Huawei Matebook E im Test: schön, schnell, saftlos

12 Minuten
Huawei MateBook E
Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de

Huawei hat auf dem MWC 2016 sein erstes “professionelles” Tablet mit Windows 10 vorgestellt und taufte es MateBook. Die zweite Generation, das MateBook E, wurde zusammen mit dem MateBook X, dem nun ersten Laptop der Chinesen, der Öffentlichkeit präsentiert und muss sich im Test von inside-handy.de beweisen. Die Konkurrenz in diesem Bereich ist riesig und man legt sich mit den ganz großen der Branche an. So konnte das Samsung Galaxy Book im Test überzeugen und auch die Geräte von Microsoft, Apple und den etwas unter dem Radar laufenden Asus und Acer sind nicht zu unterschätzen. Gerade Microsoft mit seiner Surface-Reihe und Apple mit den iPads der Pro-Reihe zeigen, wo leistungstechnisch der Hammer hängt.

Unboxing des Huawei MateBook E

Das Tablet kommt mitsamt seiner Tastatur in einem hochwertigen Karton, der in einem dünnen Pappschuber steckt. Alle Verpackungsteile sind in Weiß gehalten und zum Teil mit Rosé-Goldenen Intarsien versehen. Sie weisen schon auf die Farbe des MateBook E hin, das sich im Inneren befindet: Das Tablet kommt ganz im eleganten Gold mit einer unschuldigen weißen Front – übrigens die einzige Farbkombination, die in Deutschland erhältlich ist.

Unter dem Tablet und der Anstecktastatur sind die Zubehörteile versteckt. Sie kommen dem Nutzer durch einen Klappenmechanismus beim Öffnen etwas entgegen und es entsteht ein tolles Gefühl beim Auspacken. Die schlichten Schächtelchen beinhalten einen recht großen Netzadapter, ein hochwertiges USB-Typ-C-Kabel sowie einen Adapter zum Anschluss von Peripheriegeräten. Er wird aus Plastik gefertigt und fällt bei den Materialien gegenüber dem Tablet und der Tastatur etwas ab. Dazu wird eine Schnellstartanleitung und die obligatorische Garantiekarte beigelegt.

Huawei Matebook E

Das Zubehör und die Verpackung befindet sich allgemein auf einem guten Verarbeitungs-Niveau, das sich auch in Kleinigkeiten wie dem Bändchen für das USB-Kabel widerspiegelt.

Was ist in der Box?

  • Huawei MateBook E
  • Anstecktastatur mit Sleeve
  • Anschlussadapter
  • Kabel USB Typ-C
  • Netzadapter
  • Garantieschein
  • Schnellstartanleitung

Verarbeitung und Design

Das Design des MateBook E hat sich gegenüber dem Vorgänger, dem MateBook aus dem Jahr 2016, nicht grundlegend geändert. Huawei integriert weiterhin einen abgerundeten Rahmen in sein Metall-Unibody-Gehäuse und zeigt mit dem Displayrand, der an der 1-cm-Marke kratzt, was im Bereich Display-zu-Gehäuse-Verhältnis en Vogue ist. Das Tastatur-Sleeve zeigt sich in braunem Kunstleder außen und mit weißem Plastik und ebenfalls Kunstleder innen. Es kommt mit einem goldenen Scharnier zum Kunden, was nicht jedermanns Geschmack sein dürfte, da es so einen sehr eleganten, aber auch ein wenig kitischigen Eindruck macht. Die Anschlüsse hat Huawei, bei querformatiger Ansicht, links oben und rechts unten verbaut. Der einzige USB-Port liegt rechts unten und wird als USB-Typ-C ausgeführt. Nutzt man das Tablet als Laptop-Ersatz mit der Tastatur, lässt sich so der Anschlussverteiler schick hinter dem aufgestellten Tablet verstecken und Kabel verschwinden aus dem Sichtfeld. Ganz anders sieht es bei der Klinkenbuchse aus, die in dieser Konstellation links oben angebracht ist und mit einem Kabel versehen, das selbige immer in Sichtweite auf 17 cm Höhe in den Raum absteht. Das ist kein Fauxpas, aber ein missglücktes Detail.

Huawei MateBook E
Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de

Haptik und Tastatur

Richtig stark zeigt sich das Huawei MateBook E bei der Haptik. Das 600 Gramm leichte Tablet wirkt kompakt und bietet trotz des großen Displays eine hohe Mobilität. Dazu fasst es sich prima an und macht einen hochwertigen Eindruck. Einzig an den Ecken zeigt der Übergang vom Rahmen zum Display eine fühlbare Kante, die vom guten Anfassgefühl des gesamten Tablets etwas abfällt.

Die Tastatur, die auch zum Schreiben dieses Tests genutzt wurde, kann überdurchschnittlich gut zum Tippen auch langer Texte verwendet werden. So überflügelt sie die beigelegte Tastatur des Samsung Galaxy Book bei weitem. Im Test des Galaxy Book zeigte sie sich als wabbeliger Vertreter seiner Art und fiel mit klapprigen Tasten und einer nach oben gerichteten Wölbung der Grundplatte durch. Nicht vergessen darf man dabei jedoch, dass es sich um eine Anstecktastatur handelt und eine vollwertige Tastatur für den Arbeitsplatz nicht ersetzen kann. Die Tasten haben einen feinen Druckpunkt und die Dämpfung ist zwar etwas weich, jedoch hart genug, dass die Tasten nicht direkt auf die Grundplatte schlagen. Die Finger finden wie von allein die richtigen Tasten und das gesamte Layout kann überzeugen. Einzige Ausnahme: Die Cursor-Tasten für hoch und runter sind etwas klein geraten, womit das schnelle navigieren in Texten ohne Mausunterstützung schwerfällt.

Aufgestellt und mit dem Tablet versehen zeigt sich eine Weiterentwicklung gegenüber des Vorgängermodells: Das Scharnier kann nun ohne Rastpunkte im Winkel verstellt werden, was eine komfortablere Nutzung nach sich zieht. Das Tablet und die Tastatur verbinden sich mit einem Magnet und drei Kontaktpunkten in der Mitte des unteren Rahmens des Tablets. Die Verbindung wirkt sicher, kann aber auch ohne gewaltigen Kraftaufwand gelöst werden.

Material des MateBook E

Das MateBook E kommt ganz in Metall daher und gibt sich „wie aus einem Guss“. Am oberen Rahmen jedoch wird der Rahmen nicht komplett bis zum Display nach vorne gezogen, sondern durch einen Metalleinsatz ersetzt, der die Lautsprecher, die Mikrofone und den Power-Button beinhaltet. Die Integration gelingt an dieser Stelle ordentlich, auch wenn die Übergänge deutlich spür- und zum Teil auch sichtbar sind. Die Lautsprecheröffnungen sind entgratet, würden aber einen runderen Übergang zum Rahmen vertragen. Insgesamt gibt es jedoch in der Verarbeitungsqualität wenig zu kritisieren, auch wenn an der einen oder anderen Stelle die Liebe zum Detail etwas verloren gegangen ist.

Das Design des MateBook E kann wie beim Vorgängermodell gefallen und die Verarbeitung erweist sich als gelungen. So kann Huawei hier fast aus den Vollen schöpfen.

Teilwertung: 4,5 von 5 Sternen

Display

Huawei verbaut ein 12 Zoll großes Panel mit einer QHD-Auflösung von 2.160 x 1.440 Pixeln. Damit erreicht es eine Pixeldichte von 216 ppi, was für ein Smartphone nicht mehr annehmbar, für ein Tablet mit 12-Zoll-Panel jedoch völlig ausreichend ist. Dementsprechend erkennen Nutzer nur dann einzelne Pixel, wenn unnatürlich nah an das Panel herangegangen wird. Ebenfalls unnatürlich muss das Display gedreht werden, dass beim Blick darauf Verfärbungen zu sehen sind. Die Blickwinkelstabilität insgesamt lässt wenig Wünsche offen, einzig das recht frühe Abdunkeln des Panels bei schiefer Draufsicht stört ab und an den guten Eindruck. Die Bildschirmhelligkeit wird kaum wahrnehmbar und damit sehr angenehm automatisch geregelt. Wer es dunkler oder heller haben will, kann die Helligkeit aber auch manuell verstellen. Das schützt jedoch nicht davor, dass bei heller Umgebung das Display ordentlich spiegelt und schwerlich abzulesen ist.

Huawei MateBook E
Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de

Bei den Einstellungs-Möglichkeiten des Displays geizt Huawei ein wenig: Der Kontrast oder auch die Farbwerte können nicht manuell verstellt werden. Der Nachtmodus von Windows 10 entschädigt ein wenig dafür. So ist ermüdungsarmes Arbeiten auch bei schlechtem Licht und zu später Stunde möglich.

Am Display von Huawei MateBook E gibt es wenig zu beanstanden. Trotzdem fehlen ein paar Einstellungen und die Blickwinkelstabilität sowie die Entspiegelung könnten besser sein. Damit setzt es hier einen kleinen Abzug.

Teilwertung: 4,5 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Das Huawei MateBook E kommt in Deutschland nur in der mittleren der drei bei der Präsentation vorgestellten Versionen auf den Markt. Sie bietet 256 GB Haupt- und 4 GB Arbeitsspeicher. Als antreibende Kraft kommt ein Intel-Prozessor der i-Baureihe zum Einsatz. Der i5-7Y54 gehört zur siebten Generation der Prozessoren und wird von einem HD Grafik 615 ebenfalls von Intel unterstützt. Damit sollte der Weg für ein flüssiges Nutzererlebnis geebnet sein.

Im Benchmark-Test von 3D-Mark erreicht es gut 13.000 Punkten im Test “Ice Storm Extrem”. Ein guter Wert, der jedoch nicht viel über die Leistungsfähigkeit in der Praxis aussagt. Hier ist nicht die Spitzenleistung gefragt, sondern vielmehr, dass das Nutzererlebnis stimmt. Dabei gibt es dann auch wenig zu meckern. Standardaufgaben wie das Surfen im Internet oder Textverarbeitung gehen ohne jegliches Zucken des Tablets von der Hand. Wird es anspruchsvoller sind die Grenzen jedoch auch schwer auszureizen. Videoschnitt oder Stapelverarbeitung mit großen Bildern zwingen das MateBook E dann doch irgendwann in die Knie. Dann jedoch dauert es nur, aufgegeben hat es im Test nie.

Huawei MateBook E
Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de

Die Verbindungsmöglichkeiten gestalten sich kabellos wie auch kabelgebunden vielfältig. Zweiteres allerdings nur, wenn auch der Hub angeschlossen wird. Ohne ihn zeigt sich das MateBook E etwas verbindungsfaul.

Nutzt man das Huawei MateBook E für das, für was es entwickelt wurde, kann es bei der Leistung, wie auch bei den Verbindungsmöglichkeiten überzeugen. Ein Videoschnittrechner oder ein Gaming-Laptop kann es freilich nicht ersetzen.

Teilwertung: 4,5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Bei der Software installiert Huawei Windows 10 auf dem MateBook E und verändert wenig daran. Auch bei der beigelegten Software sind die Chinesen eher puristisch unterwegs. Die Integration des Eingabe-Stifts jedoch kann als gelungen bezeichnet werden. Er hilft ungemein, gerade wenn der Nutzer ohne Maus und im Desktop-Modus in Windows 10 unterwegs ist. Dann nämlich sind Symbole und Schaltflächen arg klein auf dem MateBook E dargestellt.

Die Musikabteilung wird von zwei Lautsprechern im Rahmen des Huawei MateBook E angeführt die einen satten Klang in die Welt blasen. Darüber hinaus wird keine Hardware bereitgestellt, was jedoch auch verständlich ist. Die Software basiert hier auf dem Windows-10-Musik-Player, der mit den Standard-Attributen daher kommt und dementsprechend unaufgeregt seinen Dienst tut.

Windows 10 kann auf dem Huawei MateBook E gefallen und mit dem Stift der Chinesen macht die Bedienung sogar ohne Maus Spaß. Die Multimedia-Abteilung kann sich auf ihre tolle Hardware verlassen, die beispielsweise beim Spielen für einen massiven Soundteppich sorgt.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Akku

Der Akkutest beinhaltet in den ersten acht Stunden eine aktive Nutzung des Tablets mit jeweils 30 Minuten spielen, Video Streamen, Radio hören und surfen. Dazu werden in dieser Zeit Screenshots erstellt und Uploads und Downloads getätigt. Nach der ersten Phase schließt sich eine zweite an, in der die Standby-Zeit von 16 Stunden durchlaufen wird in der nichts mit dem Smartphone getan wird.

Der Akku des Huawei MateBook E wurde im achstündigen Intensivtest mit einigen Alltagssituationen belastet und kommt dabei nicht gut weg. Mit lediglich 33 Prozent Restenergie wird es knapp für einen vollen Tag intensiver Nutzung. Hier zeigt sich das MateBook E eher als Freizeitgerät, das oft auch im Standby gesetzt und nicht dauerhaft genutzt wird. Die Standby-Zeit von 16 Stunden wurden vom MateBook E dazu verwandt, weitere 12 Prozentpunkte der Energie in Wärme umzuwandeln und damit am Ende des Akku-Tests 21 Prozent Restenergie anzuzeigen.

Beschwichtigend muss man bei einem doch recht schlechten Akkuergebnis auch anführen, dass Windows 10 mit vielen Möglichkeiten aufwartet, die Akkulaufzeit zu verlängern. Die grundsätzliche Laufzeit des MateBook E ist jedoch nicht berauschend.

Teilwertung: 2,5 von 5 Sternen

Fazit

Das Huawei MateBook E ist ein stylischer Begleiter für den Alltag und das Büro. Allerdings nur, wenn man nicht auf Ausdauer und Höchstleistung angewiesen ist. Eine Steckdose sollte also immer in der Nähe sein und aufwendige Anwendungen wie Videoschnitt und monströser Parallelbetrieb sollten vermieden werden.

Huawei MateBook E

Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen

Pros des Huawei MateBook E

  • starkes Display
  • tolles Design
  • gute Verarbeitung

Contras des MateBook E

  • schwacher Akku
  • Standard-Software
  • Wenige Anschlüsse ohne Hub

Wer jedoch eine digitale Schreibmaschine mit optischen Reizen und genug Reserven sein Eigen nennen will, der ist beim Huawei MateBook E an der richtigen Stelle. Der Preis zum Marktstart lag bei über 1.100 Euro und kann so als anspruchsvoll bezeichnet werden. Bei den einschlägigen Online-Händlern kostet es mittlerweile zwischen 800 und 900 Euro und gehört damit in eine Kategorie unterhalb des Samsung Galaxy Book, das als elegantes Arbeitstier mit einer 4,5 von 5 Sterne-Wertung aus dem Test von inside-handy.de ging.

Verglichen mit dem Konkurrenten Microsoft hat Huawei etwas zu befürchten. Das Surface Pro 4 hat wegen der Marktmechanismen zwar schon ordentlich an Wert verloren und es gibt das Surface in allen Ausstattungsvarianten bereits weit günstiger als zum Marktstart und zum Teil auch günstiger als das Galaxy Book. Die Ausstattungsvariante mit Intel Core i5 und 256 GB Speicher kostet zur Zeit unter 1.000 Euro. Trotzdem sollte man das Huawei MateBook E nicht abschreiben. Der Markt wird zeigen, inwieweit sich der Preis noch drücken lässt und gegebenenfalls muss dann neu verglichen werden.

Der dritte Hauptkonkurrent heißt Apple und wirft sein iPad Pro in den Ring. Das 10,5 Zoll große Tablet kann wie das Galaxy Book mit LTE geordert werden und hat technisch ebenfalls viel zu bieten. Der große Unterschied ist hier das Betriebssystem, bei dem Apple auf seine eigene Software baut und damit nicht ins Microsoft Universum rund um Windows 10 eintritt. Die Preise sind im Vergleich nicht dem Preisverfall unterlegen: Das Apple iPad Pro 10.5 LTE kostet gut 1.200 Euro und ist somit teurer als das MateBook E.

Bildquellen:

  • Huawei MateBook E: Michael Büttner / inside-handy.de
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Michael Büttner
Michael liebt Technik und ist stellvertretender Chefredakteur bei inside handy. Anderen auch bekannt als der Franke in Bonn, der Macher oder der Handwerker für sämtliche Reparaturen der Redaktion. Nach Praktika bei der Neuen Presse in Kronach, den Nürnberger Nachrichten und dem Systemkamera-Blog, startete Michael bei inside handy und verdient sich seine Sporen vor allem im Hardware-Bereich. Balanciert er mal nicht zwischen Tagesgeschäft, Testgeräten und Co, betätigt er sich ab und an als Jäger im Pokémon-Dschungel. Ein ungewöhnlicher Anblick wäre es dabei nicht, ihm dank seiner Boulder-Fähigkeiten kletternd an einer Felswand zu begegnen. Abseits dessen begeistert er sich für Fotografie, Wanderungen, kulinarische Feste und Blasius Kawalkowski.

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