Testbericht zum Nokia Lumia 1020

Datum: 30.09.2013 | Wertung: 88% | Produkt: Nokia Lumia 1020
Nokia Lumia 1020 im Test

Vor mehr als einem Jahr brachte Nokia mit dem 808 PureView ein Symbian-Smartphone mit 41-Megapixel-Kamera auf den Markt – bis dato das beste Kamera-Handy. Nun ist es den Finnen endlich gelungen, die Technik auf eines ihrer Windows-Smartphones zu bringen, das Lumia 1020. inside-handy.de hat getestet, was das Smartphone mit der auffälligen Kamera zu bieten hat.

Verarbeitung und Design

Von dem auffälligen Kameramodul auf der Rückseite einmal abgesehen entspricht das Design des Lumia 1020 weitgehend dem des Lumia 920. Trotz der hervorstehenden Kamera fühlt sich das 1020 im Vergleich jedoch nicht unhandlicher an. Das liegt daran, dass es Nokia nicht nur gelungen ist, das Gehäuse bis auf das Kameramodul etwas flacher zu machen als das des Lumia 920; das Lumia 1020 ist mit 158 Gramm auch knapp 30 Gramm leichter.

Das Gehäuse ist bis auf das Display, die Kamera und die Tasten, aus einem Stück Polycarbonat gearbeitet. Das verleiht dem Gerät eine äußerst stabile und robuste Haptik. Display, Kamera und Tasten schließen perfekt mit dem Gehäuse ab, Spaltmaße sind nicht wahrnehmbar. Einzig der Einschub für die Micro-SIM-Karte trübt den perfekten Gesamteindruck ein wenig, da dieser nicht ganz bündig mit der Außenseite abschließt und auch winzige Spalten vorhanden sind, die insbesondere beim gelben Testgerät auffallen. Dieser minimale Schönheitsfehler fällt im Gesamteindruck jedoch praktisch nicht ins Gewicht.

Nokia Lumia 1020: Hands-On-Fotos

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    Das Nokia Lumia 1020 im Test
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    Das Nokia Lumia 1020 im Test

Wertung: 5/5

Display

Auf dem Display versammeln sich 768 x 1.280 Pixel bei einer Diagonale von 4,5 Zoll. Das entspricht den Daten des Lumia 920, allerdings setzt Nokia diesmal auf ein Super-AMOLED-Display statt auf ein IPS-LC-Display. Dies schlägt sich beim 1020 in kräftigeren Farben nieder, allerdings auch in einer leicht verfälschten Weiß-Darstellung, die einen leichten Grünstich aufweist. Zudem ist auf dem Super-AMOLED bei sehr genauer Betrachtung die Gitterstruktur des Panels sichtbar, beispielsweise an den Kanten der Life-Tiles auf dem Homescreen oder auch bei Buchstaben. Die Darstellung des 920 wirkt da etwas ruhiger.

Ebenfalls negativ macht sich das AMOLED-Display in Sachen Blickwinkelstabilität bemerkbar. Neigt man das Display ein wenig, wird aus einem satten Gelb schnell ein kühles Grün. Bei unserem Testgerät, bei dem die Kacheln des Homescreens als Werkseinstellung gelb gehalten sind, fällt dies besonders auf.

Das Display des Nokia Lumia 1020 aus verschiedenen BlickwinkelnDas Display des Nokia Lumia 1020 aus verschiedenen Blickwinkeln

Wertung: 4/5

Ausstattung

Der Snapdragon-Prozessor des 1020 ist mit zwei Kernen und einer Taktung von 1,5 GHz ausgestattet, an Arbeitsspeicher stehen ihm 2 GB zur Verfügung. Die Kombination reicht im Alltag vollkommen für eine flüssige Bedienung und schnelle Programmstarts. Im AnTuTu-Benchmark schafft das Lumia 12025 Punkte. Dieser Wert liegt weit hinter vielen aktuellen Android-Smartphones dieser Preisklasse, allerdings lassen sich die Werte aufgrund der verschiedenen Betriebssysteme nicht miteinander vergleichen.

Der interne Speicher beträgt 32 GB, bei O2 wird es auch eine Version mit 64 GB geben. Ärgerlich ist, dass es nicht die Möglichkeit gibt, den Speicher per Micro-SD-Karte zu erweitern, denn die Bilder, die gleichzeitig mit 5 und 34 Megapixeln aufgenommen werden können, beanspruchen eine Menge Platz. Mit einem Druck auf den Auslöser können so etwa 17 MB verbraucht werden. Immerhin stehen dem Nutzer 7 GB in Microsofts Cloud-Speicher Sky Drive zur Verfügung. Beim Upload sollte allerdings darauf geachtet werden, dass eine WLAN-Verbindung besteht um das Datenvolumen des jeweiligen Tarifs nicht übermäßig zu belasten.

Das Lumia 920 hatte Nokia noch mit der Möglichkeit versehen, über eine entsprechende Station drahtlos aufgeladen werden zu können. Beim Lumia 1020 verzichten die Finnen nun auf dieses Feature und bieten stattdessen eine Hülle an, mit der induktives Laden möglich wird.

Die Sprachqualität liegt beim 1020 auf einem guten Niveau. Sprache wird auf beiden Seiten klar und deutlich wiedergegeben.

Feature

Ja Nein Funktion

HSPA

X   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ X   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE X   Mobilfunkstandard, Down-max 100 Mbit/s
USB-OTG    X Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA X   Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC X   Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Miracast   X Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät
MHL    X  Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung    X Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version X   3.0
WLAN-Standards X   802.11 a/b/g/n

Wertung 4/5

Kamera

41 Megapixel packt Nokia auf den Sensor des Lumia 1020, was vielen auf den ersten Blick übertrieben erscheinen mag. Doch hinter der hohen Auflösung steckt nicht nur bloße Pixel-Manie, sondern ein Konzept, das Nokia PureView nennt. Die Finnen hatten diese bereits vor über einem Jahr mit dem Nokia 808 PureView vorgestellt, das ebenfalls über eine 41-Megapixel-Kamera verfügt. Die Technologie sorgt dafür dass jeweils mehrere der 41 Megapixel zu einem Pixel zusammengerechnet werden. Das Ergebnis sind dann Bilder mit effektiv weniger Pixeln – voreingestellt sind 5 Megapixel, die dann aber weniger Bildrauschen aufweisen. Zudem bietet die große Pixelanzahl den Vorteil, dass bei Bildern, die mit 5 Megapixeln aufgenommen werden, ein gewissermaßen verlustfreier digitaler Zoom möglich ist. Die Optik stammt wie die vieler Nokia-Top-Modelle aus dem Hause Carl Zeiss.

Die Ergebnisse dieser Kombination können sich wirklich sehen lassen: Sowohl bei guten als auch weniger guten Lichtverhältnissen liefert das Lumia 1020 scharfe Bilder mit kräftigen Farben und zahlreichen Details. Bei schlechteren Lichtverhältnissen hilft der Xenon-Blitz beim aufhellen. Soll das Bild ohne Blitz geschossen werden, sorgt der optische Bildstabilisator dafür, dass längere Belichtungszeiten möglich werden.

Nokia Lumia 1020: Kamera-Testfotos

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    Außenaufnahme
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    Außenaufnahme mit Zoom

Die Bilder in voller Auflösung gibt es hier

Etwas verwirrend wirken die verschiedenen Kamera-Apps auf dem 1020. Neben der normalen Windows-Kamera-App hat Nokia noch Nokia Pro Cam, Nokia Smart Cam, Nokia Cinemagraph und eine App für Panorama-Bilder im Menü des 1020 untergebracht – das hätte man eventuell auch übersichtlicher zusammenfassen können.

Pro Cam bietet die Möglichkeit, manuelle Einstellungen für ein Smartphone ungewöhnlich schnell zu erreichen und anpassen zu können. Allerdings sind die Symbole für die einzelnen Einstellungsmöglichkeiten Blitz, Weißabgleich, Fokus/Schärfe, ISO, Verschlusszeit und Lichtwert sehr klein geraten.

Kamera-Einstellungen Nokia Pro CamManuelle Einstellungsmöglichkeiten in Nokia Pro Cam

Ebenfalls negativ fallen die wenigen Einstellungsmöglichkeiten hinsichtlich der Bildgröße auf. Hier kann der Nutzer nur zwischen 5 Megapixeln und der gleichzeitigen Aufnahme von 5 und 34 Megapixeln wählen (im Bildformat 3:4 sind es 5 und 38 Megapixel). Bei letzterer Option werden zwei Dateien gespeichert. Bilder mit 34 Megapixeln können dabei durchaus schon einmal jeweils 15 MB beanspruchen. Vorsicht ist hier mit der mobilen Datenverbindung geboten: Hat man voreingestellt, dass Fotos automatisch in Microsofts Cloud-Service Sky Drive gesichert werden (Abfrage kommt während der Einrichtung des Lumia 1020), beansprucht der Upload der Bilder von unterwegs ganz schön das Inklusiv-Volumen des Datentarifs. In der App lässt sich diese Funktion unter „Einstellungen“ → „Weitere Einstellungen“ → „Sky Drive“ abschalten.

Hinter der Fotoqualität bleibt die Video-Qualität des 1020 leider etwas zurück. Bei nicht ganz optimalen Lichtverhältnissen kommt es zu Bildrauschen und der Ton wird von einem ständigen akustischen Rauschen begleitet. Positiv fiel hingegen der schnelle Autofokus auf, der auch nach Schwenks und Motivwechseln zügig reagierte. Wen der Autofokus dennoch stört, kann diesen in Nokia Pro Cam ausschalten, oder sogar die Schärfe manuell für eine einzelne Einstellung wählen.

Wertung: 5/5

Musik und Spiele

Bei der Musikwiedergabe greift das 1020 auf die Nokia-Musik-App zurück. Diese bietet neben der Möglichkeit, eigene Musik wiederzugeben auch die Möglichkeit Musik zu kaufen sowie unter Mix Radio Zugang zu einer nach detaillierten Genres sortierten Auswahl verschiedener Musik-Streams. Etwas ungewohnt mutet die Tatsache an, dass es bei Nokias Musik-Player nicht möglich ist, anhand der Fortschrittsleiste vorzuspulen, hierfür muss stattdessen längere Zeit auf den Skip-Button gedrückt werden.

Das mitgelieferte Headset bietet nur einen mittelmäßigen Klang. Mit besseren Kopfhörern lässt sich dem 1020 ein sehr ausgewogener Klang entlocken, lediglich Bässe scheinen ein wenig unterrepräsentiert. Daran ändert auch der Equalizer nichts, der zahlreiche Voreinstellungen sowie die Möglichkeit sehr detaillierter manueller Einstellungen bietet. Eine weitere Einstellungsmöglichkeit stellt die Option Dolby-Kopfhörer dar, die nochmals einen volleren Klang liefert.

Der Equalizer lässt sich allerdings nur nutzen, wenn ein Kopfhörer angeschlossen ist. Hört man Musik über den verbauten Lautsprecher, stehen keine Optionen zur Klangverbesserung zur Verfügung. Der Lautsprecher selbst liefert eine hohe Lautstärke, jedoch wie die meisten Smartphone-Lautsprecher wenig Tiefe. Auch Höhen kommen etwas zu kurz, wodurch das 1020 einen etwas dumpfen Klang von sich gibt.

Nokia-Musik-AppNokia Musik

Hardware-seitig ist das 1020 für Spiele gut ausgestattet, die Darstellung des mit 4,5 Zoll für ein Windows-Smartphone recht großen Displays macht Freude und der 1,5 GHz schnelle Dual-Core-Prozessor kommt mit den 2 GB Arbeitsspeicher, die ihm zur Verfügung stehen, bei aufwendigeren Spielen kaum ins Schwitzen. Asphalt 7 lief ohne Ruckler oder Verzögerungen.

Wertung 4,5/5

Akku

Nokia hat jede Menge Kameratechnik in das Lumia 1020 gesteckt und dazu einen 2.000-mAh-Akku. Was bei durchschnittliche Smartphones eigentlich für einen ganzen Tag reichen sollte, wirkt beim 1020 unterdimensioniert. So machte das Gerät noch vor Ablauf des Tests bereits nach sieben Stunden schlapp. Bis dahin wurde mit dem 1020 eine halbe Stunde lang HD-Video-Stream geschaut, eine halbe Stunde Internetradio gehört und 25 Minuten gespielt. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Wert eines Smartphones mit normaler Kamera läge bei dieser Beanspruchung bei mindestens noch 40 Prozent.

Was allerdings mutmaßlich den rapiden Energieverlust ausgelöst hat, dürfte die Kamera sein. Zwar wurden nicht besonders viele Fotos geschossen, allerdings werden die mit Nokia Pro Cam geschossenen Fotos in der Standard-Einstellung sowohl als 5-Megapixel- als auch als 34-Megapixel-Version abgespeichert. Das verbraucht nicht nur mehr Platz, sondern offenbar auch mehr Energie. Hinzu kommt, dass im Lumia 1020 ein Xenon-Blitz verbaut ist, der zwar nur selten zum Einsatz kam, aber sicherlich auch seinen Teil zum gesteigerten Stromverbrauch beigetragen hat.

Wertung: 2/5

Fazit

Mehr als 650 Euro verlangt Nokia für sein Ausnahme-Smartphone. Dafür kann das Lumia 1020 als Kamera-Smartphone voll und ganz überzeugen. Kleinere Abstriche gibt es nur bei Videoaufnahmen. Insbesondere ist es erfreulich, dass es Nokia gelungen ist, die Technik relativ schlank zu verpacken. Sicherlich, die Kamera ragt aus dem Gehäuse hervor und nimmt viel Platz ein; hält man das Gerät jedoch in der Hand, fällt dies so gut wie gar nicht auf. Auch in der Hosentasche macht sich die Ausbuchtung kaum bemerkbar. Dafür wird der Nutzer mit wirklich guten Bildern belohnt – auch bei eingeschränktem Umgebungslicht.

Auch bei den anderen Funktionen bietet das Lumia 1020 ein gutes Gesamtpaket, bis auf eine sehr große Schwachstelle – den Akku. Im Test hielt dieser nur 7 Stunden und damit viel kürzer als die überragende Mehrheit der Smartphones durch. Offenbar geriet Nokia hier in den Zwiespalt, das Gerät entweder recht schlank und nicht zu schwer zu machen, oder die Akkugröße an den gesteigerten Energiebedarf anzupassen. Stattdessen bietet Nokia für das Lumia 1020 eine Hülle an, die das Gerät gleichzeitig um einen 1.020-mAh-Akku und einen weiteren Auslöse-Button erweitert, der Preis hierfür liegt derzeit etwa bei 60 Euro. Wer das 1020 oft als Kamera nutzen möchte - und das dürfte eigentlich auf alle Interessenten zutreffen - sollte darüber nachdenken, sich diese oder auch einen anderen externen Akku anzuschaffen.

Pro:

  • Hervorragende Smartphone-Kamera, ersetzt kompakte Digitalkamera
  • Relativ schlank trotz KameraTestsiegel Nokia Lumia 1020
  • Sehr gute Verarbeitung

Contra:

  • Sehr kurze Akkulaufzeit
  • Akku nicht austauschbar
  • Keine Speichererweiterung möglich

Alternative

Ebenfalls sehr gute Fotos bei einer hervorragenden Verarbeitung liefert das Lumia 925. Es verfügt ebenfalls über einen optischen Bildstabilisator und Carl-Zeiss-Optik. Die Foto-Anwendungen Nokia Pro Cam und Smart Cam sind auch für das 925 verfügbar. Wer auf den verlustfreien digitalen Zoom und den Xenon-Blitz des 1020 verzichten kann, bekommt hier ein flacheres und leichteres Smartphone zu einem erheblich günstigeren Preis, der derzeit bei etwa 430 Euro liegt.

Autor: Andreas Krambrich

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