Sony Xperia 1: Galaxy-S10-Killer im Hands-On

5 Minuten
Sony Xperia 1 von vorne in der Hand
Sony hat zum Startschuss des MWC 2019 in Barcelona sein neuestes High-End-Smartphone vorgestellt. Das Xperia 1 bringt mit seinem für Smartphones ungewöhnlichem Displayformat etwas Abwechslung zu dem üblichen Einheitsbrei, den viele andere Handyhersteller derzeit anbieten. Zudem gestaltet Sony sein Flaggschiff-Modell von Grund auf neu. Doch ist das Xperia 1 eine echte Alternative zum Galaxy S10, Huawei Mate 20 Pro und Co.?

Mit dem Xperia 1 wagt Sony einen Neuanfang. Das macht zunächst die Modellbezeichnung deutlich. Nach der Z- und XZ-Reihe streichen die Japaner unnötige Buchstaben aus dem Namen und werfen Ballast über Bord. Schließlich lässt sich “Xperia 1” deutlich einfacher über die Lippen bringen und bleibt besser im Gedächtnis hängen, als eine Buchstaben-Ziffern-Kombination.

Neues Design und trotzdem Sony

Neben der Entschlackungskur hinsichtlich der Modellbezeichnung hat Sony seine Designer um einen neuen Anstrich für das Flaggschiff gebeten. Herausgekommen ist ein Smartphone, das sich etwas mehr aktuellen Trends fügt, dabei aber weiterhin Sonys Design-Sprache spricht. Die Ecken etwa sind deutlich markanter als bei der Konkurrenz rund um Galaxy-S– und Huaweis P-Modelle. Auch auf das von Nutzern oft gescholtene Edge-Display mit abgerundeten Kanten verzichten die Japaner. Rundungen an den Kanten mögen zwar schön aussehen, wenn das Gerät mit eingeschaltetem Display auf dem Tisch liegt. Ein flacher Bildschirm lässt sich jedoch besser bedienen. Zudem ist der Notch-Zug durch Tokio gefahren, ohne zu halten. Mit einem Smartphone ohne Display-Einkerbung dürfte Sony ebenfalls viele Nutzer ansprechen, die dieses Detail als Übel und Design-Katastrophe betrachten.

Zudem sind es die Farben, die das Xperia 1 von der Flaggschiff-Konkurrenz abheben. Während insbesondere Huawei auf ein buntes Kolorit mit Verläufen setzt und damit einen Blickfänger ins Verkaufsregal stellt, ist Sonys Farbidee eher konservativ. Schwarz, Weiß, Grau und ein bisschen Lila – das war’s.

Arbeitet man sich langsam von der Vorder- zur Rückseite vor, müssen die Hände um einem Metallrahmen greifen. Dessen Rundung ist so angenehm, dass das Xperia 1 wirklich gut in der Hand liegt. Das zu den Kanten hin abgerundete Gorilla Glass 6 der Rückseite hat jedoch auch seinen Anteil an der überzeugenden Haptik.

Innovative Technik nicht um jeden Preis

Während Hersteller wie OnePlus, Huawei oder Samsung Fingerabdrucksensoren ins Display integrieren und damit zeigen, was heutzutage möglich ist, setzt Sony weiterhin auf einen biometrischen Sensor im Rahmen. Das hat zwei Vorteile: Zum einen ist dieser sowohl für Rechtshänder mit dem Daumen als auch für Linkshänder mit dem Zeigefinger gut erreichbar. Zum anderen reagieren In-Display-Sensoren aktuell deutlich träger. Somit geht Sony einen ähnlichen Weg wie Apple und wartet zunächst die Entwicklung ab, ehe man etwas einbaut, das nicht zu vollster Zufriedenheit funktioniert.

Sony spielt beim Xperia 1 seine Kamera-Karte aus

Apropos abwarten: Sony ist zwar für seine Kameras und Sensoren bekannt. Man ließ sich aber mit dem Einbau mehrerer Objektive in einem Smartphone dennoch Zeit. Der Vorgänger des Xperia 1, das Xperia XZ3, bot folglich nur eine Kamera. Der Nachfolger hingegen hat gleich drei Brennweiten. Nutzer des High-End-Boliden können Fotos mit Normalbrennweite, einem Tele- und einem Superweitwinkelobjektiv schießen. Dabei werden das Standardobjektiv (Blende f/1.6) und die Telebrennweite (Blende f/2.4) von einem optischen Bildstabilisator unterstützt. Alle drei Sensoren lösen Bilder mit 12 Megapixeln auf.

Sony Xperia 1 von hinten mit Fokus auf Triple-Kamera

Doch das ist noch nicht alles. Sony griff bei der Entwicklung der Kamera-Ausstattung des Xperia 1 auf das Know-How der Alpha-Kamera-Sparte zurück. So erkennt der Autofokus nicht, wie üblich, ein ganzes Gesicht, sondern stellt die Augen scharf dar. Zudem lassen sich mit der Weitwinkelkamera Zeitlupenvideos mit 960 Bildern pro Sekunde in Full-HD-Qualität erstellen. Zum Vergleich: Das Huawei Mate 20 Pro schafft zwar ebenfalls 960 fps, jedoch nur in HD-Auflösung. Wer hier eine Full-HD-Slow-Motion haben möchte, muss mit 120 Bildern pro Sekunde leben.

Kino für die Hosentasche

Mit Sony Pictures gehört dem japanischen Unternehmen eines der größten Filmproduktionsgesellschaften der US-amerikanischen Filmstudios. Ob James Bond, Terminator oder Men in Black: Sony Pictures produziert Blockbuster am laufenden Band. Da das Unternehmen aus dem Land der aufgehenden Sonne seine Finger also auch im Filmgeschäft hat, ist es gar nicht so abwegig, dass man auch beim Smartphone auf das sogenannte Cinemascope-Format setzt. Schließlich werden seit Jahrzehnten die meisten Filme im 21:9-Format gedreht.

So verfügt das Xperia 1 über ein 6,5 Zoll großes HDR-pOLED-Display, das durch das für Smartphones ungewöhnliche Format, sehr lang und schmal aussieht. Nimmt man das Gerät in die Hand, wirkt es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Jedoch freundet man sich erstaunlich schnell mit dem Format an. Zumal ein neuer Split-Screen-Modus die gleichzeitige Bedienung von zwei Apps vereinfacht und Side-Sense, der berührungsempfindliche Rahmen, ebenfalls dabei hilft, das Xperia 1 besser mit einer Hand bedienen zu können. Die 4K-Auflösung (1.644 x 3.840 Pixel) des von Gorilla Glass 6 geschützten Displays, rundet den Kino-Bildschirm ab.

Die beeindruckende Hardware des Xperia X1

Neben der Kamera-Ausstattung und dem ultrahochauflösendem Display überzeugt auch die übrige Technik. Zumindest auf dem Datenblatt machen sich ein Snapdragon 855, 6 GB Arbeitsspeicher, Stereo-Lautsprecher mit Dolby Atmos und der IP-Standard 65/68, der dem Xperia 1 Wasserdichtigkeit attestiert, ziemlich gut. Wie sich der 3.330-mAh-Akku macht, vor allem im Hinblick auf solch Top-Verbraucher wie das 4K-Display und Qualcomms High-End-Prozessor, wird erst ein Test des Xperia 1 zeigen können.

Das folgende Datenblatt zeigt die weitere Ausstattung des Xperia 1. Übrigens: Wer auf eine MicroSD-Karte verzichten kann, da der Umfang des internen Speichers genügt, kann stattdessen eine zweite SIM-Karte einlegen. Und: Einen Klinkenanschluss hat das Xperia 1 nicht. Stattdessen legt Sony einen Adapter von USB-C auf 3,5-mm-Klinke dem Lieferumfang bei.

Software Android 9.0 Pie
Prozessor Qualcomm Snapdragon 855
Display 6,5 Zoll, 1.644 x 3.840 Pixel
Arbeitsspeicher 6 GB
interner Speicher 128
Hauptkamera 4272x2848 (12,2 Megapixel)
Akku 3.330 mAh
induktives Laden
USB-Port 3.1 Typ C
IP-Zertifizierung IP68 (Schutz gegen Untertauchen)
Gewicht 178 g
Farbe Schwarz, Weiß, Grau, Violett
Einführungspreis 949 €
Marktstart

Fazit

Das Sony Xperia 1 kommt im Juni in den Handel. Mit 949 Euro wird es zwar nicht gerade günstig. Jedoch muss man als Käufer anderer Top-Smartphones mindestens genauso tief in die Tasche greifen. Haben Handynutzer in den vergangenen Jahren aber aufgrund des überholten Designs sowie der hinterher hinkenden Kamera-Ausstattung häufig einen Bogen um Smartphones von Sony gemacht, dürfte das Xperia 1 eine echte Alternative zum Galaxy S10 und Huawei P30 darstellen.

Ein Alleinstellungsmerkmal hat das Xperia 1 ebenfalls: das 4K-Display im 21:9 Cinema-Wide-Format. Android 9, der Snapdragon 855 in Kombination mit 6 GB Arbeitsspeicher sowie die Triple-Kamera mit drei Brennweiten zählen zu den weiteren Highlights.

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Blasius liebt Technik, Musik und Fotografie. Während er sich bei technischen Themen für Innovationen begeistert, greift er beim Musizieren auf die Old-School-Akustikgitarre und für großartige Fotos auf die klassische Spiegelreflexkamera zurück. Er ist nicht nur im Privatleben ein Familienmensch, sondern als stellvertretender Chefredakteur auch eins der Oberhäupter der Redaktion. Blasius rechnet Handypreise zwar immer noch in D-Mark um, doch seine ruhige, ausgeglichene, kreative Art und sein Einsatz von immer treffenden und humorvollen GIFs, lassen darüber hinwegsehen.

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