Testbericht zum Alcatel One Touch Fire

Datum: 25.10.2013 | Wertung: 76% | Produkt: Alcatel One Touch Fire
Test Alcatel One Touch Fire

Bisher dominieren vor allem Apple und Google den Markt für mobile Betriebssysteme; Microsoft ist mit Windows Phone auf dem Vormarsch. In diesem Konzert will auch Mozilla mitspielen und schickt sein Firefox OS ins Rennen. inside-handy.de hat mit dem Alcatel One Touch Fire getestet, ob das System, das vor allem auf günstigerer Hardware eingesetzt werden soll, hier mithalten kann.

Verarbeitung und Design

Congstar bietet das Onte Touch Fire derzeit exklusiv für 90 Euro an. Zu diesem Preis erwartet man kaum Premium-Materialien. Dennoch kann man nicht behaupten, dass sich das One Touch Fire billig anfühlen würde. Der Akkudeckel sitzt fest an seinem Platz und scheint aus einem recht robusten Kunststoff zu bestehen, ebenso der Rahmen, der die Vorderseite umfasst. Mit einer Höhe von 11,5 Zentimetern und einer Breite von 6,2 Zentimetern wirkt das One Touch Fire recht kompakt und liegt mit seinem Gewicht von rund 120 Gramm gut in der Hand.

Allerdings ist das Smaretphone mit 1,2 Zentimetern recht dick. Auch das Verhältnis von Gehäuse und Display wirkt nicht mehr zeitgemäß, zu weit ragen die obere und insbesondere die untere Seite über das Display hinaus. Daher mutet das One Touch Fire etwas wie ein Smartphone aus einer anderen Zeit an. Erinnerungen an das Sony Ericsson X8 werden beispielsweise wach.

Wertung: 4/5

Alcatel One Touch Fire: Hands-On-Fotos

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    Das Alcatel One Touch Fire im Test
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    Das Alcatel One Touch Fire im Test

Display

Wie bereits erwähnt wirkt das Display im Vergleich zum Gehäuse etwas klein. Mit einer Diagonale von 3,5 Zoll entspricht es der Größe des iPhone 4S oder der früherer iPhone-Modelle. Die Auflösung des Displays entspricht mit 320 x 480 Pixeln der des ersten iPhones, was nach heutigen Maßstäben schon sehr grobkörnig ist. Dementsprechend wirken Schriften nicht besonders scharf und auch die Icons in der App-Übersicht fransen an den Seiten etwas aus.

Wertung: 3/5

Ausstattung und Leistung

Das One Touch Fire ist mit einem 1-GHz-Single-Core-Prozessor von Qualcomm ausgestattet, dem 256 MB Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen. Der interne Speicher beträgt gerade einmal 512 MB. Allerdings kann der Speicher mit Micro-SD-Karten um bis zu 32 GB erweitert werden; eine 2-GB-Karte liegt dem One Touch Fire schon bei. Dass die Spezifikationen so spärlich ausfallen, gehört zum Konzept von Firefox OS. Das Betriebssystem soll auch mit einer einfachen Ausstattung zurecht kommen und so auf günstigen Smartphones, beispielsweise in Entwicklungs- und Schwellenländern, zum Einsatz kommen können.

In der Praxis bestätigt sich diese Eigenschaft allerdings noch nicht. Die Bedienung wirkt insgesamt recht hakelig, auf Eingaben oder Wischgesten reagiert das Gerät teils verzögert, Übergänge beim Schließen von Apps oder zwischen den Screens laufen teilweise noch etwas ruckelig ab. Von Android-Geräten ist man da auch in der Einsteiger-Klasse bereits besseres gewohnt - bei Windows Phone und iOS sowieso.

Auch das Surfen im Internet, eigentlich die Kernkompetenz von Firefox, läuft nicht so rund, wie man es sich wünschen würde. Die Darstellung von Seiten funktioniert zwar recht zügig, das Hineinzoomen beziehungsweise Vergrößern von Texten, oder das Herunterscrollen auf Seiten sorgt jedoch oft für Frustration.

In Sachen Sprachqualität kann das One Touch Fire ebenfalls nicht punkten. Der Nutzer war am anderen Ende der Leitung nur leise wahrnehmbar, ebenso ließ die Lautstärke auf Seiten des One-Touch-Fire-Nutzers zu wünschen übrig. Auf beiden Seiten war ein leichtes Rauschen in der Leitung erkennbar. Die Freisprecheinrichtung ist praktisch unbrauchbar, da der Gesprächspartner über den Lautsprecher kaum zu verstehen ist.

Feature

Ja Nein Funktion

HSPA

X   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 7,2 Mbit/s
HSPA+   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE   Mobilfunkstandard, Down-max 100 Mbit/s
USB-OTG    X Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA    X Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC    X Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Miracast    X Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät
MHL    X Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung   Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version X   3.0
WLAN-Standards X   802.11 b/g/n

Wertung: 2/5

Kamera

Wie die restliche Ausstattung fallen auch die Spezifikationen der Kamera beim One Touch Fire recht spartanisch aus. Die Auflösung beträgt 3,2 Megapixel einen Autofokus oder LED-Blitz sucht man vergebens. Die Bilder können selbst bei guten Lichtverhältnissen nicht überzeugen. Teile des Bildes sind oft überbelichtet oder mit einem verschwommenen Schleier überzogen. Innenaufnahmen kranken an deutlichem Farbrauschen oder stark überzeichneten Kanten.

Alcatel One Touch Fire: Kamera-Testfotos

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    Mit dem Alcatel One Touch Fire aufgenommene Bilder
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    Mit dem Alcatel One Touch Fire aufgenommene Bilder

Die Bilder gibt es hier in voller Auflösung

Die Bedienung der Kamera ist einfach: Starten, Knipsen, fertig. Einstellungsmöglichkeiten bietet das Interface keine. Immerhin können geschossene Bilder in der Galerie bearbeitet werden. Hier kann die Helligkeit korrigiert, das Bild zugeschnitten und mit Effekten oder Rahmen versehen werden. An der dürftigen Qualität der Bilder ändern allerdings auch die Effekte nur wenig.
Eine noch schlechtere Figur macht die Kamera bei der Aufnahme von Videos. Diese werden mit 288 x 352 Pixeln bei 13 Bildern pro Sekunde aufgenommen. Entsprechend grobkörnig und pixelig fällt das Ergebnis aus. Der Ton ist ebenfalls schlecht, leise und dumpf, Sprache kaum verständlich.

Wertung: 2,5/5

Software und Multimedia

Die Software ist derzeit das Alleinstellungsmerkmal des One Touch Fire – ist es doch das bisher einzige Smartphone, das in Deutschland mit Firefox OS erhältlich ist. Der Software-Entwickler Mozilla, der vor allem für seinen Firefox-Browser bekannt ist, hat sich nach eigenen Angaben mit diesem mobilen Betriebssystem große Ziele gesetzt: Das offene System soll das Internet auch in jene Regionen bringen, in denen entsprechende Smartphones bisher nicht bezahlbar waren. Mozilla spricht auf der eigenen Seite von einer „leuchtenden Zukunft für das Internet und Anwender auf der ganzen Welt“, die geschaffen werden soll.

Wie sich der offene Charakter des Systems auf die Bedienung auswirken wird, bleibt noch abzuwarten. Bisher zeigt sich Firefox OS als einfach strukturiert und intuitiv. Kernstück ist die adaptive Suche, auf die man über den Home-Button gelangt. Begriffe die hier eingegeben werden, werden wie Themengebiete behandelt, nach denen Webanwendungen und Internetseiten durchsucht werden. Die Ergebnisse werden dann als Auflistung von App-Icons angezeigt. Wählt der Nutzer dann beispielsweise ein Suchergebnis aus, hinter dem sich ein Artikel auf einer mobilen Version einer Nachrichtenseite verbirgt, kann er diese mit einem Stern kennzeichnen - praktisch bookmarken - und bekommt diese Seite dann als App-Icon auf einem seiner Homescreens angezeigt.

Die Webanwendungen können über Berechtigungen auf verschiedene Funktionen des Smartphones wie beispielsweise GPS oder die Kamera zugreifen.

Allerdings versteht man bei Mozilla auch die mobilen Versionen von Internetseiten als Apps. Hinter den Icons verstecken sich also zumeist keine kleinen Programme, die auf dem Smartphone installiert werden, sondern einfach die mobile Website eines Internetangebots, beispielsweise einer Nachrichtenseite. Das Icon selbst ist also mehr als Lesezeichen zu verstehen; das Smartphone wird so zum erweiterten Browser. Durch die Unterstützung von HTML5 sollen hier auch komplexere Anwendungen möglich werden.

Mozilla Firefox OS

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    Home-Screen mit adaptiver Suche
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    Übersicht der installierten Apps und Lesezeichen

Die Apps können auch aus dem System-eigenen App-Store, der hier Marketplace heißt, heruntergeladen werden. Sie werden dann auf einem der Screens angezeigt, die sich rechts vom Homescreen befinden. Die Auswahl an Apps ist allerdings noch recht übersichtlich.

Die Vorteile dieses Prinzips, sich vor allem auf webbasierte Apps zu konzentrieren, liegen vor allem darin, dass keine besonders leistungsfähige Hardware benötigt wird und beispielsweise wenig Speicher durch Apps verbraucht wird. Ein Nachteil dabei ist, dass die Webanwendungen eine Internetverbindung benötigen.

Beim One Touch Fire zeigt sich allerdings, dass dieses Konzept noch nicht ganz ausgereift ist. Das System leidet noch an Kinderkrankheiten wie gelegentlichen Darstellungsfehlern, einer ruckeligen Bedienung und der oftmals verzögerten Reaktion auf Eingaben. So macht die Bedienung noch keine große Freude.

In Sachen Spiele macht sich beim Firefox OS vor allem der Mangel an aufwendigeren Spielen bemerkbar. 3D-Spiele? - Fehlanzeige, vor allem sind 2D-Plattformspiele oder Puzzle-Spiele vorhanden.

Wertung: 2,5/5

Akku

Der 1.400-mAh-Akku wurde im Test mit 30 Minuten YouTube-Video-Stream, 30 Minuten Audio-Stream, 30 Minuten Spielen, 30 Minuten Surfen sowieso einem halbstündigen Gespräch beansprucht. Hinzu kommen diverse Tests und die Aufnahme mehrerer Fotos und Videos. Nach 24 Stunden inklusive einer Nacht im Standby zeigte das One Touch Fire noch einen Akku-Stand von 25 Prozent an. Hier zeigt sich ein recht ordentliches Verhältnis aus Akku-Kapazität und sparsamer Hardware.

Wertung: 4/5

Fazit

Mit seinem Firefox OS hat Mozilla ein paar interessante Versprechen abgegeben: Frei, unkommerziell und nutzerfreundlich sollte es sein. So weit, so gut; nur an der Bedienung hapert es noch. Diese ist zwar simpel und intuitiv, läuft derzeit jedoch noch alles andere als flüssig. Oft fühlt man sich an die Anfangszeiten günstiger Android-Smartphones zurückerinnert. Kurz und knapp: Für normale Anwender ist Firefox OS in Verbindung mit dem Alcatel One Touch Fire noch nicht zu empfehlen. Zu groß sind die Nachteile gegenüber Android-Smartphones oder günstigen Windows-Smartphones, die mittlerweile für nur etwas mehr Geld zu haben sind.

Mit der groben Auflösung des Displays mag man sich noch einigermaßen anfreunden können, aber die miese Kamera, die schlechten Telefoneigenschaften und die ruckelige zuweilen nervtötende Bedienung dürften den meisten Nutzern als Ausschlusskriterien reichen.

Firefox OS könnte eine erfrischende, einfache Alternative zu den oftmals von Herstellern mit Widgets und eigenen Diensten überfrachteten Android-Smartphones sein. Auf dem ersten in Deutschland verfügbaren Smartphone erweist es sich allerdings noch als wenig praxistauglich. Bleibt zu hoffen, dass die von Mozilla oftmals beschworene Entwickler-Gemeinde hier schnell für Abhilfe sorgt, damit das System tatsächlich noch eine Chance hat, im Kampf um einen Platz im Reigen der mobilen Betriebssysteme mitzuhalten. Immerhin versuchen sich mit Ubuntu for Phones und Jollas Sailfish OS zwei weitere ernstzunehmende Bewerber auf dem ohnehin heiß umkämpften Markt zu etablieren.

Pro:Testsiegel Alcatel One Touch Fire

  • Neues, offenes Betriebssystem
  • Günstiger Preis

Contra:

  • Magere Ausstattung
  • Ruckelige Bedienung
  • Miese Kamera
  • Leidet noch unter Kinderkrankheiten

Alternativen

Wer ein sehr günstiges Einsteiger-Smartphones sucht, bekommt mit dem Huawei Ascend Y300, das derzeit knapp 100 Euro kostet, ein brauchbares Gerät. Die Ausstattung ist in jeder Hinsicht eine Klasse besser als die des Alcatel One Touch Fire. Nokia hat mit dem Lumia 520 ebenfalls einen günstigen Einsteiger im Angebot, der für weniger als 150 Euro zu haben ist. Die Datren des Alcatel One Touch Fire, des Huawei Ascend Y300 und des Lumia 520 gibt es hier im direkten Vergleich.

Autor: Andreas Krambrich

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