ADSL, VDSL, Vectoring und Glasfaser Das sind die Unterschiede der aktuellen Breitband-Varianten

vom 01.03.2017, 14:07
Breitband-Ausbau in Deutschland
Bildquelle: Deutsche Telekom

Wer sich mit dem Thema Breitband auseinandersetzt, bekommt es früher oder später fast zwangsläufig mit unterschiedlichen Übertragungstechnologien zu tun. Häufig ist von DSL, ADSL, VDSL oder auch Vectoring die Rede. Oft kommt noch das Themenfeld Glasfaser hinzu. Doch worin unterscheiden sich diese Breitband-Technologien, die fast alle über das alte Telefonnetz realisiert werden eigentlich im Detail? Hier gibt es die Aufklärung.

Früher, als es nur klassische DSL-Anschlüsse gab, war die Frage, wie das Internet-Signal bis ins Haus kommen soll, einfach zu beantworten: Über ein Kupferkabel wurde der Hausanschluss auf der so genannten "letzten Meile" mit einem Verteilerkasten verbunden, der seinerseits die Daten per Kupferader weiterverteilte. Das alles hat aber einen aus heutiger Sicht entscheidenden Nachteil: Die Übertragungsgeschwindigkeit, die ein Kuperkabel bewerkstelligen kann, ist begrenzt. Mit (A)DSL sind nur bis zu 16 MBit/s im Downstream möglich. In vielen Fällen liegt die maximal mögliche Download-Rate sogar noch deutlich niedriger.  Das hängt mit der Länge der Kupferleitung von der Vermittlungsstelle zum Kunden zu. Je weiter der eigentliche DSL-Anschluss von der nächsten Vermittlungsstelle entfernt ist, desto geringer fällt die für den Internetsurfer nutzbare Geschwindigkeit aus.

VDSL und Vectoring machen DSL-Anschlüsse schneller

Wer schneller im Internet surfen möchte, muss auf einen VDSL-Anschluss setzen. Auch hier wird auf eine Kupferleitung zwischen Verteilerkasten, häufig auch als Kabelverzweiger (KVZ) bezeichnet, und Hausanschluss gesetzt. Allerdings ist der KVZ direkt an ein schnelles Glasfaser-Netz angeschlossen. Dadurch wird die Kupferleitung kürzer, der Anschluss allein dadurch schon schneller. Zudem wird auf ein erweitertes Frequenzspektrum von bis zu 30 MHz Bandbreite zugegriffen. So sind Download-Geschwindigkeiten von bis zu 50 MBit/s möglich.

Für VDSL gibt es eine technische Erweiterung, die wie ein Noice-Canceling-Kopfhörer funktioniert: Die Teschnik filtert Störungen auf der Leitung weg, dadurch sind für den Kunden Downloads mit bis zu 100 MBit/s möglich sind. Diese Technik wird mittlerweile sehr intensiv eingesetzt. Neu ist seit Mitte 2018 eine Erweiterung, die sich Supervectoring nennt. Mit einer Erweiterung dieser Technik, bei der noch einmal weitere Frequenzen zum Einsatz kommen, sind dann bis zu 250 MBit/s im Downstream möglich.                                                                                                                                                                                                 

ADSL, VDSL und Vectoring im Vergleich
Bildquelle: 1&1

Jede Anschlussform hat einen anderen Upstream

Ein möglichst hoher Downstream ist vor allem für all diejenigen wichtig, die ihren Internet-Anschluss nicht nur zum Surfen im Internet verwenden möchten, sondern zum Beispiel auch für den Empfang eines IPTV-Signals. Bei der Deutschen Telekom ist das über einen Entertain-Tarif möglich, bei Vodafone in Form von GigaTV. Auch wenn mehrere Dienste am Breitband-Anschluss parallel genutzt werden sollen ist eine möglichst hohe Bandbreite ein enormer Vorteil. Ruckler und Aussetzer bei der Verbindung werden unwahrscheinlicher, je höher die Bandbreite ausfällt.

Auch bei den Uploads, also jenen Daten, die vom DSL-Anschluss aus gesendet werden, sind zwischen den einzelnen DSL-Technologien massive Unterschiede zu erkennen. Während an einem klassischen (A)DSL-Anschluss Uploads mit bis zu 1 MBit/s möglich sind, sind es bei VDSL-Anschlüssen bis zu 10 MBit/s. Und wer auf Vectoring oder Supervectoring  zurückgreifen kann, darf Daten sogar mit bis zu 40 MBit/s verschicken. Ein enormer Vorteil wenn zum Beispiel viele Fotos oder gar Videos an einen anderen Empfänger geschickt oder viele Daten in die Cloud geladen werden sollen.

Gigabit-Anschlüsse kommen per Glasfaser und über Koaxial-Kabelnetze

Wer noch viel schneller als mit 100 MBit/s  oder gar 250 MBit/s im Internet surfen möchte, muss auf einen reinen Glasfaser-Anschluss setzen, bei dem die Glasfaserleitungen bis ins Haus (FTTB) oder bestenfalls sogar bis in die eigene Wohnung (FTTH) verlegt werden. Bei FTTH wird komplett darauf verzichtet, auf das alte von der Deutschen Telekom betriebene Telefonnetz mit seinen Kupferleitungen zuzugreifen, bei FTTB wird noch der Abschnitt vom Gebäudekeller bis zur Wohnung genutzt. Allerdings sind die Ausbaugebiete von Glasfaser-Leitungen derzeit noch überschaubar. In Zukunft sollen über Glasfaser auf diese Weise turboschnelle Gigabit-Verbindungen möglich werden.

Parallel zu DSL/VDSL bzw. Glasfaser wird zumindest in Städten auch das TV-Kabelnetz für die Internetversorgung genutzt. Auch Unitymedia, Vodafone (vormals Kabel Deutschland) und kleinere Kabel-Provider setzen in der Regel bei der Inhaus-Verkabelung auf ein Kupferkabel, das  mehrfach abgeschirmt sein müssen. Trotzdem können sie deutlich höhere Geschwindigkeiten bereitstellen als klassische DSL-Anbieter. Das liegt einerseits daran, dass es sich um ein TVK-oaxialkabel handelt. Gleichzeitig wird ein anderer Übertragungsstandard eingesetzt. In der Regel ist das heute noch DOCSIS 3.0, der je nach Ausbaustand des Netzes in der Praxis bis zu 500 Mbit/s ermöglicht. Mit dem Nachfolger DOCSIS 3.1 sind heute schon 1 GBit/s pro Anschluss möglich. Langfristig soll möglich werden, Datenraten von bis zu 10 GBit/s im Down- und 10 GBit/s im Upstream zu ermöglichen. Grundsätzlich bleibt aber zu berücksichtigen, dass ein TV-Kabelnetz in mehrere Netzsegmente aufgeteilt ist, in denen sich die Nutzer die zur Verfügung stehende Bandbreite teilen müssen.



Bildquelle kleines Bild: Deutsche Telekom | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: DSL und Breitband

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