OnePlus 6T Test: Evolution mit Kniff

20 Minuten
OnePlus 6T mit Zubehör und Verpackung auf rosa Grund
OnePlus 6T mit Zubehör im UnboxingBildquelle:
OnePlus hat sein neues Spitzenmodell vorgestellt und das muss im OnePlus 6T Test zeigen, was es kann. Doch was hat sich eigentlich geändert gegenüber dem Vorgänger OnePlus 6? Auch darauf gibt es Antworten.

OnePlus hat das OnePlus 6T in New York vorgestellt und macht seinem Ruf alle Ehre: OnePlus ist einer der Hersteller mit dem dünnsten Portfolio aber gemessen daran den meisten Flaggschiffen pro Jahr. Auf die Mittelklasse oder gar den Einsteigerbereich verzichtet OnePlus mit einer Ausnahme bisher erfolgreich und bringt stattdessen jedes Jahr ein neues Flaggschiff und wenige Monate später eine überarbeitete Version desselben Modells auf den Markt. Wo es sich gegenüber dem OnePlus 6 verbessert hat, muss der OnePlus 6T Test zeigen.

Technische Daten im OnePlus 6T Test

Der Blick auf das Datenblatt verrät schon vor der Begutachtung des Smartphones, dass sich die großen Veränderungen nicht an den Säulen der Technik finden lassen. Der Prozessor ist komplett, die Speichervarianten so gut wie komplett gleich geblieben. Das Display ist etwas gewachsen, die Betriebssystemversion der Zeit angepasst. Das hat das OnePlus 6 jedoch auch schon hinter sich und ein Update auf Android Pie bekommen. Dazu setzt OnePlus nun auf Gorilla Glas 6 statt 5 und lässt den Klinkenstecker weg.

 OnePlus 6T
 
Display6,4 Zoll, 1.080 x 2.340 Pixel
Betriebssystem-VersionAndroid 8.1 Oreo
ProzessorQualcomm Snapdragon 845, Octa-Core /
4 x 2,8 GHz, 4 x 1,8
RAM8 GB
interner Speicher128 GB
MicroSDja
Kamera vorne/hinten16 / 16 + 20 Megapixel
Fingerabdruckscannerja
Akku3.700 mAh
induktives Ladennein
Abmessungen (mm)157,5 x 74,8 x 8,2
FarbenSchwarz
Einführungspreis579 Euro
Aktueller Marktpreis549 Euro

Design und Verarbeitung

Alles beim Alten? Das mag man meinen, wenn man sich die Formgebung des Vorgängers OnePlus 6 in Erinnerung ruft. Doch es gibt auch Unterschiede zu ihm – und zu der Konkurrenz. Der Display-Einschnitt ist im Vergleich zu den Geräten von Apple, LG oder Huawei geradezu winzig. Der einzige Hersteller, der bisher eine so kleine Notch verbaut hat, ist der Pionier der Notch, Essential. Doch auch er bekommt es nicht so elegant zustande, wie es OnePlus gelungen ist.

Durch die schmale Form und die geschwungenen Linien ergibt sich ein deutlich größerer Spielraum für das Display an dieser Stelle. Die Angabe von 6,4 Zoll Display-Diagonale rechnet sich also wirklich in einen echten Mehrwert für die Display-Fläche um und beherbergt keine Mogelpackung. Doch die Display-Größe hat ihren Preis: Die Full-HD-Plus-Auflösung bringt es gerade einmal auf gut 400 ppi, was mehr als genug für das menschliche Auge ist, jedoch nicht zu den High-End-Spezifikationen des OnePlus 6T zählt.

OnePlus 6T im Hands-On

Der Erstkontakt mit dem OnePlus 6T wirkt wie ein Dejavu. Die Form mit dem zum Rücken hin abfallenden unteren Rahmen, die Haptik der Rückseite und die Tastenanordnung sind eine Kopie des OnePlus 6. Doch hebt man das OnePlus 6T an, spürt man einen kleinen Unterschied. 14 Gramm gibt OnePlus als Zusatzgewicht an. Dazu ist das neue Flaggschiff eine Winzigkeit in der Länge und der Dicke gewachsen. Dadurch wirkt es insgesamt eine Nuance wuchtiger als das OnePlus 6. Trotzdem und vor allem wegen der winzigen Notch präsentiert es sich mit Blick auf die Front elegant und langgezogen.

Doch zurück zur Haptik. Sie hat sich gegenüber dem OnePlus 6 nur in den Außenmaßen verändert. Die Oberflächen fühlen sich genau so an, wie sie es schon beim OnePlus 6 im Test taten.

Der Rahmen birgt auch keine Veränderungen und somit bleibt es bei der Bewertung des OnePlus 6. Die Tasten lassen sich beim OnePlus 6T im Hands-On trotz gewachsener Maße gut erreichen. Den Fingerabdrucksensor auf dem Heck muss man nicht mehr erreichen und so gibt es auch keine unschönen Flecken auf der Kamera. Aber: Jede Berührung wird mit einem verräterischen Abdruck der Hautrillen auf dem Gehäuse bestätigt. Kein Wunder also, dass sich schon beim OnePlus 6 die mattschwarze Version besser verkaufte als jene auf Hochglanz polierte Variante.

OnePlus 6T im Test – Das Unboxing

Neben dem Smartphone selbst ist es gerade im Spitzenklassebereich auch immer interessant, welche Gimmicks, welches Zubehör und welche weiteren Beigaben ein Hersteller mit in den Karton packt. Beim OnePlus 6T zeigt der sich typisch für den chinesischen Hersteller. Dicke Pappe umschließt den Inhalt des Pakets. Ganz oben auf liegt dabei das OnePlus 6T in einer Kunststoffschale, die an eine kleine Box geklebt wurde. Darin befindet sich der typische Sermon aus Garantieschein, Aufklebern und Kurzanleitungen.

Doch auch ein praktisches Zubehör ist hier mit beigelegt: Eine Handyhülle wird beim OnePlus 6T direkt mitgeschickt. Sie besteht am Rahmen aus matt-grauem Silikon und auf der Rückseite aus rauchgrauem festen Kunststoff. Die Hülle verhindert Kratzer am Rahmen und der Rückseite und durch Überstände auf der Front den Bodenkontakt des Displays. Dazu gleicht sie den kleinen Kamerabuckel aus.

Wühlt man im Karton weiter nach unten, findet man einen wuchtigen Netzadapter und ein rotes USB-Kabel mit USB-Typ-C-Ende. Dazu steckt OnePlus einen Adapter mit in den Karton, der den Klinken-Port ersetzt. Er sitzt sehr fest im USB-Port des OnePlus 6T und sorgt auch bei schweren Kabeln oder Hängenbleiben für einen festen Sitz. Der Adapter ersetzt jedoch nicht einen guten Zubehörkopfhörer, wie ihn beispielsweise HTC oder Samsung zu ihren Spitzenmodellen legen.

Material und Verarbeitungsqualität

Das Zubehör wie auch das OnePlus 6T selbst zeigen keine qualitativen Schwächen in der Verarbeitung. Mit Gorilla Glas 6 statt 5 hat sich OnePlus beim Material sogar noch etwas gesteigert, obwohl die ausgefeilte Materialvariante in Silk White nicht mehr im Angebot ist. Alle Bohrungen sind sauber und Spaltmaße nicht zu erkennen. Dazu sind die Taster sehr solide und der Raster für die Lautstärke, die Vibration oder das Stummschalten mit festen Rastpositionen versehen.

Das OnePlus 6T kann trotz lediglich leichter Veränderungen im Design in diesem Bereich mächtig punkten. Die Verarbeitung ist exzellent und die Materialien sehr gut. Der fehlende Kopfhörer im Lieferumfang kann schlussendlich die Wertung nicht mehr entscheidend herunterziehen.

Teilwertung: 5 von 5 Sternen

Display

Das Display des OnePlus 6T löst mit 1.080 x 2.340 Pixeln auf. Die Pixel erstrecken sich auf eine Diagonale von satten 6,4 Zoll, womit das OnePlus 6T immer noch zu den Riesen im immer größer werdenden Flaggschiff-Markt zählt. Doch eines hat das OnePlus 6T den anderen Konkurrenten voraus: Die Notch ist so klein, wie bei keinem anderen Hersteller. Damit ergibt sich faktisch mehr Bildschirm bei gleicher Display-Größe.

Doch was taugt das Display selbst? Im OnePlus 6T Test zeigt sich, dass es sich dabei um ein solides Spitzenmodell-Panel handelt, jedoch der letzte Pep fehlt. Der Fingerabdrucksensor, der durch eine Kamera unterhalb des Panels tiefer im Gehäuse verankert ist, stört das Bild des Panels nicht. Warum ist das Display des OnePlus 6T dennoch nicht ganz auf der Höhe der High-End-Boliden am Markt? Das liegt vor allem an der Auflösung, die auf die Diagonale gerechnet eine Pixeldichte von 403 ppi erreicht. Ein sehr solider Wert. Trotzdem werden Display-Gourmets meckern, weil man damit bei VR-Anwendungen doch Pixel sieht. Wer allerdings keinen Wert auf solche Anwendungen legt oder eben keinen Männlichkeitsvergleich auf dem Schulhof der Eitelkeiten nötig hat, der kann mit der Auflösung des OnePlus 6T prima leben.

Die Farben sind ebenfalls auf Spitzenniveau. Wie von AMOLED-Panels erwartet, sind die Schwarz-Werte sehr stark. Etwas Kritik kann die Blickwinkelstabilität vertragen. Hier befindet man sich jedoch auf einem Niveau, wo die Blickwinkelstabilität schon lange zu sehr privaten Einblicken in der Bahn führt.

Die Display-Einstellungen des OnePlus 6T

Bei den Farbeinstellungen des Displays bietet OnePlus keine manuelle Kontrasteinstellung, jedoch unterschiedliche Farbräume. So kann das Display im sRGB- oder auch DCI-P3-Farbsystem eingestellt werden. Dazu gibt es ein „adaptives Modell“, das die Einstellungen je nach Tätigkeit anpasst. Wer lieber selbst Hand anlegt, kann die Grundtemperatur der Farben von „Kalt“ bis „Warm“ variieren.

Dazu verbaut OnePlus einen Lese- und einen Nachtmodus. Für ersten kann der Nutzer Apps definieren, die ihn aktivieren, für zweiten lassen sich eine Automatik oder feste Zeiten definieren. Einen manuellen Start bieten beide Modi. Der Lesemodus blockt dabei Benachrichtigungen und passt den Bildschirm dem Umgebungslicht an, der Nachtmodus filtert je nach Einstellung mehr oder weniger blauen Anteile aus der Display-Farbe heraus, um die Augen bei Dunkelheit oder vor dem Schlafengehen zu schonen.

Das Panel des OnePlus 6T ist solide und einem Spitzenmodell würdig. Highlights setzt OnePlus aber woanders. Besonderheiten wie Drucksensibilität oder gekrümmte Ränder sucht man also wie eine voll manuelle Farbeinstellung vergebens.

Teilwertung: 4,5 von 5 Sternen

OnePlus 6T im Test: Die Ausstattung und Leistung

Das OnePlus 6T besitzt wie sein Vorgänger alle inneren Werte, die man zur Zeit von einem Flaggschiff erwarten darf. Der Snapdragon 845 von Qualcomm ist weiterhin der Spitzenmodell-Prozessor

schlechthin und mit je nach Speichervariante 6 beziehungsweise 8 GB Arbeitsspeicher ist man auch bei Parallelbetrieb und massiven Datenaufkommen vor Rucklern und Wartezeiten gefeit. Der interne Speicher mit 128 oder 256 GB Kapazität reicht für den Normalnutzer, jedoch lässt er sich nicht erweitern. Damit überholen Geräte wie das kürzlich getestete Mittelklasse-Smartphone Honor 8X den Boliden von Huawei. Mit Speichererweiterung sind mittlerweile Kapazitäten von weit über 500 GB beziehungsweise 1 TB möglich.

Benchmark-Test des OnePlus 6T

Im Leistungstest der App AnTuTu in der Version 7.1 erzielt das OnePlus 6T eine Gesamtwertung von 296.028 Punkte. Damit setzt es sich an die Spitze der jemals getesteten Android-Smartphones bei inside handy. Auf welch tönernen Füßen solche Leistungsmessungen stehen, zeigen diverse Manipulationsvorwürfe gegen unter anderem auch OnePlus.

UmfeldModellBenchmark-Wert
TestgerätOnePlus 6T296.028
 
Sony Xperia XZ3277.699
aktuelle ReferenzGoogle Pixel 3 XL285.146
Razer Phone 2206.394
 
HTC U12+270.006
direkte Konkurrenten Samsung Galaxy S9+249.185
Huawei Mate 20 Pro249.187
 
OnePlus 6268.802
ehemalige FlagschiffeHuawei Mate 10 Pro176.482
 Samsung Galaxy S8174.550

Die Leistung in der Praxis

Im Alltag zeigen sich die Leistungsreserven deutlich. Ruckler oder Wartezeiten sind nie ein Thema und Anwendungen wie Videostreams oder auch Spiele wie „Asphalt 9“ werden ohne zu murren flott durchgewunken. Dabei darf es auch gern etwas mehr sein. Parallelbetrieb ist hier kein Problem.

Die Verbindungsmöglichkeiten des OnePlus 6T

Auch in diesem Bereich baut OnePlus auf bewährtes aus dem OnePlus 6 und fährt damit richtig gut: Dual-Band-WLAN, Bluetooth 5 und LTE Cat.16 mit bis zu 1 GBit/s im Download sprechen hier für sich. Beim Upload verbaut OnePlus LTE Cat.13, die eine Geschwindigkeit von bis zu 150 MBit/s bietet. Damit wird auch klar, warum das OnePlus 6T bei WLAN oder auch im Mobilfunknetz keine Zeit bei Up- oder Downloads verschwendet. Auch große Dateien werden blitzschnell in die Cloud geschoben. Die Navigation läuft über gleich vier unterschiedliche Systeme: Das OnePlus 6T unterstützt GPS, GLONASS, BeiDou und schlussendlich das europäische Galileo. NFC und aptX-Support sind ebenfalls integriert. Beim USB-Standard spart man jedoch etwas: So unterstützt der USB-Typ-C-Port lediglich USB 2.0 und nicht 3.0.

 OnePlus 6T
HSPA
HSPA+
LTE (Down-max Mbit/s)▲ (1,4 GBit/s)
USB-OTG
DLNA
NFC
Kabellose Display-Übertragung
MHL
Infrarot-Fernbedienung
Bluetooth-Version5.0
WLAN-Standardsa/b/g/n/ac
QI
Dual-SIM

Telefon- und Gesprächsqualität

Die Kernfunktion eines Mobiltelefons ist in der Regel das Gespräch zwischen zwei Personen. Hier punktet das OnePlus 6T mit klarem Sound und sehr guter Geräuschunterdrückung. Dabei ist es egal, ob nun normal telefoniert oder über die Freisprechfunktion gesprochen wird. Der Klang wurde in beiden Fällen vom Festnetz-Gegenüber gelobt. Telefoniert wurde im OnePlus 6T Test über das Mobilfunknetz der Telekom.

Der Fingerabdrucksensor des OnePlus 6T – Mandarine und Wurst

Der Fingerabdrucksensor ist die Innovation des OnePlus 6T und der erste seiner Art in einem Smartphone eines in Deutschland relevanten Herstellers. Die Probleme damit lassen jedoch nicht lange auf sich warten. So fancy es aussieht, wenn das grüne Licht den Finger beleuchtet und der Sperrbildschirm verschwindet, so viele Fragen kommen auf, wenn man sich anschaut, wie er arbeitet.

Der Grund für die Kritik: Es ist nicht nötig einen Fingerabdruck zu hinterlassen, um das OnePlus 6T zu entsperren. Vielmehr kann mit etwas Mühe alles eingescannt werden, was eine Struktur besitzt, die klein genug ist und sich halbwegs wie Haut auf dem Display ablegen lässt. So konnte im OnePlus 6T Test von inside handy der Ellenknöchel am Handgelenk, eine Mandarinenschale oder ein Wurst eingescannt werden. Ist beim Knöchel noch ein gewisses Sicherheitsniveau gewährleistet, zeigt der Mandarinenschalentest, dass es keine Lebenderkennung gibt. Das wird spätestens dann problematisch, wenn sich jemand gewaltsam Zugang zum Handy verschaffen will.

OnePlus bestätigt diesen Umstand auf Nachfrage von inside handy und erklärt, dass das Verhalten auf alle optischen Fingerabdrucksensoren zutrifft. Allerdings habe man geprüft, ob dreidimensionale Kunststoffnachbildungen oder Bilder des eingescannten Objekts zum entsperren führen. OnePlus attestiert dem Fingerabdrucksensor auf diesen Grundlagen eine gleichwertige Sicherheit, wie einem herkömmlichen Sensor.

Hier schlägt der Fluch des early adopters zu: Wer früh dran ist mit einer technologischen Entwicklung, muss oftmals Risiken eingehen und wird durch den Innovationsdruck am Markt zu Kompromissen gezwungen. Eine fehlende Lebenderkennung bleibt dann auf der Strecke.

Das zweite Problem ist die Zuverlässigkeit des Entsperrens: Da der Fingerabdrucksensor optischer Natur und nicht kapazitiv ist, stören ihn Verschmutzungen, Fett und Staub mehr als einen herkömmlichen Sensor. Dadurch kommt es des Öfteren zu Wartezeiten beim Entsperren oder die maximale Versuche-Anzahl wird überschritten und das Smartphone verlangt das Entsperren durch die PIN. Um das zu umgehen, reicht für gewöhnlich ein Wisch mit dem Daumen über ein Kleidungsstück. Liegt die Verschmutzung jedoch auf dem Display, muss geputzt werden.

Trotz der Einschränkungen – und wer scannt schon seine Nase als Entsperrmöglichkeit ein – funktioniert der Fingerabdrucksensor in der Regel ordentlich.

Gesichtserkennung im OnePlus 6T – Schnell und zuverlässig

Wer dem Fingerabdrucksensor die Gesichtserkennung als Entsperrmethode zur Seite stellt, kommt in der Regel nicht in den Genuss das grüne Feuerwerk zu begutachten. Die Gesichtserkennung läuft nämlich dermaßen zügig, dass man gar nicht dazu kommt, den Finger auf das Display zu legen. Dabei lässt sich der biometrische Sensor auch nicht von einem ähnlich aussehenden Menschen oder einem Bild täuschen. Wer also zuverlässig entsperren will, wählt diese Methode. Wer Aufsehen erregen will, sollte sie abschalten und den Fingerabdrucksensor nutzen.

Die Leistung, die Verbindungsmöglichkeit und die Ausstattung des OnePlus 6T überzeugen im Test und gleichen die Schwächen beim Fingerabdrucksensor aus. Somit erkämpft sich OnePlus zwar eine knappe aber verdiente volle Sternenzahl.

Teilwertung: 5 von 5 Sternen

Die Kamera des OnePlus 6T im Test

Die Kamera des OnePlus 6T wurde bei der Hardware nicht angetastet und verfügt wie der Vorgänger über die Doppelkamera mit 16 und 20 Megapixeln sowie Blenden von 1:1,7. Die Frontkamera löst weiterhin mit 16 Megapixeln auf und schaut durch eine Öffnung von 1:2,0. Alle drei Sensoren stammen von Sony, wobei nur die Hauptkamera mit 16 Megapixeln einen mechanischen Bildstabilisator bietet.

Kamera-App

Bei der Software hat man nach eigenen Angaben dagegen zugelangt und einiges verbessert. So wurden laut OnePlus die Aufnahmen bei Dunkelheit und (Selbst-)Porträts verbessert. Für die Nachtaufnahmen spendiert der Hersteller dem OnePlus 6T einen zusätzlichen Modus, der auch auf dem LiveView-Bild in der Kamera-App schnell ansteuerbar ist. Einige zusätzliche Modi werden durch Wischen von der Auslöse-Schaltfläche in die Mitte des Displays aufgedeckt. Dazu zeigen sich dann die Einstellungen der Kamera-App. Sie wandert in das Modusmenü und bringt so etwas mehr Übersichtlichkeit mit. Die App-Optik wurde ebenfalls neu gestaltet und wirkt nun frischer und schicker.

Wem die ganzen Automatiken zu wenig beeinflussbar sind, kann auf die manuelle Steuerung setzen. Hier kann der Fokus, die Verschlusszeit, der Weißabgleich und der ISO-Wert per Hand verstellt werden. Dabei kann der Nutzer zum Teil mehr, zum Teil aber auch weniger weite Bereiche einstellen, als es die Automatik macht. So deckelt die Automatik die Verschlusszeit bei maximal 1/10 Sekunden. Der Nutzer kann jedoch bis zu 30 Sekunden einstellen. Bei der ISO-Einstellung ist es umgekehrt: Die Fotografenhand kann dem OnePlus 6T einen maximalen ISO-Wert von 3.200 aufzwingen. Die Automatik hingegen lässt auch 6.400 zu.

Bildqualität des OnePlus 6T

Doch was bringt die schönste Software, wenn die Bildqualität nicht passt? Mit diesem Problem muss sich der OnePlus-6T-Nutzer jedoch nicht herumschlagen. Die Aufnahmen gelingen durchweg auf einem sehr guten Niveau. Ob mit der „Normalbrennweite“ oder der Telekamera, ob bei Nacht oder Makro-Aufnahmen, die Kamera des OnePlus 6T kennt kaum Schwächen. Knifflig wird es lediglich bei Nachtaufnahmen mit hohen Kontrasten und schnellen Bewegungen. Hier jedoch versagt der gesamte Smartphone-Markt, was auch an den vergleichsweise kleinen Sensoren und Objektiven liegt.

Videografen aufgepasst!

Das OnePlus 6T bietet hervorragende Videoergebnisse, die mit gutem Ton und stabilem Bild aufwarten. Das bieten aber die Konkurrenten rund um die Kameraexperten Apple iPhone XS, Samsung Galaxy Note 9, Huawei Mate 20 Pro oder auch Sony Xperia XZ3 auch. Nachdem das 4K-Videorennen mittlerweile bei allen Herstellern gelaufen ist, werden die Schlachten um die besten Videoleistungen im Smartphone-Markt nicht mehr bei 30, sondern bei über 240 Bildern pro Sekunde geschlagen. Die schnellsten Sensoren bieten zur Zeit Aufnahmen mit 960 Bildern pro Sekunde in Full-HD-Auflösung und stammen von Sony. Davon ist OnePlus mit seinem verbauten Sensor weit entfernt. Mit 240 Bildern pro Sekunde in Full-HD-Auflösung und 480 Bildern Pro Sekunde in HD-Qualität hinkt man der Konkurrenz auf dem Papier meilenweit hinterher.

In der Praxis liegt man nicht so weit hinter den langsamsten Wiedergabegeschwindigkeiten. Das liegt vor allem daran, dass der angesprochene High-Speed-Sensor solche Geschwindigkeiten nur für wenige Augenblicke schafft. Damit bietet das Ganze nur einen engen Anwendungsbereich, der im Alltag kaum genutzt werden kann. Das OnePlus 6T bietet dafür eine hervorragende Abbildungsleistung im 240- und 480-B/s-Modus und lässt hier dauerhaftes Aufnehmen zu. Damit schließt man fast die Lücke zur Konkurrenz, die oft Probleme mit der Bildqualität bei hohen Aufnahmefrequenzen und schlechtem Licht hat. Etwas größer wird die Lücke jedoch, weil OnePlus im 4K-Modus mit 60 Bildern pro Sekunde lediglich 5 Minuten Laufzeit zulässt. Längere Videos sind hier nicht möglich und damit disqualifiziert sich das OnePlus 6T als Alternative zu hochauflösenden Action-Kameras.

Die Kamera des OnePlus 6T spielt beim Konzert der ganz Großen mit und kann mit tollen Bildern und hervorragenden Video-Aufnahmen punkten. Die App gibt sich dabei übersichtlich und intuitiv bedienbar. Zur Referenz reicht es dennoch nicht. Dafür fehlen die letzten High-End-Features und das letzte Quäntchen Feinschliff.

Teilwertung: 5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

OnePlus bemüht sich um Aktualität und installiert Android 9 Pie auf sein neues Spitzenmodell. Die Software wird mit der hauseigenen Benutzeroberfläche OxygenOS überzogen. Sie verhindert jedoch nicht, dass einige Stock-Android-Funktionen wie die neuen Wischgesten integraler Bestandteil des Systems bleiben. Sie lassen sich jedoch auch deaktivieren und durch traditionelle Navigationstasten oder ein Hybridsystem ersetzen. Bloatware ist auf dem OnePlus 6T nicht zu finden und auch mit eigenen Apps hält sich der Hersteller aus Fernost höflich zurück. Die Kamera-App stammt aus der eigenen Ingenieursschmiede. Dazu gibt es die Community-App und den OnePlus Switch als Dreingaben zum OnePlus 6T.

Die Übersichtlichkeit und die Geschwindigkeit werden trotz vieler Einstellmöglichkeiten hoch gehalten. Der Snapdragon 845 kommt somit spielend mit der puristischen Software zurecht. Ein großes Werkzeug-Portfolio mit Kompass, Rechner, oder Stimmenaufnahmefunktion gibt es dabei nicht. Das ist schade für all jene, die ein Smartphone kaufen und direkt loslegen wollen. Doch hier bietet der Play-Store genug Möglichkeiten, das OnePlus 6T ordentlich aufzurüsten. So wird hier die Zielgruppe der eher technikaffinen Nutzer geschärft.

Laut und ohne Klinke

Die Multimedia-Sektion des OnePlus 6T zeigt sich gegenüber dem OnePlus 6 etwas verbessert. Der Lautsprecher klingt voller und übersteuert kaum. Es ist sogar so etwas wie Bass hörbar, was nicht so oft im Smartphone-Bereich vorkommt. Dazu kommen ein systemweit wirkender Equalizer und voreingestellte Abstimmungen auf die hauseigenen Kopfhörer. Der Musik-Player hängt dem Ganzen etwas hinterher. OnePlus setzt auf Google Musik und damit auf die Software, die auf jedem Android-Smartphone installiert ist. Dass man aus ihm heraus nicht auf die Musikeinstellungen des OnePlus 6T zugreifen kann, ist ein Schönheitsfehler. Kopfhörer liegen dem OnePlus 6T nicht bei. Wer noch Klinken-Schätzchen besitzt, kann mit dem enthaltenen Adapter über den USB-Port Musik hören. Hat man keine Kopfhörer, muss noch einmal in die Geldbörse gegriffen werden.

Bei der Software und der Multimedia-Abteilung zeigt sich das OnePlus 6T wie schon das OnePlus 6 am schwächsten. Es ist alles vorhanden, was man braucht, tolle native Lösungen oder Extras werden jedoch vermisst.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Akku

Der Akkutest beinhaltet in den ersten acht Stunden eine aktive Nutzung des Smartphones mit jeweils 30 Minuten spielen, Video streamen, Radio hören und telefonieren. Dazu werden in dieser Zeit Screenshots und Testbilder erstellt, Uploads und Downloads getätigt und im Internet gesurft. Nach der ersten Phase schließt sich eine zweite an, in der die Standby-Zeit von 16 Stunden durchlaufen wird. Derweil wird nichts mit dem Smartphone getan.

ModellKapazität (mAh)AkkustandVerbrauch
Arbeitstag (8h)Nacht im Standby (16h)Intensivtest (8h)Standby (16h)
Testgerät
OnePlus 6T370066563410
direkte Konkurrenten
Razer Phone 24.000 62493813
Sony Xperia XZ33.3005346477
OnePlus 63.300 53 44 479
Samsung Galaxy S9 3.000 61 4939 12
Huawei P20 Pro4.000 68 53 32 15
LG G7 ThinQ 3.000 63 523311

Vor dem Leeren des Akkus kommt jedoch erst einmal das Laden des Energiespeichers. Qi, also das kabellose Laden, funktioniert mit dem OnePlus 6T nicht. Begründung ist, dass die Technologie noch zu langsam ist und so keinen Mehrwert bietet. Dabei setzt OnePlus beim USB-Port auch nicht auf den schnellsten Standard USB 3.0, sondern USB 2.0. Damit lassen sich jedoch auch gute Ladezeiten realisieren. Im Test holte sich das OnePlus 6T in 30 Minuten die Hälfte seiner Kapazität aus dem Stromnetz. Im Detail stieg die Akkufüllung von 30 auf 81 Prozent in einer halben Stunde.

Mit einer Kapazität von 3.700 mAh bietet das OnePlus 6T ein Plus gegenüber dem Vorgänger. Dazu hatte man bei der Vorstellung angekündigt, eine bis zu 20 Prozent längere Laufzeit durch Software-Optimierungen zu bieten. Tatsächlich hält hier OnePlus Wort und schafft eine erheblich bessere Akkulaufzeit gegenüber dem OnePlus 6. Im Test des OnePlus 6 wurden Werte von 53 und 44 Prozent erreicht. Damit siedelte sich das OnePlus 6 im Mittelfeld des Marktes an. Das OnePlus 6T schafft dagegen 66 und 56 Prozent und kommt so auf eine starke, wenn auch nicht herausragende Wertung.

Teilwertung: 4,5 von 5 Sternen

Fazit des OnePlus 6T Test

OnePlus hat das OnePlus 6 in vielen Bereichen leicht verbessert, bietet mit dem Fingerabdrucksensor im Display ein kleines Alleinstellungsmerkmal und lässt die Klinkenbuchse weg. Für Traditionalisten ist das neue Spitzen-Smartphone aus dem Hause OnePlus also nicht zu empfehlen. Für Nutzer mit Hang zur Innovation kann die Neuauflage des OnePlus 6 jedoch empfohlen werden. Ein Grund dafür ist, dass man mit ihm auffällt und ein gewisses Technik- oder Nerd-Feeling mit kauft. Das gibt es zu einem hervorragenden Gesamtpaket kostenlos dazu. Die Kamera, die Leistung und auch der Akku sind allesamt auf Spitzenniveau. Das Display und das Design dabei ebenfalls solide und die Software auf die Zielgruppe zugeschnitten. Den größten Entwicklungssprung macht OnePlus beim Akku.

Ob es sich lohnt, vom OnePlus 6 zum OnePlus 6T zu wechseln, hat inside handy in einem ausführlichen Vergleich der Flaggschiff-Generationen deutlich gemacht. Wer neu ins Lager von OnePlus wechseln will oder noch ein älteres Modell besitzt, kann den Schritt getrost wagen.

Siegel mit 4,5 SternenQuelle: Michael Büttner

Gesamtwertung: 4,5 von 5 Sternen

Pros des OnePlus 6T

  • tolles Gesamtpaket
  • Power ohne Ende
  • gute Kamera
  • jetzt guter Akku

Contras des OnePlus 6T

  • in keinem Bereich Referenz
  • lasches Software-Paket
  • Fingerabdrucksensor weiterentwicklungswürdig

Preis-Leistung des OnePlus 6T

Die Gesamtwertung des OnePlus 6T liegt bei sehr starken 4,5 von 5 Sternen und schrammt knapp an der Top-Wertung vorbei. Das Ganze gibt es zu folgenden Konditionen:

  • 6 GB RAM + 128 GB: 549 Euro
  • 8 GB RAM + 128 GB: 579 Euro
  • 8 GB RAM + 256 GB: 629 Euro

Nimmt man die günstigste Version als Grundlage eines Vergleichs zur Konkurrenz ist das OnePlus 6T eines der günstigsten Spitzenmodelle überhaupt am Markt. Lediglich Honor oder Xiaomi können hier Paroli bieten. Den Preisverfall der Konkurrenz außer Acht gelassen gäbe es also keinen Grund, auf ein anderes Modell zu setzen. Doch er ist eben Realität und so gibt es dann doch Alternativen am Markt. Trotzdem ist das OnePlus 6T wie schon sein Vorgänger der heißeste Preis-Leistungs-Tipp in der Oberklasse.

Alternativen zum OnePlus 6T

Im Preisbereich des OnePlus 6T befinden sich wenige Smartphones auf dem Markt, die das gleiche Leistungsniveau bieten und von Beginn an diesen Preis auf dem Schildchen tragen. Der Wertverlust der Konkurrenten sorgt jedoch dafür, dass schnell die Übersicht verloren geht. Ein geeignetes Mittel um sich einen Überblick über günstigere Alternativen zu verschaffen, sind die Bestenlisten von inside handy, die nach aktuellem Preis aufgeschlüsselt, die besten Smartphones in den unterschiedlichen Preisbereichen aufzeigen:

Dazu kommen beim OnePlus 6T einige direkte Konkurrenten, die, wie die Flaggschiff-Neuauflage, frisch auf dem Markt sind. Dann muss jedoch in der Regel zum Teil viel tiefer in die Tasche gegriffen werden:

Bildquellen:

  • OnePlus 6T Testsiegel: Michael Büttner
  • OnePlus 6T im Test – Unboxing: Michael Büttner
OnePlus 6T

OnePlus möchte eine neue 5G-Produktlinie starten

Auf Qualcomms 4G/5G-Summit in Hongkong hat OnePlus-Mitgründer Carl Pei vor rund drei Wochen verkündet, dass das OnePlus einer der ersten Smartphone-Hersteller werden will, der kommerzielle 5G-Smartphones anbietet. Das kommende Flaggschiff der siebten Generation war damit allerdings wohl nicht gemeint.
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Michael Büttner
Michael liebt Technik und ist stellvertretender Chefredakteur bei inside handy. Anderen auch bekannt als der Franke in Bonn, der Macher oder der Handwerker für sämtliche Reparaturen der Redaktion. Nach Praktika bei der Neuen Presse in Kronach, den Nürnberger Nachrichten und dem Systemkamera-Blog, startete Michael bei inside handy und verdient sich seine Sporen vor allem im Hardware-Bereich. Balanciert er mal nicht zwischen Tagesgeschäft, Testgeräten und Co, betätigt er sich ab und an als Jäger im Pokémon-Dschungel. Ein ungewöhnlicher Anblick wäre es dabei nicht, ihm dank seiner Boulder-Fähigkeiten kletternd an einer Felswand zu begegnen. Abseits dessen begeistert er sich für Fotografie, Wanderungen, kulinarische Feste und Blasius Kawalkowski.

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