Motorola Moto G6 im Test: Der zuverlässige Partner von nebenan

20 Minuten
Motorola Moto G6 im Test geprüft
Bildquelle: Simone Warnke/inside handy

Design und Verarbeitung

Das Basismodell der neuen G-Serie ist das 167 Gramm leichte Moto G6 und befindet sich in Gesellschaft des Moto G6 Plus und G6 Play. Motorola schafft ein schnittiges Gerät, das Alt und Neu zu kombinieren weiß: Optische Design-Merkmale wie die runde Fassung um die Hauptkamera oder das charakteristische „M“ des Hersteller-Schriftzugs weißt das Moto G6 ebenso auf wie auch ein modernes, schlankeres Design als noch das Moto G5.

Das metallene Gewand ist einem gläsernen Konstrukt gewichen, das auf der Rückseite leicht abgerundet und so recht ergonomisch geformt ist. Eine weitere auffällige Veränderung besteht auch auf der Front: Das Display streckt sich deutlich durch das 18:9-Format, sodass die Gehäuseränder auf ein Minimum reduziert, doch auch weiterhin sinnvoll genutzt werden. Der Home-Button wird in Folge dessen geschmälert und verliert seine dickliche Form.

Wenn auch nur vor Wasserspritzern beziehungsweise geringen Mengen Regen bietet das Moto G6 Nässe Paroli. Der Schutz kommt nicht in der gängigen IP-Zertifizierung, sondern von der auf Wasserschutz für Technik spezialisierte Firma p2i, deren Wasserschutz gleichnamig ist.

Die technischen Daten des Moto G6, G6 Plus und G6 Play in der Übersicht:

Moto G6
Moto G6 Plus
Moto G6 Play
Moto G6 play
Moto G6
Moto G6 play
Display 5.7” Zoll, 1.080 x 2.160 Pixel 5,7 Zoll, 1.080 x 2.160 Pixel 5.7” Zoll ,720 x 1440 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8.0 Oreo
Prozessor Snapdragon 450

1.8 GHz Octa-Core

Snapdragon 630

2.2 GHz Octa-Core

Snapdragon 430

1.4 GHz Octa-Core

RAM 3 GB / 4 GB 4 GB / 6 GB 3 GB RAM
interner Speicher 32 GB / 64 GB 32 GB / 64 GB / 128 GB
32 GB
MicroSD ja (128GB) ja (128GB) ja (128GB)
Kamera vorne/hinten 8 MP / 12 + 5 MP 2 x 12,2 MP, OIS / 8 MP 8 MP / 13 MP
Fingerabdruckscanner ja
Akku 3.000 mAh 3.200 mAh 4.000 mAh
USB-Port USB Typ-C micro-USB
Bluetooth 4.2 5.0 4.2
Abmessungen (mm) 153.8 x 72.3 x 8.3 mm 160 x 75.5 x 8.0mm 154.4 x 72.2 x 9 mm
Farben Indigo Blue
Einführungspreis  249 Euro 299 Euro 199 Euro

Raus aus dem Karton

Das Moto G6 kommt in der Farbe nach Wahl – zur Verfügung stehen Schwarz, Rosa, Blau und Silber – in einem für Motorola typischen grell-bunten Karton. Sowohl der Herstellerschriftzug als auch der Produktname werden in einer silber glänzenden Schrift vermerkt.

Im Innern befinden sich über- und nebeneinander gestapelt das Smartphone höchstpersönlich, eine transparente Gummi-Schutzhülle, Netzwerkadapter samt USB-Typ-C-Ladekabel, SIM-Karten-Werkzeug und Anleitungen. Auf ein Headset müssen Nutzer jedoch verzichten.

Motorola Moto G6 im Test Unboxing
Bildquelle: Simone Warnke/inside handy

Moto G6 Hands-On

Wenn eines bei der Nutzung des Moto G6 klar wird, dann ist es das: Lenovo und den zuständigen Motorola-Entwicklern ist es gelungen, ein rundum stimmiges Smartphone für den Massenmarkt zu entwickeln. Es liegt mit seiner sanft abgerundeten Rückseite aus Glas angenehm in der Hand und ist nicht zu schwer.

Einziges Manko: Verzichtet der Nutzer darauf, zum Beispiel die mitgelieferte Silikon-Schutzhülle zu nutzen, ragt auf der Rückseite die Dual-Kamera-Abdeckung recht deutlich aus dem Gerät heraus. Nicht selten passiert es in diesem Zusammenhang, dass der Zeigefinger bei der Nutzung über die recht scharfkantigen Ränder der Kameraabdeckung streift – kein schönes Gefühl. Aber wer sein Smartphone liebt, steckt es eben doch besser in eine Schutzhülle – um es auch bei etwaigen Stürzen zu Boden nicht mit viel Herzschmerz und zersplitterter Vorder- und / oder Rückseite wieder anheben zu müssen. Mit Schutzhülle ist das Problem rund um die herausstehende Kamera-Abdeckung von der einen auf die andere Sekunde gegessen. Dann verschwindet übrigens auch das Problem, dass Fingerabdrücke auf dem gläsernen Korpus recht stark in Erscheinung treten können. Man schlägt sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe und spart sich das ständige Polieren der Rückseite.

Auf physische Tasten unterhalb des Displays, wo auch der flott arbeitende Fingerabdrucksensor zu finden ist, wird seitens Motorola verzichtet. Stattdessen erfolgt die Menüsteuerung über Sensor-Tasten, die direkt in das Display integriert sind. An der rechten Seite wurde nicht nur die Lautstärke-Wippe verbaut, sondern auch die Taste zum Ein- und Ausschalten des Smartphones. Achtung: sie ist leicht geriffelt, was bei zarten Fingerchen ebenfalls für ein etwas unschönes Gefühl sorgen kann.

Motorola Moto G6 im Test: Hands-On

Erfreulich wiederum: Den Markt-Trend, auf eine Klinkenbuchse für klassische Kopfhörer-Anschlüsse zu verzichten, geht Motorola nicht mit. Das gilt übrigens auch für die beiden Schwestermodelle G6 Plus und G6 Play. Der Akku wird bei allen Modellen über einen USB-Typ-C-Anschluss geladen.Und abschließend noch dies: Mit Blick auf das Display des Moto G6 muss festgehalten werden, dass eine einhändige Bedienung aufgrund des 5,7 Zoll großen Panels schlicht und ergreifend nicht möglich ist. Alles, was im oberen Display-Drittel angezeigt wird, ist mit dem Daumen nur nach einem Umgreifen anzusteuern. Ein Problem, das aber nicht nur Motorola betrifft, sondern alle Hersteller, die auf große Displays setzen, um zum Beispiel bei beliebten Social-Media- oder Nachrichten-Inhalten möglichst viel auf einen Blick anzeigen zu können.

Das Moto G6 bleibt optisch traditionell, fügt sich gleichzeitig jedoch den aktuellen Trends und passt sein Design dementsprechend an. Ein wenig störend ist die herausragende wie scharfkantige Kamera. Schön ist jedoch der theoretische Schutz gegen geringe Mengen Wasser.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Display

Beim Display setzt Motorola auf ein Full-HD+-Panel, das im 18:9-Format eine diagonale Abmessung von 5,7 Zoll vorweisen kann. Bei einer in Zahlen ausgedrückten Auflösung kommt das Moto G6 auf 1.080 x 2.160 Pixel und eine Pixeldichte von 424 ppi. Ab etwa 300 ppi werden einzelne Pixel auf dem Bildschirm für das menschliche Auge unsichtbar, ergo übertrifft das Smartphone diesen Wert bei weitem und stellt Inhalte dementsprechend angenehm dar. Zur Orientierung: Das Lite-Modell der neuen P20-Reihe von Huawei kommt mit der gleichen Auflösung auf 400 ppi, das Samsung Galaxy S9 mit seinem Super-AMOLED-Display auf 568 ppi.

Das Panel des Moto G6 wurde im IPS-Verfahren produziert. Eine Technik, die natürliche Farben und eine gute Blickwinkelstabilität erhalten soll. Mehr zu diesem Thema gibt es im Magazin von inside handy. Vor Kratzern und Stürzen aus geringer Höhe schützt zudem Gorilla Glass 3.

Motorola Moto G6 im Test Blickwinkelstabilität
Bildquelle: Simone Warnke/inside handy

Alles in allem bietet das Moto G6 ein bietet ein helles, für die meisten Nutzer völlig ausreichend ausgestattetes Display mit einer hohen Blickwinkelstabilität. Selbst unter starker Sonneneinstrahlung ist eine Nutzung ohne größere Einschränkungen möglich. In den Geräteeinstellungen finden sich beim Moto G6 lediglich ein paar Möglichkeiten, das Display an verschiedene Situationen anzupassen. Neben der Helligkeit kann man dort nur die Farbtemperatur oder Ruhezustand einstellen. Die meisten Ergänzungen verlegt Motorola in die hauseigene App namens „Moto Actions“. Dort können Nutzer sich nach herzenslust austoben: Unter anderem lässt sich über die App der Blaufilter oder ein „cleveres Display“ einstellen.

Das Display mit Full-HD+-Auflösung kann durch sein schmales Format durchaus punkten. Motorola ergänzt mit nützlichen Apps und Einstellungen die Möglichkeiten, das Panel an spezifische Situationen anzupassen.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Im Inneren schwingt ein eher sparsamer Prozessor das Zepter: Verbaut ist der Snapdragon 450 von Qualcomm, der eigens für mittelklassige Smartphones entwickelt und im Sommer des vergangenen Jahres enthüllt wurde. Seine acht Kerne arbeiten mit bis zu 1,8 GHz, was für eine flüssige, wenn auch nicht überragende Performance sorgt. Kombiniert wird der Chipsatz mit einem 3 GB großen Arbeitsspeicher, der seinerseits auf 32 GB interne Speicherkapazität zugreifen kann. Auf Wunsch stellt Motorola die Möglichkeit bereit, letztere mittels Micro-SD-Karte um bis zu 128 GB zu erweitern.

Nutzer haben zudem die Wahl zwischen zwei Speichermodellen: Zu haben ist das Moto G6 entweder mit 3 GB RAM und einem internen Datendepot mit 32 GB oder aber mit einem 4 GB großen Arbeitsspeicher und einem internen Fassungsvermögen von 64 GB.

Das Moto G6 im Benchmark-Test

Die theoretische Leistung des Moto G6 zeigt ein erster Benchmark-Test auf Basis von AnTuTu in Version 7.0.7. Dabei wurde deutlich, dass die Bäume für das Smartphone nicht in den Himmel ragen – was bei der Wahl des verwendeten Qualcomm-Prozessors auch nicht verwundern kann.

In der Endabrechnung standen 70.031 Punkte; in einem zweiten Test waren es auf ganz ähnlichem Niveau 70.243 Punkte. Alles andere als ein Spitzenwert. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis in Ordnung – vergleichbar mit dem Huawei P20 Lite, das auf 87.260 Punkte kam, und dem Sony Xperia XA2. Von den derzeitigen Referenzen, wie zum Beispiel dem Galaxy S9+ aus dem Hause Samsung und einem Spitzenwert von 249.185 Punkten ist es jedoch weit entfernt.

Benchmark-Tests im Vergleich (AnTuTu 7.0)

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät Motorola Moto G6 70.031
 direkte Konkurrenten Huawei P Smart 87.360
Honor 9 lite 88.553
Sony Xperia XA2  88.631
 ehemalige Spitzenmodelle Honor 8 88.026
Huawei P10  124.418
 Razer Phone  208.107
 aktuelle Referenz (Android) Sony Xperia XZ2 Compact 264.971
Samsung Galaxy S9+  249.185
Samsung Galaxy S9  244.895

Von dem theoretisch eher schwachen Ergebnis macht sich bei der praktischen Handhabung nicht sonderlich viel bemerkbar. Die Schere zwischen Benchmark-Ergebnis und der tatsächlichen Performance wird hier wieder deutlich. Die Menüwischerei geht reibungslos vonstatten, ebenso die Verwendung von Apps, Videos oder aufwändigen 3D-Spielen wie „Asphalt 8: Airborne“. Längere Ladezeiten oder Abstürze sind Fehlanzeige. Stattdessen ist bei längerer Nutzung oder bei Prozessen, die eine hohe Rechenleistung verlangen, eine starke Hitzeentwicklung zu beobachten. Das Gerät schaltet sich hier nicht ab und die Hitzeentwicklung liegt wohl noch im handelsüblichen Rahmen – andere Geräte können bei solch einer Leistung aber einen deutlich kühleren Kopf bewahren.

Verbindungsmöglichkeiten des Moto G6

Die Sensorik des Moto G6 überschreitet die grundlegende Ebene nicht. Aufregende Verbindungsmöglichkeiten oder Ähnliches sind zwar kein Teil der Ausstattung, dafür werden Otto-Normal-Verbraucher auch mit den Gegebenheiten zufrieden sein. Neben der Unterstützung von WLAN, NFC und USB-OTG bietet das Motorola-Smartphone auch LTE – jedoch in der eher schlechteren Variante Cat.4. Im Detail bedeutet dies eine maximale Download-Geschwindigkeit von 150 MBit/s, im Upload sind es bis zu 50 Mbit/s. Bluetooth ist ebenfalls nur in der älteren Version 4.2 verbaut.

Dafür kann das Moto G6 Dual-SIM: In nur einem anstatt zwei Fächern befinden sich drei Einlegefächer für zwei SIM- und eine Micro-SD-Karte, die allesamt parallel verwendet werden können.

Verbindungsmöglichkeiten des Motorola Moto G6

Feature Vorhanden Funktion
HSPA Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE Mobilfunkstandard, Down-max 150 Mbit/s, Up-max: 50 MBit/s
USB-OTG Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher (nicht ab Werk vorhanden)
NFC Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Kabellose Display-Übertragung Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (z.B. Miracast/AirPlay/Google Cast)
MHL Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version 4.2
WLAN-Standards IEEE 802.11 a/b/g/n
Qi Ermöglicht das kabellose Laden des Smartphones

Telefonqualität

Die grundlegendste Eigenschaft, die einem Telefon zu Eigen ist, schafft das Moto G6 mit Bravour: das Telefonieren. Wird bei vielen Geräten das Gespräch durch knacken, rauschen oder Unterbrechungen gestört, klingen die Stimmen des Anrufers wie Angerufenen wie Samt im Ohr. Die Qualität ist klar, deutlich und angenehm. Dieser Qualität kann auch der Lautsprecher nichts anhaben – im Gegenteil: Selbst von etwa einem Meter Abstand zum Gerät hört man alles noch laut genug. Unterstützend dazu schneidet das Moto G6 Umgebungsgeräusche fast ganz heraus.

Auch wenn die Verbindungsmöglichkeiten eher nur grundlegend sind, kann das Moto G6 die Ansprüche eines normalen Verbrauchers erfüllen – auch hinsichtlich der praktischen Leistung. Schade ist hingegen, dass Motorola nicht auf die neuesten Standards zurückgegriffen hat.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Kamera

Unverkennbar sitzt das Doppelauge des Moto G6 auf seinem Rücken und behält das Vorgehen im Blick. In der kreisrunden, erhöhten Aussparungen sitzen sowohl das Kamera-Modul als auch der LED-Blitz. Im Gegensatz zu manchen Dual-Kameras anderer Hersteller sind nicht je ein RGB- und ein Monochrom-Sensor verbaut, sondern zwei RGB-Sensoren. Die Auflösungskraft der Hauptkamera liegt bei 12 und 5 Megapixeln. Kombiniert wird sie mit einer lichtstarken f/1.8-Blende.

Die Fotografie-Ergebnisse des Moto G6 gestalten sich seltsam: Teilweise kreiert das Smartphone schöne Bilder, teils sind sie eher unterdurchschnittlich trotz Dual-Kamera. Auf dem Handy-Display sehen sie zudem oft sehr dunkel aus, doch sieht man sich das Foto beispielsweise auf dem Computer an, verändert sich das Bild positiv und wird beispielsweise heller. Dadurch kann die Kamera nicht in Gänze von sich überzeugen. Doch der Reihe nach.

Die Leistung der Dual-Kamera des Moto G6 soll anhand folgender Testfotos demonstriert werden:

Motorola Moto G6 im Test: Testfotos

 

Stärken und Schwächen der Dual-Kamera

Die eindeutige Stärke der Hauptkamera liegt in Landschaftsaufnahmen, die bei sehr guten Lichtverhältnissen relativ scharf und Detailreich eingefangen werden. Auch die Farben sind je nach Lichteinfall natürlich und auch kräftig. In vielen Fällen, wenn eine Farbe mehrheitlich auf dem gewünschten Bildausschnitt vorhanden ist, wird diese grell und unnatürlich.

Die Dual-Kamera des Moto G6 bekommt die Tiefenschärfe nur teilweise auf die Kette: Zwar sind Motive im Vordergrund zumeist unscharf, dafür jedoch der Großteil des Bildes scharf – sprich auch Partien, die eigentlich nicht im Fokus stehen sollten. Auch der Fokus möchte bei Nahaufnahmen meistens nicht so, wie man will: Es werden andere Partien als die eigentlich ausgewählte ins Zentrum gerückt. Bei kleinen Objekten fokussiert die Kamera meist den Hintergrund und reguliert den Vordergrund samt Objekt dunkel. Bei größeren Objekten ist dies nicht der Fall.

In den Einstellungen versteckt sich ebenfalls ein Bokeh-Effekt, der aber eher schlecht als recht arbeitet. Man sieht auf den ersten Blick, dass softwareseitig nachgeholfen wird. Soll heißen, dass die abgelichtet Person sehr ausgeschnitten erscheint.

Eine gewichtige Schwäche sei ebenso noch erwähnt: Während das Moto G6 bei Dämmerlicht ein einigermaßen klares Bild schafft – sofern man mit dem Licht fotografiert -, versagt die Kamera mit einsetzen der Dunkelheit beinahe gänzlich. Farben sind zwar noch zu erkennen, aber das Bild ist grobkörnig und große Flächen rauschen stark. In Innenräumen verhält es sich ähnlich: Die Fotoergebnisse sind recht matt. Der Blitz kann auch keine Abhilfe schaffen, sondern belichtet das Motiv ausschließlich über.

Videos kann sowohl die Dual- als auch Frontkamera mit 1.080p aufnehmen. Für Selfie-Fans im Besonderen stehen 8 Megapixel zur Verfügung. Die Ergebnisse sind in beiden Fällen in Ordnung, wenn auch ein wenig grobkörnig.

Kamera-App

Die zugehörige Kamera-App ist alles andere als rudimentär und bietet allerhand Optionen, Bilder aufzuhübschen oder manuell einzustellen. Neben den grundlegenden Dingen wie Blitz, HDR-Modus oder Selbstauslöser integriert Motorola auch einen manuellen Modus. Ist dieser aktiv, können Nutzer selbst an den Rädern drehen und unter anderem den Fokus, ISO-Wert oder Kontrast per Hand einstellen. Dies funktioniert sowohl für die rück- als auch vorderseitige Kamera.

Motorola Moto G6 im Test: Kamera-App

Mit einem Wisch nach rechts öffnen sich zudem ein paar mehr spielerische Optionen. Mit diesen kann man Panoramen oder Porträts samt bereits erwähntem Bokeh-Effekt aufnehmen. Auch verschiedenste Gesichtsfilter und sogenannte Spotfarben sind mit an Bord.

Videos können die Kameras des Moto G6 in Zeitraffer und auch in Zeitlupe mit bis zu 60 beziehungsweise 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Im Hinblick auf andere Smartphones mit Zeitlupenfunktion ist dies noch recht wenig: Das Sony Xperia XA2 kommt auf bis zu 120 fps; zu den unangefochtenen Meistern gehört unter anderem neben dem Samsung Galaxy S9 und Huawei P20 Pro auch das Xperia XZ1 mit 960 fps.

Die Kamera des Moto G6 ist trotz Doppelauge relativ enttäuschend. Makro-Aufnahmen werden des Öfteren unscharf, der Bokeh-Effekt erscheint unnatürlich und sobald das Lichtverhältnis schwieriger wird, offenbaren sich zahllose Körnchen auf dem Foto. Stark ist das Moto G6 hingegen bei Landschaftsaufnahmen und in Situationen, in denen das Licht hervorragend ist. Für Schnappschüsse zwischendurch kann das Kameramodul gut genutzt werden.

Teilwertung: 3,5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Mit dem Moto G6 kommt man in den Genuss von weitestgehend nativem Android. Motorola belässt die Oberfläche des Smartphone „natürlich“ und passt nur hauseigene Apps an. Personalisierungen können dementsprechend nicht im großen Stile vorgenommen werden. Das Moto G6 läuft auf der beinahe ganz neuen Betriebssystem-Version Android 8.0 Oreo; ein Update auf Android 8.1 Oreo ist jedoch wahrscheinlich. Die gleiche Schiene fuhr Motorola hinsichtlich des Betriebssystems auch im vergangenen Jahr beim Moto G5.

Die einzigen Anpassungen, die Motorola zulässt, finden sich der App „Moto“. Mithilfe derer ist es möglich, die Handhabung des Moto G6 durch smarte Gesten und Ähnliches bequemer zu gestalten. Zum Beispiel: In den Unterpunkten von „Action“ können unterschiedliche Bewegungs-Gesten für Funktionen aktiviert werden, unter „Info“ ist eine Abwandlung des Always-On-Displays zu finden, der neue Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm anzeigt. Auch den Fingerabdruck-Sensor kann man nicht nur zum entsperren, sondern auch zum sperren des Smartphones nutzen. Neben den hauseigenen Apps meint Motorola seinen Kunden einen Mehrwert durch Bloatware bieten zu können: Vorinstalliert und nicht mehr deinstallierbar ist sowohl die App von LinkedIn als auch Microsoft Outlook. Beide Anwendungen lassen sich lediglich deaktivieren.

Motorola Moto G6 im Test: Menü

Für die Wiedergabe von Musik setzt das Moto G6 auf den Google Musik Player, der wie auf jedem Android-Smartphone verschiedene Einstellungen bietet. Die Ansicht kann zwischen Alben, Interpret und Song gewechselt werden; Playlisten lassen sich ebenso erstellen. Im Inneren des Motorola-Smartphones ist lediglich ein Lautsprecher verbaut, dessen Sound aus einem winzigen Loch im unteren Display-Rand nach Außen dringt. Die Musik klingt, solange sie in einer sozialverträglichen Lautstärke abgespielt wird, angenehm. Dreht man den Regler auf, wird es ein wenig krachend. Abhilfe schaffen kann hier nicht nur der im Musik Player integrierte Equalizer, sondern auch der Modus Dolby Atmos. Dieser betont den Bass und macht das Lied insgesamt lauter.

Die Multimedia-Leistung des Moto G6 hält sich in Grenzen: Nur wenige Anpassungen sind möglich, obgleich die Moto-App einige nützliche Optionen beherbergt. Spaß macht hingegen das Spiel mit dem Dolby-Atmos-Modus, der die Song-Wiedergabe maßgeblich unterstützt.

Teilwertung: 3 von 5 Sternen

Akku

Mit einer Nennladung von 3.000 mAh ist der Akku des Moto G6 recht gut ausgestattet – auch unter Berücksichtigung der Funktionen und des sparsamen Prozessors. Der Energiespeicher ist den Gegebenheiten des Smartphones angepasst. Motorola hat in diesem Bereich die Messlatte im Vergleich zum Vorgänger angehoben und nicht nur den Akku vergrößert, sondern dem Basismodell auch eine Schnellladefunktion spendiert. Damit kommt das Moto G6 innerhalb von knapp 40 Minuten von 30 auf 80 Prozent Akkuladung.

Im intensiven Akkutest über acht Stunden, in denen das Smartphone Spiele, Telefonate, Videos und eine alltägliche Nutzung über sich ergehen lassen muss, stehen am Ende noch 53 Prozent verbleibende Ladung auf der Anzeige. Ein Wert, der trotz des recht großen Akkus eher schwach ist. Vor allem das 3D-Spiel knabbert stark am Strom: Das Moto G6 sackt von anfänglich 70 auf 56 Prozent ab. Nach dem 16-stündigen Standby-Modus verliert der Akku abermals 6 Prozentpunkte Ladung, sodass für den nächsten Tag nur noch 47 Prozent verbleiben.

Akkuvergleich

 Modell  Kapazität (mAh) Akkustand Verbrauch
Arbeitstag (8h) Nacht im Standby (16h) Intensivtest (8h) Standby (16 h)
Testgerät
Motorola Moto G6 3.000 53 47 47 6
direkte Konkurrenz
Huawei P Smart 3.000 65 54 35 11
Wiko View Prime 3.000 68 59 32 9
Sony Xperia L2 3.200 60 46 40 20
ehemalige Mittelklassemodelle
Huawei P10 Lite 3.000 51 44 49 7
Honor 6X 3.270 69 60  31 9
aktuelle Referenzen
Samsung Galaxy S9+ 3.500 66 56 34 10
iPhone X 2.716 62 57 36 7
Nokia 8 3.090 71 65 29 6
OnePlus 5T 3.300 72 59 28 13

Um den Akku zu schonen, stehen in den Einstellungen verschiedene Möglichkeiten bereit. Radikal lässt sich das Smartphone soweit herunter fahren, dass nur noch einige Benachrichtigungen angezeigt und die meisten Apps in den Ruhezustand versetzt werden. Alternativ lassen sich auch nur einzelne Funktionen, die viel Strom benötigen, regulieren und kontrollieren.

Ist viel Rechenleistung gefordert, geht dies zu Lasten des Akkus. Nichtsdestotrotz reicht der Akku für den Alltag und die am häufigsten genutzten Funktionen vollkommen aus.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Fazit

O-Ton beim Testbericht des Vorgängers Moto G5: „Alles in allem wirkt das diesjährige Mittelklasse-Modell weit weniger lieblos als noch die Vorgänger-Generation, das Moto G4.“ Dieser rote Faden zieht sich auch beim Moto G6 weiter durch. Motorola hat das Design des Smartphones an den aktuellen Trend und die Vorlieben der Verbraucher angepasst, ohne dabei seine Charakteristika zu verlieren. Das 3D-Glas liegt nicht nur kühl, sondern durch seine Rundung auch angenehm in der Hand.

Das Basismodell der neuen G6-Reihe kann vor allem von sich behaupten, ein tolles Display und interessante Smart Gestures zu bieten. Diejenigen, die wenige Personalisierungen auf ihrem Gerät vornehmen wollen, sondern natives Android vorziehen, werden mit dem Moto G6 eine gute Wahl treffen. Es handelt sich um ein schnittiges Smartphone, das für den alltäglichen Gebrauch allen Anforderungen gerecht wird.

Motorola Moto G6 Testsiegel

Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen

Pros des Motorola Moto G6

  • sinnvoll ergänzende „Moto Actions“ und Smart Gestures
  • gutes Display
  • tolle Telefonqualität

Contras des Motorola Moto G6

  • keine überragende Multimedia-Leistung
  • durchschnittliche Kamera

Preis-Leistung

Der Preis für das Moto G6 spricht für sich: Der Hersteller verlangt für die 32-GB-Ausführung 249 Euro, für die größere Speicherversion mit 64 GB 269 Euro. Das Preis ist im Hinblick auf die gebotene Technik durchaus fair und spricht damit primär Sparfüchse an.

Alternativen des Motorola Moto G6

Mittlerweile schreiben sich Smartphone-Fabrikanten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auf die Fahne. Ganz vorn dabei seit jeher Huaweis Sub-Marke Honor. Doch auch darüber hinaus gibt es im Bereich zwischen 200 und 300 Euro eine Reihe Smartphones, die es lohnt, anzusehen.

Allgemeine Übersichten mit Smartphones, die nicht mehr als 300 Euro kosten, pflegt die Redaktion von inside handy in folgenden Artikeln:

Bildquellen:

  • Motorola Moto G6 im Test geprüft: Simone Warnke/inside handy
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Das Gaming-Smartphone Huawei Mate 20 X

Bestätigt: Huawei Mate 20 X kommt doch nach Deutschland

Bei der Vorstellung der neuen Mate-Generation von Huawei wurden fünf Modelle präsentiert. Nach Deutschland schafften es aber nur vier Handys. Nun ist jedoch auch Nummer fünf in der Bundesrepublik erhältlich: Das Huawei Mate 20 X, der Gaming-Ableger, wird in den kommenden Wochen verfügbar sein.
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Simone Warnke
Simone liebt Technik und kann sich heute immer noch für ein Smartphone mit mechanischer QWERTZ-Tastatur begeistern. Wenn sie nicht gerade mit David vor der Kamera steht, im Schnittraum sitzt oder Handys miteinander vergleicht, studiert die gebürtige Aachenerin in Bonn Komparatistik - und vergleicht Bücher. Neben ihrer Leidenschaft für Literatur ist Simone ein Bonvivant. Reicht man ihr leckeren Wein und ein paar Tapas, kann man ihr hin und wieder ein paar Sätze auf Spanisch entlocken. Sollte Simone jemand oder etwas auf die Palme bringen - was in etwa einmal pro Dekade passiert - bleibt sie nur kurz oben sitzen. Und lächelt dabei auch schon wieder.

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