegelt sich auch im Praxistest wider. Ohne Ruckler bewegt sich der Nutzer enorm schnell durch Menüs, lädt Apps im Handumdrehen herunter und springt rasant zwischen Anwendungen hin und her wie ein Kind beim Gummitwist. Wer von einem Mittelklasse-Smartphone auf das OnePlus 6 umsteigt, wird ein wahres Geschwindigkeitswunder erleben.

Hinsichtlich seiner Schnittstellen ist das OnePlus 6 bestens ausgestattet – auch wenn der eine oder andere Nutzer MHL oder den Qi-Standard vermissen dürfte. Ein LTE-Chip erlaubt Downloads mit bis zu 1 GBit/s (Cat. 16). Eine Geschwindigkeit, die hierzulande von keinem Netz auch nur Ansatzweise erreicht wird. Vodafone hat aber bereits erste Städte mit Mobilfunk-Basisstationen ausgestattet, die gigabitfähig sind.

Das knapp fünf Jahre junge Unternehmen bringt sein Top-Smartphone mit Bluetooth 5.0 und einer Dual-SIM-Funktion in den Handel. Zudem ist entgegen dem Trend weiterhin ein Klinkenanschluss vorhanden. Neben diesen positiven Eigenschaften gibt es aber auch einen Nachteil: Wer sein OnePlus 6 versehentlich in der Latrine versenkt, muss davon ausgehen, das es danach unbrauchbar ist. Zwar stattet OnePlus das Smartphone mit einem Wetterschutz aus. Ist das Gerät aber aufgrund eines Wasserschadens defekt, übernimmt der Hersteller keine Garantie.

Wer mit dem OnePlus 6 telefoniert, hört seinen Gesprächspartner klar und deutlich. Auch die Freisprecheinrichtung konnte im Test überzeugen. Der Lautsprecher des chinesischen Flaggschiffs liefert eine solide Leistung ab. Im Test befand sich das Smartphone im Vodafone-Netz, der Angerufene im Festnetz.

OnePlus 6
LG G7 ThinQ gegen OnePlus 6
Bildquelle: OnePlus
HSPA
HSPA+
LTE (Up-max / Down-max Mbit/s) 150 / 1000 MBits
USB-OTG
DLNA
NFC
Kabellose Display-Übertragung
MHL
Infrarot-Fernbedienung
Bluetooth-Version 5.0
WLAN-Standards IEEE 802.11 a/b/g/n/ac
Qi
Dual-SIM

Fehlende Speichererweiterung, kein kabelloses Aufladen, nicht wasserdicht: Auch wenn die Leistung des OnePlus 6 durchweg ausgezeichnet ist, verhageln die drei genannten Eigenschaften dem Gerät die Wertung.

Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen

Kamera

Bei der Kameraausstattung setzt OnePlus auf Sensoren von Sony. Die Hauptkamera des Duos auf der Rückseite löst Fotos mit bis zu 16 Megapixeln auf. Eine Blende von f/1.7 soll auch bei schlechten Lichtbedingungen für rauscharme und scharfe Fotos sorgen – unterstützt von einem optischen und elektronischen Bildstabilisator. Die zweite Kamera besitzt einen 20-Megapixel-Sensor und ist für einen Tiefeneffekt bei der Porträtfotografie verantwortlich. Videos lassen sich – je nach Einstellung – in HD, Full-HD oder 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Die Bildstabilisierung ist auch nur bei der genannten Bildwiederholungsrate verfügbar. Auf der Vorderseite befindet sich hinter der Optik mit einer Blende von f/2.0 ein 16-Megapixel-Sensor – ebenfalls von Sony.

Kamera-Software

Die Oberfläche der Kamera-App ist übersichtlich und intuitiv gestaltet und dürfte vor allem Puristen gefallen. Beim Start der Anwendung lassen sich mit Wischern von links nach rechts – und andersherum – die Modi „Video“, „Foto“ und „Portrait“ auswählen. Hält man das Smartphone hochkant, lassen sind am oberen Ende des Displays Einstellungen hinsichtlich des Bildformats vornehmen oder der LED-Blitz ein- und ausschalten. Wischt der Nutzer von unten nach oben, treten weitere Modi zum Vorschein. Dazu zählen etwa die Zeitlupen-, Zeitraffer-, Panorama- und Pro-Modus-Funktion. Bei letztgenanntem lassen sich Parameter wie Blende, Belichtungszeit und Weißabgleich individuell vornehmen. Zudem spuckt das OnePlus 6 Fotos auch im RAW-Format aus. Damit bekommt der versierte Fotograf ein Bild, das nach dem Drücken des Auslösers mehr Informationen enthält als ein Foto, dass anschließend als JPG-Datei im Speicher abgelegt wird. Vorteile ergeben sich dadurch vor allem bei der nachträglichen Bildbearbeitung.

OnePlus 6: Die Kamera-Software

OnePlus scharf

Ob bei Tag, oder bei Nacht, ob Nahaufnahmen oder Gegenlicht: Die drei Kameras liefern in nahezu jeder Situation scharfe, rauscharme und und kontrastreiche Fotos. Der Tiefenschärfeeffekt, für den die Software verantwortlich ist, kann sich sehen lassen – auch wenn es hier und da zu kleineren Fehlern kommt. Insbesondere bei Strukturen mit vielen Details hat die Software Probleme zu unterscheiden, was im Vorder- und was im Hintergrund ist. Dennoch ist das Ergebnis besser, als bei den Mitbewerbern.

Wer Makroaufnahmen protegiert, wird seine Freude am OnePlus 6 haben. Zwar muss beim Fotografieren ein gewisser Abstand zum Objekt eingehalten werden, der nicht als kurz bezeichnet werden kann. Im Nachhinein lässt sich aber sehr tief ins Bild hineinzoomen. So kommen extrem viele und scharfe Details zu Tage. Dem, der sich gerne selbst fotografiert, spuckt die Frontkamera Selfies in guter Qualität aus. Zu nah an das Objektiv sollte man aber nicht herantreten, da die Kamera mit einem festen Fokus ausgestattet ist. So werden Fotos unscharf, wenn man sich zu nah oder zu weit weg befindet.

Videographen kommen mit dem OnePlus 6 ebenfalls auf ihre Kosten. Das Smartphone lässt Filme in 4K mit 60 fps zwar nur für fünf Minuten am Stück zu, die Bildqualität jedoch ist überragend. Der Bildstabilisator hält das Bild ruhig; die Tonaufnahme über die integrierten Mikrofone ist sehr gut. Auch Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen – letzteres wahlweise in Full-HD mit 240 fps oder in HD mit 480 fps – sind beeindruckend und in hoher Qualität. In der folgenden Galerie wird die Kameraqualität anhand von Beispielbildern bewertet:

OnePlus 6: Die Kamera im Test

Volle Punktzahl. Jeder Besitzer des OnePlus 6 wird mit der Kamera seine wahre Freude haben. Das betrifft nicht nur Schnappschüsse, die man im Automatikmodus schießt. Auch Videoaufnahmen sind brillant. Zudem liefert das Unternehmen nicht mehr Modi und Einstellungen als nötig. So bleibt die Nutzeroberfläche schlank und übersichtlich.

Einzelwertung: 5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Das OnePlus 6 läuft mit OxygenOS, das auf Android 8 Oreo basiert. Der Hersteller ist zu jedem Zeitpunkt um Updates bemüht und hört der Community gut zu. Was sich Nutzer im Forum von OnePlus vermehrt wünschen, versucht OnePlus umzusetzen und als Software-Aktualisierung möglichst schnell in den Umlauf zu bringen. Dazu hat der Hersteller auch die App „Community“ installiert. Die Nutzeroberfläche ist Android 8 von der Stange. Was die neueste Android-Version bietet, zeigt die Redaktion hier im Detail. Eigene Anpassungen sind nur hier und da erkennbar, jedoch kaum der Rede wert. Bloatware ist nicht vorhanden.

Auch bei den eigenen vorinstallierten Apps ist OnePlus sparsam. Neben „Notizen“ und „OnePlus Switch“, mit dem man Inhalte wie Kontakte, Nachrichten und Fotos von einem alten Gerät übertragen kann, verzichtet das Unternehmen auf Apps, die Dopplungen hervorrufen würden. Dazu zählen Anwendungen wie Mail, Kalender oder Musik-Player. Bei diesem müssen Nutzer mit Google Play Musik vorlieb nehmen, oder sich eine Musik-App aus dem Play Store herunterladen.

Apropos Musik: Wer ein Lamento abspielen lässt, wird es laut jedoch auch leicht unausgewogen hören können. Tiefen fehlen nahezu gänzlich, wenn der Lautsprecher an der unteren Kante die Töne durch die Bohrungen im Gehäuse presst. Auf ein Headset im Lieferumfang verzichtet OnePlus. Dank des Klinkeneingangs lassen sich aber jede Art von Kopfhörern anschließen. Dann kehren auch die Bässe zurück.

Ein FM-Radio fehlt, eine Benachrichtigungs-LED hingegen ist an Bord. Der Lautsprecher ist vor allem – wie der Name es bereits verrät – laut. Mehr aber auch nicht. Trotz immer aktueller Betriebssystem-Version bietet das OnePlus in dieser Kategorie kaum Highlights.

Einzelwertung: 4 von 5

Akkuleistung

Der Akku des OnePlus 6 ist für ein Spitzenmodell mit einer vergleichsweise durchschnittlichen Kapazität ausgestattet. Mit 3.300 mAh bei 5 V und 4 A Ladestrom sowie USB Typ C 2.0 lässt sich der Energiespeicher aber zügig laden. Etwas verwunderlich ist jedoch, dass OnePlus den Glastrend auf der Rückseite seines Smartphones mitgeht, den Grund für diesen Trend jedoch außen vor lässt: Die Möglichkeit, das Smartphone über den Standard Qi zu laden. Diese Funktion fehlt dem neuen OnePlus-Flaggschiff.

Hinsichtlich der Akkulaufzeit musste sich der Energieträger im standardisierten Test der Redaktion bei dauerhaft aktiviertem Bluetooth, WLAN und GPS sowie E-Mail-Push einem 30-minütigen Gespräch, 30 Minuten Musikhören per Webstream sowie 30 Minuten Spielen und einer 30-minütigen HD-Video-Wiedergabe über YouTube stellen. Hinzu kamen die Aufnahme mehrerer Fotos und Videos, das Surfen auf verschiedenen Webseiten und ein Benchmark-Test.

Am Ende dieses anspruchsvollen 8-stündigen Arbeitstages ließen sich 53 übriggebliebene Prozent von der Akkuskala ablesen. Damit landet das OnePlus 6 im unteren Mittelfeld der von inside handy getesteten Smartphones. Im Standby-Modus verlor der Akku des Top-Modells neun Prozentpunkte – ein guter Wert. Nach insgesamt 24 Stunden verblieben somit noch 44 Prozent. Wer sich am zweiten Tag also zu weit von einer Stromquelle entfernt, riskiert, dass das OnePlus 6 sich zum Mittag des zweiten Tages abschaltet.

OnePlus 6: Die Akkulaufzeit

Smartphone-Akkus im Vergleich

 Modell  Kapazität (mAh) Akkustand Verbrauch
Arbeitstag (8h) Nacht im Standby (16h) Intensivtest (8h) Standby (16 h)
OnePlus 6 3.300 53 44 47 9
Alternativen
Huawei P20 Pro 4.000 68 53 32 15
Samsung Galaxy S9+ 3.500 66 56 34 10
Sony Xperia XZ2 3.180 65 51 35 14

Während das OnePlus 6 in allen anderen Teilwertungen nahezu vollends überzeugen kann, muss es bei der Akkulaufzeit Federn lassen. Vor allem der Stromverbrauch bei der Bedienung ist beachtlich hoch. Was auffällt: Alle von inside handy getesteten Smartphones mit Snapdragon 845 an Bord schwächeln in dieser Kategorie.

Einzelwertung: 4 von 5

Fazit zum OnePlus 6

OnePlus 6 Testsiegel Leistung

Mit dem OnePlus 6 bringt das chinesische Unternehmen aus Shenzen ein Smartphone-Modell der Spitzenklasse auf den Markt. So könnte das Fazit in einem Satz lauten. Jedoch ist es die Akkulaufzeit, die dem ein Strich durch die Rechnung macht. Hinzu kommt eine allenfalls durchschnittliche Lautsprecherleistung; Qi-Standard und ein wasserdichtes Gehäuse fehlen. Dennoch erzielt das OnePlus 6 eine gute Gesamtwertung von 4,5 Sternen. Es sind vor allem die überragende Kamera sowie das brillante Display und die extrem potente Hardware die das Smartphone zum absoluten Spitzenmodell machen.


Was das Design angeht, spielt OnePlus zwar in der gleichen Glasliga wie Samsung, LG, Huawei und Co., bekommt aber mit seiner leicht veränderten Haptik einen anderen Dreh rein und bildet hier ein Alleinstellungsmerkmal im Bereich der High-End-Klasse. Auch in puncto Software glänzt OnePlus mit schnellen Updates und hat damit einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.
Die Kombination aus leistungsstarkem Prozessor und bis zu 8 GB Arbeitsspeicher sorgt für eine sehr gute Performance. Speicherhungrige Nutzer könnten das nicht erweiterbaren Datendepot bemängeln. Daher sollten sie sich bereits vor dem Kauf festlegen, ob 64 GB genügen, oder ob es doch 128 oder gar 256 GB sein sollten.

Gesamtwertung: 4,5 von 5

OnePlus 6 Testsiegel

Pros des OnePlus  6

  • Blitzschnell
  • Herausragende Kamera
  • Exzellentes Display
  • Design mit Extra-Kniff

Contras des OnePlus 6

  • Akku nicht auf Top-Niveau
  • Keine Speichererweiterung
  • Kein kabelloses Aufladen möglich
  • Lautsprecher allenfalls Durchschnitt
  • Nicht wasserdicht

Preis-Leistung

OnePlus verlangt für das OnePlus 6 je nach Ausstattung zwischen 520 und 620 Euro. Im Vergleich zu Spitzenmodellen der Konkurrenz, die allesamt an der 1.000-Euro-Marke kratzen, ist das ein sehr guter Preis. Dabei ist das OnePlus 6 von der Ausstattung her dem Galaxy S9, Huawei P20 Pro oder LG G7 ThinQ nicht unterlegen und bildet aktuell den Preis-Leistungs-Tipp schlechthin.

Alternativen

Wer nach Alternativen zum OnePlus 6 sucht, wird nicht viele finden. Mittlerweile ist aber auch das Galaxy S9 ab etwa 550 Euro erhältlich und könnte damit dem Modell aus China gefährlich werden. Für gut 500 Euro bekommt man auch das LG V30, dass es hinsichtlich seiner Ausstattung mit dem OnePlus aufnehmen kann. Ebenfalls im Bereich von 500 Euro: das Huawei Mate 10 Pro.

Bildquellen:

  • OnePlus 6: Michael Büttner
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Samsung Galaxy S9

Samsung Galaxy S9 und S9+: Android-9-Beta mit One UI startet

Samsung drückt aufs Gaspedal. Nachdem schon einige Hersteller ihre Versionen und Interpretationen von Android 9 Pie final verfügbar gemacht haben, bequemt sich nun auch der Marktführer aus dem Firmware-Sessel und startet die offene Beta für die aktuellen S-Flaggschiffe.
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Blasius liebt Technik, Musik und Fotografie. Während er sich bei technischen Themen für Innovationen begeistert, greift er beim Musizieren auf die Old-School-Akustikgitarre und für großartige Fotos auf die klassische Spiegelreflexkamera zurück. Er ist nicht nur im Privatleben ein Familienmensch, sondern als stellvertretender Chefredakteur auch eins der Oberhäupter der Redaktion. Blasius rechnet Handypreise zwar immer noch in D-Mark um, doch seine ruhige, ausgeglichene, kreative Art und sein Einsatz von immer treffenden und humorvollen GIFs, lassen darüber hinwegsehen.

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