Analog-Abschaltung im Kabel: Das müssen TV-Zuschauer jetzt wissen

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Eine Fernbedienung im Vordergrund steuert einen Fernseher im Hintergrund
Bildquelle: Pixabay
Unitymedia hat es vorgemacht, jetzt zieht Vodafone (ehemals Kabel Deutschland) nach: Das analoge Fernsehen wird bis Frühjahr 2019 im Kabelnetz abgeschaltet. Das Ganze erfolgt schrittweise und Ort für Ort. Auch Kunden, die schon digitales Kabelfernsehen empfangen oder per Kabel im Internet surfen sind zumindest teilweise von dem Schritt betroffen.

Warum sind meine Fernsehsender weg?

Die Abschaltung der analogen Sender im Kabelnetz hat bundesweit bereits begonnen. Nahezu jeden Tag entfernen die Kabelnetzbetreiber planmäßig Sender aus dem Kabelnetz. Auch bei den digitalen Sendern gibt es Veränderungen. Es handelt sich dabei nicht um eine Störung. Alle Fragen dazu werden im weiteren Verlauf dieses Ratgebers beantwortet.

Warum werden die analogen Sender abgeschaltet?

Vodafone / Kabel Deutschland und alle anderen Kabelanbieter benötigen Platz im Kabel. Die freien Frequenzen kommen zusätzlicher Internet-Bandbreite zu Gute. Vodafone hat sich selbst auf die Agenda geschrieben, bis Ende März 2019 acht Millionen Haushalte mit Internet-Geschwindigkeiten von 1 GBit/s zu versorgen. Das setzt aber den Einsatz von DOCSIS 3.1 voraus. DOCSIS 3.1 wiederum benötigt zusätzliche Frequenzen im Kabel. Da analoge Sender sehr ineffizient übertragen werden und somit viel Bandbreite im Kabelnetz verbrauchen, werden diese Sender abgeschaltet. Hinzu kommt, dass analoge Sender eine außerordentlich schlechte Bildqualität haben. Das gilt vor allem, wenn Zuschauer auf einem modernen Flachbildschirm schauen. Zu guter letzt gibt es nach Angaben der Kabelnetzbetreiber nicht mehr viele Kunden, die überhaupt noch analoges Fernsehen schauen.

Ich bin kein Vodafone / Kabel Deutschland-Kunde. Betrifft mich die Abschaltung?

Ja, da alle Kabelanbieter in Deutschland die analogen Sender abschalten. Die meisten Anbieter sind mit der Abschaltung ihrer analogen Sender im Kabel allerdings schon fertig.

Ich sehe ein Laufband in meinem Programm. Was bedeutet das?

Die meisten Kabelnetzbetreiber informieren auf den betroffenen analogen Sendern per Laufband oder Einblendung über die Analog-Abschaltung. Läuft eine solche Information durch, wird der Fernsehsender zum genannten Datum nicht mehr zu sehen sein.

Ich konnte bislang ohne Kabelvertrag Fernsehen schauen. Brauche ich jetzt einen Vertrag oder ein Abo?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Wer Kabelfernsehen schauen kann, ohne einen direkten Vertrag mit einem Kabelnetzbetreiber zu haben, der nutzt einen Rahmenvertrag seines Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft. Die Kosten dafür werden über die Nebenkostenabrechnung abgerechnet. Ob es nach der Analog-Abschaltung weiterhin digitales Fernsehen gibt, liegt am Rahmenvertrag. Betroffene Kunden sollten hierzu ihren Vermieter oder die Hausverwaltung fragen.

Meistens wurden jedoch entsprechend neue Verträge abgeschlossen, sodass zumindest ein Grundangebot weiterhin empfangen werden kann. Unter Umständen ist dieses jedoch verschlüsselt und es wird eine kostenlose SmartCard benötigt.

Welche Alternativen habe ich, wenn ich einen neuen Kabelvertrag brauche?

Eine Alternative zum digitalen TV-Vertrag kann – je nach Kosten – auch ein Vertrag mit einem Streaming-Anbieter sein. Hier kommt das TV-Signal über die Internet-Leitung, sofern diese ausreichend schnell ist. Die Internet-Leitung muss dafür nicht vom Kabel-Anbieter kommen. Einen Überblick über mögliche Streaming-Anbieter hat inside handy in seinem Magazin veröffentlicht.

Hausbesuch: Muss ein Techniker in meine Wohnung?

Nein. Die Kabelnetzbetreiber schicken derzeit angebliche Techniker durch die Städte, die die Kabelanschlüsse in der Wohnung umstellen wollen. Die Wahrheit: Es sollen Verträge unterschrieben werden. Für die reine Umstellung von analog auf digital muss niemand in die Wohnung. Auch die Kabeldose muss dafür nicht ausgetauscht werden. Das ist lediglich bei der Buchung von Kabel-Internet notwendig.

Ich schaue schon digitales Fernsehen. Was ändert sich bei mir?

Vodafone nutzt die Abschaltung der analogen Sender auch, um einmal komplett im Kabelnetz durchzuputzen. Dadurch, dass mit der Abschaltung Frequenzen frei werden, hat Vodafone die Möglichkeit, alle Frequenzen neu zu sortieren. So hat man dann künftig einen großen Frequenzbereich für digitale TV-Übertragungen und einen Bereich für Internet-Anwendungen. Würde man nicht alles einmal neu sortieren, wären die digitalen Sender und die Online-Frequenzen durcheinander. Das wäre deutlich ineffizienter.

Durch die Neusortierung ist es allerdings erforderlich, dass auch digitale Haushalte einen Sendersuchlauf durchführen, sofern die Endgeräte nicht automatisch die neuen Sender einstellen. Der Termin für diese Umstellung ist der gleiche wie für die analoge Abschaltung.

Wann wird bei mir das analoge Fernsehen abgeschaltet?

Jeder Haushalt in Deutschland ist nur an einem ganz bestimmten Tag von der Digitalumstellung betroffen. Bundesweit gibt es aber viele verschiedene Termine, vor allem aus technischen Gründen. Der gesamte Umstiegsprozess wird noch bis Frühjahr 2019 andauern. Die Termine veröffentlicht das Projektbüro Digitales Kabel mit einem Vorlauf von etwa zehn Wochen. Derzeit sind die Termine bis einschließlich November bekannt und in einem umfangreichen PDF-Dokument veröffentlicht. Die Übersicht ist nicht vollständig, da nicht alle Kabelnetzbetreiber ihre Termine zur Verfügung gestellt haben oder zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Termine nennen können.

Darüberhinaus bietet Vodafone eine Online-Abfrage an. Die Abfrage erfolgt anonym und benötigt lediglich die Postleitzahl der Wohnung.

Was bringt mir die Analog-Abschaltung der Sender?

Bisherige Analog-Kunden, die ohne Zusatzkosten auf einen Digitalanschluss wechseln, profitieren von einer größeren Auswahl an TV- und Radiosendern in einer besseren Bild- und Tonqualität. Zudem ist das Kabelnetz mit der Abschaltung der analogen Sender für deutlich schnellere und modernere Internet-Anwendungen vorbereitet.

Mein Internet ist weg. Hat das was mit der Anlalog-Abschaltung zu tun?

Auch die Frequenzen, die schon heute für die Übertragung der Internet-Signale verwendet werden, ändern sich. Das bedeutet auch, dass Kunden in der Nacht der Umstellung kein Internet haben werden. Verbindet sich der Kabel-Router am Morgen nach der Umstellung nicht automatisch mit dem Internet, sollte der Nutzer das Gerät durch einfaches Aus- und Einschalten neu starten. Nach wenigen Minuten sollte das Internet wieder da sein. Das gilt nicht für die Nacht der Umstellung. Hier kann es zu mehrstündigen Ausfällen kommen.

Schneller wird das Kabelnetz jedoch nicht unbedingt. Nur wenn der Kabelanbieter mit der Umstellung auch gleichzeitig mehr Übertragungskanäle pro Versorgungsgebiet freigibt, wirkt sich das auf die Geschwindigkeit aus. Ob das geschieht, ist jedoch lokal sehr unterschiedlich.

Schaue ich schon digital fern?

Wer sich nicht sicher ist, welches Fernseh-Signal er nutzt, kann es anhand der folgender  Punkte herausfinden:

  • Wer einen Flachbildfernseher ohne separaten Receiver besitzt, sieht sehr wahrscheinlich digital fern. Das TV-Gerät braucht einen integrierten DVB-C-Tuner. Das können Nutzer einfach in der Bedienungsanleitung nachsehen. Die meisten Geräte ab 2011 haben einen solchen Tuner. Oftmals scannen die Geräte aber auch noch die analogen Sender, sodass auch diese sich in die Senderlisten geschlichen haben können.
  • Wer mehr als circa 32 Sender oder HD-Sender empfängt, der sieht bereits digital fern. HD-Sender sind am Senderlogo und dem Zusatz „HD“ zu erkennen.
  • Wer einen Receiver von Vodafone oder aus dem Handel nutzt, der sieht ebenfalls schon digital fern.
  • Wer tagesschau24, One oder ZDF Neo empfängt, sieht ebenfalls digital fern.

Nutzer, die noch einen Röhrenfernseher nutzen und keinen externen Receiver verwenden, sind hingegen sehr wahrscheinlich noch analog unterwegs. Wer darüber hinaus sein Radio oder seine Stereoanlage direkt an die Kabeldose anschließt, der empfängt auch dort noch ein analoges Signal. In beiden Fällen ist ein digitaler Receiver nötig, um auch nach der Umstellung TV- und Radiosender zu empfangen.

Ich nutze keinen Kabelanschluss. Bin ich betroffen?

Wer über die Antenne (DVB-T2), Satellit oder per Internet Fernseh-Signale empfängt, ist nicht von der Analog-Abschaltung betroffen. Auf diesen Empfangswegen gibt es schon seit Jahren keine analogen Sender mehr.

Kann ich die Analog-Abschaltung im Kabel verhindern?

Klare Antwort: Nein. Der Dienst wird seitens des Netzbetreibers eingestellt. In Bayern und Sachsen ist das sogar gesetzlich geregelt. Hier darf es bis zum Ende des Jahres 2018 keine analogen Sender mehr geben.

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