Markenpiraterie Gefälschte Akkus: So erkennt man einen Original-Akku

vom 18.08.2017, 09:23
Akku Symbolbild

Bis vor einigen Jahren war es Gang und Gäbe, dass man den Akku seines Smartphones austauschen konnte, sobald dieser das Zeitliche gesegnet hatte. Heutzutage ist dieser Fall eher selten und die Akkus sind fest im Inneren der Handys verankert. Trotzdem findet man im Internet genügend Anbieter, die neue Akkus offerieren. Doch nicht immer handelt es sich dabei um Originale, sondern oftmals um Fälschungen.

Wenn man nicht gerade ein modulares Smartphone besitzt, bei dem der Akku im Notfall ausgetauscht werden kann, ist man im Normalfall auf Werkstätten angewiesen, die den alten Akku gegen Neuware eintauschen. Viele Verbraucher greifen aber auch selber zum Werkzeugkasten und versuchen, ihren smarten Begleiter durch eigene Hand wieder ans Laufen zu bringen.

Und mit Blick in die Untiefen des Internet zeigt sich eine gewaltige Fülle von Händlern, die Akkus jeder Hersteller und für jegliches Handy anbieten. Auch die preislichen Angaben variieren im großen Stil – und genau an dieser Stelle liegt der Knackpunkt. Wie auf einem großen Marktplatz können im Netz nicht nur Produkte seriöser Händler angeboten werden. Sondern eben auch Produkte jener sogenannter Markenpiraten, die Produkte fälschen, zu günstigen Konditionen produzieren sowie oftmals zu geringen Preisen an Verbraucher verkaufen. Auch bei Akkus sind viele Einheiten, die wie Originale aussehen, Plagiate, was unter Umständen auch Gefahren für Käufer birgt.

Händler, die Markenakkus kopieren, gehen geschickt vor und imitieren Schriftzüge, Farben und Verpackungen bis ins Detail. Und das Geschäft lohnt sich: Denn während Fachleute die Täuschung anhand diverser Merkmale erkennen, sehen Laien den Unterschied auf Anhieb nicht. Reklamierungen seitens der Kunden bleiben deswegen oft aus.

Originale und gefälschte Akkus: Den Unterschied erkennen

Auch wenn Markenpiraten sich bemühen, so nah wie möglich an das Original heran zu kommen, so gibt es doch Hinweise darauf, dass es sich um eine Fälschung handelt, an denen sich auch Otto-Normal-Verbraucher orientieren können. Als Beispielfall, der vor drei Jahren für Aufsehen sorgte, soll im folgenden Samsung dienen. Seiner Zeit wurde durch die Computer-Zeitschrift "c't" aufgedeckt, dass von zwölf angeblichen Original-Akkus des koreanischen Herstellers, die über Amazon bestellt und teilweise auch vom Online-Händler vertrieben wurden, alle Einheiten gefälscht waren.

Faktor 1: Der Preis

So ist ein mehr oder minder offensichtlicher Faktor das Preisschild, das an den jeweiligen Akkus hängt. Die Hersteller der entsprechenden Smartphones verkaufen die zugehörigen Batterien zumeist zu teureren Preisen – in Samsungs Online-Shop beispielsweise kosten die Akkus je nach Modell zwischen rund 25 und 30 Euro. Bei Amazon kommen Suchende günstiger weg, teilweise mit der Hälfte des ursprünglichen Preises oder noch weniger.

Produkte, die also für etwa die Hälfte des Preises oder weniger verkauft werden, sollten mit Vorsicht betrachtet werden. Im Beispielfall half auch ein Blick auf den Kostenpunkt nicht zwingend, denn für die Akkus wurden vereinzelt zwischen 15 Euro und 18 Euro verlangt. Abhilfe schaffen können dann auch die Kundenbewertungen, sobald der Preis nicht eindeutig auf eine Fälschung hinweist. Die Bewertungen werden zumindest bei Amazon groß unter den Produkten aufbereitet. Sind die Meinungen durchweg negativ, so handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um billigen Ramsch, der um Längen entfernt vom Original ist. Wenn die Bewertungen auseinandergehen und eher durchwachsen ausfallen, könnte der Händler sowohl Originale als auch Plagiate verkaufen. Im schlimmsten Fall können die positiven Kommentare vom Händler gefälscht worden sein.

Faktor 2: Die Verpackungen

Im Zweifelsfall kann auch die Verpackung Aufschluss darüber geben, ob es sich um ein vom Hersteller verpacktes und produziertes Ersatzteil handelt oder um eine Fälschung. Das Problem bei Online-Bestellungen ist, dass das Blaue vom Himmel gelogen werden kann: Das Originalfoto eines Akkus kann mit der Produktbeschreibung sowie dem Preis eines Plagiats gepaart werden. Selbst wenn ein Foto des gefälschten Akkus auf der Händlerseite abgebildet ist, so wird der Unterschied schwer zu erkennen sein.

Samsung gefälschter Akku Verpackung
Das Original links, das Plagiat rechts im Bild                                                            Bildquelle: c't

Die Differenzen lassen sich nur erkennen, wenn man eine originale Verpackung mit dem billigen Imitat vergleicht. Auch hier soll die damalige Aufdeckung von gefälschten Samsung-Akkus als Beispiel herhalten: Wie Samsung betont, werden die originalen Akkus ausnahmslos in Blisterverpackungen verkauft. Plagiate werden hingegen oft in Plastiktüten oder Ähnlichem versendet.

Befinden sich jedoch beide Akkus in einer Blisterverpackung, so kommt es auf einen kritischen Blick an, um den Unterschied zu erkennen. Trotz der möglichst genauen Nachbildung ist das Blau des Plagiats sowohl beim Logo als auch am unteren Ende der Verpackung heller als bei Samsungs Original. Dort, wo der Produktname aufgedruckt ist, sind die Ränder der blauen Umrandung bei Samsung abgerundet, bei der Fälschung hingegen weiterhin eckig. Hinzu kommt ein schwarze Produktbeschreibung auf der Verpackung der Markenpiraten und ein grauer beim Hersteller.

Faktor 3: Verweise auf dem Akku

Samsung gefälschter Akku
Samsungs Akku links, der gefälschte Akku rechts                                                            Bildquelle: c't

Auch auf dem Akku selber können Verweise auf eine undurchsichtige Herkunft zu finden sein. Wie bei allen Samsung-Produkten kommt auch der Akku für die Smartphones aus Korea; einzelne Bauteile sind aus China importiert. Die Fälscher geben auf ihrem Akku Japan als Herkunftsland, Korea als Fertigungsland an. Tatsächlich stammt der Akku aber aus China.

Diejenigen, die dem Akku genau auf den Zahn fühlen wollen, haben ebenfalls die Möglichkeit, die schwarze Folie, die den Akku umgibt, auf einer Seite abzuziehen. Darunter kommt der Herstellerschriftzug zum Vorschein, der den eindeutigsten Vermerk auf einen echten oder gefälschten Akku gibt. Demzufolge ist Samsungs Smartphone-Batterie von SDI aus Südkorea, beim Gefälschten ist ein unbekannter Fabrikant vermerkt. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass die Ersatzakkus die gleiche Modellnummer tragen wie die Original-Akkus. Das heißt, dass die Echtheit anhand dessen nicht überprüft werden kann.

Samsung gefälschter Akku
Links: Samsung; Rechts: Plagiat                                                                                   Bildquelle: c't

Schlussendlich kann auch das Gewicht des Akkus Aufschluss über die Echtheit des Produktes geben. In den Datenblättern sind in der Regel auch die Gewichte der jeweiligen Akkus angegeben. Die Originale sind oftmals ein bis zwei Gramm schwerer als ihre Imitate. Diese Überprüfung ist im Vergleich mit den oben genannten Methoden aber eher unsicher und uneindeutig.

Gefahren und Risiken eines gefälschten Akkus

Natürlich verrichten auch gefälschte Ersatzakkus ihre Arbeit so wie die Original-Akkus auch: Sie versorgen das Smartphone mit Energie. Doch im Gegensatz zu den Zellen des Herstellers, verlieren die gefälschten Exemplare schnell ihre maximale Kapazität, sprich sie bieten innerhalb kürzester Zeit nur noch kurze Laufzeiten oder werden defekt.

Allerdings bergen sie auch Risiken, die im schlimmsten Fall tödlich für den Nutzer ausgehen können. Beispielsweise könnte die Ladeelektronik nicht funktionieren, die Akkus vor Kurzschlüssen oder Ähnlichem schützt. Versagt dieser Schutzmechanismus, könnte der Akku überhitzen, anfangen zu qualmen oder brennen. Auch Explosionen können Resultat eines defekten oder gefälschten Akkus sein.

Nicht nur Samsung ist von dem Problem betroffen, auch von Apple und zahllosen weiteren Smartphone-Herstellern gibt es zahlreiche dubiose Anbieter, die gefälschte Produkte vertreiben und als Originale ausgeben. Apple selbst verzichtet darauf, Ersatzakkus über den Einzelhandel zu verkaufen und vertreibt seine Akkus nur über den eigenen Shop. Durch dieses Wissen wird es auch für den Verbraucher theoretisch einfacher, Originale von Fälschungen zu unterscheiden.

Die Zahl der Fälschungen steigt Jahr für Jahr und auch wenn man auf bekannten, seriösen Plattformen wie Amazon oder auch Ebay einkauft, ist man vor Betrügern nicht geschützt. Ein waches Auge ist demnach ratsam und der Kauf billiger Akkus besser zu vermeiden. Im Zweifelsfall ist man wohl immer auf der sicheren Seite, wenn man Ersatzakkus und weiteres Zubehör direkt beim Hersteller ergattert.

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Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Simone Warnke
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