Echte Flatrates: Telekom Magenta Mobil XL, Vodafone Red XL und O2 Free Unlimited im Vergleich

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Mobiles Internet mit echten Flatrates ohne Limit nutzen
Bildquelle: Telefónica Deutschland
Flatrates sind aus dem Mobilfunk-Geschäft nicht mehr wegzudenken. Egal ob Pauschaltarif für Sprache oder für das mobile Internet: eine Flatrate ist für die meisten Smarphone-Nutzer zum unverzichtbaren Alltagsbegleiter geworden. Neuerdings bieten Vodafone, Deutsche Telekom und O2 auch "echte" Flatrates an, die selbst beim Datenvolumen nicht mehr beschränkt sind. Zeit für einen Vergleich, denn es gibt Unterschiede - nicht nur beim Preis.

Eines direkt vorweg: Wer sich für einen Handytarif entscheidet, der ohne Limits bei Telefonaten, beim SMS-Versand und bei der mobilen Internetnutzung auskommt, muss vergleichsweise tief in die Tasche greifen. Je nach Anbieter werden zwischen 60 und 80 Euro pro Monat fällig – in der SIM-Only-Variante ohne neues Handy. Wer sich zur SIM-Karte auch ein neues Smartphone wünscht, muss weit mehr bezahlen.

Für wen eignen sich echte Flatrates am meisten?

Interessant sind die an dieser Stelle im direkten Vergleich gegenübergestellten Tarife O2 Free Unlimited, Vodafone Red XL Unlimited und Telekom Magenta Mobil XL vor allem für jene Personen, die besonders viel mit dem Smartphone auf das Internet zugreifen und dabei auch intensiv auf Audio- und Video-Streams zugreifen. Denn anders als bei normalen Allnet-Flatrates wird bei den oben genannten drei Tarifen die mobile Internetnutzung nicht eingeschränkt, sobald ein gewisses monatlich gewährtes Datenvolumen überschritten wird.

Mit anderen Worten: Wer sich für einen der Flat-Tarife von Telekom, Vodafone oder O2 entscheidet, muss nicht damit rechnen, dass die Bandbreite sich irgendwann im Laufe eines Abrechnungsmonats auf ein quälend langsames GPRS-Niveau von nur wenigen Kbit/s reduziert, sondern es steht innerhalb Deutschlands durchgehend schnelle LTE-Geschwindigkeit zur Nutzung bereit. Für die Nutzung im EU-Ausland gelten besondere Regeln, die am Ende dieses Ratgebers gesondert aufgeführt sind.

Was bietet O2 Free Unlimited?

Für den Flatrate-Tarif aus dem Hause O2 spricht ganz eindeutig der Preis: O2 Free Unlimited kostet monatlich „nur“ 59,99 Euro, was im Vergleich zu den echten Flats von Telekom und Vodafone deutlich preiswerter ist. Hinzu kommen abseits von Sonderaktionen einmalig 29,99 Euro für die Aktivierung der SIM-Karte. Mit neuem Handy steigt die monatlich zu zahlende Grundgebühr aktuell auf bis zu 114,99 Euro. Zu diesem Preis gibt es dann aber auch das iPhone X von Apple mit 256 GB Speicherplatz für gerade einmal 1 Euro dazu.

Kehrseite der Medaille: das Netz von Telefónica Deutschland. Vor allem in ländlichen Gebieten ist es häufig deutlich schlechter ausgebaut als die D-Netze von Telekom und Vodafone. Und das hat zur Folge, dass abseits von Ballungszentren oder auch entlang der Bahnstrecken in Deutschland bei mobilen Datenverbindungen häufig nur die langsamen Übertragungsstandards UMTS oder gar EDGE zur Verfügung stehen. Das kann insbesondere für Personen, die häufig unterwegs sind, zu einer echten Belastungsprobe für die Nerven werden.

Nicht verschwiegen werden darf andererseits aber auch dies: Wer sich die meiste Zeit in Großstädten aufhält, wird von den genannten Problemen in weniger stark besiedelten Gebieten kaum etwas merken. Denn in Städten ist das Netz von Telefónica Deutschland in der Regel sehr zuverlässig und ohne Einschränkungen nutzbar – wie jüngst auch Netztests bewiesen haben.

Gleichwohl ist zu beachten, dass die maximal mögliche Download-Geschwindigkeit im Tarif O2 Free Unlimited vergleichsweise gering ausfällt. Sie liegt bei bis zu 225 Mbit/s. Im Upload sind maximal 50 Mbit/s möglich. Da ein Mobilfunknetz aber als Shared Medium zu betrachten ist, bei dem sich alle Nutzer die zur Verfügung stehende Internet-Bandbreite teilen, liegen die tatsächlich nutzbaren Werte normalerweise unterhalb dieser zwei theoretischen Werte. Im Durchschnitt sind laut Telefónica Deutschland derzeit 27 Mbit/s im Downstream nutzbar, sofern LTE zur Verfügung steht.

Eine weitere Einschränkung beim Tarif O2 Free Unlimited: Wer mit dem Gedanken spielt, diesen Flatrate-Tarif zu buchen und um zusätzliche SIM-Karten zum Beispiel für die Nutzung in einem Tablet oder in einem LTE-Router zu erweitern, wird enttäuscht sein. Denn eine zusätzliche SIM-Karte ist für die echte Flat aus dem Hause O2 derzeit nicht zu haben; wohl auch, um eine missbräuchliche exzessive Nutzung zu vermeiden.

Kunden, die schon einen Festnetz- oder DSL-Anschluss von O2 nutzen, können sich in Form eines sogenannten Kombi-Vorteils eine monatliche Ersparnis in Höhe von 10 Euro pro Monat sichern. Grundsätzlich ist aber beim Tarif O2 Free Unlimited eine eigene Festnetznummer bereits inklusive, über die Nutzer auch auf dem Handy zu Festnetzkonditionen erreichbar sind.

Was ist bei Vodafone Red XL Unlimited inklusive?

Bei Vodafone heißt die unlimitierte Mobilfunk-Flatrate Red XL Unlimited und wird für 79,99 Euro pro Monat angeboten – ist also 20 Euro monatlich teurer als im O2-Netz. Wenn auch ein neues Handy bei Vodafone gekauft wird, erhöht sich die monatlich zu zahlende Grundgebühr abhängig vom ausgewählten Smartphone-Modell auf bis zu 99,99 Euro – zuzüglich eines zu zahlenden einmaligen Smartphone-Preises. Hinzu kommen 39,99 Euro als einmalige Einrichtungspauschale.

Die maximal mögliche Surf-Geschwindigkeit im deutschen Vodafone-Netz liegt aktuell bei 500 Mbit/s im Down- und 100 Mbit/s im Upstream. Aber auch hier gilt das, was im O2-Netz gilt: Je mehr Nutzer in einer Mobilfunk-Zelle angemeldet sind, desto geringer fällt die tatsächlich nutzbare Geschwindigkeit aus. Vodafone selbst verweist auf Netztests, bei denen im Schnitt rund 45 Mbit/s im Downstream nutzbar waren.

Eine kostenlose Zweitkarte zum Beispiel für das LTE-fähige Tablet bietet Vodafone für seinen Tarif Red XL Unlimited nicht an. Es besteht aber die Möglichkeit, die Option Red+ Data zu buchen. Für 10 Euro monatlich gibt es dann 10 GB Datenvolumen im LTE-Netz von Vodafone dazu. Das sollte für die meisten Nutzer absolut ausreichen.

Kunden, die schon einen DSL- oder Kabel-Anschluss von Vodafone nutzen, können sich den Tarif Red XL Unlimited für 69,99 Euro pro Monat sichern. Der sogenannte Kombi-Rabatt macht es möglich.

Welche Leistungen sind bei Telekom Magenta Mobil XL nutzbar?

Wie Vodafone bietet auch die Deutsche Telekom einen echten Allnet-Flat-Tarif im D-Netz an – für 79,95 Euro in der SIM-Only-Variante und für 99,99 Euro monatlich in Kombination mit einem Smartphone – zuzüglich Einmalpreis für’s neue Handy. Hinzu kommen 39,99 Euro für die einmalige Bereitstellung des Tarifs.

Der Tarif Magenta Mobil XL gestattet nicht nur das Telefonieren und den SMS-Versand ohne Limit, sondern enthält auch eine Internet-Flatrate mit unbegrenztem Datenvolumen. Die maximal mögliche Download-Geschwindigkeit liegt bei 300 Mbit/s im Downstream und 50 Mbit/s im Upstream. Auch hier gelten aber die oben genannten Parameter eines Shared Mediums. Im Schnitt sind laut Telekom 55 Mbit/s im LTE-Netz des Konzerns nutzbar.

Interessantes Extra beim Tarif Magenta Mobil XL: Die Nutzung der zahlreichen WLAN-Hotspots der Deutschen Telekom, die vielerorts zum Beispiel in Cafés, an Flughäfen, Bahnhöfen oder öffentlichen Plätzen zur Verfügung stehen, ist in diesem Tarif ohne Einschränkung inklusive.

Für Video-Fans wichtig: Im Tarif Magenta Mobil XL werden bei drohender Überlastung einer Funkzelle die Video-Streaming-Inhalte in eben dieser Zelle nur noch mit maximal 1,7 Mbit/s übertragen. Das entspreche aber immer noch DVD-Qualität, so das Versprechen der Telekom.

Eine zusätzliche SIM-Karte ist in Kombination mit dem Tarif Magenta Mobil XL zwar zu haben, kostet aber einen vergleichsweise hohen Aufpreis. Satte 29,95 Euro pro Monat kostet eine sogenannte MultiSIM extra. Bis zu zwei zusätzliche SIM-Karten sind pro Magenta-Mobil-XL-Vertrag orderbar.

Wer einen Festnetzanschluss der Deutschen Telekom nutzt, erhält über den Magenta-Eins-Vorteil einen Rabatt in Höhe von 10 Euro pro Monat.

O2 Free Unlimited Vodafone Red XL Telekom MagentaMobil XL
Grundgebühr
(SIM only)
59,99 Euro 79,99 Euro 79,95 Euro
Einrichtungspreis 29,99 Euro 39,99 Euro 39,95 Euro
Sprach-Flatrate inklusive
SMS-Flatrate inklusive
Daten-Flatrate inklusive
max. Download-
Geschwindigkeit
225 Mbit/s 500 Mbit/s 300 Mbit/s
max. Upload-
Geschwindigkeit
50 Mbit/s 100 Mbit/s 50 Mbit/s
Kombi-Vorteil verfügbar
zusätzliche
SIM-Karte
nicht verfügbar 10 Euro pro Monat
(max. 10 GB / Monat)
29,95 Euro pro Monat
WLAN-Hotspot-
Flat inklusive
nein nein ja
Festnetznummer
inklusive
ja nein nein
Vertragslaufzeit 24 Monate
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Die Möglichkeit, einen der drei hier verglichenen Tarife mit nur einem Monat Laufzeit zu buchen, gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

Darf ich meine Allnet Flat auch im EU-Ausland unlimitiert nutzen?

Wichtig ist zudem, dass sich die drei unlimitierten Flatrates von O2, Vodafone und Telekom auch bei der Nutzung im Ausland unterscheiden. Die drei deutschen Netzbetreiber weisen im Kleingedruckten ihrer Tarife ausdrücklich darauf hin, dass die Nutzung im EU-Ausland nur für vorübergehende Reisen gestattet ist. Otto-Normal-Nutzer können ihren Tarif im EU-Ausland also so nutzen, wie sie es von zu Hause kennen, doch es gibt vor allem bei der mobilen Datennutzung Grenzen, die man kennen sollte – zum Beispiel auch als Geschäftsreisender, der häufiger in Grenzregionen unterwegs ist:

O2 Free Unlimited Vodafone Red XL Telekom MagentaMobil XL
Datenvolumem im
EU-Ausland inkl.
17 GB 23 GB 23 GB
Folgepreis 0,69 Cent pro MB 0,71 Cent pro MB 6 Euro pro GB

Wer innerhalb von vier Monaten mehr Tage in einem ausländischen EU-Netz als im deutschen Mobilfunknetz angemeldet ist, muss damit rechnen, dass gemäß EU-Roaming-Verordnung Aufschläge in Rechnung gestellt werden. Vodafone behält sich dann beispielsweise vor, 3,8 Cent pro Minute für abgehende Gespräche, 1,08 Cent pro Minute für eingehende Anrufe, 1,19 pro SMS und 0,71 Cent pro MB extra zu berechnen. Mindestens zwei Wochen vor Erhebung dieser Aufschläge schickt Vodafone eine Warn-SMS an jene Nutzer, die von den Aufschlägen bedroht sind. Telefónica und Telekom gehen ganz ähnlich vor.

Abseits der EU gelten in allen Tarifen die klassischen Roaming-Konditionen laut Tarif-Preisliste. Ein- und abgehende Telefonate werden dann ebenso berechnet wie die Nutzung des mobilen Internets. Steht also eine Reise über die EU-Landesgrenzen hinaus auf dem Programm, sollten Nutzer mindestens das Datenroaming ausschalten und für mobiles Internet auf örtliche WLAN-Hotspots oder Prepaid-Karten der Netzbetreiber vor Ort setzen.

Darf ich meine Allnet-Flatrate mit einem LTE-Router nutzen?

Wer mit dem Gedanken spielt, einen der genannten Tarife in einem LTE-Router als DSL-Ersatz zu nutzen, sollte sich bewusst sein, dass dies laut AGB bei keinem der drei Netzbetreiber zulässig ist. Die Tarife sind ausschließlich für die mobile Nutzung zugelassen, eine stationäre Verwendung ist ausgeschlossen. Streng genommen ist selbst das zur Verfügung stellen eines mobilen WLAN-Hotspots für Freunde über das Smartphone nicht gestattet. Wer diese Regeln missachtet, muss damit rechnen, eine Kündigung des Handy-Vertrags zu erhalten.

Gibt es auch echte Flatrates bei einem Mobilfunk-Discounter?

Wer darauf hofft, dass es eine echte Handy-Flatrate mit unbegrenztem Datenvolumen auch bei einem der zahlreichen deutschen Mobilfunk-Discounter gibt, wird aktuell noch enttäuscht. Selbst bei den zahlreichen Marken von Drillisch, die normalerweise recht zügig auf den Vermarktungszug von erfolgsversprechenden Tarifen aufspringen, sind unlimitierte Dreifach-Flats aktuell noch nicht zu bekommen.

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