Ein Rockstar betritt die Smartphone-Bühne

Datum: 07.09.2015 | Wertung: 88% | Produkt: Marshall London
Marshall London

Der legendäre Amp-Hersteller Marshall ist vor allem unter Rock-Bands bekannt. Gitarristen wie Jimmi Hendrix oder Eddie Van Halen vertrauten dem Sound von Marshall und bestückten die Bühnen der Welt mit Amplifiern des britischen Unternehmens. Neben Lautsprechern und Kopfhörern gibt es nun auch ein Smartphone von Marshall. Der Test zeigt, wie viel Talent das 550 Euro teure Marshall London hat und wie es sich auf der großen Smartphone-Bühne macht.

Verarbeitung und Design

Bereits auf den ersten Blick sieht man, dass es sich beim Marshall London um ein Smartphone handelt, das anders ist, als alle anderen. Es weist äußerlich den typischen Charakter eines Marshall-Amplifiers auf und ruft vor allem bei Musikern, die mit den Verstärkern der Briten vertraut sind, ein Gefühl von Rock'n'Roll hervor. Das Gehäuse besteht aus weichem und griffigem Kunststoff. Der Rahmen fühlt sich dabei noch etwas geschmeidiger an als die Rückseite. Dieser Umstand sorgt für ein unglaublich gutes und sicheres Gefühl, wenn man das 148 Gramm leichte London in der Hand hält. Auch die Größe dürfte ihren Teil dazu beitragen, denn der Hersteller hat sich für ein 4,7 Zoll großes Display entschieden. Dass das London einen Zentimeter dick ist, ist kein Nachteil; es kommt dem Design und der Haptik sogar entgegen.

Auf den zweiten Blick stechen Details ins Auge, die man so bei aktuellen Smartphones nicht sieht. Zum einen verzichtet Marshall auf eine Lautstärkewippe und ersetzt diese durch ein Drehrädchen aus Metall, das bei eingeschaltetem Display die Kamera-App hervorlockt, wenn man draufdrückt. An der oberen Kante findet man ebenfalls Elemente, die einzigartig sind: Mittig platziert man einen Knopf, der diverse Musik-Funktionen beherbergt. Rechts und links daneben befindet sich jeweils ein Eingang für Kopfhörer. Der Ein- und Ausschalter sitzt über dem Drehrad und weist einen angenehmen Druckpunkt auf.

Außerdem befinden sich ober- und unterhalb des Displays Stereo-Lautsprecher, die nach Angaben von Marshall die lautesten sein sollen, die man derzeit in einem Smartphone vorfindet. Im Abschnitt "Software und Multimedia" zeigen die Speaker, was sie wirklich drauf haben.

Rund wird das Design durch die Marshall-Schriftzüge auf der Vorder- und Rückseite. Nimmt man den Akkudeckel ab, kommt dahinter ein austauschbarer Energieträger zum Vorschein, der mit einem legendären Slogan ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Marshall London: Hands-On (Test)

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    Das Marshall London besitzt ein 4,7 Zoll großes Display das in HD auflöst.
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    Das Gehäuse besteht aus Kunststoff.

Bei der Verarbeitung gibt der Neuling eine gute Figur ab. Bei Beanspruchung auf Biegung und Torsion gibt das Handy kaum nach. Der Akkudeckel lässt sich einfach abnehmen und wieder draufsetzen. Gespannt darf man sein, wie die Soft-Touch-Oberfläche nach einigen Wochen und Monaten der Nutzung aussieht. Geräte, die eine ähnliche Oberflächenbeschichtung hatten, verloren im Laufe der Zeit Teile ihres Kleides. Zudem haben sowohl die feinen Bohrungen, hinter denen sich die Lautsprecher befinden, sowie die Aussparung, in der das Scrollrädchen sitzt, Potenzial, um in der Hosentasche Flusen zu sammeln und sich mit der Zeit zuzusetzen.

Das Design ist außergewöhnlich und passt zum Hersteller. Statt Heavy Metal kommt leichter Kunststoff zum Einsatz, der das London angenehm in der Hand liegen lässt. Die Verarbeitung ist, für einen Newcomer, auf einem hohen Niveau.

Bewertung: 5/5

Display

Marshall stattet das London mit einem 4,7 Zoll großem IPS-Display aus, das mit 720 x 1.280 Bildpunkten in HD auflöst und damit eine Pixeldichte von 312 ppi aufweist. Als schützende Schicht legt der Hersteller das von Corninig bekannte Gorilla Glass 3 über das Panel.

Nun könnte man Marshall vorwerfen, dass Full-HD zu so etwas wie einem Standard bei Smartphone-Displays mutiert ist. Allerdings wird man als Nutzer des London diese Auflösung nicht vermissen. Zum einen, da das Display etwas kleiner ausfällt, als die mittlerweile etablierte Größe von 5 Zoll; zum anderen, weil der Bildschirm kaum einen Grund zur Beanstandung gibt. Details werden scharf abgebildet, die Kontraste sind gut und die Farben realitätsgetreu. Auch der Weiß- und Schwarzwert können überzeugen. Die Blickwinkelstabilität hätte jedoch einen Tick besser sein können. Kippt man das London, büßt das Display verhältnismäßig viel Helligkeit ein.

Blickwinkelstabilität Marshall London
Bildquelle: inside-handy.de

Da Marshall sich auf das pure Android verlässt, kommen die Display-Einstellungen etwas zu kurz. Man hat lediglich die Möglichkeit, eine automatische Helligkeitsregelung einzuschalten, die im Test nahezu stufenlos und mittelmäßig schnell reagierte. Farbanpassungen sind nicht möglich.

Aufgrund der fehlenden Display-Einstellungsmöglichkeiten, der verbesserungswürdigen Blickwinkelstabilität und der vergleichsweise geringen Pixeldichte bekommt das Marshall London Punktabzug.

Bewertung: 4/5

Ausstattung und Leistung

In die Saiten haut beim Marshall London ein Snapdragon 410 von Qualcomm. Dabei handelt es sich um einen Quad-Core-Prozessor, dessen Kerne mit 1,4 GHz takten. Laufende Prozesse werden in einen 2 GB großen Arbeitsspeicher ausgelagert.
Zwar ist die CPU nicht im High-End-Sektor beheimatet, liefert in Kooperation mit dem Arbeitsspeicher aber dennoch eine akzeptable Leistung. Android in seiner Rohfassung dürfte hier wohl auch dazu beitragen, dass man sich flüssig durch die Menüs hangelt. Lange Ladezeiten sind eher die Ausnahme und auch umfangreiche Apps sind zügig offen.

Im AnTuTu-Benchmarktest erreicht das Marshall London 23.781 Punkte und liegt damit auf dem Niveau des Motorola Moto G der dritten Generation und des Samsung Galaxy A3 im unteren Mittelfeld.

Marshall London im Benchmark-Test
Bildquelle: inside-handy.de

Aufwändige Spiele wie "Real Racing 3" oder "Extreme Landings" laufen ohne zu Ruckeln über den Bildschirm. Hinzu kommt, dass die extrem guten Lautsprecher einen noch tiefer ins Spiel bringen. Von einer starken Wärmeentwicklung seitens CPU und Akku war im Test nichts zu spüren.

Der interne Speicher des London umfasst 16 GB und lässt sich mit Micro-SD-Karten erweitern. Da das Handy vor allem Musik-Fans anspricht, erlaubt Marshall den Einsatz von 128-GB-SD-Karten.

Die Sprachqualität bewegt sich auf beiden Seiten auf einem sehr guten Niveau. Auch über die Lautsprecher konnten sich beide Gesprächsteilnehmer gut verständigen. Bei den Verbindungsmöglichkeiten muss man auf den kabellosen Standard Qi ebenso verzichten, wie auf Dual-SIM-Funktionen. LTE hingegen ist an Bord.

Verbindungsmöglichkeiten des Marshall London:

Feature

Ja Nein Funktion

HSPA

X   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ X   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE   Mobilfunkstandard, Down-max 150 Mbit/s
USB-OTG   Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA   Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC   Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Miracast   Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät
MHL   X Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung   X Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version X   4.1
WLAN-Standards X   802.11 a/b/g/n
Qi   Ermöglicht das kabellose Laden des Smartphones
Dual-SIM   Ermöglicht den Betrieb von zwei SIM-Karten parallel


Erwähnenswert ist auch, dass Marshall mit der Wolfson WM8281 eine eigenständige Soundkarte im London unterbringt. Sie hilft nicht nur, die großen Datenmengen des Flac-Formats flüssig abzuspielen und aufzunehmen, sondern schont den Akku, da nicht der gesamte Prozessor beim Musikhören arbeiten muss.

Die Gesprächsqualität konnte während eines Telefonats überzeugen. Sowohl am Ohr als auch mit eigeschalteter Lautsprecher-Funktion war der Gesprächspartner laut und klar zu verstehen. Auch der Gesprächspartner hat den Tester in hoher Qualität verstehen können.

Die Hardware, die Marshall im London zum Einsatz bringt, kann nicht mit der in High-End-Smartphones mithalten. 2 GB Arbeitsspeicher, der 16 GB große interne und erweiterbare Speicher sowie eine dedizierte Soundkarte retten die Wertung.

Bewertung: 4/5

Kamera

Zwei Kameras sind an Bord des Marshall London. Auf der Rückseite befindet sich hinter der Optik mit einer Blende von f/2.4 ein 8-Megapixel-Sensor. Im Videomodus zeichnet er Filme in Full-HD-Qualität auf. Begibt man sich ins Dunkle, lässt sich eine LED hinzuschalten, die Licht spendet. Auf der Vorderseite steht Selfie-Fanatikern eine 2-Megapixel-Kamera zur Verfügung, die die gleiche Blendenzahl aufweist. So viel spuckt das Datenblatt aus. Wie sieht es aber in der Praxis aus?

Die Hauptkamera liefert Fotos, die etwas über dem Schnappschuss-Niveau liegen. Mit der Konkurrenz von LG, Sony und Samsung kann sie aber bei Weitem nicht mithalten. Zudem sind die Einstellungsmöglichkeiten der reinrassigen Google-Kamera begrenzt. Eine Belichtungskorrektur beispielsweise bekommt man nach dem Fokussiervorgang nicht mehr hin. Um die Belichtung anzupassen, weil das Bild insgesamt zu dunkel oder zu hell erscheint, muss man auf eine andere Stelle im Bild tippen, was aber zur Folge hat, dass sich auch der Fokuspunt verändert. Abhilfe kann eine andere Kamera-App aus dem Play Store schaffen.

Marshall London: Kamerafotos

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    Bei viel Licht schießt man mit der Kamera des Marshall London durchaus brauchbare Fotos.
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    Schwächen werden aber in Hell-Dunkel-Bereichen sichtbar.

Mit dem Marshall London geschossene Fotos in voller Auflösung

In Räumen mit wenig Licht gesellt sich schon mal Farbrauschen dazu; gleichzeitig sinkt die Detailschärfe. Nahaufnahmen jedoch gelingen, sobald man eine ruhige Hand hat. An der Qualität der Full-HD-Videos gibt es nichts auszusetzen. Der Stereoton ist zudem wirklich gut.

Die Frontkamera liefert bei ausreichend Licht ansehnliche Selbstporträts ab. Wird es aber dunkel, geht die Schärfe sichtbar zurück und Rauschen beherrscht das geschossene Foto.

Marshall konzentriert sich beim London auf Musik und lässt die Kamera weitestgehend unbeachtet. Da man aber bei einem aktuellen Smartphone nicht auf eine Haupt- und Frontkamera verzichten kann, setzt man auf Standard von der Stange.

Bewertung: 3,5/5

Software und Multimedia

Das Marshall London läuft mit Android in der Version 5.0.2 Lollipop. Auf eine eigene Nutzeroberfläche verzichtet der Amp-Hersteller, was zügige Updates seitens Google garantieren dürfte. Zum anderen macht sich das bei der Performance bemerkbar. Dennoch installiert Marshall einige Apps vor, die aus dem Android-Handy ein Android-Musik-Handy machen. Dazu zählen "edjing London", die "Fnac Jukebox", "Loopstack for Marshall", "Mixcloud", den Musik-Player "Musik" sowie das Spiel "Rockbilly Bros" und den "Soundrecorder".

Marshall London: Screenshots Benutzeroberfläche

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    Spreebildschirm
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    Homescreen

Die Anwendung "edjing London" ist in der Gratis-Version vorinstalliert und unter dem Namen "edjing DJ Musik Mixer Konsole" in einer ganz ähnlichen Version im Play Store zu finden. Dabei handelt es sich eine DJ-App, in der dem Nutzer zwei Plattenteller zur Verfügung stehen.

Edjing-App auf dem Marshall London
Bildquelle: inside-handy.de

Die "Fnac Jukebox" ist hingegen nicht im Play Store erhältlich - zumindest nicht in der deutschen Version. Da es sich bei Fnac um das französische Pendant zu Spotify handelt, ist die App aber über die französische Variante des Play Store erhältlich. Bei der Bedienung werden Nutzer, die kein Französisch sprechen, allerdings ihre Probleme haben. Zudem ist die Anwendung nur in einer Probe-Version installiert. Wer Fnac wie Spotify oder Deezer nutzen möchte, muss rund 5 Euro pro Monat bezahlen. Wer die App nicht benötigt, kann sie aber auch einfach deinstallieren.

Fnac-App auf dem Marshall London
Bildquelle: inside-handy.de

Auch die Anwendung "Loopstack for Marshall" ist als "Loopstack" in einer vergleichbaren Version kostenlos im Play Store erhältlich. Die 4-Kanal-Aufnahme-App dürfte vor allem für Musiker interessant sein, die auf mehreren Spuren unterschiedliche Stücke aufnehmen und miteinander vermischen wollen.

Loopstack-App auf dem Marshall London
Bildquelle: inside-handy.de

Mixcloud hingegen funktioniert ähnlich wie Soundcloud oder 8tracks und ist ebenfalls im Play Store erhältlich. Als Nutzer wählt man ein bestimmtes Genre aus und bekommt Mixe von anderen Usern serviert - kostenlos.

Mixcloud auf dem Marshall London
Bildquelle: inside-handy.de

Der MP3-Player des Marshall London umfasst alles, was sich das Herz eines Musikliebhabers wünscht. Die Musik ist sortiert nach Tracks, Interpreten, Alben, Wiedergabelisten und Ordnern. Zudem hat man einen sehr umfangreichen Equalizer inklusive Bass-Boost. Durch das Drücken der M-Taste an der oberen Kante des London, lässt sich der Equalizer App-übergreifend einstellen und regelt nicht nur in der Musikabspiel-Anwendung die Höhen und Tiefen, sondern auch bei Apps wie Soundcloud, Spotify und Mixcloud. Zudem gibt es dort die Möglichkeit, die Lautstärke jedes einzelnen der beiden angeschlossenen Kopfhörer separat zu regeln.

Auch ohne das Marshall London kommen Android-Nutzer in den Genuss des fabelhaften MP3-Players, der als "Equalizer + MP3 Player Volume" kostenlos im Play Store erhältlich ist. Für 2,99 Euro wird man auch die für viele lästige Werbung los und besitzt die gleiche Musik-App, die Nutzer des London haben.

Sound-Siegel Marshall London

Die Lieblingssongs lassen sich auf dem London nicht nur als MP3- sondern auch als FLAC-Datei abspielen. Zudem nimmt das Smartphone auch in Stereo und FLAC-Qualität auf. Über die zwei Lautsprecher auf der Vorderseite wird Musikhören auf dem Smartphone zu einem wahren Genuss. Viele portable Bluetooth-Lautsprecher sind leiser und klingen schlechter.

Über die beiliegenden Kopfhörer mit Headset-Funktionen, die bei Marshall als "Mode Black and White" für 59 Euro verkauft werden, klingt Musik ebenso gut. Zum ersten Mal in einem Test bei inside-handy.de hat die Redaktion das Gefühl, dass sich der Hersteller Gedanken um die Musikwiedergabe über Kopfhörer gemacht hat. Alles andere wäre beim Kopfhörer-Spezialisten Marshall aber wohl eine Enttäuschung.

Trotz überraschend fehlendem FM-Radio gibt es in dieser Kategorie die volle Punktzahl. Sämtliche Musik-Features und die Lautsprecher sorgen ebenso für die sehr gute Wertung wie die exzellenten Kopfhörer.

Bewertung: 5/5

Akku

"Long live Rock'n'Roll" prangt auf dem 2.500 mAh großen und austauschbaren Akku. Doch gilt das auch für die Akkulaufzeit?
Der Energieträger musste sich im standardisierten Test der Redaktion bei dauerhaft aktiviertem Bluetooth, WLAN und GPS sowie E-Mail-Push einem 30-minütigen Gespräch, 30 Minuten Musikhören per Webstream sowie 30 Minuten Spielen und einer 30-minütigen HD-Video-Wiedergabe über YouTube stellen. Hinzu kamen die Aufnahme mehrerer Fotos und Videos, das Surfen auf verschiedenen Webseiten und ein Benchmark-Test.

Akkulaufzeit Marshall London
Bildquelle: inside-handy.de
Akku-Siegel Marshall London

Am Ende dieses anspruchsvollen 8-stündigen Arbeitstages ließen sich 72 übriggebliebene Prozent von der Akkuskala ablesen. Bestwert. Kein anderer getesteter Akku bei inside-handy.de erreichte einen solch hohen Wert. Der Verbrauch im Standby hingegen hätte besser ausfallen können. In einer 16-stündigen Ruhephase büßte der Akku 20 Prozent seiner Kapazität ein. Nach insgesamt 24 Stunden verblieben somit noch 52 Prozent.

Ein wechselbarer Akku, der nahezu das hält, was außen dransteht. Zudem erreichte er die bislang beste Laufzeit in der Historie von inside-handy.de. Volle Punktzahl.

Bewertung: 5/5

Fazit

Mit dem London liefert Marshall sein erstes Smartphone ab, mit dem man sich vor allem an Musikliebhaber und Musiker richtet. Vor allem das Abspielen und Aufnehmen von Dateien im verlustfreien Format FLAC dürfte einige hellhörig werden lassen. Zweiteres ist mit bislang keinem Smartphone möglich. Außerdem ist der MP3-Player eine Wucht. Somit ist das London der Rockstar unter den Smartphones.

Es sind aber nicht nur die erstklassigen Lautsprecher auf der Vorderseite, die Kopfhörer, die sich im Lieferumfang befinden und regulär 59 Euro kosten und die zahlreichen Musik-Features, die das London so interessant machen. Auch beim Design spricht Marshall eine andere Sprache als viele bekannte Smartphone-Hersteller. Optisch erinnert das London an die Verstärker der Briten. Was die Haptik angeht, liegt es aufgrund seiner Softtouch-Oberfläche angenehm in der Hand. Zudem sorgt das goldene Scrollrädchen an der Seite für einen Hingucker und eine willkommene Abwechslung zu den Lautstärkewippen anderer Hersteller.
Das 4,7 Zoll große Display löst "nur" in HD auf, liefert aber eine nahezu tadellose Leistung ab. Überbieten kann das nur der Akku, der eine herausragende Laufzeit aufweist.

Die beiden Kameras hingegen sind serienmäßig hergestellte Massenware und werden Smartphone-Fotografen nicht begeistern. Schade, da Musikfans mit Sicherheit öfter mal ein Konzert besuchen und gerne eine Erinnerung in guter Qualität mit nach Hause nehmen würden.

Auch der Prozessor ist nicht der schnellste, lieferte im Test aber eine zufriedenstellende Leistung ab. Grafisch aufwendig Spiele liefen zu jeder Zeit flüssig.

Testsiegel Marshall London

Pro

  • Erstklassige Lautsprecher
  • Sehr gute Kopfhörer im Lieferumfang
  • Sehr lange Akkulaufzeit
  • Ansprechend anderes Design

Kontra

  • Mittelmäßige Kameras
  • Bis auf Musik-Funktionen sonst wenig Software
  • Für Normal-Nutzer mieses Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis-Leistung

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist im Fall des Marshall London nicht ganz einfach zu bestimmen. Zum einen werden Musiker gerne 550 Euro ausgeben, da sie von den vielen Musik-Features profitieren. Ein Otto-Normal-Nutzer wird die Musik-Funktionen wohl nicht so sehr zu schätzen wissen und keine 550 Euro für ein Mittelklasse-Smartphone ausgeben. Telefone mit einer ähnlichen technischen Ausstattung - aber ohne die Musik-Funktionen - gibt es bereits für 300 Euro.

Alternativen

Zum gleichen Preis, wenn nicht sogar etwas günstiger, bekommt man mittlerweile das Samsung Galaxy S6 (im Test). Das Smartphone aus Korea ist mit einer deutlich besseren Hardware ausgestattet, kann ebenfalls FLAC-Dateien abspielen, aber eben nicht aufnehmen. Beim Sound über die Lautsprecher hat das S6 aber das Nachsehen.

Nicht so das HTC One M9 (im Test), das aktuell 500 Euro kostet und auf der Vorderseite ebenfalls zwei starke Stereo-Lautsprecher besitzt. Auch die übrige technische Ausstattung ist besser: Full-HD-Display, High-End-Prozessor und eine deutlich bessere Kamera.

Wer Geld sparen will, bekommt mit dem Moto G 3rd Gen. (im Test) oder dem Wiko Ridge 4G (im Test) ein Smartphone mit vergleichbarer Ausstattung für aktuell 200 Euro - rund 350 Euro weniger, als Marshall für das London verlangt.

Autor: Blasius Kawalkowski

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