Langzeitbelichtung mit dem Smartphone: So geht es mit Android und iPhone

8 Minuten
Langzeitbelichtung mit dem Smartphone
Bildquelle: inside-handy.de
Langzeitbelichtung, Lichtzieher und weiches Wasser: Mit langen Belichtungszeiten im Smartphones bieten Handykameras ganz neue Möglichkeiten der Bildgestaltung. Nach einer kurzen Erklärung, was bei Langzeitbelichtungen im Gerät vorgeht, zeigt inside-handy.de wie man Fotos mit Lichtziehern hinbekommt, wie man mit Licht malen kann, welche Apps man braucht, was man für solche Fotos benötigt und wie es mit der original Kamera-App im iPhone funktioniert.

Mit einigen Smartphones lassen sich von Haus aus Langzeitbelichtungen machen. Mittlerweile sind maximale Belichtungszeiten von vier bis 30 Sekunden keine Seltenheit mehr. In dieser Zeit wird der Sensor belichtet – ein digitales Bild entsteht. Bei manchen Modellen lässt sich die Belichtungszeit sogar komplett frei wählen: So lässt sich das Smartphone auch gen Himmel ausrichten, um über mehrere Minuten oder Stunden Sternspuren zu fotografieren. Ob Samsung, HTC oder Huawei, die allermeisten Geräte bieten mit dieser Option im manuellen Modus oder in speziellen Modi für Lichtzieher oder „weiches Wasser“ eine Fülle an neuen Möglichkeiten der Bildgestaltung. Was diese Geräte serienmäßig können, lässt sich aber auch auf jedem beliebigen Android-Smartphone oder Apples iPhones mit einer App nachrüsten. 

Langzeitbelichtung LG G4 Kamera-App
Bildquelle: Michael Stupp / inside-handy.de

In verschiedenen Stufen auf bis zu 30 Sekunden: Langzeitbelichtung in der LG-Kamera-App des LG G4.

Funktionsweise

Von Langzeitbelichtung spricht man in der Fotografie, wenn die Belichtungszeit, also die Zeit, in der der Bildsensor ein Bild aufzeichnet, mehrere Sekunden beträgt. Im Normalfall nimmt der Sensor in einer Smartphone-Kamera ein Bild in einem Sekundenbruchteil auf. Bei viel Licht werden Verschlusszeiten von 1/1000 Sekunde erreicht; in Innenräumen, bei weniger guten Lichtbedingungen, beträgt die Verschlusszeit auch schon mal 1/10 Sekunde. Es lässt sich festhalten: Je dunkler es ist, desto länger muss der Sensor belichtet werden, um ein Abbild der Realität zu erzeugen. Es wird also mit zunehmender Dunkelheit immer schwieriger, ein scharfes Bild zu bekommen, da man das Smartphone während des Belichtungsvorgangs eine längere Zeit ruhig halten muss. Nicht jedem gelingt das. Um dagegen zu wirken, bringen einige Hersteller optische Bildstabilisatoren in ihren Kameramodulen unter und machen den Sensor mithilfe höhere ISO-Werte empfindlicher – das aber ist ein anderes Thema und würde den Rahmen sprengen.

Was man zur Langzeitbelichtung benötigt

Ohne Stativ geht bei solchen Belichtungszeiten fast nichts. Da man das Smartphone mehrere Sekunden in einer Position halten muss, um ein scharfes Bild aufzunehmen, empfiehlt es sich, das Handy zu fixieren. Am besten funktioniert das mit einem Stativ. Auch ein Selfie-Stick kann als Stativ zweckentfremdet werden, indem man diesen zum Beispiel an einem Tischbein mit ein paar Kabelbindern oder etwas Klebeband befestigt. Hat man beides nicht zur Hand, kann man versuchen, das Smartphone irgendwo aufzustellen beziehungsweise es an einen anderen Gegenstand anzulehnen. Die Ergebnisse werden aber nie so gut, als würde man von einem Stativ aus fotografieren.

Wie eingangs erwähnt, haben einige Smartphones serienmäßig Langzeitbelichtungs-Funktionen an Bord. Ist das eigene Handy aber nicht mit solchen Fähigkeiten ausgestattet, lässt sich der Funktionsumfang per App erweitern. Für Android gibt es beispielsweise die App „Light Pic„, die kostenlos im Play Store erhältlich ist. Wer sein iPhone für Langzeitbelichtungen nutzen möchte, kann das sehr gut mit der App „Slow Shutter Cam„, die es bei iTunes für 1,99 Cent gibt. Eine weitere gute Alternative dazu ist die Anwendung „Slow shutter!„, die ebenfalls 1,99 Euro kostet.

Als letztes braucht man eine Idee für eine Langzeitbelichtung. Die Redaktion gibt nachfolgend fünf Tipps, welche Bilder man mit einer Langzeitbelichtung umsetzen kann.

5 Tipps zur Langzeitbelichtung mit einem Smartphone

Langzeitbelichtungen halten im Gegensatz zu normalen Fotos keinen Augenblick fest, sondern zeigen das abgelichtete Motiv über einen längeren Zeitraum. Bewegungen werden dabei verwischt.

Lichtzieher

Die Lichter von vorbeifahrenden Fahrzeugen lassen sich nachts als sogenannte Lichtzieher im Bild festhalten. Dazu sucht man sich einen Standort in einer Kurve, vor einem Berg oder auf einer Brücke, positioniert das Handy auf dem Stativ und richtet es aus. Da das Smartphone beziehungsweise die App den Rest ünermimmt, kann man sich auf die Bildgestaltung konzentrieren.

Light Painting

Für Lichtmalereien befestigt man das Smartphone auf einem Stativ, schnappt sich Gegenstände, die Licht erzeugen und schreibt oder malt in der Dunkelheit vor der Kamera herum. Dafür kann man Taschenlampen ebenso gut benutzen wie Wunderkerzen oder das leuchtende Handy-Display eines zweiten Geräts. Es bedarf einiger Übung und mehreren Versuchen, bis man herausgefunden hat, in welchem Abstand zur Kamera man stehen muss und wie viel Platz man zum Schreiben eines Wortes hat. Sollte das Geschriebene im Anschluss spiegelverkehrt auf dem Display erscheinen – einfach mit einer Foto-App spiegeln.

Fließendes Wasser

Fotografiert man einen Wasserfall, das Meer oder einen Fluss wird man das Wasser für einen Sekundenbruchteil fotografisch einfrieren. Nimmt man für die Aufnahme aber eine längere Belichtungszeit, wird das Wasser viel weicher und sieht eher so aus, als würde es fließen.

Mehrfachbelichtung

Ist die Blende eine bestimmte Zeit offen, zeichnet der Sensor nach und nach ein Bild auf, das beim fixierten Handy nach einigen Sekunden scharf und hell dargestellt wird. Richtet man das Handy aber nach der Hälfte der Verschlusszeit, in folgenden Fall nach etwa sieben Sekunden, anders aus, wird ein zweites Bild aufgenommen, das das erste überlagert. So lassen sich Menschen klonen oder abstrakte Bilder schaffen, auf denen Objekte in der Luft schweben oder ineinander ragen.

Langzeitbelichtung am Tag

Auch am Tag lassen sich Fotos aufnehmen, die einen Zeitabschnitt anzeigen. Das einfachste Beispiel ist der Sekundenzeiger einer Uhr. Belichtet man hierbei mit einer Zeit von 10 Sekunden, wird dieser auch zehn mal zu sehen sein.

Langzeitbelichtung mit dem Smartphone

Extra-Tipp 1: Ausprobieren

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Man kann auch versuchen, statt Lichtern, das Smartphone zu bewegen, während der Verschluss geöffnet ist. Das sorgt gerade bei vielen bunten Straßenlichtern für interessante Bilder, die Hintergrundbild-Niveau haben können. Auch mit Feuer oder brennender Stahlwolle kann man experimentieren und für erstaunliche Bilder sorgen.

Extra-Tipp 2: Auslöseverzögerung

Wer sein Smartphone auf dem Stativ befestigt, kann – um das Ergebnis zu optimieren – vor dem Abdrücken, in den Optionen den Selbstauslöser auf eine Zeit von zwei Sekunden einstellen. Beim Antippen versetzt man das Handy ins Wanken. Nach zwei Sekunden dürfte das Gerät absolut still stehen und ein noch schärferes Foto erzeugen.

Langzeitbelichtung mit dem iPhone

Nutzer von Apples Mobiltelefonen wie dem iPhone X, dem iPhone 8 und dem iPhone 8 Plus haben schon ab Werk die Möglichkeit, eine Langzeitbelichtungs-Funktion zu nutzen. Aber auch ältere iPhones wurden von Apple mit der Funktion ausgestattet. Per Update wird die Live-Foto-Funktion auf die älteren Modelle wie das iPhone 7 und iPhone 7 Plus aufgespielt.

Die Langzeitbelichtung bei Apple funktioniert jedoch etwas anders, als es bei Fotoapparaten üblich ist. So wird bei der Live-Foto-Funktion, in der sich die Langzeitbelichtung versteckt, ein sehr kurzes Video aufgenommen, das lediglich durch eine Abfolge von Einzelbildern erzeugt wird. In der Postproduktion erstellt das iPhone bei Bedarf ein Einzelbild aus dem zuvor aufgenommenen Bildmaterial. Somit wird hier nicht der Sensor länger belichtet, sondern Apple setzt auf eine reine Software-Lösung.

So gelingen Langzeitbelichtungen mit dem iPhone

Apple iPhone Long Exposure

Bildquelle: David Gillengerten / inside-handy.de

Lichtzieher festzuhalten oder Bewegungen auf ein Foto zu bannen gelingt mit Apples iPhone nicht über manuelle Einstellungen oder einem speziellen Nacht- oder Lichtmalerei-Modus. Somit gestaltet sich die Erstellung etwas komplizierter als bei den Kollegen der Android-Fraktion. Will man längere Zeit aufnehmen und so Licht „in Bewegung“ aufnehmen, muss in der Foto-App in den Modus „Live-Foto“ geschaltet werden. Dann wird per Auslöse-Button ein Bild der Szene aufgenommen. Da die Kamera eine Abfolge von mehreren Fotos speichert, können beispielsweise Bewegungen im Nachhinein dargestellt werden, die bei der Weiterverarbeitung der Live-Fotos auf unterschiedliche Art und Weise frisiert werden können. So können unter Endlosschleifen ohne Anfang und Ende oder mit definierten Anfangs- und Schlusspunkt entstehen. In dieser Nachbearbeitungs-Software versteckt sich der Langzeitbelichtungs-Modus Apples. Um dort hin zu kommen, sind folgende Schritte zu erledigen:

  • Kamera-App starten
  • Live-Foto sollte schon ausgewählt sein
  • Foto schießen
  • Bild auswählen
  • Auf dem Bild von unten nach oben wischen
  • unter „Effects“ den Unterpunkt „Long Exposure“ auswählen

Nachdem das Live-Foto geschossen wurde, speichert Apple die kompletten Bildinformation aller Einzelfotos auf dem iPhone. So kann der Langzeitbelichtungs-Effekt auf Apple-Geräten immer wieder entfernt oder neu aufgelegt werden. Will man nun jedoch nur das Endresultat speichern, muss das Bild beispielsweise verschickt werden. Mit diesem „Workaround“ braucht es einige Übung oder auch Versuche bis ein Bild entsteht, dass mit wenigen Handgriffen in den manuellen Einstellungen eines Android-Geräts erledigt ist. Hier wäre ein manueller Modus die bessere Option.

Mit der Apple-Langzeitbelichtung lassen sich sehr ordentliche Ergebnisse erzielen, solange man sich im Belichtungszeitraum der Live-Foto-Funktion bewegt. Soll ein Objekt oder eine Szene doch etwas länger belichtet werden, ist eine zusätzliche App jedoch unumgänglich.

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