Im Test: Das Apple iPhone 5c

Datum: 27.09.2013 | Wertung: 92% | Produkt: Apple iPhone 5c
iPhone 5c im Test

Erstmals in seiner Geschichte hat Apple mit seiner Premium-Politik gebrochen und neben dem neuen iPhone 5s auch ein etwas günstigeres Gerät präsentiert. Das iPhone 5c ist keine komplette Neuentwicklung, sondern ein altes Modell in neuem Kleid. Mindestens 599 Euro ruft Apple als Preis auf – ob der für ein iPhone 5 mit Farbe gerechtfertigt ist und welche Modifikationen unter der Haube vorgenommen wurden klärt der Testbericht.

Design und Verarbeitung

Apple steht in der Mobilfunkbranche wie kein anderes Unternehmen für Premiumqualität, und das zurecht: Bisherige Geräte überzeugten durch hervorragende Verarbeitung, zeitloses Design und geringe Spaltmaße – das gilt umso mehr für die neueren Generationen, die im Gegensatz zu iPhone 3G und 3GS komplett aus Aluminium gefertigt wurden. Ist der im iPhone 5c eingesetzte Kunststoff also ein Rückschritt?

Natürlich kann sich die Gehäusequalität nicht mit der des iPhone 5 oder 5s messen – wohl aber mit der anderer Polycarbonat-Vertreter wie dem Samsung Galaxy S4 oder LGs G2: Die Haptik ist gut, nichts wackelt, knackt oder knarzt und dank der abgerundeten Ecken liegt das Modell sogar etwas besser in der Hand als das iPhone 5. Der interne Stahlrahmen tut sein Übriges für die Stabilität.

Apple iPhone 5c: Hands-On-Fotos (Test)

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    Das iPhone 5c im Test
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    Das iPhone 5c im Test

Nun darf man allerdings nicht vergessen, dass das iPhone 5c zwar preiswerter als Apples aktuelles Top-Modell ist, aber alles andere als günstig. Und so sollte man auch eine tadellose Verarbeitung erwarten können. Apple überrascht hier also nicht positiv, sondern erfüllt lediglich das Versprechen eines mindestens 599 Euro teuren Smartphones.

Apple setzt beim iPhone 5c aber nicht nur auf ein anderes Material, sondern auch mehr Farbe. Das iPhone 5c gibt es in Grün, Blau, Gelb, Pink und Weiß und erinnert dabei an Nokias Lumia-Serie. Egal, in welcher Farbe: Das Unibody-Gehäuse ist anfällig für Fingerabdrücke und lässt sich nicht öffnen, der Akku ist damit wie gewohnt nicht auswechselbar. Dafür sind sämtliche Knöpfe ebenfalls farbig und lassen das Gerät optisch sehr ansprechend wirken. Hinsichtlich Größe und Gewicht hat das 5c im Vergleich zum iPhone 5 etwas zugelegt, was primär an den internen Neuerungen liegen dürfte.

Auch wenn die Verarbeitung tadellos ist: Bei dem Preis hätte es ruhig ein Metallgehäuse sein dürfen. Dafür ein halber Stern Abzug.

Bewertung: 4,5/5

Display

Am Display hat sich hingegen nichts getan: Die vier Zoll große Retina-Anzeige löst mit 1.136 x 640 Pixeln auf und garantiert ein kristallklares, scharfes und farbechtes Bild, hinkt jedoch dem Trend zu immer größer werdenden Bildschirmen hinterher; das Moto X etwa wirkt mit seinen 4,7 Zoll trotz geringerer Pixeldichte näher am Ideal – das ist allerdings Geschmackssache. Zudem fällt im direkten Vergleich zur AMOLED-Technik der Kontrastumfang geringer und die Farbsättigung etwas magerer aus.

Die Helligkeit des IPS-LC-Displays ist hingegen sehr hoch und wird auf Wunsch zuverlässig automatisch geregelt. Dadurch ist auch das Ablesen bei direkter Sonneneinstrahlung kein Problem. Die Blickwinkelstabilität ist tadellos, Schwarz- und Weißwerte geben keinen Grund zur Klage.

Das Display ist ordentlich, dürfte jedoch höher auflösen und größer sein. Dafür ein Stern Abzug.

Bewertung: 4/5

Ausstattung und Leistung

Das Herzstück des iPhone 5c ist weiterhin der bekannte A6-SoC mit zwei Kernen und 1,3 Gigahertz. Als Arbeitsspeicher kommt weiterhin ein Gigabyte RAM zum Einsatz. Gemeinsam mit der Triple-Core-GPU sorgt dieses Duo auch unter dem neuen iOS 7 für eine ruckel- und verzögerungsfreie Navigation sowie ein detailreiches und trotzdem flüssiges Spieleerlebnis. Der Safari-Browser lädt Internetseiten wie gewohnt überdurchschnittlich schnell, das GPS arbeitet zuverlässig.

Eingeschränkt hat Apple die Speicheroptionen: Das 5c gibt es nur noch mit 16 oder 32, nicht länger mit 64 Gigabyte großem Flashspeicher. Dafür wurde das Funkmodul aufgebohrt, sodass nun nicht mehr nur Telekom-Kunden, sondern auch die von Vodafone und O2 im jeweiligen LTE-Netz surfen können.

Feature

Ja Nein Funktion

HSPA

X   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ X   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE X   Mobilfunkstandard, Down-max 100 Mbit/s
USB-OTG  X   Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen (entsprechender Adapter notwendig)
DLNA X   Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC    X Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Airplay   Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät
MHL    X  Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung    X Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version X   4.0
WLAN-Standards X   802.11 a/b/g/n

Die Ausstattung ist ausreichend, lässt jedoch NFC und ac-WLAN vermissen. Außerdem ist ein Jahr alte Hardware in der schnelllebigen Smartphone-Branche eine kleine Ewigkeit. Dafür ein halber Stern Abzug.

Bewertung: 4,5/5

Kamera

Bei der rückseitig verbauten 8-Megapixel-Kamera wiederum bleibt alles beim Alten, was vor dem Hintergrund der hervorragenden Qualität alles andere als ein Nachteil ist. Das FaceTime-Objektiv über dem Display löst weiterhin mit 1,2 Megapixeln auf, arbeitet jetzt aber lichtempfindlicher und liefert ein schärferes und klareres Bild.

Die Einstellungen sind wie gehabt rudimentär, aber ausreichend. Neu sind quadratische Fotos und diverse Filter. Deutlich mehr Optionen holt man sich mit einer der optionalen Programme aus dem App Store. Ungeachtet dessen gehören die geschossenen Fotos und Videos mit ihrer sehr guten Schärfe und Sättigung nach wie vor zu den besten, die man mit einem Smartphone machen kann.

Apple iPhone 5c: Kamera-Testfotos

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    Mit dem iPhone 5c geschossene Testaufnahmen
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    Mit dem iPhone 5c geschossene Testaufnahmen

Die Testbilder gibt es hier in voller Auflösung

Die Kamera leistet sich keine Fehler und schießt hervorragende Fotos und Videos. Dafür gibt es die volle Punktzahl.

Bewertung: 5/5

Software und Multimedia

Wie üblich hat Apple parallel zur neuen iPhone-Generation auch die nächste Iteration des dazugehörigen Betriebssystems vorgestellt. iOS 7 präsentiert sich dabei ähnlich benutzer- und einsteigerfreundlich wie seine Vorgänger, bringt überdies aber auch eine geänderte Farbpalette, Hintergründe mit Parallax-Effekt, überarbeitete Icons sowie neue Funktionen mit – von denen einige längst überfällig und bereits von der Konkurrenz bekannt waren.

Dazu gehört etwa das Kontrollzentrum, das per Fingerwisch vom unteren Bildschirmrand nach oben aufgerufen wird und an die Schnelleinstellungen unter Android erinnert. Hier kann zum Beispiel die Helligkeit geregelt, WLAN und Bluetooth ein- oder ausgeschaltet oder die Musikwiedergabe gesteuert werden. Außerdem erhält man Schnellzugriff auf die Taschenlampenfunktion, den Timer sowie AirDrop, eine ebenfalls neue Funktion zum verschlüsselten Datenaustausch zwischen zwei iOS-Geräten. Anpassbar ist das Kontrollzentrum nicht.

Überarbeitet hat Apple auch die Mitteilungszentrale, die nun aufgeräumter wirkt und eine „Heute“-Ansicht enthält, davon abgesehen aber deutlich hinter Androids Notification Bar zurückbleibt. Auch an vielen anderen Stellen hat der Konzern geschraubt – der Sprachassistent Siri ist nicht mehr im Beta-Status, Safari wurde aufgebohrt und Multitasking sieht jetzt besser aus und lässt zeitbasierte Hintergrundupdates zu –, oft jedoch ohne allzu offensichtlichen Effekt.

Apple iOS 7

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    Sperrbildschirm
    Screenshots Entwicklerverion iOS7
    Bildquelle: http://www.inside-handy.de/
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    Siri
    Siri im neuen Design
    Bildquelle: http://www.inside-handy.de/

Beim Musikhören kommt nur Freude auf, wenn man die mitgelieferten Kopfhörer nutzt. Der neben dem Lightning-Port angebrachte Lautsprecher am Gerät selbst produziert zwar einen lauten und klaren Klang – Dynamik, Tiefen oder ordentliche Bässe sind indes Fehlanzeige. Mit den Ohrhörern ergibt sich jedoch sogleich ein deutlich angenehmeres Klangbild, das bis auf einen tendenziell zu wenig druckvollen Bass vollkommen überzeugt.
iOS 7 ist intuitiv und einfach bedienbar, einige der neuen Funktionen sind durchaus sinnvoll.

An manchen Stellen hat Apple aber nicht zu Ende gedacht und lässt den Funken daher nicht vollends überspringen. Dafür ein halber Stern Abzug.

Bewertung: 4,5/5

Akku

Der Akku im iPhone 5c ist um knappe fünf Prozent auf 1.507 mAh angewachsen und ermöglicht dadurch eine etwas längere Laufzeit. So lag die Kapazität nach einem durchschnittlichen 8-Stunden-Tag mit aktiviertem WLAN und Bluetooth, einem 30 Minuten langen HD-Video auf YouTube, 30 Minuten Webradio, 30 Minuten Telefonie und einer halbstündigen Spielesession noch bei ordentlichen 47 Prozent. Nach 16 weiteren Stunden im Standby-Betrieb zeigte der Akku einen Restwert von 43 Prozent.

Apple selbst gibt eine Standby-Zeit von 250 Stunden und eine Gesprächszeit im 3G-Netz von maximal 10 Stunden an. Beim Surfen im Netz soll der Akku im 3G-Betrieb bis zu 8 Stunden, im WLAN höchstens 10 Stunden durchhalten. Videos laufen ebenfalls 10, Musik bis zu 40 Stunden, ehe das 5c an den Strom muss.

Eine gute Akkulaufzeit, im Vergleich zur Konkurrenz aber kein außerordentliches Ergebnis. Bei intensiver Nutzung hält das Gerät keinen ganzen Tag durch. Dafür einen Stern Abzug.

Bewertung: 4/5

Fazit

Analog zum iPhone 5 leistet sich das iPhone 5c keine eklatanten Schwächen: Die Verarbeitung des Polycarbonat-Gehäuses ist sehr gut, das Aussehen wirkt peppig und kann durch verschiedene Farben ein Stück weit individualisiert werden. Das Retina-Display überzeugt, dürfte jedoch größer und hochauflösender sein. Der Ausstattung hingegen merkt man ihr Alter an: Die Hardware reicht zwar für eine flüssige Bedienung, aber es fehlen Features wie NFC oder schnelles ac-WLAN – dafür werden jetzt immerhin mehr LTE-Frequenzen unterstützt.

Die Kamera liegt weiterhin auf höchstem Niveau und iOS 7 ist ein spürbarer Schritt nach vorne – der allerdings auch nötig war. Der Akku tut, was er soll, überrascht dabei aber weder positiv noch negativ. Der interne Speicher umfasst neuerdings maximal 32 Gigabyte und kann nicht erweitert werden. Alles in allem stellt das iPhone 5c im Vergleich zum Wettbewerb ein sehr gutes Gesamtpaket dar – wäre da nicht der Preis.

599 Euro verlangt Apple für die 16-Gigabyte-Version, 699 Euro für den doppelten Speicherplatz – für diesen Preis gibt es bereits das iPhone 5s in der Grundkonfiguration. Wieso also nicht direkt die in diesem Bereich fast schon marginalen 100 Euro mehr investieren und dafür die neueste Version in Händen halten?

Wer das Neueste vom Neuen haben will, wird das sicher tun und auch Besitzer eines iPhone 5 werden einen Bogen um das 5c machen. Für Durchschnittsnutzer ist es aber vollkommen ausreichend, die Unterschiede zum großen Bruder werden sie kaum vermissen – und durch das neue Gehäuse entsteht erstmals auch nicht der Eindruck, man kaufe lediglich das "alte Eisen" aus dem Hause Apple. Man muss lediglich die mentale Hürde überwinden, zwar einen Premiumpreis zu bezahlen, dafür aber nicht das Premiumprodukt zu bekommen.

Pro:Testsiegel iPhone 5c

  • Exzellente Verarbeitung
  • Brillantes Display
  • einfache und flüssige Bedienung
  • hervorragende Kamera

Contra:

  • "Nur" Kunststoff-Gehäuse
  • Keine Speichererweiterung
  • Kein austauschbarer Akku

Alternativen

Wenn es nicht unbedingt ein iOS-Smartphone sein muss, bieten sich auch Modelle anderer Hersteller an. Da wären etwa das preiswertere HTC One (Mini) mit einer ebenfalls sehr guten Ausstattung oder Samsungs Galaxy S4, das günstiger ist und ebenso nicht mit Stärken geizt. Auch das G2 von LG spielt in derselben Liga. Wenn es nicht Android, sondern Windows Phone sein darf, lohnt sich zudem ein Blick auf das neue Nokia Lumia 1020.

Tester: Oliver Strunk

Autor: Andreas Krambrich

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