FTTH, FTTB, FTTC: Wenn Glasfaser schnelles Internet bringt

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Leerrohre für Glasfaserleitungen
Bildquelle: Stadtwerke Neumünster
Wenn es um schnelles Internet geht, werfen die Anbieter mit Fachbegriffen um sich. Und immer wieder taucht die Glasfaser dabei auf. Doch was ist eigentlich ein Glasfaser-Anschluss? Was ist der Unterschied zwischen FTTH und FTTB? Warum sagen Kabel-Anbieter und Telekom, sie bieten Glasfaser-Anschlüsse an? Um diese Hintergründe zu verstehen und zu wissen, welche Technik wirklich sinnvoll ist, muss man die Hintergründe und die Netztechnik kennen.

Zunächst einmal – da ist sich die Branche einig – ist eine Glasfaserleitung das beste Übertragungsmedium und auf die nächsten Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte gesehen zukunftssicher und ausreichend in Sachen Kapazität. Doch gleichzeitig ist die Verlegung von Glasfaser bis zu jedem Haushalt sehr teuer und aufwändig – auch da sind sich alle einig. Da sich aber herumgesprochen hat, dass ein Glasfaseranschluss als zukunftssicher und gut gilt, tauchen im Marketing der Anbieter immer neue Begriffe auf: „Glasfaser-Power“ nennt es der eine, „Glasfaser-Koaxial-Netz“ der nächste und wieder ein anderer will schon mehr als 10 Millionen Glasfaserkunden in Deutschland in seiner Bilanz haben – dabei konnten im Jahr 2017 gerade einmal 3,1 Millionen Haushalte technisch einen solchen Anschluss bekommen.

FTTH: Glasfaser in Reinkultur

Wer das Pferd von hinten aufzäumen will, beginnt bei der besten und reinsten Glasfaser-Anschlussform, die es gibt: FTTH. FTTH steht für Fibre-to-the-Home, also die Glasfaser bis nach Hause. Damit ist die Wohnung des Kunden gemeint. Diese Form des Anschlusses ist jedoch nicht nur selten, sondern auch teuer beim erstmaligen Anschluss und fast nur bei Neubauten zu finden. Denn bei Mehrfamilienhäusern muss das Glasfaserkabel nicht nur bis zum Haus, sondern auch noch bis in den Haushalt des Kunden gelegt werden. Wenn keine Leerrohre im Treppenhaus oder in Versorgungsschächten liegen, wird das aufwändig und verursacht zusätzliche Kosten. Daher ist davon auszugehen, dass auch künftig FTTH-Anschlüsse nur zum Einsatz kommen, wenn ein Haus neu gebaut wird, im Haus eine Kernsanierung ansteht oder beim Bau Leerrohre verlegt wurden. Dafür sind dann aber heute schon Anschlüsse mit 1 GBit/s möglich, technisch ist noch mehr drin.

Wie bekomme ich einen FTTH-Anschluss?

Es gibt kaum eine Möglichkeit, einen FTTH-Anschluss in die eigene Wohnung zu bekommen, wenn nicht ohnehin ein Anbieter im Wohngebiet ausbaut. Denn für FTTH sind größere Bauarbeiten notwendig. Zudem kommt besondere Technik im Netz zum Einsatz, so dass es nicht mit einer Glasfaserleitung von der Vermittlungstelle zum Kunden getan ist. Es ist jedoch mittlerweile bei Neubauten im größeren Stil üblich, dass FTTH verlegt wird.

Auch in einzelnen ländlichen, finanziell geförderten Gebieten setzt die Telekom FTTH ein. Hier ist der Ausbau mit Glasfaser bis zum Kunden aufgrund der Entfernung zwischen den Kunden günstiger als ein VDSL-Ausbau. Andere Anbieter sondieren oftmals die Lage in einem Ort und bitten die möglichen Kunden um Vorverträge. Nur wenn eine vorher festgelegte Anzahl an möglichen Verträgen zustande kommt, beginnen die Ausbauarbeiten in dem Ort. Hier geht es oftmals um kleinere Orte, in denen bislang die Internetversorgung unzureichend ist. 

Eine Möglichkeit, einen FTTH-Anschluss auf Bestellung zu bekommen, gibt es bei der Telekom durch das Programm „Mehr Breitband für mich“ (MBfm). Hier haben Glasfaser-interessierte Kunden die Möglichkeit, sich individuell die Kosten für einen Glasfaseranschluss berechnen zu lassen. Doch Vorsicht: Schon der Kostenvoranschlag ist kostenpflichtig und wird mit 100 Euro berechnet. Die Kosten für einen solchen individuellen Anschluss können schnell mehrere zehntausend Euro betragen. Eine wirkliche Lösung eines Breitband-Problems ist das nicht. Wer sich allerdings mit seinen Nachbarn einig ist, der kann sich die Kosten der Telekom für den Ausbau mehrerer Haushalte teilen. Das betrifft nicht nur das gleiche Haus, sondern auch Nachbarhäuser, an denen die Glasfasertrasse vorbeigehen würde.

Der Tipp von inside handy: Bei einer Sanierung des Treppenhauses möglichst Leerrohre bis in den Keller verlegen, das erleichtert Arbeiten zu einem späteren Zeitpunkt. Dieser Schritt sollte auch vollzogen werden, wenn noch kein Ausbau durch einen Anbieter angekündigt ist.

Infografik zu FTTH im Neubaugeboet
Bildquelle: Deutsche Telekom

FTTB: Das Glasfaser liegt im Keller

FTTB wird wohl die Netzinfrastruktur werden, die in den kommenden 10 bis 15 Jahren zunehmend ausgebaut wird. FTTB bedeutet Fibre-to-the-Building, das schnelle Glasfaserkabel liegt also in der Regel im Keller oder im Technikraum eines Mehrfamilienhauses.

Vom diesem Netzabschlusspunkt muss das Signal jedoch noch weiter bis in die Wohnungen verteilt werden. Dazu lässt sich die Telekom-Kupferdoppelader nutzen. Mehrere hundert Megabit pro Sekunde sind über ein VDSL-Verfahren möglich, es lässt sich aber beispielsweise auch G.fast einsetzen. G.fast ist ein Datenturbo für die Kupferleitung, der jedoch nur auf sehr kurzen Leitungen funktioniert. Länger als eine Leitung vom Keller bis ins oberste Stockwerk sollte eine Leitung dafür nicht sein. Doch auch mit G.fast und Kombination mit FTTB lassen sich – je nach Ausgestaltung vor Ort – Anschlüsse mit 1 GBit/s realisieren. Danach ist jedoch – zumindest heute – technisch die Leitung ausgereizt.

Die Versorgung mit FTTB setzt genauso wie FTTH eine Genehmigung des Hauseigentümers voraus, dass eine neue Leitung durch die Mauern des Gebäudes gelegt werden darf. Damit verbunden sein kann je nach örtlicher Gegebenheit auch das Aufgraben eines Vorgartens. Es gibt jedoch auch Verfahren, mit denen sich das vermeiden lässt, beispielsweise mit einem Spülbohrverfahren oder einer Erdrakete.

Wie bekomme ich einen FTTB-Anschluss?

Im Grunde gilt für den FTTB- Ausbau ähnliches wie für den FTTH-Ausbau. Allerdings gilt das Mehr-Breitband-für-mich-Programm bei der Telekom nicht für den FTTB-Ausbau, da die Telekom grundsätzlich keine FTTB-Anschlüsse verlegt, sondern auf die direkte Glasfaserleitung bis in die Wohnung setzt. Die Telekom, aber vor allem auch die Wettbewerber, setzen regelmäßig auf Vorvermarktungen oder Markterkundungsverfahren, um dann möglichst ganze Orte oder Siedlungen mit Glasfaser bis zum Gebäude erschließen zu können.

Der Tipp von inside handy: FTTB wird von den Anbietern in der Regel pro Straßenzug ausgebaut. Die Erschließungsarbeiten ins Haus sind oft deutlich vergünstigt oder gar kostenlos. Muss der Bagger später noch einmal anrollen, können die Kosten schnell vierstellig werden. Selbst wer keinen Anbieterwechsel in Erwägung zieht oder Gigabit-Datenraten braucht, sollte diesen Arbeiten zustimmen. Ein späterer Käufer der Wohnung oder die eigenen Kinder werden es danken. Einen unterschriebenen Laufzeitvertrag wollen die wenigstens Anbieter direkt sehen, wenn ein Ausbau erst einmal beschlossen ist.

FTTC: Die Möchtegern-Glasfaser-Leitung heißt VDSL

FTTC kennen als Abkürzung nur die wirklichen Experten der Branche: Es steht für Fibre-to-the-Cabinet oder Fibre-to-the-Curb. Übersetzt heißt das so viel wie Glasfaser bis zum Technikschrank beziehungsweise Glasfaser bis zum Bürgersteig. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als VDSL (oder auch VDSL Vectoring / VDSL Supervectoring). Aber ist VDSL ein Glasfaser-Anschluss? Da streiten sich die Geister. Die Deutsche Telekom fasst seit geraumer Zeit in ihrer Kommunikation VDSL unter die Rubrik Glasfaser-Anschlüsse. Doch tatsächlich ist die Glasfaser-Leitung für die Kunden mehrere hundert Meter weit weg. Zwischen der Glasfaserleitung und dem Kunden ist die unter Umständen schon Jahrzehnte alte Kupferdoppelader, über die schon die Großeltern telefoniert haben. Immerhin lassen sich aus ihr heute schon 250 MBit/s herausziehen.

Der Vorteil: Mit FTTC-Technik lassen sich deutlich mehr Haushalte deutlich günstiger erschließen, als es mit FTTB oder FTTH möglich wäre. Außerdem müssen weder neue Leitungen zum Gebäude noch innerhalb des Gebäudes verlegt werden.

Der Nachteil: Durch die Nutzung der Kupfertechnik in der sogenannten Letzten Meile gilt VDSL nicht als zukunftsfähig im Sinne einer Gigabit-Gesellschaft. Nach heutigem Stand der Technik ist bei VDSL bei 300 MBit/s im Downstream Schluss – und das auch nur, wenn die Leitungen zum Kunden entsprechend kurz sind.

Während die Deutsche Telekom an ihrer Definition des Glasfaser-Anschlusses festhält, bedeutet Glasfaser-Anschluss in der eigentlichen Bedeutung, dass die Glasfaser mindestens bis zum Gebäude geführt wird und es doch einen Netzabschlusspunkt gibt.

Was ist ein Glasfaser-Koaxial-Anschluss?

Wenn ein Anbieter mit Glasfaser-Koaxial-Anschlüssen wirbt, verbirgt sich dahinter ein TV-Kabel-Anschluss. Dieser wird mindestens auf den letzten Metern im Haus, oft aber auch bis zum nächsten Verstärkerpunkt auf dem Bürgersteig oder noch weit darüber hinaus mit einem Koaxial-Kabel realisiert. Dabei handelt es sich um ein (idealerweise) abgeschirmtes Antennenkabel aus Kupfer. Dieses ist auch durch den eingesetzten Übertragungsstandard leistungsfähiger als die Kupferdoppelader der Telekom.

Je nach Netzausbau eines Anbieters werden die Leitungen des Kabelanbieters im Keller des Hauses, um Verstärkerpunkt oder an einer anderen Stelle auf Glasfaserleitungen übergeben. Wie nah das Glasfaser beim Kunden ist, spielt bei dieser Technik in der rein technischen Betrachtung keine Rolle. In den Anfangstagen wurden 60 Kilometer und mehr überbrückt. Allerdings ist entscheidend, wie viele Kunden sich Anschlusspunkt teilen müssen, damit es keine Überbuchung und somit Einschränkungen gibt.  Der Fachbegriff hierfür lautet Shared Medium. Mit der Segmentierung rückt auch das Glasfaserkabel näher an die Haushalte. Damit werden die Anschlüsse indirekt schneller, da sich weniger Kunden ein Breitband-Segment teilen müssen und mehr Kapazität vorhanden ist.

Was bedeutet FTTX?

FTTX steht lediglich für eine beliebige Art der Glasfaser-Netzversorgung. Das X ist also der Platzhalter für FTTC, FTTB oder -H. Es gibt auch noch weitere Abkürzungen, die jedoch im deutschen Markt kaum eine Rolle und in der Endkundenkommunikation gar keine Rolle spielen. So ist mit FTTdp Fiber to the DistributionPoint gemeint, ein Verfahren, das in der Schweiz zum Einsatz kommt. Dabei handelt es sich um einen Knotenpunkt zwischen Haus und Kabelverzweiger, der aber im deutschen Netz nicht existiert.

Was ist GPON?

GPON ist die in Deutschland am häufigsten verwendete Methode, echte Glasfaseranschlüsse (FTTH) umzusetzen. Nahezu alle Anbieter setzen sie ein. Dabei handelt es sich um eine passive Versorgung des Netzes, bei der 32  bis 64 Haushalte hinter einem Hausanschluss mit der selben Glasfaser versorgt werden. Die Kunden teilen sich also eine Leitung – in etwa wie bei einem Kabel-Anschluss. Es handelt sich also rein technisch um ein Shared Medium. Lediglich die Deutsche Glasfaser verlegt ein echtes Glasfasernetz, bei dem jeder Kunde eine eigene Glasfaser in seine Wohnung gelegt bekommt, die auch als solche bis zur Betriebsstelle durchgeschaltet ist. 

Auch interessant: Shared Medium bei Kabel, LTE, VDSL, Glasfaser und WLAN: Was dahinter steckt

Warum dauert der Glasfaser-Ausbau so lange?

Das Problem in Deutschland ist, dass es in vielen Regionen keine Leerrohr-Infrastruktur gibt, die genutzt werden könnte, um Glasfasern zu verlegen. In der Konsequenz müssen Bagger rollen oder Leerrohre mit anderen Verfahren verlegt werden. Das ist nicht nur teuer, sondern auch zeitaufwändig. Branchenkenner sagen, es gäbe in Deutschland nicht genügend Tiefbaukapazität, um einen flächendeckenden Ausbau mit FTTB/H in den kommenden zehn Jahre zu ermöglichen. Schon heute berichten einzelne Anbieter, dass sie Unternehmen aus Süd- oder Osteuropa beschäftigen um die Gebiete, in denen sie ausbauen wollen, versorgen zu können.

In (Groß-)städten wiederum ist das Problem, dass es keinen wirklichen Bedarf nach echter Glasfaserinfrastruktur gibt. Durch die Kabelnetze sind schon seit Jahren 100 MBit/s und mehr möglich, die Datenraten werden sich hier verzehnfachen. Und VDSL bietet in vielen Städten mindestens 50 und dank Supervectoring bis zu 250 MBit/s im Downstream.  Hier ist es heute kaum lohnenswert und rentabel, FTTB/FTTH zu bauen, sofern nicht der Kabel- oder VDSL-Anbieter sein Netz mittels Glasfaser bis zum Gebäude weiter verdichtet. 

Brauchen wir bei 5G überhaupt noch Glasfasernetze?

Die neuen 5G-Netze, die ab 2020 aufgebaut werden sollen und vermutlich einige Jahre drauf kommerziell nutzbar sind, bieten unter anderem Gigabit-Datenratenraten per Mobilfunk. In einem Teilbereich soll 5G auch dafür genutzt werden, die letzte Meile zu den Kunden zu überbrücken und so schnelle Internetanschlüsse ins Haus zu bringen. Die Telekom experiementiert hier mit einem WTTH genannten Projekt. Doch auch wenn die letzten Meter zum Handy oder ins Haus per Funk kommen: Der Datentransport muss früher oder später per Glasfasernetz erfolgen. Hier werden sich im Laufe der Zeit mehrere Synnergieeffekte ergeben, sofern die Mobilfunkanbieter bereit sind, Glasfaservorleistungen bei alternativen Anbietern einzukaufen. Schon heute nutzen Telekom und Vodafone zum Teil Möglichkeiten im eigenen Unternehmen: Beide nutzen ihre Festnetz-Infrastruktur für die Zuführung von Signalen zu ihren Mobilfunkmasten. 

Da auch auf dem Land 5G-Netze benötigt werden, wenn über die autonomes Fahren mit dem Auto sowie die Steuerung von landwirtschaftlichen Fahrzeugen realisiert werden sollen, wächst die Chance, dass Glasfasernetze eines Tages wirklich bis zum letzen Bauenhof verlegt werden. Denn für das autonome Fahren sind geringe Latzenzzeiten notwendig. Diese lassen sich nur mit einer Glasfaseranbindung realisieren, nicht mit den heute oft eingesetzten Richtfunksystemen. Ein Beispiel, wie aufwändig Sendemasten mit Glasfaserleitungen erschlossen werden, hat die Redaktion von inside handy in einer Reportage dokumentiert.

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