Acer Liquid S2: Display-Gigant mit kleinen Schwächen

Datum: 12.03.2014 | Wertung: 87% | Produkt: ACER Liquid S2
Acer Liquid S2

Im September letzten Jahres hatte Acer das Liquid S2 auf der IFA im Gepäck, seit November ist das 6 Zoll große Phablet in Deutschland im Verkauf. Punkten möchte der taiwanische Hersteller nicht nur mit seiner High-End-Ausstattung, sondern auch mit der 13-Megapixel-Kamera, die mit einer Besonderheit aufwartet, einem Ring-Blitz. Ob Acer mit dem Liquid S2 den Sprung in die Phablet-Oberklasse schafft, zeigt der Testbericht von inside-handy.de.

Verarbeitung und Design

Stolze 231 Gramm bringt das Acer Liquid S3 mit seinem 6-Zoll-Display auf die Waage. Das hohe Gewicht ist auch die Eigenschaft, die bei der ersten genaueren Betrachtung sofort auffällt. Natürlich darf ein solches Phablet nicht mit einem 4,7-Zoll-Smartphone verglichen werden, dennoch kann man das Liquid S2 ohne Probleme als einen ordentlichen Brocken bezeichnen. Zum Vergleich: Das Xperia Z Ultra von Sony ist mit seinen 6,4 Zoll nochmal 0,4 Zoll größer, besitzt sogar ein an sich schwereres Glas-Gehäuse und wiegt dennoch nur 212 Gramm. Das Gehäuse des Liquid S2 besteht vorne und hinten aus Kunststoff. In der Länge misst das Gerät 16,5 in der Breite 8,5 Zentimeter und ist knapp 1 Zentimeter dick. Durch das hohe Gewicht und die Größe ist eine Einhand-Bedienung nahezu unmöglich. Schwer zu erreichen ist der An-und Ausschalteknopf, der auf der linken Oberseite angebracht ist. Für dieses Problem hat Acer jedoch eine Funktion entwickelt, die das Aktivieren durch das Halten der Startseiten-Taste ermöglicht.

Acer Liquid S2: Hands-On-Bilder

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    Acer Liquid S2
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    Acer Liquid S2

Die Rückseite ist wahlweise in Rot oder Schwarz erhältlich und macht in puncto Design mit seiner geschwungenen Ohrmuschel und den abgerundeten Kanten einen sehr guten Eindruck. Die Verarbeitung wirkt aber nur auf den ersten Blick für ein Plastik-Gehäuse hochwertig: Bei leichten Drücken auf die Rückseite fängt das Gehäuse etwas an zu knarzen. Auch die Abdeckung des Nano-SIM-Schacht schließt nicht ganz bündig mit dem Gehäuse ab und steht etwas über.

Vom Design her kann das Acer Liquid S2 mit anderen Topmodellen mithalten, jedoch könnte die Verarbeitung für einen Preis von derzeit rund 460 Euro etwas hochwertiger und stabiler sein. Daher einen Punkt Abzug.

Wertung: 4/5

Display

Keine Abstriche hat Acer bei der Display-Qualität des Liquid S2 gemacht. Das 6 Zoll große IPS-Display löst mit 1.929 x 1080 Pixeln in Full-HD auf. Dies entspricht einer Pixeldichte von 368 ppi. Auch im Test konnte das Display mit seiner Auflösung überzeugen. Farben werden satt und deutlich dargestellt, einzelne Pixel sind nicht zu erkennen. Für das mobile Surfen im Web ist das Liquid S2 durch seine große Displaygröße und hohe Qualität sehr empfehlenswert. Lediglich die Auto-Helligkeit wirkt oft zu dunkel und könnte etwas heller eingestellt sein bzw. sollte lieber manuell geregelt werden. Die Blickwinkelstabilität ist zufriedenstellend, nur bei direkter Sonneneinstrahlung spiegelt das IPS-Display ziemlich stark.

Volle Punktzahl erhält das Liquid S2 für das brillante Full-HD-Display, an dem es nichts Gravierendes auszusetzen gibt.

Wertung: 5/5

Ausstattung und Leistung

Mit dem auf 2,2 Ghz getakteten Snapdragon-800-Quad-Core-Prozessor kommt im Liquid S2 der gleiche Prozessor zum Einsatz, der auch im Samsung Galaxy Note 3, dem LG G2 oder dem Nexus 5 verbaut ist.

AnTuTu-Benchmark-Test Acer Liquid S2
Bildquelle: inside-handy.de

Das System läuft einwandfrei, während des Tests kam es zu keinen Rucklern oder Verzögerungen beim Öffnen von Apps. Aufwendige 3D-Spiele wurden grafisch fehlerfrei dargestellt, allerdings erwärmt sich die untere Rückseite bereits nach wenigen Minuten Spielen ziemlich stark.

Im AnTuTu-Benchmark-Test erreichte das Liquid eine Punktzahl von 29.536 Punkten und ordnet sich somit hinter direkten Konkurrenten wie dem Samsung Galaxy Note 3 ein, das ganze 35.825 Punkte erreichte.

Vom den 16 GB des internen Speicher stehen dem Nutzer noch knapp 12 GB zur freien Verfügung. Per Micro-SD-Karte kann dieser jedoch nochmals um 32 GB erweitert werden.

Die Gesprächsqualität bewegt sich auf einem durchschnittlichen Niveau. Der Gesprächspartner war deutlich aber nicht besonders laut zu hören. Die Lautstärke war beim Telefonieren generell das größte Problem. Mit eingeschalteten Lautsprechern war der Gesprächspartner, bei voller Lautstärke, nur noch sehr leise zu hören. Der Anrufende selbst wurde ebenfalls als „sehr weit weg“ und „etwas dumpf“ wahrgenommen. Als Freisprecheinrichtung ist das Liquid S2 also weniger zu gebrauchen. Beim normalen Telefonieren kam das Gefühl auf, man telefoniere mit einem kleinen Tablet, da das hohe Gewicht auch hier auf Dauer störend ist.

Verbindungsmöglichkeiten:

Feature

Ja Nein Funktion

HSPA

X   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE   Mobilfunkstandard, Down-max 100 Mbit/s
USB-OTG   Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA X   Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC   Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Miracast   Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät
MHL   Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung    X Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version X   4.0
WLAN-Standards X   802.11 a/b/g/n

Bis auf die Erwärmung, die sich während des Spielens entwickelte, bietet das Liquid S2 zahlreiche Verbindungsmöglichkeiten und einen schnell arbeitenden Prozessor. Daher nur 0,5 Punkte Abzug.

Wertung: 4,5/5

Kamera

Als eines der Highlight des Geräts gilt eigentlich die 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite. Den BSI-Sensor umgibt ein ringförmiger LED-Blitz, der schärfere Bilder in jeder Umgebung und bei allen Lichtverhältnissen gewährleisten soll. Jedoch enttäuschte gerade der ringförmige LED-Bitz beim Test. In einem fensterlosen Flur wurde im Test eine Garderobe mit verschiedenen Jacken fotografiert. Das entstandene Foto war sehr unscharf, verpixelt und zeigt ein deutliches Farbrauschen. Zum Vergleich wurde das gleiche Motiv ebenfalls mit einem iPhone 4 (5 Megapixel-Kamera) und einem Nexus 4 (8-Megapixel-Kamera) abgelichtet, die nur über einen einfachen LED-Blitz verfügen. Die Fotos der anderen beiden Kameras waren deutlich schärfer, es kam zu einem geringeren Farbrauschen und auch die Farben selbst wurden naturgetreuer dargestellt.

Kamera-Vergleich Acer Liquid S2 iPhone 4 Nexus 4
Bildquelle: inside-handy.de

Bei den Aufnahmen fiel ebenfalls auf, dass der Autofokus etwas langsam scharf stellt und auch sehr empfindlich reagiert, sobald man sich nur ein bisschen bewegt. Dann versucht de Autofokus sich direkt neu einzustellen, was gerade bei schnellen Schnappschüssen zu unscharfen Bildern führen kann. Abhilfe bringt an dieser Stelle der manuelle Autofokus, mit dem per Fingerdruck auf den Bildschirm der Bildfokus selbst gewählt werden kann. Nicht nur der Fokus, sondern auch die Belichtung ist so einstellbar. Im Test funktionierte dies sehr gut.
Im Freien macht die 13-Megapixel-Kamera ganz brauchbare Fotos, bei ausreichend Licht entstehen klare naturgetreue Bilder.

Acer Liquid S2: Kamera-Test-Bilder

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    Acer Liquid S2: Kamera-Beispielbilder
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    Acer Liquid S2: Kamera-Beispielbilder

Hier gibt es die Bilder in voller Auflösung.

Ungeachtet der Tatsache, dass die Kamera hinsichtlich des ringförmigen LED-Blitzes nicht überzeugen konnte, protzt die Acer-Kamera mit ihrer besonderen Videoleistung. Videos können in 4K Ultra HD, in vierfacher Zeitlupe und in „Fast Full HD“ mit 1.080p-Auflösung bei 60 fps aufgenommen werden. Der Zusatz 4K ist an dieser Stelle jedoch nicht ganz korrekt, da das Acer-Gerät Videos mit 3.840 x 2.160 Pixeln und somit „nur“ in Ultra-HD aufnimmt. 4K entspräche 4.096 x 2.160 Pixel. Von vielen Herstellern werden diese beiden Auflösungen jedoch gerne synonym verwendet oder in einer Kombination wie bei Acer, da beide Auflösungen die doppelte Zeilenzahl im Vergleich zu Full-HD (1.080 x 2= 2.160 Pixel) bieten. Die aufgezeichneten Ultra-HD-Videos werden mit 30 Bildern pro Sekunde produziert. Dies kann dazu führen, dass es bei einer Wiedergabe auf externen Geräten zu Rucklern kommt. Auch im Test konnten die auf dem Redaktions-Laptop installierten Video-Programme das hochauflösende Video nicht wiedergeben. Somit sind die Ultra-HD-Videos ein nettes Feature, im Alltag bringt es dem Durchschnitts-Nutzer jedoch „noch“ nicht wirklich viel, da dieser über einen 4K-Fernseher verfügen müsste, um sich seine Smartphone-Videos in voller Qualität anschauen zu können. Nicht zu vergessen ist der hohe Speicherbedarf, den ein 4K-Video einnimmt. Eine 35-sekündige Aufnahme benötigte 254 MB.

Zwar neigen auch viele andere Smartphone-Kameras in Innenräumen zu einem Farbrauschen und etwas Unschärfe, von einem ringförmigen LED-Blitz verspricht man sich jedoch eine bessere und nicht eine schlechtere Leistung im Vergleich zu Durchschnitts-LEDs. Daher 1,5 Punkte Abzug.

Wertung: 3,5/5

Software und Multimedia

Als Betriebssystem ist auf dem eigentlich top ausgestatteten Liquid S2 mit Android 4.2.2 eine etwas veraltete Android-Version installiert. Informationen zu einem Update liegen bisher noch nicht vor. Acer hat mit der hauseigenen Float-Nutzeroberfläche ein paar kleine Änderungen vorgenommen.

Dolby Digital Plus Acer Liquid S2
Bildquelle: inside-handy.de

Der sogenannte „Float Caller“ zeigt ankommende Anrufe nur in einem kleinen schwebenden Fenster an und nicht wie die üblichen Dialer über den gesamten Bildschirm. Ebenfalls können mit der Funktion „Freihandzeichnung“ bestimmte Ausschnitte des Bildschirms mit dem Finger markiert und als Screenshot gespeichert werden. Bei einem 6 Zoll großen Bildschirm bietet es sich außerdem an, eine Multi-Windows-Funktion anzubieten. Auf dem Acer-Gerät hält man dafür die rechte Sensor-Taste für die kürzlichen verwendete Apps gedrückt um z.B. eine Nachricht mit einer Adresse und die Karten-App gleichzeitig zu öffnen.
Eine Acer Cloud, Evernote und die Notiz-App Keep sind neben den Standard-Android-Apps ebenfalls noch vorinstalliert.

Das Liquid S2 besitzt Stereo-Lautsprecher, die sich auf der linken länglichen Seite hinter Lautsprecher-Gittern befinden. Auf voller Lautstärke ist der Ton sehr leise, dafür aber klar und nicht verzerrt. An Bass fehlt es jedoch komplett. Über die mitgelieferten Kopfhörer und bei aktiviertem Dolby Digtal Plus als Sound-Verstärker ist der Ton um einiges besser. Höhen und Tiefen lassen sich individuell einstellen, ein Unterschied ist deutlich zu hören. Ebenfalls erreichen die Kopfhörer auch eine fast schon zu laute Lautstärke. Etwas Bass war jedoch erst mit einem hochwertigeren Kopfhörer spürbar, die mitgelieferten In-Ear-Kopfhörer von Acer konnten an dieser Stelle nicht punkten.

Die Zusatz-Features von Acer sind ganz nützlich, jedoch ist die Android-Version veraltet und bisher kein Update in Sicht. Die Lautsprecher könnten für so ein großes Gerät ebenfalls lauter sein. Daher einen Punkt Abzug.

Wertung: 4/5

Akku

Auf dem Papier verspricht der 3.300 mAh starke Akku eine ordentliche Leistung. Im Test kam er jedoch schnell aus der Puste. Nach einem anspruchsvollen Testtag bestehend aus 30 Minuten Musik-Streaming, 30 Minuten Video-Streaming, 30 Minuten Spielen und 30 Minuten Surfen sowie dem Herunterladen größerer Datenmengen und dauerhaft eingeschalteten Bluetooth zeigte die Akkuanzeige nur noch 30 Prozent an. Auch die Aufnahme mehrerer Fotos und Videos und das Surfen auf verschiedenen Webseiten sind in dem Akku-Test mit inbegriffen. Über die Nacht im Standby sank die Akkuanzeige nochmals auf um neun auf 21 Prozent. Zudem ist der Akku nicht austauschbar.

Acer Liquid S2 Akkuverlauf
Bildquelle: inside-handy.de

Auf die Minute genau schaltete sich nach dem Akkutest bei 30 Prozent Akku der Energiesparmodus ein

Mit diesen vergleichsweise schlechten Werten sorgt das Liquid S2 bei Dauer-Gamern oder Pendlern nicht für ein langes Smartphone-Vergnügen. Daher zwei Punkte Abzug.

Wertung: 3/5

Fazit

Für derzeit knapp 460 Euro erhält man mit dem Acer Liquid S2 ein Oberklasse-Smartphone, das hinsichtlich des Prozessors und des Displays top ausgestattet ist. Auch die zahlreichen Videofunktionen bieten ein nettes Feature, das jedoch erst in der Zukunft im Alltag wirklich nützlichen sein dürfte, da es bisher an Abspielmöglichkeiten solcher Ultra-HD-Videos fehlt. Abstriche muss der Nutzer jedoch ganz eindeutig bei Innenaufnahmen machen, der hoch angepriese Ring-Blitz enttäuschte im Test auf ganzer Linie. Auch für Dauer-Nutzer, die ihr Smartphone ständig in der Hand haben, ist das Liquid mit seinem schwachen Akku nicht geeignet. Davon ganz abgesehen, ist das Gerät mit 234 Gramm trotz seiner Größe eindeutig zu schwer. In dieser Preisklasse gibt es einige bessere Geräte.

Testsiegel Acer Liquid S2
Bildquelle: inside-handy.de

Pro

  • High-End-Ausstattung
  • hochauflösendes 6-Zoll-Full-HD-Display
  • gute Videofunktionen (Slow-Motion, U-HD, Fast Full HD)

Kontra

  • hohes Gewicht
  • schlechter ringförmiger LED-Blitz
  • schwacher, nicht austauschbarer Akku

Alternativen

Wenn es nicht unbedingt ein 6-Zoll-Gerät sein soll, dann ist das 5,7 Zoll große Samsung Galaxy Note 3 eine mögliche Alternative. Es bietet ebenfalls ein Full-HD-Display, den gleichen starken Prozessor und ebenfalls eine Kamera mit ähnlichen Video-Funktionen. Jedoch zeigte sich der Akku im Test der inside-handy.de-Redaktion wesentlich stärker. Zudem ist es mit 168 Gramm auch wesentlich leichter und im Lieferumfang ist ein Stift zur bequemen Eingabe inklusive. Die aktuellste Android-Version 4.4.2 ist mittlerweile auch schon auf dem Note 3 angekommen.

Für Sparfüchse ist das rund 200 Euro günstigere Huawei Ascend Mate eine Alternative. Das Ascend Mate ist mit seinem 6,1 Zoll großem Bildschirm ein ähnlich großes Phablet, das allerdings nur über ein HD-Display verfügt. Der hauseigene Quad-Core-Prozessor kam im Test jedoch ebenfalls ohne Ruckler und Aussetzer daher. Besonders punkten kann das Huawei-Gerät im Vergleich zum Acer-Phablet mit seinem 4.500 mAh starken Akku, der im Test die volle Punktzahl erhielt. Auf NFC und LTE muss man bei diesem Mittelklasse-Smartphone jedoch verzichten. Alle Daten zum Acer Liquid S2, Samsung Galaxy Note 3 und Huawei Ascend Mate gibt es hier im Vergleich.

Autor: Katharina Schell

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