Huawei Mate 20 Lite im Test: Von der Holzklasse in die Business-Class

16 Minuten
Huawei Mate 20 Lite im Test
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy
Dass die Mate-Serie von Huawei eine technisch abgespeckte Lite-Version zur Seite gestellt bekommt ist noch sehr frisch. Erst Ende 2017 erschien mit dem Mate 10 Lite das erste Mate-Smartphone, das nicht in der Oberklasse angesiedelt war – entsprechend wurde hierfür auch ein günstigerer Preis veranschlagt. Nun gibt es also den ersten Nachfolger, Weiterentwicklungen inklusive.

Das Mate 20 Lite besitzt wie sein Vorgänger gleich zwei Dual-Kameras, im Innern rechnet der neue Kirin 710 – es ist dessen erster Einsatz in Deutschland. In Sachen Leistung dürfte der Achtkern-Prozessor zwischen den Mittelklasse-Chipsätzen der Kirin-650er-Reihe und den Oberklasse-Einheiten der 900er-Serie liegen.

Doch damit nicht genug: Huawei hat das Mate 20 Lite auch mit einem USB-C-Port und mit weiteren Ausstattungsmerkmalen versehen, die längst Standard sind, im Mate 10 Lite jedoch noch schmerzlich vermisst wurden.

Huawei Mate 20 Lite
Huawei Mate 20 Lite
Bildquelle: Huawei

 

Display 6.3 Zoll, 1.080 × 2.340 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8.1 Oreo
Prozessor Huawei Kirin 710
Octa-Core: 4 x 2,2 GHz, 4 x 1,7 GHz
RAM 4 GB
interner Speicher 64 GB
MicroSD ja (256 GB)
Kamera vorne/hinten 24 + 2 MP (Dual Kamera)/
20 + 2 MP (Dual Kamera)
Fingerabdruckscanner ja
Akku 3.750 mAh
USB-Port USB 2.0 Typ-C
IP-Zertifizierung nein
Abmessungen (mm) 158,3 × 75,3 × 7,6
Farben Schwarz, Sapphire Blue, Platinum Gold
Einführungspreis 400 EUR
Aktueller Marktpreis Marktstart 7. September 2018

Im Test von inside handy durfte sich die schwarze Variante des Mate 20 Lite beweisen. Außerdem ist das Handy noch in blau („Sapphire Blue“) und in gold („Platinum Gold“) verfügbar. Im Handel ist das Huawei Mate 20 Lite ab dem 7. September 2018 verfügbar. Mit dem 31. August 2018 startet bereits eine Vorbesteller-Phase, bei der Käufer einen Amazon Echo gratis dazu erhalten. Der von Huawei empfohlene Verkaufspreis liegt bei 399 Euro.

Design und Verarbeitung

Das Huawei Mate 20 Lite folgt einer so altbekannten wie angesagten Design-Vorlage. Kurzum: Zwei Glasplatten werden durch einen Metallrahmen zusammengehalten. Dabei ist der Rahmen derart glasig-glänzend, dass der Materialwechsel auf den ersten Blick gar nicht auffällt, die unterschiedliche Fühltemperatur des kalten Rahmens entlarvt das Metall dann aber zweifelsfrei.

Die Glasrückseite wird durch zwei herausstehende Ringe durchbrochen, aus denen die Dual-Kamera lugt, Zusammen mit dem darunter liegenden Fingerabdrucksensor bildet die Kamera einen Bereich auf der Glasfläche, der optisch durch eine dezente Nadelstreifen-Schraffierung abgegrenzt wird.

Auf der Vorderseite offenbart sich eine Notch, die von oben in das Display hineinragt. Anders als in der P20-Serie heißt dieser Steg auch „Notch“ und wird nicht mit Mühe und Not als „Einschnitt“ bezeichnet, um ja keine Apple-Assoziationen zu wecken. In dem Steg lauern allerhand Sensoren, die beiden Kamera-Augen der Front-Dual-Kamera, die für diesen Zweck erstaunlich weit voneinander entfernt sind, und die Ohrmuschel, in deren Lautsprecher-Gitter die LED-Benachrichtigungsleuchte untergebracht ist.

Der Display-Steg verläuft sich in einem dünnen, aber deutlich sichtbaren Rand, der das 6,3 Zoll große Display umrundet. Unterhalb der Anzeige ist der Rand etwas dicker und erreicht in etwa Notch-Stärke. Im Gegensatz zum Vorgänger-Modell verzichtet Huawei jedoch auf den „hineingequetschten“ Schriftzug. Weniger Werbung ist auch bei diesem Beispiel mehr Eleganz.

Das Huawei Mate 20 Lite im Hands-On

Einmal angefasst, macht das Mate 20 Lite gar nicht den großen Eindruck, den Displaydiagonale und Historie der Mate-Reihe versprechen. Möglich macht es die langgezogene Ausführung auf ein 19,5:9-Displayformat zuzüglich der Ränder, die ober- und unterhalb des Displays wie erwähnt etwas stärker sind.

Das bildet die Grundlage für eine angenehme Haptik. Dieser Eindruck wird durch die symmetrischen Rundungen bestätigt. Die Verarbeitung der verschiedenen Materialien ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Für leichte Kritik sorgen die scharfkantig hervorstehenden Kamera-Module. Die Doppel-Einheit ragt mehr als einen Millimeter aus dem Gehäuse heraus. Die Folge: Das Gerät liegt niemals flach auf und es besteht die Gefahr, dass sich die Kamera-Module verhaken, zum Beispiel, wenn das Handy rasch aus der Hosentasche gezogen wird.

Die markanten Module verhindern jedoch nicht, dass das Smartphone sehr rutschig ist. Auf glatten Flächen neigt das Handy gerade dazu, sich selbstständig machen zu wollen. Eine Hülle, die die Kamera-Ringe plan abdeckt, lohnt sich also in vielerlei Hinsicht.

Unboxing: Das liefert Huawei mit

Mit 08/15 ist der Lieferumfang wohlwollend beschrieben. Das sorgt einerseits nicht für Abzüge, lässt die Mundwinkel aber nach unten kippen, da Huawei hier die Möglichkeit verpasst, eine Plastik- oder Silikon-Hülle mitzuliefern, die die genannten Schwächen ausmerzt und die sensible Glasrückseite schützt.

Das steckt in der Box des Huawei Mate 20 Lite

  • Huawei Mate 20 Lite
  • Garantiekarte und SIM-Werkzeug
  • Netzwerk-Adapter
  • USB-C-Kabel
  • Headset

Das Headset ist keines von hoher Qualität – weder optisch, noch haptisch und ebenfalls nicht im Sinne von Sound-Experten. Der Einsatz von Material aus dem Hausrat ist empfehlenswert. Die Pflichtbeigabe dient immerhin dazu, das auf dem Handy befindliche Radio in Gang zu bringen.

Huawei Mate 20 Lite im Test: Unboxing

Huawei verändert die Karosserie im Vergleich zum Vorgänger deutlich. Vorherrschendes Material ist Glas. Eine elegante, aber auch zerbrechlich wirkende Wahl. Haptisch ist das Handy top. Gestalterisch stören nur Kleinigkeiten.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Display

Die Anzeige und Interaktionsfläche des Mate 20 Lite misst 6,3 Zoll in ihrer Diagonalen und besteht aus 1.080 x 2.340 Pixeln. Ungewöhnliche Maße, die das Seitenverhältnis von 19,5:9 in Full-HD-Qualität widerspiegeln.

Technisch kommt ein LCD-Panel zum Einsatz, das durch Blickwinkelstabilität und gute Weißwerte punkten soll und kann. Der Schwarzwert ist dabei nicht ganz auf dem Niveau von OLED-Bildschirmen, was sich unter anderem dann zeigt, wenn die Notch verborgen ist und die verschiedenen Schwarzwerte deutlich werden.

Im Alltag und in der Standardeinstellung überzeugt das Display des Mate 20 Lite dank schöner Farbtiefe, kontrastreicher Darstellung und überzeugender Schärfe. Auch die hintergründigen Einstellungen sind üppig und lassen einiges an Spielraum für den Nutzer, die Display-Eigenschaften nach eigenem Gutdünken zu verändern.

Huawei Mate 20 Lite im Test: Display

Die maximale Helligkeit und die automatische Regelung dieser lässt jedoch etwas zu wünschen übrig.

Wenig Schlechtes, aber auch wenige Highlights. Das Display des Huawei Mate 20 Lite ist solide und brauchbar für fast alle Situationen.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Dass das Huawei Mate 20 Lite in der besseren Mittelklasse zu Hause ist, lässt bereits ein Blick auf die inneren Werte vermuten. Das Handy wird von einem Kirin 710 angetrieben, dem neuen Prozessor von Huawei, der die Schwelle zur Oberklasse im Blick hat. Daneben stehen mit 4 GB Arbeitsspeicher und 64 GB Speicherplatz weitere, ordentliche Werte auf dem Papier.

Das Mate 20 Lite im Benchmark-Test: Entlarvt

Das Mate 20 Lite wurde inside handy von Huawei selbst zur Verfügung gestellt. Andernfalls hätte der Testbericht nicht schon im Vorfeld der Veröffentlichung erstellt werden können.

Die üblichen Benchmark-Tests konnten – „3DMark“ ausgenommen – mit diesem spezifischen Gerät jedoch entweder nicht installiert oder nicht ausgeführt werden. Die Vergleichsebene durch die Bandbreite bleibt dann auf der Strecke. Es ist davon auszugehen, dass diese „Benchmark-Blockade“ in Modellen, die in den Handel gelangen, nicht auftritt.

Huawei entschuldigte den Umstand auf Nachfrage mit einer Software-Version, die ab Erhältlichkeit des Smartphones per Update aktualisiert würde. Nach diesem sollen dann alle Apps funktionieren. Die Werte werden bei Verfügbarkeit an dieser Stelle nachgeliefert.

Huawei Mate 20 Lite: Benchmark-Test
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

So bleibt also nur der Grafik-Test „3DMark: Sling Shot“, um das Mate 20 Lite einer Leistungsliga zuzuordnen. In diesem – für Hauptprozessor (CPU) und Grafikeinheit (GPU) sehr aufwendigen Test, erreicht das Huawei Mate 20 Lite einen Wert von 1.444 Punkten.

Vergleichbare Werte erzielten hier beispielsweise das Sony Xperia XA2 Ultra oder das BQ Aquaris X2. Etwas besser zeigte sich das Nokia 7 Plus. Von Werten jenseits der 6.000 Zähler, wie sie zum Beispiel das OnePlus 6 erreicht, ist das Mate 20 Lite erwartungsgemäß weit entfernt.

Benchmark-Tests im Vergleich

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät Huawei Mate 20 Lite 1.444
 direkte Konkurrenten Nokia 7 Plus 1.985
Samsung Galaxy A8 802
BQ Aquaris X2 1.476
 ehemalige Mittelklassemodelle Huawei Mate 10 lite 625
Honor 7X 571
Samsung A5 (2017) 1.142
 aktuelle Referenz (Android)
OnePlus 6 6.162

Im Alltag zeigt sich das Mate 20 Lite von seiner flotten Seite. Ruckler sind Mangelware. Subjektiv wird jedoch kein Geschwindigkeitsvorteil gegenüber dem Kirin 659 gespürt, der noch im P20 Lite oder Mate 10 Lite für die Arbeitsleistung verantwortlich war.

So zeigt sich auch beim Mate 20 Lite das erwartete Bild: Für die Standardanwendungen ist der Chipsatz mehr als nur zu gebrauchen. Dünner wird die Luft, wenn es an Spiele oder aufwendige Apps, zum Beispiel bei der Videobearbeitung, geht. Hier braucht der Prozessor ab und an kurze Verschnaufpausen.

Speicher und SIM

Wie angesprochen, verfügt das Huawei Mate 20 Lite über einen 4 GB großen Arbeitsspeicher und einen 64 GB fassenden Datenspeicher. Von diesem sind bei der ersten Inbetriebnahme des Geräts noch 50,65 GB übrig.

Der Arbeitsspeicher ist in der Regel rund halb ausgelastet. Bereinigt man das Telefon im Task-Manager oder in der Huawei-App „Telefonmanager“, stehen meist noch 2 bis 2,5 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung.

Das Mate 20 Lite ist ein Hybrid-SIM-Smartphone, auch wenn Huawei die Modellbezeichnung „L21/Farbvariante/Dual“ verwendet, die auf Dual-SIM verweist, ist das nur die halbe Wahrheit. Zwei SIM-Karten können nämlich nur dann verwendet werden, wenn nicht gleichzeitig auch eine Micro-SD-Karte in dem vorgesehenen Steckplatz der seitlich angebrachten Schublade steckt. Auch über den USB-C-Anschluss können On-The-Go-Speicher angeschlossen werden.

Darüber hinaus gibt es folgende Einschränkungen: Es kann immer nur eine SIM das LTE-Netz nutzen, beide Slots sind aber theoretisch LTE-fähig. Nutzt man den zweiten Kartenplatz zur Speichererweiterung, darf die eingelegte Micro-SD-Karte nicht über mehr als 256 GB Zusatz-Speicher verfügen.

Verbindungen und Sensoren

Im Zentrum einer digitalen Peripherie macht das Huawei Mate 20 Lite eine gute und vielseitige Figur. Nicht nur die Verbindungstabelle zeigt, dass es das Handy mit zahlreichen Drathlos-Schnittstellen aufnehmen kann.

Exemplarisch wäre hier die Mobilfunk-Kompatibilität mit LTE Cat. 13 zu nennen, die in der Theorie Downloadraten von bis zu 400 MBit/s erlaubt. Diese Kompatibilität steht, wie erwähnt, in beiden SIM-Karten-Slots zur Verfügung, das aber nicht parallel.

Huawei Mate 20 Lite
HSPA
HSPA+
LTE (Up-max / Down-max Mbit/s) 150 MBit/s / 400 MBit/s
USB-OTG
DLNA
NFC
Kabellose Display-Übertragung
MHL
Infrarot-Fernbedienung
Bluetooth-Version 4.2
WLAN-Standards IEEE 802.11 a/b/g/n/ac
Qi
Dual-SIM

Des Weiteren ist positiv herauszustellen, dass Huawei auch in der Mittelklasse Dual-Band-WLAN mit 2,4-GHz- und 5-GHz-Frequenzen ermöglicht und mit WLAN ac auf der Höhe der Zeit agiert. Klare Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger.

In der näheren Umgebung kann die Option Huawei Share genutzt werden, um Inhalte innerhalb des EMUI-Ökosystems zu teilen. Außerhalb dieses Systems kann der Bildschirm via „MirrorShare“ zum Beispiel auf einen TV-Bildschirm projiziert werden. Die obligatorischen Daten-Verbindungen über Bluetooth (Version 4.2) und NFC können ebenfalls eingegangen werden.

Kabelgebunden steht neben dem Klinkenstecker der USB-C-Anschluss zur Verfügung, der allerdings – hier bleibt das Mate 20 Lite hinter der Oberklasse zurück – nur im Standard USB 2.0 vorliegt. Neben dem Aufladen und zur Datenübertragung kann der USB-Port für den Anschluss von On-The-Go-Geräten (USB-OTG) und zum USB-Tethering, also zum Teilen des mobilen Internets auf einen Laptop, genutzt werden.

Telefonieren mit dem Mate 20 Lite

Die Telefonfunktion des Mate 20 Lite läuft weitgehend prächtig. Die Rauschunterdrückung des Mikrofons ist erstklassig und teilweise sogar etwas zu streng, wofür es leichte Abzüge gibt. So benötigt das Handy kurze Zeit, um sich beim räumlichen Wechsel von außen nach innen wieder neu zu orientieren. Im laufenden Gespräch kann das störend sein. Ansonsten steht das Mate 20 Lite deutlich teureren Geräte in Sachen Telefonate in nichts nach.

Das spürbare Prozessor-Upgrade bei der Schnelligkeit bleibt aus. Das wird dadurch ausgeglichen, dass bei den Standards – ob Mobilfunk, WLAN oder USB eine Aktualität geboten wird, die in der Mittelklasse nicht üblich ist.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Kamera

Zwei plus zwei sind vier. Diese Gleichung nahm sich Huawei bereits beim Vorgänger zur Grundlage. Dass Quantität nicht immer Qualität schlägt, zeigte sich bereits beim damaligen Test des Mate 10 Lite.

Nun also ein erneuter Anlauf beim Mate 20 Lite. Wie bei Huawei mittlerweile üblich, wird die Kamera durch eine gehörige Portion künstliche Intelligenz (KI oder auch: AI) ergänzt.

  • Hauptkamera: 20 + 2 Megapixel, f/1.8
  • Frontkamera: 24 + 2 Megapixel, f/2.0, Besonderheit: Farbtemperatur

Diese Differenzierung zeigt einmal mehr, dass Megapixel längst nicht alles sind. Trotz geringerer Foto-Auflösung schießt die Hauptkamera die besseren Bilder. Wie die Bewertung zustande kommt, wird in der Galerie anhand von Testbildern erläutert:

Huawei Mate 20 Lite im Test: Kamerabilder

Kamera-App: Blingbling und der Fokus aufs Wesentliche

Die Kamera-App des Huawei Mate 20 Lite ist vollgestopft mit allerlei nützlichen und nutzlosen Funktionen. Neben den Reiter-Ebenen „Blende“, „AR-Objektiv“, „Porträt“, „Foto“, „Video“ und „Mehr“ gibt es am oberen Rand noch Einstellungen für HDR, die AI-Funktion, GIFs oder „Moment“-Formate. Unter dem Reiter „Mehr“ warten noch weitere Modi, unter anderem ein vollwertiger Pro-Modus.

Das Mate 20 Lite verfügt sogar über einen Super-Zeitlupen-Modus. Wer jetzt einen Modus à la Sony, Samsung oder Huawei P20 Pro erwartet, der wird jedoch enttäuscht. Statt 960 fps stehen beim Mate 20 Lite nämlich „nur“ 480 fps zur Verfügung.

Huawei Mate 20 Lite im Test: Kamera-App

Über eine optische Bildstabilisierung verfügt das Handy ohnehin nicht, sodass hierfür ein fester Stand oder ein Stativ erforderlich ist.

Die Kamera des Mate 20 Lite weiß zu überzeugen. Es gelingen nicht nur brauchbare, sondern auch schöne Fotos. Die Tiefe und die technischen Finessen von Oberklasse-Smartphones erreicht die Handykamera aber nicht.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Die Firmware auf dem Huawei Mate 20 Lite setzt sich aus der bekannten Symbiose EMUI 8 und Android 8 zusammen. Genauer gesagt kommt hier EMUI 8.2, basierende auf Android 8.1 zum Einsatz. Das Huawei-Debüt von Android 9 Pie ist zu Beginn wohl der neuen Mate-Oberklasse, dem Mate 20 Pro, vergönnt.

Die Benutzeroberfläche ist demnach altbekannt – zumindest für Huawei-Freunde, recht kleinteilig und großzügig ausformuliert. Die Menüführung ist aus der Distanz betrachtet intuitiv; Nutzer, die von Stock Android auf EMUI umziehen, werden sich allerdings umgewöhnen müssen.

Das Thema Bloatware muss beim Huawei Mate 20 Lite leider angefasst werden. Unerwünschte, werbliche und vor allen Dingen vorinstallierte Apps mit diesen Merkmalen finden sich zu Hauf auf dem Gerät. Deinstallieren lässt sich nur die Handvoll Spiele, die installiert ist. Klassische Bloatware – etwa von Booking.com, Netflix, Amazon oder ebay – kann hingegen maximal in den Werkszustand zurückversetzt werden.

Huawei Mate 20 Lite im Test: Screenshots

Sound und Multimedia

Auf die Ohren nur Blech. Tatsächlich schwächelt das Mate 20 Lite im Bereich Klang etwas. Sowohl über die außen angebrachten Lautsprecher als auch mit den beigelegten Kopfhörern ist die Soundqualität mangelhaft, ziemlich bassarm und sehr metallisch. Dank Equalizer kann etwas nachjustiert werden, aber auch die beste Software holt aus der Hardware nichts Außergewöhnliches mehr heraus.

Die Möglichkeiten sind allerdings da: Neben eigenem Huawei-Musikplayer und dem Google-Pendant Play Musik, steht auch ein UKW-Radio zur Auswahl. Den Streamingdienst seines Vertrauens kann der Nutzer herunterladen.

Huawei Mate 20 Lite: Musik und Sound
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Interessant auf den ersten Blick: Der Partymodus, dank dem die Musikwiedergabe auf externen Ausgabegeräten auf mehreren Smartphones synchronisiert werden kann.

Die Software ist fast aktuell – hätte Google nicht kurz vor der Veröffentlichung Android 9 vorgestellt. Die Benutzeroberfläche ist eigen, aber Huawei-erprobt. Man muss sie mögen. Bloatware und Sound-Schwächen sind die größten Ärgernisse.

Einzelwertung: 3,5 von 5 Sternen

Akku

In der Mate-Reihe von Huawei kommt dem Akku eine gewichtige Bedeutung zu. Ganz so groß wie in der Flaggschiff-Riege ist die Batterie des Mate 20 Lite nicht, mit 3.750 mAh ist der Energievorrat bei voller Ladung aber stattlich.

Nun ist Masse aber nicht alles. Die Klasse entscheidet schlussendlich, ob der Akku des Mate 20 Lite die Grundlage für einen konditionsstarken Tagesbegleiter sein kann.

Der Akkutest in der Chronik

Uhrzeit Aktivität Akku vorher Akku nachher
08:01 Beginn des Akkutests 100%
08:26 30 Minuten Audiostream (Spotify) 100% 99%
09:07 30 Minuten Videostream 99% 97%
10:04 3DMark Benchmark-Test 96% 93%
11:16 30 Minuten Spielen (Asphalt 9: Legends) 92% 85%
11:50 30 Minuten Telefonieren 85% 82%
12:30 Fotos, App-Nutzung, Belastung 82% 77%
15:12 Upload der Screenshots, Fotos und Testdaten 76% 73%
16:09 Ende Intensiv-Phase 73%
+1, 08:00 Ende Standby-Phase 73% 64%
12:47 30 Minuten Aufladen 22% 49%

Es zeigt sich, dass diese Klasse in Form von ausgereiftem Energiemanagement vorhanden ist. Die 73 Prozent verbleibende Ladung nach 8 Stunden setzen ein starkes Statement. Der Verlust in der 16 Stunden anhaltenden Standby hält sich in Grenzen, ohne dabei zu begeistern.

Das Ladeverhalten ist in Ordnung: In 30 Minuten an der Steckdose klettert die Akku-Anzeige von 22 auf 49 Prozent. Die Faustregel, dass halbstündiges Laden für die Nutzung eines Tages ausreicht, gilt beim Mate 20 somit nur bei äußerster Vorsicht. Hier also lieber eine oder zwei Stunden Stromzufuhr gewährleisten.

Wermutstropfen, der in der Mittelklasse aber wenig überraschend ist: Das Mate 20 Lite lässt sich nicht kabellos aufladen. Dieses Feature hat Huawei bislang nicht einmal seinen teuersten Flaggschiffen spendiert. Der Umstand kommt somit wenig überraschend.

Der Akku hat Mate-Klasse. Ein tolles Energiemanagement, gepaart mit einer großzügigen Nennladung sorgt im Normalfall für langen Spaß mit dem Mate 20 Lite. Auf der Meta-Ebene gibt es schmälernde Beobachtungen, durch die die Bestnote knapp verpasst wird.

Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen

Akkutests im Vergleich

 Modell  Kapazität (mAh) Akkustand Verbrauch
Arbeitstag (8h) Nacht im Standby (16h) Intensivtest (8h) Standby (16 h)
 Huawei Mate 20 Lite 3.750 73 64 27 9
Alternativen
Samsung Galaxy A6+ 3.500 70 60 30 10
Sony Xperia XA2 Ultra 3.580 76 67 24 9
Huawei Mate 10 Lite 3.340 67 56 33 11
Nokia 7 Plus 3.800 66 53 34 13
Referenz
LG X power2 4.500 83 74 17 9

Fazit zum Huawei Mate 20 Lite

Ein richtiges Upgrade: Wer nicht nur einen Blick schweifen lässt, sondern auch hinter die Fassade blickt, der wird das Mate 20 Lite zu schätzen wissen und das deutliche Upgrade zum Mate 10 Lite in fast jeder Hinsicht bestätigen.

Am Design wurde nochmals gefeilt, die technischen Daten wurden aufgefrischt und alte Gewohnheiten – zum Beispiel der Micro-USB-Port vom Typ B – über Bord geschmissen. So hat Huawei neben dem P20 Lite auch ein Mate-Smartphone im Sortiment, das die Vorzüge der Serie mit sich bringt, aber für den schmaleren Geldbeutel gedacht ist.

Huawei Mate 20 Lite im Test: 4 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen (~81 Prozent)

Tops des Huawei Mate 20 Lite

  • Gute Ausstattung
  • Schönes Display
  • Starker Akku

Flops des Huawei Mate 20 Lite

  • Kein Qi und Schnellladeprogramm
  • Einiges an Bloatware
  • Blech-Sound

Preis-Leistung

Huawei verlangt 399 Euro für das Mate 20 Lite. Wahrlich kein billiges Vergnügen, aber eben auch weit von Sphären der Oberklasse entfernt.

Somit ist der Preis und auch die Preiserhöhung von 50 Euro im Vergleich zum Mate 10 Lite nachvollziehbar. Zum Preis-Leistungs-König reicht es dennoch nicht. Smartphones wie das Honor 10 oder das Asus Zenfone 5Z bieten absolute Oberklasse-Ausstattung für nur wenig mehr Kostenaufwand.

Alternativen

Wer es etwas konservativer und auch günstiger mag, der kann weiterhin zum Vorgänger greifen. So alt ist das Mate 10 Lite nun auch wieder nicht und somit weit von einem Fehlgriff entfernt.

Dicker Akku und gehobene Mittelklasse-Ausstattung, das finden Nutzer auch im Nokia 7 Plus. Weiterer großer Unterschied: Nokia baut auf Android One und bietet somit eine völlig unterschiedliche Software-Atmosphäre.

Weitere Smartphones finden sich nach Preisen gestaffelt in den Übersichts-Artikeln. Für diejenigen, die Alternativen in der Preisklasse des Huawei Mate 20 Lite suchen, sei ein Blick in die besten Smartphones für unter 400 Euro zu empfehlen.

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Bildquellen:

  • Huawei Mate 20 Lite im Test: Michael Stupp / inside handy
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Michael liebt Technik und vor allem Smartphone-Tests. Seit 2012 ist er mit Unterbrechung bei inside handy und schreibt über die neueste Technik. Zu seinen Aufgaben gehören das Ausprobieren von neuen Handys sowie das Betreuen der Social-Media-Auftritte. Seine Freude an der Technik wird nur von seiner Liebe für den Fußball übertroffen – besonders für den Verein seines Herzens, den 1. FC Köln. Er spielt aktiv im Verein und digital an der PlayStation. Wenn er nicht mit Ballsport oder Schreiben beschäftigt ist, verreist er gerne und betätigt sich als Chefredakteur des Gin-Magazins.

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1 KOMMENTAR

  1. Nach mittlerweile drei Android-Smartphones der Mittelklasse bin ich davon überzeugt, dass die Hauptprobleme von Android die vielen Anpassungen der Hersteller sind, was sowohl eine gute Updatepolitik als auch die Haltbarkeit der Geräte stark beeinträchtigt. Für mein aktuelles Smartphone von Honor gibt es keine BS-Updates mehr, damit ist es nach 1,5 Jahren quasi reif für die Tonne. Jedes App-Update macht das Gerät gefühlt langsamer, die zahlreichen Anpassungen des Herstellers tun ihr übriges. Nachdem das neue Tablet unter iOS läuft, wird es das nächste Smartphone bei mir vermutlich auch ein Gerät von Apple sein. Mein Desktoprechner von Apple läuft mittlerweile seit 7,5 Jahren problemlos. Solange Google die Android-Probleme nicht in den Griff bekommt, ist dieses System in meinen Augen nicht kundenfreundlich.

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