Die besten Radio-Apps für Android

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Altes Radio
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Radiohören war noch nie so einfach und komfortabel wie heute. Insbesondere auf dem Handy kann der Nutzer aus exorbitant vielen Radiosendern aus der ganzen Welt auswählen und bekommt Musik sowie Nachrichten auf die Ohren. Im Google Play Store gibt es unzählige Radio-Apps, die um den Download buhlen. Doch für welche soll man sich entscheiden? Und machen die nicht sowieso alle das Gleiche? inside handy hat 24 Radio-Apps für Android getestet. Mit so mancher Überraschung und einem Geheimtipp.

Das Radio ist Skeptikern und Kritikern zufolge bereits mehrere Male gestorben. Dabei überlebte es den Walkman, den MP3-Player und auch den Kaventsmann, der mit Streaming-Diensten wie Spotify und Apple Music das Radio-Boot zu kentern versuchte. Während der Walkman und der MP3-Player mittlerweile obsolet sind, erlebt das Radio erneut einen Frühling. Zu verdanken haben es die Radiosender dem digitalen Übertragungsstandard DAB und DAB+ (Digital Audio Broadcasting) sowie dem Internet. Ob im Wohnzimmer über einen Google Chromecast oder ein WLAN-Internetradio, ob am PC als Webradio über den Browser oder auf dem Handy via App: Radiohören liegt wieder voll im Trend.

Musik aus der ganzen Welt

Einer der Gründe für den Erfolg: Radiohören war noch nie so einfach wie heute. Vorbei sind die Zeiten, in denen man am Potentiometer der Anlage drehen und gleichzeitig die Antenne ausrichten musste, um einen Sender reinzubekommen. Und sollte es noch ein bestimmter Sender sein, musste man auch die Frequenz kennen, auf der gesendet wird. Mit einem einfachen Sprachbefehl wie “OK Google, spiele Rock Antenne” wird der Radiosender über die heimische Anlage gestreamt. Auf dem Smartphone muss man nur den Namen des Senders eingeben und auf Play drücken. Und hat man keinen speziellen Radiosender im Kopf, lassen sich Stationen per Genre oder Sprache finden. Zudem hat das Radiohören über das Internet den Vorteil, dass man nicht nur aus lokalen Sendern aussuchen kann, in deren Ausstrahlungsgebiet man sich befindet. Es lassen sich Radiostationen aus der ganzen Welt hören.

Radiohören: Internet vs. UKW

Wer auf seinem Handy Radio hören möchte, hat zwei Möglichkeiten. Einige Smartphones haben einen eingebauten FM-Chip. Das bedeutet, man kann über die Radio-Anwendung Sender empfangen, wie es mit einem handelsüblichen Radio der Fall ist. Die Kopfhörer dienen dabei als Antenne. Doch längst nicht jedes Smartphone bietet eine solche Funktion. Das iPhone etwa hat seit seiner Markteinführung im Jahr 2007 kein UKW-Radio. Welche Smartphones einen integrierten FM-Radioempfänger besitzen, zeigt die Liste der Handys mit UKW-Radio auf inside handy.

Der Vorteil dabei: Man hört Radio über Funkwellen und nicht über das Internet. Somit verbraucht man kein Datenvolumen, was insbesondere Unterwegs schnell aufgebraucht ist. Der Nachteil: Es finden sich nur Radiostationen, in deren Ausstrahlungsgebiet man sich befindet – ähnlich also wie im Auto.

So viel Datenvolumen verbrauchen Radio-Apps

Wer ein Smartphone besitzt, das kein FM-Radio an Bord hat, muss auf Apps aus dem Google Play Store zurückgreifen. Die Vorteile: Es wird keine Antenne in Form eines Headsets benötigt und man hat eine deutlich größere Auswahl an Radiosendern. Der Nachteil: Die Musik wird gestreamt, was bedeutet, dass Datenvolumen verbraucht wird. Was im heimischen WLAN bei einer Flatrate nicht ins Gewicht fällt, kann unterwegs für eine böse Überraschung sorgen. Je höher die Qualität der Sender, die gestreamt werden, desto höher auch der Verbrauch. Hier eine kleine Tabelle zur Einordnung:

BitrateZeitDatenverbrauch
128 kbit/s1 Minute1,4 MB
2 Minuten2,4 MB
3 Minuten3,3 MB
10 Minuten10 MB
320 kbit/s1 Minute3,3 MB
2 Minuten5,5 MB
3 Minuten7,8 MB
4 Minuten10 MB

Wer also beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit eine halbe Stunde Webradio über eine App streamt, kann bis zu 75 MB seines Datenvolumens verbrauchen. Dabei hört man allerdings Musik in CD-Qualität mit einer Bitrate von 320 kbit/s. Wer zum Beispiel Deutschlandfunk hört, wo es meist eher um Diskussionen und Sendungen mit viel Redeanteil geht, kann auch einen Stream mit 64 kbit/s nutzen. Auf der gleichen halbstündigen Bahnfahrt verbraucht die Radio-Anwendung nur etwa 15 MB des inkludierten Datenvolumens. Darüber hinaus gibt es Apps, die es dem Nutzer erlauben, Podcasts und Hörspiele im WLAN herunterzuladen. Anschließend lassen sie die Sendungen auch offline hören, was das mobile Datenvolumen schont.

Radio-Apps für Android im Test: Radio ist nicht gleich Radio

Für den Test hat die Redaktion insgesamt 23 Apps aus dem Play Store heruntergeladen und sie auf Herz und Nieren getestet. Dabei sind die Anwendungen drei Gruppen zuzuordnen: Die erste Gruppe bilden Radio-Apps wie TuneIn, Replaio oder Audials. Sie bieten eine große Vielfalt an Radiosendern. Innerhalb der Anwendungen lassen sich Sender häufig nach bestimmten Genres oder Sprachen filtern. Die Bandbreite reicht von regionalen Radiostationen bis Sendern in Übersee oder Programmen mit bestimmten Musikstilen wie Rock, Trance oder Schlager.

Die zweite Gruppe bilden Anwendungen, die ausschließlich Sender eines bestimmten Genres enthalten. Dazu zählen etwa das 80s80s Radio, das Jazz oder das Psychedelic Musik Radio. Hier gibt es Besonderheiten in der Ausstrahlung von Programmen. So kann eine App Live-Sender enthalten, die tatsächlich von einem Radio-DJ betrieben werden. Es können aber auch Radiosender sein – dazu zählt etwa das Rock Radio – die auf kuratierte Playlisten setzen. Hier gibt es dann keinen Moderator der Lieder ansagt. Diese Apps sind im Grunde also keine richtigen Radio-Apps. Aber auch keine Streaming-Dienste wie Spotify, bei denen man gezielt nach Künstlern und Songs suchen kann. Aber sie liegen irgendwo in der Zone dazwischen.

Zur dritten Gruppe zählen Radiosender mit eigenen Apps – also Radiostationen, die man meist auch über UKW empfangen kann. Dazu zählen etwa MDR Jump oder Deutschlandfunk. Andere Radiostationen lassen sich über diese Apps nicht empfangen. Dafür bieten sie häufig ein breites Spektrum dessen an, was im Sender passiert. Das reicht von der Live-Ausstrahlung über Podcasts und News bis hin zu Sendungen, die man verpasst hat.

Welche Radio-App ist die richtige für mich?

Wer, wie im Auto, gerne zwischen Sendern hin und herschaltet, dem sind Radio-Anwendungen wie Audials oder RadioDroid zu empfehlen. Hört man lieber Musik einer bestimmten Stilrichtung, eignen sich Apps spezieller Radiosender wie Rock Antenne oder das Chillout & Lounge Music Radio. Wer hingegen einen Lieblingssender hat und nur diesen hört, kann in der jeweiligen App des Radios um bestimmte Inhalte wie verpasste Sendungen und Podcasts bereichert werden.

24 Radio-Apps für Android im Test

Doch es geht nicht nur um die Inhalte der einzelnen Radio-Anwendungen – auch wenn diese beim Radio hören natürlich im Vordergrund stehen. Es sind aber auch die Benutzerfreundlichkeit in Form des Designs, Funktionen wie ein Sleeptimer, Wecker oder Equalizer und die Möglichkeit, Sender via Chromecast auf die heimische Anlage zu streamen, die eine Rolle spielen. In der folgenden Tabelle sind alle von der Redaktion getesteten Apps zu finden. Somit ist auf einen Blick ersichtlich, welche App mit welchen Funktionen ausgestattet ist. Alle getesteten Radio-Anwendungen für Android stehen kostenlos im Play Store zum Download bereit.

 Radio-AppWeckerSleep TimerEqualizerChromecast-UnterstützungWerbung innerhalb der AppBesonderheitenWertung
Audialsjajajajanein- parallele Aufnahmen
- Automodus
- Streaming-Qualität auswählbar
- Podcasts (auch offline hörbar)
- eigene Musik abspielbar
- Zappen-Funktion
++++
RadioDroidjajajajanein- Aufnahmefunktion
- zeigt an, wie viel Datenvolumen der Stream verbraucht
- Mitschnitt möglich
++++
Replaiojajajajaja (beim Senderwechsel)- Sender nach Genre und Land durchsuchbar
- Empfehlungen von Stationen durch die Mitarbeiter
+++
Dlfjajaneinjanein- Sendungen nachträglich anhören (auch offline)
- nur Dlf, Dlf Kultur und Dlf Nova
+++
Radiogramneinneinneinjanein- schnelle Sendersuche
- Verbindung zum Chromecast dauert häufig etwas länger
- Sender nach Land und Genre filterbar
++
Radio Gardenneinneinneinneinja (beim Senderwechsel)- nur Live-Radiostationen
- schön, um Radios auf der ganzen Welt zu entdecken
++
Radio.dejajaneinjaja (beim Senderwechsel und im Content)- Sender nach Genres, Ländern, Sprachen und Themen durchsuchbar
- Podcasts enthalten
- schnelle Senderwechsel
- laufende Songs lassen sich als Favorit markieren
++
Rock Radioneinjaneinjaja- kuratierte Playlisten
- Bezahlversion werbefrei (5-7 Euro/Monat)
- über Chromecast wird Stream nach ca. 25 Minuten abgebrochen
++
Jazz Radioneinjaneinjaja- kuratierte Playlisten
- Bezahlversion werbefrei (5-7 Euro/Monat)
- über Chromecast wird Stream nach ca. 25 Minuten abgebrochen
++
80s80s Radiojajaneinneinja- diverse Playlists wie NDW, Party oder David Bowie und Depeche Mode
- Streaming-Qualität auswählbar
- nur für Fans von 80er Jahre Musik
++
Radio Deutschlandjajaneinjaja (viel)- Sender nach Bundesland filterbar
- Podcasts enthalten
++
TuneInjajaneinjaja (sehr viel)- Fahrmodus
- Infos zu Radiosendern
- Stream-Qualität auswählbar
+
Capricejajajaneinnein- viele Musikrichtungen zur Auswahl
- schnelle Umschaltung zwischen Sendern
- kein richtiges Radio sondern kurtierte Playlisten
+
dRoidioneinneinneinneinnein- schnelle Senderwechsel
- Suche nach Interpreten und Musiktiteln möglich
- sehr schlank (belegt nur 10 MB)
+
Smart Radio FMneinjaneinneinja (beim Senderwechsel)- Podcasts vorhanden aber nicht offline hörbar
- Sender filterbar nach Land, Sprache und Genre
+
PCRadioneinjajaneinja (sehr viel)- sehr schnell
- in Englisch
- Premium-Zugang für höhere Streaming-Qualität für 99 Cent/Monat oder 6,39 Euro/Jahr
+
Chillout Radioneinjajaneinja- App in Englisch
- Gute Auswahl von Radiosendern (48) aus der ganzen Welt
- Bezahlversion ohne Werbung kostet 3,09 Euro
+
Oldies Music Radioneinneinneinneinja (sehr viel)- schöne Oldies-Auswahl von Musiksendern+
Deutsches Radiojajaneinneinja (sehr viel)- unzählige Sender aus Deutschland
- Stream-Qualität auswählbar
- Sender nach Genres und Städten filterbar
+
MDR Jumpjajaneinneinnein- Streaming-Qualität auswählbar
- Nachrichten enthalten
- keine Podcasts trotz vorhandenem Menüpunkt
+
Country Radioneinjaneinneinja (sehr viel)- gute Senderauswahl (32) aus aller WeltØ
Psychedelic Radioneinjaneinneinja (sehr viel)- breite auswahl an Psychedelic-Sendern (Rock, Pop, Goa, Trance, Progrock, Postrock)Ø
Schlager Radioneinneinneinneinja (beim Senderwechsel)- News zu Schlagerthemen
- Social-Media-Timeline von Promi-Schlager-Stars
Ø
Einfaches Radioneinneinneinneinja (viel)- viele Sender aus der ganzen Welt
- Sleep Timer und werbefrei für 3,29 Euro
-

Fazit

Ob Rock, Schlager, Dance oder Jazz: Für nahezu jeden Musikgeschmack gibt es eine eigene Radio-App. Auch für Nutzer die gerne zwischen verschiedenen Radiostationen zappen, gibt es unzählige Apps. Die Redaktion hat die Anwendungen anhand ihres Funktionsumfangs, Designs und Werbeeinblendungen, die nicht zur Radiowerbung gehören, bewertet. Insbesondere Audials und RadioDroid konnten überzeugen. Das Audials-Radio ist zudem als Webanwendung und Programm für Windows 10 verfügbar. Ob Webradio oder App: so werden die eigenen Lieblingsgenres über mehrere Plattformen synchronisiert. Der Geheimtipp der Redaktion: Radio Garden. Dafür ist das vollkommen andere Design ausschlaggebend. Nutzer finden Radiosender auf der ganzen Welt auf eine bestimmte Art: sie drehen den virtuellen Erdball auf ihrem Smartphone-Display. Unbedingt ausprobieren!

Alle Apps haben eines gemeinsam: Wer gerne unterwegs Radio hört, muss, wenn er keinen Dienst wie Telekom StreamOn nutzt, auf das Datenvolumen achten. RadioDroid ist die einzige Anwendung, die anzeigt, wie viel Datenvolumen man während des Hörens verbraucht. Wer gerne Podcast hört, kann sich diese mit der Audials-App kostenlos im WLAN herunterladen und unterwegs hören, ohne sein Datenvolumen aufzubrauchen. Wer hingegen nur lokale Sender hört, sollte prüfen, ob sein Handy einen FM-Tuner und eine entsprechende App besitzt. Auf viele Funktionen, wie sie Radio-Anwendungen der hiesigen Sender bieten, muss man dann allerdings verzichten. Dazu zählen etwa ein Wecker, eine Sleep-Timer-Funktion oder die Chromecast-Unterstützung.

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1 KOMMENTAR

  1. Also, so ein Quatsch. Am Potentiometer konnte man noch nie ein Radiosender einstellen. Dieser ist für die Lautstärke gedacht.

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