Gekaufte App zurückgeben: So funktioniert es bei Android und iOS

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iPhone 4 mit verschiedenen Apps.
Bildquelle: Pixabay
Was passiert eigentlich, wenn man eine App im App Store kauft, sie dann aber nicht hält, was sie verspricht? Gibt es da ein Rückgabe-Recht? Die Antwort ist ja, das Zurückgeben von Apps ist möglich. Allerdings geben Apple und Google ihren Nutzern dafür unterschiedliche lange Zeit. Und auch der Rückgabe-Prozess unterscheidet sich bei iOS und Android. inside handy klärt auf.

App-Entwickler wollen ihre Anwendungen möglichst häufig verkaufen. Ihre Versprechungen im Apple App Store und Google Play Store lesen sich daher blumig. Doch nicht immer sind Nutzer nach dem Kauf mit der Anwendung zufrieden. Sie bietet vielleicht nicht die versprochenen Funktionen, ist für den gewählten Zweck ungeeignet oder läuft ganz einfach nicht auf dem eigenen Smartphone. In diesen Fällen ist es gut, dass sowohl Apple als auch Google ihren Nutzern die Möglichkeit geben, eine gekaufte App zurückzugeben.

App-Rückgabe bei Apple: So geht’s

Ähnlich wie beim Thema „Apps verschenken“ hat Apple auch beim Thema „Apps zurückgeben“ im Vergleich zu Google die Nase vorn. Der iPhone-Hersteller räumt iOS-Nutzern nämlich einen deutlich längeren Zeitrahmen ein, vom Kauf der Software zurückzutreten. Um eine Anwendung zu reklamieren, müssen Käufer nicht einmal den Apple Support kontaktieren oder sich an den App-Entwickler wenden. Apple hat für den Fall einer Rückgabe von im App Store oder über iTunes erworbenen Inhalten eine spezielle Webseite eingerichtet, über die sich Rückerstattungen abwickeln lassen.

Wie gebe ich eine iOS-App zurück?

Möchten Besitzer eines iPhones oder iPads eine gekaufte iOS-App zurückgeben, können sie dies über die Apple-Seite reportaproblem.apple.com tun. Hier müssen sie sich im ersten Schritt über ihre Apple-ID einloggen und die entsprechende App aus der Liste der in den vergangenen 90 Tagen gekauften digitalen Güter heraussuchen.

Haben sie die Anwendung gefunden, klicken sie im nächsten Schritt auf das Feld „Problem melden“. Nun können sie über ein Auswahlfeld aus verschiedenen Optionen wie „Artikel versehentlich gekauft“ oder „Falscher Artikel gekauft“ wählen. Bestätigen Nutzer die Auswahl im letzten Schritt, ist die Reklamation in die Wege geleitet.

Zur Rückgabe von iOS-Apps gibt es ein spezielles Portal.
iOS-Nutzer können Apps über die Seite reportaproblem.apple.com zurückgeben.Quelle: Apple / Montage: inside handy

In einigen Fällen wird das Geld sofort zurückerstattet. Hinter der Anwendungen erscheint dann der Status „Rückerstattet“. Es kann aber auch vorkommen, dass Apple das Anliegen zunächst prüft und das Geld erst später gut schreibt. Letzteres passiert jedoch innerhalb von sieben Werktagen. Über eine Prüfung informiert der Hersteller mit dem Status „Ausstehend“.

Wie lange habe ich Zeit, eine iOS-App zurückzugeben?

Auf seiner Service-Seite nennt Apple eine Rückgabefrist von 90 Tagen für Käufe im App Store, im Mac App Store oder über iTunes. Das schließt neben Software auch E-Books, Musik und Filme aus dem iTunes Store mit ein. Allerdings müssen Nutzer, die diesen Zeitraum voll ausnutzen, die Rückgabe der App oder Medien in diesem Fall konkret begründen.

Deutlich leichter geht die Reklamation innerhalb der ersten 14 Tage nach Erwerb der Anwendung. Innerhalb dieser Spanne lässt sich der Kauf ganz einfach und ohne Begründung stornieren. Die Rückgabe funktioniert auch dann, wenn die App bereits genutzt und ein Song abgespielt wurde. Apple behält sich allerdings das Recht vor, die Rückgabe-Option innerhalb der ersten 14 Tage bei zu häufigen Reklamationen zu streichen. Auch kann es passieren, das die Rücknahme bei komplett gestreamten Filmen verweigert wird.

Android-App zurückgeben: So geht’s

Google macht es Android-Nutzern ebenfalls sehr einfach, gekaufte Programme für Android zurückzugeben. In-App-Käufe sind von dieser Regelung allerdings ausgeschlossen. Zudem haben Besitzer eines Smartphones oder Tablets von Huawei, Samsung, Sony und Co. für die Reklamation deutlich weniger Zeit als Apple-Nutzer. Warten sie länger, wird der Prozess komplizierter und die Gefahr besteht, dass Käufer ihr Geld nicht erstattet bekommen.

Rückgabe einer Android-App innerhalb von 48 Stunden nach Kauf

Die Stornierung eines App-Kaufs im Google Play Store ist ohne Angabe von Gründen innerhalb von 48 Stunden möglich. Dazu begeben sich Nutzer über das Android-Smartphone in den Play Store und navigieren über ihr Konto zu der Bestellübersicht. Auf dem Computer können sie die entsprechende Seite über den Link play.google.com/store/account aufrufen.

In der Bestellübersicht muss nun die App ausgewählt werden, deren Kauf Nutzer rückgängig machen möchten. Die entsprechende Auswahl finden sie über das Symbol mit den drei Punkten. Mit einem Tipp auf das Symbol öffnet sich ein Auswahlfeld mit den Optionen „Erstattung beantragen“ oder „Problem melden“. Sie können nun die Erstattung des Kaufbetrages beantragen.

Bestellübersicht im Play Store.
So erreichen Nutzer die Bestellübersicht im Play Store.Quelle: Rita Deutschbein / inside handy

Innerhalb der nächsten 15 Minuten erhalten Käufer von Google eine E-Mail, in der sie darüber informiert werden, ob die Erstattung gewährt wird. In wenigen Fällen kann die Mail aber bis zu zwei Tage benötigen, bis sie den Empfänger erreicht. Sobald Google eine Android-App zurücknimmt, wird diese aus dem Google-Play-Konto des Nutzers sowie von dessen Android-Smartphone gelöscht. Google weist außerdem darauf hin, dass eine Rückerstattung pro App nur einmal möglich ist. Der erneute Kauf einer zuvor bereits stornierten Anwendung lässt sich somit nicht rückgängig machen.

Kann ich auch ältere Android-Apps zurückgeben?

Warten Nutzer mit der Reklamation einer Android-App länger als 48 Stunden, ist eine Erstattung über Google nicht mehr möglich. Das Unternehmen verweist in diesem Fall auf den Entwickler der App. Entwickler hätten eigene Richtlinien und seien an spezielle rechtliche Bedingungen gebunden, so Google auf der Hilfe-Seite.

Lassen sich Apps aus dem Amazon Appstore zurückgeben?

Neben dem Google Play Store hat sich der Appstore von Amazon als alternativer Store für Android bewährt. Die Rückgabe von Apps schließt der Online-Händler in seinen AGB allerdings aus. Konkret heißt es dort: „Käufe vom Amazon Appstore und aus den Musik-Downloads können nach dem Kauf nicht zurückgegeben werden.“

Rechtliche Grundlage für die Rückgabe digitaler Güter

Die Kundenrechte bei Online-Käufen regelt innerhalb der EU das Fernabsatzgesetz. Seit dessen Überarbeitung im Juni 2014 umfasst es auch ein Widerrufsrecht für digitale Güter. In diese Kategorie gehören auch digitale Inhalte wie Apps, Spiele, Musik und Videos. Sollten diese nicht nutzbar sein oder nicht den versprochenen Funktionsumfang erfüllen, sind Entwickler und Anbieter somit verpflichtet, nachzubessern oder aber die App zurückzunehmen. Bei Nichtgefallen einer App haben Anwender hingegen keinen Anspruch darauf, den Kauf zu stornieren.

In der Praxis lassen sich die Gründe für eine Reklamation aber nicht immer einwandfrei nachvollziehen, weswegen einige Anbieter für digitale Inhalte ein vertragliches Rückgaberecht festgelegt haben. Und dieses sieht – wie oben zu lesen – je nach Händler ganz unterschiedlich aus.

Das Rückgaberecht ist aber separat zum 14-tägigen Widerrufsrecht zu betrachten, das Anbieter von Gesetzes wegen einhalten müssen. Nur unter bestimmten Voraussetzungen ist es ihnen möglich, das Widerrufsrecht der Kunden zu verkürzen oder ganz auszuschließen. Die Voraussetzung umfassen folgende drei Punkte:

  • Käufer digitaler Inhalte müssen dem Anbieter ihre Einwilligung geben, dass er den Vertrag sofort ausführen darf. Die Ausführung des Vertrags erfolgt im vorliegenden Fall durch den Zugriff auf die Apps und Medien, also durch das Starten des Downloads.
  • Käufer müssen darauf hingewiesen werden, dass sie durch den Download ihr Widerrufsrecht verlieren.
  • Der Download einer gekauften Anwendung muss tatsächlich begonnen haben.

Wird auch nur einer dieser Punkte vom Händler nicht umgesetzt, bleibt das gesetzliche Widerrufsrecht des Kunden weiterhin in Kraft.

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