So tricksen Amazon und Co. bei Rabatten

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Karton von Amazon
Bildquelle: Michael Stupp / inside-handy.de
Immer wieder verleiten Online-Händler mit einem Cyber Monday, Black Friday oder dem Amazon Prime Day Menschen zum Kauf von Dingen, die sie häufig nicht benötigen. Sie locken mit Angeboten und Tiefstpreisen. Allerdings sind die Rabatte sehr häufig Nebelkerzen – der aufgedruckte Rabatt hat meist wenig mit der Realität zu tun. Die inside handy Redaktion gibt Tipps, mit denen Nepp-Angebote ausfindig gemacht werden können.

Ob 70 Prozent auf ausgewählte Ware oder Zwei zum Preis von einem: Beim Amazon Prime Day soll man das Gefühl bekommen, richtige Schnäppchen zu schießen und die Ware mehr oder weniger hinterhergeschmissen zu bekommen – gerade Technikprodukte wie Smartphones werden gerne „knallhart rabattiert“ angeboten. Dies ist oft mehr Schein als sein, wie die folgenden Tipps zeigen:

Herstellerpreis vs. Straßenpreis

Wenn mit Rabatten in Höhe von XY Prozent geworben wird, soll der Kunde denken, dass das Gerät vor der Aktion noch ein Vielfaches mehr gekostet hat. Tatsächlich ist der Referenzpreis von dem die Prozentzahl abgezogen wird in der Regel die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers und gegebenenfalls längst überholt. Im Vergleich zum so genannten „Straßenpreis“ zu dem das Smartphone im freien Handel verkauft wird, ist der angezeigte Rabatt um einiges kleiner. Ein Beispiel: Ein Handy wird vom Hersteller für 200 Euro auf den Markt gebracht, nach einiger Zeit wird es im Handel regulär für 150 Euro angeboten. Am Black Friday – oder dem Prime Day – bietet der Händler das Gerät allerdings für 100 Euro an und bewirbt es mit einem Preisnachlass von 50 Prozent. Die tatsächliche Ersparnis, nämlich die gegenüber der vorher beim selben Händler veranschlagten 150 Euro, liegt dann allerdings nur bei knapp 33 Prozent.

Mit diesem Trick, der teilweise noch weiter auf die Spitze getrieben wird, kommen „Mega“-Rabatte wie 70 Prozent zustande. Gerade im Bereich Smartphones lässt sich offensiv mit hohen Rabatten werben, da die Geräte – insbesondere solche mit Android-Betriebssystem – relativ schnell an Wert verlieren.

inside handy bietet zu jedem Gerät einen Preisvergleich an, der den aktuell günstigsten und realistischsten Preis angibt – ein Vergleich vor dem Kauf lohnt sich immer.

Die Mär von der geschenkten Mehrwertsteuer

Eine gern gesehene Rabattaktion bei Technik-Angeboten ist die geschenkte Mehrwertsteuer. Zwar ist vielen Kunden geläufig, dass der Staat keinesfalls auf die ihm zustehenden 19 Prozent verzichtet, allerdings wird durch die Werbung suggeriert, dass man eben diese 19 Prozent tatsächlich einspart. Unabhängig davon, dass als Referenz womöglich ebenfalls der Herstellerpreis angegeben wird, geht die Trickserei in diesem Punkt noch etwas weiter:

Im Regelfall wird die Mehrwertsteuer auf den Netto-Preis der Ware erhoben, anstatt vom Bruttobetrag abgezogen. Was mathematisch klingt, ist mit einem Beispiel einfach zu erklären: beträgt der Warenwert eines Geräts 100 Euro, wird es an einer deutschen Kasse normalerweise 119 Euro kosten, da von diesen 119 Euro die Steuer abgeführt werden muss. Wenn der Händler nun mit „Mehrwertsteuer geschenkt“ wirbt, reicht es aus, wenn er etwas mehr als 15 Prozent abzieht um auf einen Nettobetrag zu gelangen, der plus 19 Prozent den Ausgangs-Brutto-Betrag ergibt. Der tatsächliche Rabatt beträgt bei dieser Masche also keineswegs 19, sondern knapp 16 Prozent.

Zeit- und Mengen-Limits mit Argwohn beachten

Speziell im Online-Handel werden Kunden zum Kauf gedrängt: Viele Angebote werden als zeitlich und in der Menge limitiert angeboten: Damit wird dem Kunden Druck gemacht, ein Produkt möglichst schnell und am besten ohne weiter nachzudenken zu kaufen, da ansonsten entweder ein Countdown abläuft oder das Produkt angeblich vergriffen ist. Zwar sind diese Angebote nicht immer zwingend gelogen, eine etwaige Warenknappheit wird jedoch nicht selten künstlich erzeugt.

Augen auf beim Zubehör-Kauf

Online-Händler haben ein Ziel: verkaufen, verkaufen, verkaufen – und das pro Kunde möglichst viel. So werden Systemangebote geschnürt, bei denen ein Kunde ein Produkt mit Zubehör angeboten bekommt. Der Endpreis des Pakets liegt zwar über dem des eigentlich zu kaufen beabsichtigten Produkts, aber unter dem der summierten Einzelpreise der zusammengeschnürten Waren. Dennoch sollte auch hier mit Argusaugen verglichen werden, ob die Zusatzprodukte womöglich bei anderen Händlern günstiger sind und vor allem – ob man das Zubehör wirklich braucht und bereit ist, mehr Geld in die Hand zu nehmen. In der Regel wurde der Online-Marktplatz nämlich mit der Absicht betreten nur für ein Produkt Geld auszugeben – die Rechnung wird durch ungeplantes Zubehör in die Höhe getrieben.

Seriösität des Angebots prüfen

Günstige Angebote können zu überhasteten Käufen führen. Das ruft natürlich auch Betrüger auf den Plan, die das schnelle Geld suchen. Die Amazon Plattform ist dadurch schon seit langem Ziel solcher Geschäfte. Oft und gerne werden unbemerkt Technikangebote zu Traumpreisen angeboten und können sich schnell als Fake herausstellen. Diese Angebote sollten genau überprüft und nicht mit Cyber Monday, Black Friday oder Prime Day- Angeboten verwechselt werden. Im Zweifel sollte man lieber vom Kauf absehen. Am sichersten ist es, direkt über die Amazon-Kasse zu kaufen. Das böse Erwachen gibt es spätestens dann, wenn der Artikel nicht die gewünschte Qualität aufweist oder gar nicht erst zuhause eintrifft. In einem solchen Fall sollte man sich sofort mit dem Kundendienst in Verbindung setzen. In der Regel verhält sich Amazon dabei kulant, auch wenn der Kauf nicht direkt über den eigenen Store gemacht wurde.

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