Mobilfunk mit schwierigen FinanzenHandy und Handyvertrag trotz Schufa – Das muss man wissen

vom 18.05.2017, 10:45
Geldscheine und Smartphones
Bildquelle: Christian Koch / inside-handy.de

Hier mal ein finanzieller Engpass und dort eine falsche Investition: Schulden und ausstehende Rechnungen häufen sich schneller an, als man denkt. Die Folge: negative Schufa-Einträge, die im schlimmsten Fall die eigene Kreditwürdigkeit infrage stellen. Doch wie wirkt sich das auf Handyverträge aus? Kann man trotz Schufa-Problemen neue Tarife buchen oder ein Handy kaufen? Die Redaktion von inside-handy.de klärt die wichtigsten Fragen.

Schon beim Namen Schufa dürfte der eine oder andere zusammenzucken: Die sogenannte Wirtschaftsauskunftei empfinden viele als unfaires Sammelsurium von privaten Rechnungsproblemen und Zahlungsschwierigkeiten. Eine schwarze Liste, die einem, wenn man einmal auf ihr steht, das weitere Leben schwer macht – zum Beispiel bei Handyverträgen. Viele Kunden fürchten sich davor, keinen neuen Tarif abschließen zu können, wenn sie einen negativen Eintrag bei der Schufa haben. Docht stimmt das? Sind Handyverträge trotz Schufa möglich? Und wie sieht es mit dem Kauf von Smartphones und Tablets aus? Hier gibt es die wichtigsten Antworten rund um das Thema Handyverträge, Handys und Schufa.

Was ist die Schufa überhaupt?

Oft wird der Begriff Schufa genannt, jedoch ist nicht immer eindeutig, was sich dahinter eigentlich verbirgt. Denn der Name wird mittlerweile als Synonym für einen Begriff auf der Finanzwirtschaft verwendet. So handelt es sich bei der Schufa eigentlich um eine privatwirtschaftliche deutsche Wirtschaftsauskunftei mit Sitz in Wiesbaden. Ihr Zweck ist es, Unternehmen mit Auskünften über die Kreditwürdigkeit von Dritten zu informieren. Damit ist gemeint, ob eine Privatperson oder ein Unternehmen aufgenommene Schulden zurückzahlen kann und will. Der Fachbegriff für diese Information lautet Bonität.

Die Schufa ist also eigentlich nur ein Unternehmen und keine staatliche Institution. Dennoch erfasst sie Daten von bis zu 66,4 Millionen sogenannten natürlichen Personen sprich Menschen oder Privatpersonen. Auch bis zu 5,2 Millionen Unternehmen sind bei der Schufa eingetragen. Der Name der Wirtschaftsauskunftei ist übrigens eine Abkürzung und steht für "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung".

Mobilfunkanbieter und Telekommunikations-Unternehmen erhalten bei der Schufa Auskünfte über ihre Kunden. Deshalb stellen sie eine sogenannte Bonitätsanfrage. Die verrät, ob ein Kunde seine Rechnungen und Ratenzahlungen pünktlich bezahlt oder ob es zu Verzügen sowie ausbleibenden Zahlungen kommt. Die Schufa sammelt aber keine Informationen über das Gehalt oder Kontotransaktionen.

"Schufa-Eintrag"? Scoring-Werte!

Alle Informationen über das Bezahl-Verhalten eines Kunden sammeln sich im sogenannten Scoring. Dabei handelt es sich um einen Wert, der widerspiegeln soll, welche Bonität eine Privatperson besitzt. Die Skala reicht dabei von 1 bis 100. Je höher der Wert, desto geringer ist laut der Schufa die Möglichkeit, das es zu Verzug und unbezahlten Rechnungen kommt. Wer dementsprechend einen niedrigen Wert hat, gilt eher als kreditunwürdig. Laut Angaben der Schufa ist der Score-Wert abhängig vom Zweck, für den er angefragt wird. Einen "Schufa-Eintrag" wie eine Verwarnung gibt es also gar nicht.

Schufa-Eigenauskunft kostenlos beantragen – so geht's

Da sich das Scoring aus vielen Aspekten zusammensetzt, stehen Schufa-Einträge nur bedingt beim Abschluss eines Handyvertrages im Weg. Wenn trotzdem einiges zusammenkommt, kann sich das negativ auf den gewünschten Handyvertrag auswirken. Um sich ein Bild davon zu verschaffen, wie der eigene Score-Wert ist und woher mögliche negative Einträge stammen, kann eine Eigenauskunft bei der Schufa beantragt werden. Laut Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) § 34 Auskunft an den Betroffenen ist das einmal im Jahr kostenlos möglich. Über eine eigens eingerichtete Webseite lässt sich das notwendige Formular herunterladen.

Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit, über ein Online-Portal oder per schriftlicher Auskunft die eigene Wertung zu begutachten. Damit sind jedoch Kosten verbunden. Wer an seinem Scoring arbeiten möchte, kann seine Wertung zum Beispiel nach möglichen falschen Informationen durchsuchen – ein Umstand, der desöfteren zutrifft. Natürlich empfiehlt es sich auch, Rechnungen pünktlich zu bezahlen und wenig bis keinen Verzug auftreten zu lassen.

Handyvertrag trotz Schufa – Das muss man wissen

Auf den ersten Blick scheint es klar zu sein: Wer viele negative Einträge mit der Schufa hat, bei dem kann es möglicherweise auch zu Problemen beim Abschluss eines neuen Tarifes bei Mobilfunkanbietern wie der Telekom, Vodafone oder O2 kommen. Die Wahrheit ist jedoch lange nicht so eindeutig. Denn trotz Schufa ist es durchaus möglich, einen Handyvertrag abzuschließen.

Ob und wie man einen neuen Tarif auch mit negativer Schufa abschließen kann, hängt dabei von drei Faktoren ab:

  1. Ist man bekannter Kunde bei seinem Mobilfunkanbieter? Wenn man gerne einen neuen Vertrag beim bisherigen Unternehmen abschließen möchte, weil der alte Tarif nicht mehr rentabel ist, dann stehen die Chancen sehr gut, dass es trotz negativer Schufa-Wertung zu wenigen Problemen kommt. Denn oftmals prüfen Anbieter die Bonität von Kunden gar nicht - besonders wenn es sich um Personen handelt, die schon in der eigenen Datenbank auftauchen. Wer also bei seinem aktuellen Anbieter eine weiße Weste hat, muss sich nur wenig Gedanken machen.
  2. Bei welchem Anbieter soll der Handyvertrag laufen? Eine einheitliche Grundregel für Bonitätsanfrage gibt es nicht. Jedes Unternehmen hat seine eigene Vorgaben, bei welchem Schufa-Wert Handyverträge abgelehnt werden. Sollte man bei einem Mobilfunkanbieter kein Erfolg haben, lohnt es sich, zu einem Konkurrenten zu gehen. Teilweise ist es auch von aktuellen Entwicklungen der Anbieter abhängig, welche Schufa-Wertung aktuell als kleinster gemeinsamer Nenner gilt. Wer also aktuell kein Glück hatte, könnte es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen. Es bringt übrigens nichts, zu Untermarken von Anbietern zu gehen, wenn man von letzteren schon einmal abgewiesen wurde. "Das Regelwerk ist für die Branded Reseller Marken identisch", verriet Vodafone auf Anfrage von inside-handy.de.
  3. Was für einen Vertrag will man abschließen? Hier gilt die einfach Faustregel: Je teurer der Tarif, desto eher ist der Mobilfunkanbieter gewillt, die Schufa um Auskunft zu bitten. Wer also ein negatives Scoring hat, sollte von einem XL-Tarif inklusive Allnet-Flat und 10 GB Datenvolumen erst einmal absehen. Wer hingegen einen Handyvertrag abschließt, der gerade einmal 10 Euro im Monat kostet, der hat wiederum gute Chancen auf einen Abschluss auch mit negativen Schufa-Einträgen.

Es gilt also: Schlechte Bonitätswerte müssen kein Hindernis beim Abschluss von Tarifen sein. Denn trotz Schufa ist es möglich, an unterschiedliche Handyverträge zu gelangen. Das bestätigt auch 1&1 auf Nachfrage von inside-handy.de: "Punktuell angefragte Schufa-Informationen führen auch bei Auffälligkeiten nicht zwangsweise zu einer schlechteren Bonitätsbeurteilung. Das Überprüfungs-Ergebnis basiert immer auf mehreren und niemals auf einem einzelnen Kriterium." Wer bei seinem bisherigen Anbieter bleiben will oder zu einer Marke wechselt, bei der man schon einmal Kunde gewesen ist, erhöht außerdem seine Chancen massiv.

Ebenfalls ist es ratsam, sich unterschiedliche Unternehmen auszusuchen: Die Anbieter entscheiden oftmals selbst, welches Schufa-Scoring überhaupt notwendig ist, um ein Vertrag zu bekommen. Da diese Werte variieren, sollte man es bei mehreren Unternehmen versuchen. Hier gilt: Große Anbieter wie Telekom, Vodafone und O2 sind bei Handyverträgen in der Regel nachsichtiger und akzeptieren einen Kunden auch mit negativen Schufa-Werten. Bei Discountanbietern ist es hingegen schwieriger.

Schlussendlich spielt auch die Art des Vertrages eine Rolle: Wer gerne einen teuren Tarif mit einer Allnet-Flat oder viel Datenvolumen haben möchte, muss eine strengere Prüfung des eigenen Schufa-Scorings über sich ergehen lassen. Teilweise überprüfen Mobilfunkanbieter auch bei diesen hochpreisigen Verträgen überhaupt erst die Bonität. Im Umkehrschluss ist es bei Tarife mit wenigen Flats und kleinem Datenvolumen eher möglich, dass ein Vertragsabschluss zustande kommt.

Prepaid versus Einsteiger-Tarif versus Allnet-Flat

Bei der Frage, welcher Handyvertrag sich trotz Schufa am meisten lohnt, kommt erneut die schon erwähnte, einfache Faustregel zum Tragen: Je teurer der Tarif, desto eher ist der Mobilfunkanbieter gewillt, eine Bonitätsanfrage zu stellen. Wer also keine gute Wertung bei der Schufa hat, sollte einen günstigen Einsteiger-Tarif einer Allnet-Flat-Option vorziehen.

Prepaid-Karten, bei denen man oftmals erst Zahlen muss, um zu telefonieren, sind natürlich ebenfalls eine gute Möglichkeit. Anbieter haben hier unterschiedliche Modelle, die oftmals die Leistung für vier Wochen versprechen, ohne jedoch an einen Vertrag gekoppelt zu sein. Unter anderem Vodafone und die Telekom bieten solche Prepaid-Tarife an. Einen besonderen Weg geht Yourfone: Der Anbieter stellte mit "LTE XS Paid" einen Tarif vor, der über Allnet- und SMS-Flat sowie 2 GB Datenvolumen verfügt. Anstatt ihn jedoch über einen Zeitraum von 24 Monate Monat für Monat abzubezahlen, können Kunden ihn im Voraus zum Preis von 199 Euro kaufen. Auch hier ist keine Schufa-Abfrage notwendig.

Faire Bonitätsanfrage und kein Schufa

Eine Warnung vor Anbietern, die mit keiner oder einer fairen Bonitätsanfrage für den Handyvertrag werben: Dabei handelt es sich um fragwürdige Methoden, Kunden in einer prekären finanziellen Lage anzusprechen und mit falschen Versprechungen zu locken. Denn eine sogenannte faire Bonitätsanfrage gibt es nicht. Jedes Unternehmen legt seine Richtlinien für den eigenen Scoring-Wert selbst fest. Eine besonders gutmütige Überprüfung findet also nicht statt. Das Versprechen, keine Schufa-Abfrage zu stellen, ist je nach versprochenem Handyvertrag entweder gang und gäbe in der Branche oder eine dubiose Taktik.

Nachteile für Kunden mit schlechter Schufa

Wer trotz Tipps und Tricks vom Mobilfunkanbieter abgelehnt wird, kann unter Umständen doch noch den Handyvertrag antreten. Dabei muss der Kunde jedoch einige Nachteile in Kauf nehmen. So ist es unter anderem möglich, dass der Anbieter eine besondere Kaution verlangt, die man hinterlegen muss. "Je nach Überprüfungs-Ergebnis bieten wir auch die Möglichkeit einer Kautionszahlung. Entscheidet sich der Interessent für eine Kautionszahlung, erhält er den bestellten Vertrag zu den regulären Konditionen", verriet 1&1 auf Nachfrage von inside-handy.de. Wenn der Vertrag ohne Zwischenfälle und Verzug abbezahlt wird, erhalten die Kunden ihr Geld zurück.

Es gibt außerdem die Möglichkeit, dass Anbieter für einen Tarif mehr Geld verlangen. Kunden, die zum Beispiel einen Handyvertrag in Höhe von 20 Euro monatlich abschließen wollen, könnten somit noch einmal gebeten werden, 8 Euro mehr pro Monat zu zahlen. Auch Serviceeinschränkungen gehören zu den Werkzeugen, die Mobilfunkanbieter nutzen, um sich gegenüber schlechter Bonität abzusichern.

Vertrag mit Handy / Hardware mit negativer Schufa

Einen Sonderfall für die Bonitätsanfrage stellen Handyverträge dar, die zusätzlich mit einem Smartphone ausgestattet sind. Hintergrund ist, dass Handys für Mobilfunkanbieter wesentlich wertvoller als eine Allnet-Flat oder ähnliches sind. Dementsprechend schauen sie bei der Vergabe eines Vertrages plus zusätzlichem Smartphone ganz genau hin, welche Kreditwürdigkeit ein Kunde vorweist. Bonitätsanfragen bei der Schufa sind in diesem Fall Standard – auch wenn es nur ein Einsteiger-Tarif ohne Flat sein soll.

Wer also über schlechtes Scoring verfügt, sollte davon absehen, einen Vertrag inklusive Handy abzuschließen. Oftmals ist das auch gar nicht notwendig: Smartphones von Anbietern wie Samsung und Apple gibt es schließlich auch direkt zu kaufen. Und das oftmals günstiger als mit einem Vertrag. Eine Schufa-Abfrage geschieht hier nicht. Es ist übrigens zweitrangig, welches Handy-Modell Teil des Vertrages ist. Ob Top-Geräte wie das Samsung Galaxy S8 und das iPhone 7 oder günstige Smartphones von anderen Herstellern: Sie alle führen dazu, dass Anbieter eine Schufa-Anfrage über einen Kunden eines Handyvertrages anfordern.

Laut 1&1 und Telefónica / O2 ist es jedoch auch möglich, mit Kautionen und möglichen Vorabzahlungen an ein Handy zu kommen: "Selbstverständlich haben wir prozessual die Möglichkeit Vorabzahlungen zu nutzen, um möglichst allen Kunden ein lukratives Angebot machen zu können. So auch bei Hardware-Komponenten", teilte Telefónica auf Anfrage mit.

Die besten Handy Flat Tarife in der Übersicht ›


Bildquelle kleines Bild: Stefan Winopal / inside-handy.de | Autor: David Gillengerten
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Themen dieser News: inside-handy.de, Apple, Mobilfunktarife, O2 / Base (Telefónica), Samsung, Smartphones, Telekom, Tipps & Tricks, Unternehmen und Märkte, Vodafone

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