Tipps & Tricks Memory-Effekt, Tiefenentladung und Co.Die größten Akku-Mythen und wie man den Handy-Akku richtig lädt

vom 25.05.2017, 16:09
Akku-Mythen

Sollte man seinen Akku vor dem Aufladen komplett entladen? Wie verhält es sich mit dem Memory-Effekt und ist es für den Akku schädlich, wenn man das Handy die ganze Nacht am Ladekabel lässt? Die Redaktion räumt mit den Mythen auf, die sich im Laufe der Zeit, in der sich Akkus weiterentwickelten, angesammelt haben und durch die Köpfe der Smartphone-Nutzer geistern. Außerdem gibt es einige Tipps zum richtigen Aufladen von Smartphone-Akkus.

Akku ganz leer werden lassen?

In Smartphones kommen mittlerweile nur noch Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion) zum Einsatz. Diese sollten nach Möglichkeit nicht vollständig entladen werden, bevor man sie wieder auflädt. Der Grund: Die Elektroden eines Lithium-Ionen-Akkus werden bei einer vollständigen Ladung und Entladung stark belastet. Das hat zur Folge, dass die Lebensdauer des Akkus sinkt.

Wann sollte man den Akku laden?

Akku-Experten sind der Ansicht, dass man den Akku eines Smartphones in etwa im Bereich zwischen 30 und 80 Prozent Ladung halten sollte. Das führt dazu, dass man eine größere Anzahl an Ladezyklen erhält. Demzufolge sollte man den Energieträger am besten auch nur in diesem Bereich mit Strom füttern. Zudem sollte man darauf verzichten, den Akku bei einem niedrigen Stand für nur kurze Zeit ans Ladekabel zu hängen und bei nahezu voller Kapazität nachzuladen.

Smartphone die ganze Nacht am Ladekabel lassen?

Viele Nutzer laden ihr Smartphone über Nacht, da das Gerät in den Nacht- und Morgenstunden meist nicht benötigt wird. Doch was geschieht eigentlich, wenn der Akku voll ist und das Handy weiterhin am Ladekabel bleibt? Nachdem der Energiespeicher seine volle Kapazität erreicht hat, wird entweder so lange ein Erhaltungsstrom geliefert, bis die Akkukapazität unter den Nennwert fällt, ab dem die Ladeelektronik wieder aktiv lädt oder der Ladevorgang wird unterbrochen und erst wieder fortgesetzt, wenn die Ladung unter einen bestimmten Wert fällt. In beiden Fällen wird der Akku beansprucht. Vor allem die Entladung um wenige Prozent im stark belasteten letzten Drittel des Ladevorgangs setzt dem Energiespeicher zu. Deshalb empfiehlt es sich, das Handy vom Ladekabel zu nehmen, sobald der Akku voll ist. Experten sind der Meinung, dass das bereits bei 90 Prozent der Fall sein sollte. Zudem spart man damit auch an der Stromrechnung, Ladekabel verbrauchen nämlich auch Energie, wenn kein Handy an ihnen hängt.

Intelligente Ladezyklen, wie sie Sony mittlerweile in einigen seiner Smartphones als Feature "Batteriepflege" einsetzt, können hier Abhilfe schaffen: Dabei wird der Akku über Nacht nur bis zu einem gewissen unbedenklichen Level geladen und dann, je nach Nutzung des Handys, erst kurz vor der Aktivierung voll geladen. Dabei "lernt" das Smartphone bei der täglichen Nutzung, wann dieser Zeitpunkt in der Regel stattfindet. Das kann einige Zeit dauern und dazu führen, dass zu Beginn der "Lernphase" der Akku am frühen Morgen noch nicht seine volle Ladung besitzt. Ebenfalls kann es zu Problemen kommen, wenn der Nutzer keinen festen Tagesablauf besitzt. Dann kann sich das Smartphone auf keine Uhrzeit einstellen und die Funktion sollte deaktiviert werden, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Batteriepflege in Sony-Smartphone
Bildquelle: Michael Stupp / inside-handy.de

Kann der Akku trainiert werden?

Immer wieder hört man, dass man einen Akku, der keine lange Laufzeit mehr aufweist, mehrmals vollständig auf- und wieder entladen sollte, damit dieser zu seiner vollen Leistungsfähigkeit zurückkehrt. Dieser "Trick" funktioniert bei Lithium-Ionen-Akkus jedoch nicht. Die sogenannte Konditionierung des Energiespeichers spielt nur bei Nickel-Cadmium-Akkus eine Rolle und wirkt sich unter Umständen sogar negativ auf Lithium-Ionen-Akkus aus.

Es kann sein, dass ein neues Smartphone in den ersten Tagen der Nutzung den Akkustand nicht zuverlässig anzeigt. Das liegt daran, dass das Zusammenspiel zwischen Akku, Ladeelektronik und Software noch nicht einwandfrei funktioniert. Nach kurzer Zeit hat das System aber so viele Informationen gesammelt, dass der Akkustand korrekt angezeigt wird. Dabei wird also die Akkuanzeige besser, nicht der Akku.

Der Memory-Effekt

Die bereits angesprochene Konditionierung eines Akkus betrifft vor allem Nickel-Cadmium- und Nickel-Metallhydrid-Akkus. Beide Akkutypen kommen mittlerweile aber äußerst selten zum Einsatz. Nickel-Cadmium-Akkus sind sogar, mit wenigen Ausnahmen, seit 2009 verboten.

Hat man diese Akkus aber geladen, bevor sie leer waren, "merkten" diese sich den Zeitpunkt und Füllstand und nutzten bei weiteren Ladezyklen nicht mehr ihre volle Kapazität aus. Bei Lithium-Ionen-Akkus gehört dieser als Memory-Effekt bezeichnete Prozess der Vergangenheit an.

Ladeelektronik vs. Tiefenentladung

Lithium-Ionen-Akkus sind also nicht vom Memory-Effekt betroffen. Allerdings kann bei diesem Akkutyp die sogenannte Tiefenentladung eintreten. Das kann passieren, wenn man dem Akku so viel Strom entnimmt, bis die Kapazität vollständig erschöpft ist. Dabei sinkt die Spannung unter die Entladeschlussspannung und der Akku wird dauerhaft beschädigt. Im schlimmsten Fall kann das zu einem Kurzschluss führen.

Aber: Nahezu alle Akkus, die man in aktuellen Smartphones und Tablets findet, verfügen über eine Ladeelektronik. Diese soll die Batterie vor einem Kurzschluss, einer Überhitzung oder Überladung schützen und mit einem optimalen Ladestorm möglichst wenig belasten. Das Gerät geht demnach einfach aus, obwohl der Akku noch Reserven hat.

Pflege und Lagerung

Auch wenn es von außen oft nicht den Anschein macht: In einem Akku steckt mehr Chemie als angenommen; daher ist jeglicher Kontakt mit Wasser schädigend und kann zum Ausfall führen. Zudem kann es sein, dass sich der Akku "aufbläht", dies erkennt man tatsächlich an einer Beule auf dem Akku. In diesem Fall läst die Akkuleistung rapide nach und man sollte über einen Wechsel nachdenken.

Nutzt man generell einen Wechsel-Akku, empfiehlt es sich, den nicht-genutzten Akku gerne auch im Kühlschrank zu lagern. Der Alterungsprozess, der die Leistung nach und nach reduziert, geht hier am langsamsten vonstatten. Unter 0 °C sollte die Umgebungstmperatur allerdings auch nicht liegen, hier sinkt die Leisuntgsfähigkeit ebenfalls, worauf auch im Winter ein wachsames Auge geworfen werden sollte. Bei der Lagerung sollte der Akku etwa halb aufgeladen sein, Experten raten zu einem Wert zwischen 40 und 50 Prozent. Nach und nach verliert der Akku auch in dieser Umgebung an Ladung, sodass man ihn ab und zu aufladen sollte um die Gefahr der Teifenentladung zu umschiffen.

Beim Betreiben des Akkus im Handy sollte ebenfalls grob auf Umgebung und Temperatur geachtet werden. Lange Nutzungs-Intervalle bei Temperaturen von unter 10 °C beziehungsweise über 35-40 °C sollten möglichst vermieden werden. Mit Wasser sollte der Akku sowieso nicht in Berührung kommen. Bereits beim Kauf des Smartphones kann hier bereits auf ein etwaiges IP-Zertifikat geachtet werden, gemäß dem das Smartphone vor Wasser und Staub nach Klassifizierung geschützt ist. Aber auch wenn Smartphone und Akku wassergeschützt sind, sollte sichergestellt werden, dass die Ladebuchse, oft ein ungeschützer Gehäuse-Eingang, frei von Wasser ist. Gegebenenfalls sollten zwischen Wasserkontakt und Ladegerät-Kontakt einige Minuten und Kontrollblicke vergehen.

Schnellladefunktionen und USB Typ-C

Viele Hersteller wie Samsung, HTC oder Huawei bieten Schnellladefunktionen in ihren Geräten an und werben mit phänomenalen Ladezeiten. Zum Teil sind die Angaben überzogen, jedoch schaffen mittlerweile viele Smartphones eine halbe Ladekapazität in weniger als 30 Minuten, neueste Technik schafft sogar mehr. Dabei muss beachtet werden, dass die Geschwindigkeit des Ladevorgangs davon abhängt, wie viel Energie bereits im Akku vorhanden ist. Grobe Regel: Je voller der Akku, umso langsamer kann er geladen werden. Zusätzlich spielt natürlich die mögliche Kapazität des Akkus - gemessen in Milliamperestunden (mAh)- eine Rolle bei der Ladegeschwindigkeit.

Im Jahr 2016 und fortwährend auch 2017 etabliert sich der USB-Standard Typ-C auf dem Smartphone-Markt. Er ist jedoch kein Garant dafür, dass das Laden schneller von statten geht. Entscheidend hierbei ist weniger die Bauform des Ports, als vielmehr der verbaute Prozessor. Qualcomms Snapdragon 810 beispielsweise beinhaltet Quick Charge 2.0, während seine Nachfolger Snapdragon 820 und 821 Quick Charge 3.0 bieten. So kann es sein, dass beispielsweise das HTC 10 mit dessen USB Typ-C-Port und dem Snapdragon 820 langsamer lädt, als ein Smartphone mit USB Typ-B und einem neueren Prozessor.

USB-C, Micro-USB, Lighntning-Connector und Qi: Smartphone aufladen (Symbolbild)
Bildquelle: Michael Stupp / inside-handy.de

Vier Quellen für vier Ladearten: Das Qi-Pad für kabelloses Aufladen und die Stecker mit USB-C, Micro-USB (Typ B) für Android-Phones und Lightning-Connector für alle iPhones seit dem iPhone 5.

Keinen Schrott kaufen

Wer ein Smartphone besitzt, bei dem man den Akku auswechseln kann, der ist nach einigen Jahren im Vorteil, wenn der Energiespeicher den Geist aufgibt oder einen zumindest nicht mehr über den Tag bringt. Kauft man sich nun statt einem neuen Smartphone einen neuen Akku, muss dieser kein Original-Teil vom Handyhersteller sein. Dennoch sollte man darauf achten, Drittakkus mit hoher Qualität und nicht den billigsten Akku bei eBay zu kaufen. Diese Regel gilt auch für das Ladegerät. Diese liefern derzeit eine Ausgangsleistung zwischen 1 und 2 Ampere (A). Hatte das Original-Ladegerät eine Leistung von einem Ampere, ist es für das Handy und den Akku nicht bedenklich, wenn man es mit einem 2-A-Ladegerät auflädt - es geht aber etwas schneller.

Mittlerweile sind Wechselakkus - vor allem in der Oberklasse - Mangelware geworden. 2017 verabschiedete sich mit LG ein weiterer großer Hersteller mit dem LG G6 von der Möglichkeit, im Flaggschiff den Energiespeicher austauschen zu können. Soll der Akku also lange halten, wird der Kauf eines mobilen Ladegeräts, einer Powerbank, immer häufiger in Erwägung gezogen. Auch hier sollte darauf geachtet werden, Qualitätsware zu erstehen. Minderwertige Zusatzakkus neigen beispielsweise zu schnelleren Defekten, lasche Kabel tendieren zum Kabelbruch. Immerhin können billige Akku-Gadgets dadurch, dass sie extern und nur per Kabelverbindung zum Einsatz kommen, nicht mehr direkt und unmittelbar dem Smartphone Schaden zufügen.

Dem einen oder anderen dürfte bereits aufgefallen sein, dass es deutlich länger dauert, einen Akku über den USB-Port des Laptops oder PCs aufzuladen. Das liegt daran, dass USB-2.0-Anschlüsse eine maximale Leistungsabgabe von 500 mA haben, was der Hälfte eines Standard-Ladegeräts entspricht. USB-3.0-Anschlüsse liefern zwar auch 900 mA, laden aber auch nur Geräte, die mit dem Standard kompatibel sind.

Top 15 Tipps in der Zusammenfassung

  1. Akkus nicht vollständig ent- und aufladen
  2. Bei der Akku-Aufladung nicht über 90 Prozent laden
  3. Akkuzustand nicht unter 10 Prozent fallen lassen
  4. Akku am besten in einem Ladezustand zwischen 30 und 80 Prozent halten
  5. Akkus mit einem Ladezustand von über 80 Prozent nicht nachladen
  6. Akkus mit einem niedrigeren Ladezustand als 30 Prozent nicht mehrmals für kurze Zeit nachladen
  7. Akku nicht über Nacht laden
  8. Bei Lithium-Ionen-Akkus gibt es keinen Memory-Effekt
  9. Vorsicht vor der Tiefenentladung
  10. Bei längerer Nicht-Nutzung: Akku aus dem Gerät entfernen
  11. Akku-Lagerung in angepasster Umgebung (ideal: Kühlschrank) gewährleisten
  12. Akku weder voll aufgeladen noch fast entladen lagern
  13. Akku nicht dauerhaft in kalter Umgebung (unter 10 °C) laden und betreiben
  14. Akku nicht dauerhaft in heißer Umgebung (über 35°C) laden und betreiben
  15. Keine minderwertigen Akkus oder Ladegeräte nutzen


In einem weiteren Tipp-&-Tricks-Special zeigt inside-handy.de, wie man die Akkulaufzeit mit wenigen Handgriffen verlängern kann.

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Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Redaktion inside-handy.de
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Themen dieser News: Technik, Mobilfunk-News, Mobilfunktechnik, Oberklasse-Smartphones, Phablets, Smartphones

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