Nokia 7.1 im Test: Der Geschäftsmann in der Mittelklasse

16 Minuten
Nokia hat mit dem Nokia 7.1 ein Smartphone vorgestellt, das sich mit der High-Society der Mittelklasse anlegt. Notch-Design, edle Optik und Android One sind die Verkaufsargumente von HMD Global. Doch wie steht es um das Nokia 7.1 im Test und damit um die Gesamtleistung des neuen Finnen?

Nokia überraschte am 4. Oktober mit einem neuen Mittelklasse-Smartphone, dem Nokia 7.1. Das Gerät soll in die Fußstapfen des Nokia 7 treten. Jetzt muss das Nokia 7.1 im Test zeigen, ob es mit der Konkurrenz mithalten kann. Nokia hat bisher Android 8.1 Oreo installiert. Das sollte sich zum Marktstart ändern: Ein Update auf Android 9 Pie ist jedoch noch nicht in Sicht. Somit geht das Nokia 7.1 mit der älteren Android-Version in den Test.

Die Daten des Nokia 7.1 sind im Detail in der Datenbank zu finden und alle Informationen zur Vorstellung im entsprechenden Artikel auf inside handy.

  
 
Display5,84 Zoll, 1.080 x 2.280 Pixel
Betriebssystem-VersionAndroid 8.0
ProzessorQualcomm Snapdragon 636
RAM3/4 GB
interner Speicher32/64 GB
MicroSDja(400GB)
Kamera vorne/hinten8 Megapixel /
12 + 5 Megapixel (Dual Kamera)
Fingerabdruckscannerja
Akku 3.060 mAh
USB-PortUSB Typ-C
IP-Zertifizierung-
Abmessungen (in mm)149,7 x 71,2 x 8
FarbenSchwarz,Blau
Einführungspreis339 €
Aktueller Marktpreis339 €

Design und Verarbeitung

Nokia zeichnet das Nokia 7.1 mit einem klassischen Sandwich-Design: Zwei Glasplatten werden also von einem Metallrahmen zusammengehalten und ergeben ein stabiles Gerüst für das finnische Smartphone. Der Rahmen ist dabei im annähernd gleichen Ton wie die Rückseite eingefärbt. Die Glasrückseite spiegelt und verbirgt so des Öfteren die Farbgestaltung unterhalb der gläsernen Oberfläche. Der Rahmen dagegen ist matt ausgeführt und markiert mit den glänzenden Chrom-Einfassungen ein kleines Highlight des Nokia 7.1 im Test.

Der geradlinige Rahmen und die plane Rückseite mit der ebenfalls in silber gerahmten Kamera machen einen geschäftsmäßigen Eindruck und man könnte meinen, Nokia spricht mit dem Nokia 7.1 Yuppies aus den 80er Jahren an. Was bleibt also für den heutigen Nutzer? Das Design ist edel und passt nicht zur jungen Generation der Millennials. Damit bleibt als Zielgruppe der stilbewusste aber sparsame Bürohengst der Neuzeit. Oder eben Menschen, die keine Lust auf organische Rundungen und gewölbte Flächen haben.

Die Front setzt im Gegensatz zur Rückseite keine großen Akzente am Markt. Die Notch ist im Jahr 2018 omnipräsent und haut so langsam niemanden mehr vom Hocker, obwohl sie bei Nokia recht spät Einzug hielt. Der Rahmen um das Display herum ist ebenfalls durchschnittlich dünn. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Unterhalb des Displays erstreckt sich eine schwarze Ebene des Grauens. Das ist wohl auch Nokia bewusst. Der Hersteller versteckt sie auf der offiziellen Homepage auf fast allen Bildern des Nokia 7.1. Der Rahmen ist aber kein Beinbruch. Speziell wenn das Handy in der Hand gehalten wird, nimmt man den unteren Rahmen kaum wahr.

Hands-On des Nokia 7.1 im Test

Nokia klebt ein durchaus massives Handy zusammen, das vor allem mit Stabilität punktet. Das Sandwich-Design macht Bendgate-Revolverhelden mit Hang zur sinnlosen Zerstörung von Elektronikprodukten das Leben schwer. Spaltmaße gibt es keine und auch die Haptik gefällt, wenn man sich mal an das klobig-geradlinige Handy gewöhnt hat. Beim Feinschliff schludert Nokia etwas und es gibt scharfkantige Aussparungen im Metallrahmen beim USB-Typ-C-Port und der Klinkenbuchse. Trotzdem ist bei der Verarbeitung alles im grünen Bereich und es gibt wenig zu meckern.

Das gibt es auch nicht bei der Bedienung des Nokia 7.1 auf der Hardware-Seite. Die Knöpfe lassen sich gut erreichen, auch wenn sie ein wenig weiter unten angebracht sein könnten. Der Hub der Tasten ist klein, jedoch besitzen sie einen zwar weichen aber spürbaren Druckpunkt. Bei 5,84 Zoll Display-Diagonale sollte jedem Nutzer bewusst sein, dass zum Bedienen der linken oberen Ecke des Panels eine zweite Hand nötig ist. Hier kann man jedoch die gesamte Riege der aktuellen Smartphones über einen Kamm scheren.

Das Nokia 7.1 ist ein Sparangebot im Business-Dress und mit Widerstandsfähigkeit. Kleinere Nachlässigkeiten beim Endgraten und der große Rahmen unter dem Display sorgen in diesem Bereich für einen kleinen Abzug.

Teilwertung: 4,5 von 5 Sternen

Display

Mit gut 5,8 Zoll Display-Diagonale und einer Auflösung von 1.080 x 2.280 Pixeln erreicht das Nokia 7.1 eine Pixeldichte von gut 430 ppi. Schärfeprobleme kennt es also nicht. Dazu kommt das angesagte,langgezogene Display-Format mit einem Seitenverhältnis von 19:9. Die Farben sind guter Durchschnitt am Markt und auch die Schwarz- und Weißwerte auf einem guten aber nicht herausragenden Niveau. Die Ablesbarkeit bei heller Umgebung kann sich sehen lassen, jedoch könnte das Panel etwas heller sein. Damit zeigt sich das Display des Nokia 7.1 als typischer Vertreter der IPS-Klasse. Wie sich solche LCDs gegenüber OLEDs verhalten, hat inside handy in einem gesonderten Artikel erörtert.

Bei den Sekundärtugenden punktet das Nokia 7.1 nur teilweise: Die Ablesbarkeit bei schräger Draufsicht ist gut. Die Schärfe bleibt lange erhalten und die Farben geben sich stabil. Das Display dunkelt jedoch schnell ab, bleibt dann aber stabil hell. Stabil ist es auch bei der automatischen Helligkeitsregelung: Doch hier ist das kein positives Attribut. Die Helligkeit bleibt beim Wechsel der Umgebungsillumination lange Zeit gleich, um dann umso abrupter auf einen zwar passenden aber eben weit entfernten Helligkeitspunkt zu springen. Damit schlägt einem das Display des Nokia 7.1 die Automatik um die Ohren. An ein flüssiges Anpassen der Lichtintensität ist hier nicht zu denken.

Die Display-Einstellungen beschränken sich auf das, was Googles Software nativ anbietet: Nutzer mit Farbsehschwäche können diese ausgleichen, man kann die Kontraste erhöhen und die Farben komplett umkehren. Eine manuelle Farbeinstellung fehlt jedoch. Dafür gibt es den obligatorischen Blaufilter zur Reduzierung der Augenbelastung bei dunkler Umgebung und vor dem Schlafengehen.

Das Display des Nokia 7.1 kann im Test mit Durchschnittlichkeit und Stabilität punkten. Perfekt ist es nicht, aber das muss im Alltag auch nicht sein. Für alle, die ein vernünftiges Display ihr Eigen nennen wollen, genügt das Nokia 7.1 auf jeden Fall.

Teilwertung: 3,5 von 5 Sternen

Nokia 7.1 im Test: Die Ausstattung und Leistung

Die Hardware des Nokia 7.1 im Inneren des Gehäuses siedelt sich komplett in der Mittelklasse an. Auch die Verbindungsmöglichkeiten und die Ausstattung kommt nicht über den Durchschnitt hinaus. Doch das muss auch nicht sein. Die einzelnen Komponenten genügen im Alltagseinsatz locker und man vermisst nichts, solange man nicht von einem 1.000-Euro-Smartphone auf das Nokia 7.1 umsteigt.

Benchmark-Test des Nokia 7.1

Die technischen Daten die über die Leistung eines Smartphones aufschluss geben, bestehen unter anderem aus denen des Prozessors, des Arbeitsspeichers und des Displays. Das Betriebssystem spielt ebenfalls in die Messwerte ein. Dem Nokia 7.1 im Test liegt dieses Set an technischer Ausstattung zugrunde:

  • Display: 5,84 Zoll, 19:9-Format, 1.080 x 2.280 Pixel
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 636
  • Speicher: 3 und 32 GB
  • Betriebssystem: Android 8 Oreo

 

Im Test wird die App AnTuTu in der Version 7.1 genutzt. Sie spuckte am Ende des Test-Zyklus einen Wert von 117.054 Punkten aus. Das Ergebnis verortet das Nokia 7.1 also in der soliden Mittelklasse. Grundanwendungen wie WhatsApp und Twitter laufen somit flott, anspruchsvollere Apps sind hingegen nur durchschnittlich schnell. Wer des Öfteren einen Parallel-Betrieb dieser Software plant, sollte sich eher im High-End-Bereich des Smartphone-Marktes umsehen. Für den Alltags-Anwender reicht die gebotene Leistung jedoch locker aus.

Nokia 7.1 im Benchmark-Test – Der Vergleich

Vergleicht man das Nokia 7.1 mit der Konkurrenz am Markt, muss es sich vor allem gegen das Samsung Galaxy A8 und das Huawei P20 Lite beweisen. Das tut es mit der gebotenen Leistung auch. Nokia stellt sich auf Augenhöhe mit den Südkoreanern, kann sich allerdings nicht entscheidend absetzen. Gegenüber dem Huawei P20 Lite und einem anderen Hauptkonkurrenten jedoch schon: Das Motorola One wurde auf der IFA mit Googles Android One vorgestellt und kommt beim Test des One lediglich auf knapp 81.000 Punkte. Wer also Android One nutzen möchte und die Leistung als Kaufgrund zu Rate zieht, sollte lieber bei Nokia zuschlagen.

UmfeldModellBenchmark-Wert
TestgerätNokia 7.1117.054
 
Samsung Galaxy A8120.486
direkte KonkurrentenBQ Aquaris X2116.637
Motorola One80.944
 
Motorola Moto X470.411
ehemalige Mittelklasse Modelle Samsung Galaxy A541.721
Huawei Mate 10 Lite62.673
 
 OnePlus 6268.802
aktuelle SpitzenmodelleSamsung Galaxy S9+249.185
 HTC U12+263.483

Die Verbindungsmöglichkeiten

Nokia stopft das Nokia 7.1 im Test mit High-End-Verbindungen voll und bietet so einige tolle Möglichkeiten. Die Speichererweiterung gehört jedoch nur zum Teil dazu: Sie bietet zwar ein Plus von 400 GB, jedoch zu lasten der Dual-SIM-Fähigkeit. Dazu kommt aber Dual-Band-WLAN und Bluetooth 5.0. GPS und GLONASS sorgen für die Navigation. Auf der Sollseite befinden sich Galileo, BaiDu, USB 3.0 und Qi.

 Nokia 7.1
HSPA
HSPA+
LTE (Down-max Mbit/s)▲ (300 MBit/s)
USB-OTG
DLNA
NFC
Kabellose Display-Übertragung
MHL
Infrarot-Fernbedienung
Bluetooth-Version5.0
WLAN-Standardsa/b/g/n/ac
QI
Dual-SIM

Die Telefonqualität des Nokia 7.1

Trotz der vielen Entwicklungen die das Smartphone bis zum aktuellen Stand durchgemacht hat, ist die Telefonfunktion immer noch einer der wichtigsten Punkte auf der Liste der Ausstattungsmerkmale. Kurz gesagt: Die Qualität des Gesprächs des Nokia 7.1 im Test enttäuschte nicht. Klar und laut genug kamen die Audiosignale im Gehörgang des Nokia-7.1-Nutzers an. Die Software filtert dabei Umgebungs- und Windgeräusche nicht ganz so drastisch wie es gerade en vogue ist. Dazu kommt ein klein wenig Rauschen beim Gespräch mit dem Festnetztelefon über das Vodafone-Netz. Nimmt man das Nokia 7.1 vom Ohr und aktiviert die Freisprechfunktion, bleibt das gute Niveau erhalten. Der Lautsprecher übersteuert etwas bei harten Z- oder T-Akzenten oder wenn der Anrufer den Schreihals gibt. Trotz der Kritik: Das Nokia 7.1 ist ein gutes Mobiltelefon, mit dem man auch längere Zeit ohne Kopfschmerzen telefonieren kann.

Nokia versieht das Nokia 7.1 mit einigen Schmankerln auf der Ausstattungsliste, erlaubt sich im Gegenzug dazu keine echten Schwächen, sticht aber auch nicht aus der Masse an Smartphones in der Mittelklasse heraus. Die kleinen Highlights wie Bluetooth 5 und Konsorten erlauben trotzdem eine überdurchschnittliche Wertung.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Das Nokia 7.1 im Test: Die Kamera

Das Nokia 7.1 kommt mit drei Kameras zum Kunden: Auf der Rückseite integriert Nokia eine Dual-Kamera mit Zeiss-Label. Sie ist mit zwei Modulen mit 12 und 5 Megapixeln ausgestattet. Die höher auflösende Hauptkamera lugt durch eine Blende mit einer Öffnung von 1:1,8 und besitzt einen Autofokus. Die zweite Kamera, zuständig für Bokeh-Effekte, stattet Nokia mit einer Blende von lichtschwachen 1:2,4 aus. Das hat den Vorteil, dass sie mit ihrem Fix-Fokus fast alle Ebenen gleichzeitig scharf abbilden kann. Unterstützt wird die Doppelkamera von einem ebenfalls doppelt ausgeführten Blitz.

Die Frontkamera besitzt 8 Megapixel und eine Blende von 1:2,0. Sie verändert, wie die hintere Sekundärkamera, die Schärfeebene nicht. Somit muss man sich bei Selfies im richtigen Abstand zur Kamera befinden, damit ein scharfes Gesicht zustande kommt.

Bildqualität der Kamera des Nokia 7.1 im Test

Die Kamera des Nokia 7.1 produziert ordentliche Fotos mit jedoch etwas blassen Farben und viel Software-Einfluss. Hier macht sich das Zusammenrechnen der beiden Kameras bemerkbar. Der zweite Sensor bietet nämlich lediglich Unterstützung für die Hauptkamera und erfüllt keinen Selbstzweck wie eine weitere Brennweite oder einen dedizierten Schwarz-Weiß-Sensor. Doch lässt man dem Duo freien Lauf, sprich die Automatik machen, was sie will, gelingen in guten Lichtverhältnissen feine Bilder. Wird es dunkel, muss sich die Kamera sichtlich mühen, die Farben noch klar darzustellen. Dazu kommt schnell eine Unschärfe aufgrund von Verwacklern durch lange Belichtungszeiten. Sehr gut ist dagegen die Dynamik. Dunkle wie helle Stellen im Bild werden gleichermaßen detailreich dargestellt. Man muss sich also schon in hohe Kontraste flüchten, um die Kamera in diesem Punkt an die Leistungsgrenze zu bringen.

Die Schärfe kann sich bis in die Bildränder hinein sehen lassen. Hier kann auch mal ein Bild grob beschnitten werden, ohne dass die Details verloren gehen. Anders sieht es bei komplizierten Bildaufbauten mit großen Entfernungsunterschieden aus: Dann kommt die Software schnell an ihre Grenzen und die einzelnen Bildteile werden zum Teil unscharf oder scharf gezogen, obwohl sie in der gleichen Ebene liegen.

Video- und Selfie-Qualität

Für Videografen bietet Nokia eine 4K-Videofunktion an. Doch hier muss es schon sehr hell sein, damit man ordentliche Filmchen aus der Kamera pressen kann. Die Video-Shot-Funktion hilft auch nicht sonderlich weiter. Die während eines Videodrehs aufgenommenen Bilder rauschen wie der Teufel und können nicht mit Schärfe glänzen. In diesem Bereich muss Nokia nachlegen.

Bei den Selfies sieht es etwas anders aus. Kräftige Farben verbinden sich mit den vielen Spielereien, Masken und Co. zu einem Blumenstrauß für Selfieverrückte und die, die es noch werden wollen. Hier fehlt eigentlich nur der Autofokus, jedoch liegt man beim Fixfokus von Nokias 7.1 eigentlich immer im Schärfebereich. Somit ist das kein echtes Problem.

Die App – Nokia-Stil mit Schwächen

Die Software-Oberfläche der Kamera des Nokia 7.1 kommt im Stile der alten Nokia-Lumia-App. Doch sie wurde auf ungebührliche Weise angepackt. Durch viele kleine Extra-Icons entsteht eine Unübersichtlichkeit und eine Kleinteiligkeit, die die Bedienung erst nach einiger Einarbeitung flüssig werden lässt. Eine intuitive Handhabung sieht anders aus.

Doch eine Stärke hat sich Nokia aus der alten App bewahrt: Der manuelle Modus bietet alles, was das Fotografenherz höher schlagen lässt. Hier toben sich kreative oder technikliebhabende Nutzer aus. Unnötig ist jedoch die doppelte Zugriffsfläche in der linken oberen Ecke. Auf sie könnte Nokia locker verzichten, da die Halbkreis-Steuerung auf der rechten Seite des Live-View genügend Annehmlichkeiten bietet.

Die Kamera des Nokia 7.1 bietet solide Technik und Bildergebnisse. Dabei steckt Nokia in die App viele Modi, Spielereien und Gimmicks, deren Entwicklungszeit man lieber in den letzten Schliff der Kamera hätte stecken sollen. Dann wäre die App übersichtlicher und die Wertung besser.

Teilwertung: 3,5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Nokia installiert auf sein Mittelklasse-Smartphone Android 8 Oreo und enttäuscht damit etwas, ist doch Android 9 alias Pie schon seit langem auf dem Markt vertreten. Umso verwunderlicher dabei: Nokia baut auf pures Android und muss somit wenig Anpassungen für die eigene Hardware und Software vornehmen.

Mit purem Android fällt die Bewertung augenscheinlich leicht: Die Software kann mit Übersichtlichkeit und puristischer Grundausstattung punkten. Kein Schnickschnack oder aufwendige Software-Aufbauten vom Hersteller stören die Bedienung. Was dadurch fehlt, sind ausgefeilte Anpassungen oder eigenentwickelte Funktionen, die das Leben leichter machen. Die Kamera-App ist hier ein Beispiel wie so etwas funktionieren kann. Die puristische Ausstattung hat jedoch einen zusätzlichen Vorteil: Nokia verzichtet auf Bloatware und somit auf Apps, die man sich bei Bedarf sowieso aus dem Play-Store oder den entsprechenden Seiten herunterladen kann, nur das man sie eben nicht bei Nichtbedarf erst vom Telefon löschen muss.

Mit dem kleinen Software-Rucksack hat der Prozessor beim Durchwischen der Menüs und Einstellungen auch wenig Mühe mit den Gesten des Nutzers mitzuhalten. Damit gelingt die Steuerung flüssig und ohne große Ruckler. Wenn einige Apps geöffnet sind und parallel Up- oder Downloads das Smartphone belasten kann es zwar ab und an zu kleinen Atempausen kommen, jedoch störend sie im Alltag kaum.

Musik-App und Sound

Bei der Multimedia-Leistung hält sich Nokia etwas zurück. Der einsame Lautsprecher müht sich und drückt ordentlich Lautstärke aus dem Rahmen. Der Klang lässt jedoch bei anspruchsvollen Stücken etwas zu wünschen übrig. Wenig Bass und quietschende Höhen sind das Ergebnis bei aufgedrehtem Lautstärkeregler. Um einen halben Bahnwagon mit Musik oder einem Telefonat zu belästigen, reicht die Leistung jedoch locker aus.

Somit ist klar, dass es die bessere Wahl darstellt, seine Musik oder die Audiountermalung unter einem Video mittels Kopfhörern zu realisieren. Sie können mit der guten alten Klinke an das Nokia 7.1 angedockt werden. Nutzer mit Anspruch an die Passform und den Klang ihrer Kopfhörer sollten jedoch die kleinen Kunststoff-Stöpsel, die mit dem Nokia 7.1 in den Hausstand geraten, beiseite lassen. Diese sind in beiden Kriterien eher ein Notnagel als eine echte Alternative zu hochwertigen Kopfhörern aus dem Zubehörmarkt.

Bei der App baut Nokia auf Googles Play Musik und fährt damit nicht schlecht. Die App ist bekannt für eine übersichtliche Oberfläche und intuitive Bedienung. Was ihr beim Nokia 7.1 abgeht, sind eine ansprechende Optik und direkte Anpassungen der Musik in der Bedienoberfläche.

Wer das pure Android-Gefühl mag, weniger Wert auf Beschallung der Umgebung über Außenlautsprecher legt und im Besitz ordentlicher Kopfhörer ist, macht in diesem Bereich mit dem Nokia 7.1 wenig falsch. Wer ausgefeilte Software-Delikatessen auf der Agenda hat, wird hier nicht glücklich.

Teilwertung: 3,5 von 5 Sternen

Akku

Der Akkutest beinhaltet in den ersten acht Stunden eine aktive Nutzung des Smartphones mit jeweils 30 Minuten spielen, Video streamen, Radio hören und telefonieren. Dazu werden in dieser Zeit Screenshots und Testbilder erstellt, Uploads und Downloads getätigt und es wird im Internet gesurft. Nach der ersten Phase schließt sich eine zweite an, in der die Standby-Zeit von 16 Stunden durchlaufen und nichts mit dem Smartphone getan wird.

ModellKapazität (mAh)AkkustandVerbrauch
TestgerätArbeitstag (8h)Nacht im Standby (16h)Intensivtest (8h)Standby (16h)
Nokia 7.13.060 61473914
Alternativen
Nokia 7 Plus3.80066533413
Samsung Galaxy A8 (2018)3.10058484210
Huawei P20 Lite3.0005244488

Das Nokia 7.1 besitzt einen 3.060 mAh großen Akku und siedelt sich damit im unteren Mittelfeld des Android-Marktes an. Der Prozessor und das Display sollten jedoch sparsam genug sein, damit das Nokia 7.1 im Test lange durchhält. Und das tut es, auch wenn es in diesem Bereich keine Bäume ausreißt. Nach 8 Stunden intensiver Nutzung kann es auf eine Restenergie von 61 Prozent blicken. In der anschließenden Standby-Phase verbrauchte das Nokia 7.1 jedoch eine weniger gute Energiemenge: Stolze 14 Prozentpunkte gingen in der Zeit, in der nichts mit dem Mobiltelefon getan wurde, verloren. Hier sollte Nokia noch einmal nachbessern, liegt doch der Marktdurchschnitt in der Zeit bei unter 10 Prozent.

Das Nokia 7.1 kann nicht per Qi aufgeladen werden. Das ist kein Beinbruch, trägt jedoch auch nicht zu einer Verbesserung der Wertung bei. Die Ladegeschwindigkeit tut dies zumindest ein wenig: in 30 Minuten kommt das Nokia 7.1 von 30 Prozent Startwert auf knapp 70 Prozent genehmigt sich so einen 40-Prozent-Schluck aus dem Stromnetz.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Fazit

Nokia hat mit dem Nokia 7 Plus bewiesen, wie man die Mittelklasse aufmischt. Im Test des 7 Plus sahnte das „Flaggschiff für alle“ mit 4 Sternen und einer Top-Leistung ab. Das Nokia 7.1, also der Nachfolger des abgespeckten Nokia 7 Plus, dem Nokia 7, gelingt das nicht. Solide und in keiner Disziplin wirklich schlecht, fehlt ihm der letzte Schliff, das letzte Quäntchen liebe zum Detail oder auch einfach die letzte Meile bei der technischen Umsetzung. Mit dem Nokia 7.1 haben die Finnen trotzdem ein Empfehlenswertes auf die Beine gestellt, das vor allem mit der edlen Optik, den rasanten Verbindungsmöglichkeiten und einem soliden Akku punkten kann.

Gesamtwertung: 3,5 von 5 Sternen

Pros des Nokia 7.1

  • tolle Optik
  • stabiles Gehäuse
  • solider Akku
  • Bluetooth 5 und Dual-Band-WLAN

Contras des Nokia 7.1

  • durchschnittliche Kamera
  • Langweiler-Software
  • sparsame Multimedia-Sektion

Preis-Leistung

Das Nokia 7.1 kostet bei Nokia knapp 340 Euro und wird im freien Handel für etwas mehr als 300 Euro angeboten. Der zweite Preis, also die Hemmschwelle von 300 Euro ist dem Nokia 7.1 eher gerecht als der unverbindliche Preis von Nokia. Ein tolles Schnäppchen ist das Nokia 7.1 trotzdem noch nicht. Das kann und wird jedoch der Markt besorgen. Interessenten sollten also noch etwas warten und können um die 250 Euro zuschlagen. Dann kann das Nokia 7.1 auch ohne Bedenken empfohlen werden.

Alternativen

Im Preisbereich des Nokia 7.1 befinden sich so viele Smartphones auf dem Markt, dass schnell die Übersicht verloren geht. Nicht nur eine schier unendliche Anzahl an Modellen von verschiedensten Herstellern, auch die jährlichen Modellpflege-Maßnahmen erschweren die Suche nach geeigneten Alternativen. Die geeignetsten Mittel hierfür sind die Bestenlisten von inside handy, die nach aktuellem Preis aufgeschlüsselt, die besten Smartphones in den unterschiedlichen Preisbereichen aufzeigen:

Nokia 7.1
3 1
Nokia 3.1 im Test: Hands-On

Nokia 3.1 (2018) bei Aldi: So heiß ist der Preis

Aldi bietet ab Donnerstag, den 27. Dezember, das Nokia 3.1 in der 2018er Version an. Doch wie gut ist das Angebot?
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Michael Büttner
Michael liebt Technik und ist stellvertretender Chefredakteur bei inside handy. Anderen auch bekannt als der Franke in Bonn, der Macher oder der Handwerker für sämtliche Reparaturen der Redaktion. Nach Praktika bei der Neuen Presse in Kronach, den Nürnberger Nachrichten und dem Systemkamera-Blog, startete Michael bei inside handy und verdient sich seine Sporen vor allem im Hardware-Bereich. Balanciert er mal nicht zwischen Tagesgeschäft, Testgeräten und Co, betätigt er sich ab und an als Jäger im Pokémon-Dschungel. Ein ungewöhnlicher Anblick wäre es dabei nicht, ihm dank seiner Boulder-Fähigkeiten kletternd an einer Felswand zu begegnen. Abseits dessen begeistert er sich für Fotografie, Wanderungen, kulinarische Feste und Blasius Kawalkowski.

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