Handys für Kinder: Das sollten Eltern beachten

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Kinder mit Handys (Symbolbild)
Bildquelle: stacestock / Adobe Stock
Mittlerweile gibt es für fast alle Lebenslagen das passende Handy: Outdoor-Smartphones und Seniorenhandys sind nur zwei Beispiele. Doch auch an die Jüngsten wird dabei gedacht. Was es beim Kauf eines Kinderhandys zu beachten gibt, hat die Redaktion von inside-handy.de zusammengestellt und die wichtigsten Aspekte, die Eltern berücksichtigen sollten, in einem Ratgeber zusammengefasst.

Vor zehn Jahren praktisch noch undenkbar, heute Normalität: Kinder und Handys. Kaum sind die Kleinen in der Grundschule ankommen, fangen zu Lesen und zu Schreiben an, stellt sich für viele Erziehungsberechtige schnell auch die Frage nach dem Thema Sicherheit. Schließlich möchte man seinen gut erzogenen Nachwuchs speziell im Kindesalter am liebsten auf Schritt und Tritt folgen können. Außerdem will man auf keinen Fall riskieren, dass die Abkömmlinge zu Außenseitern unter den Mitschülern werden und deswegen womöglich Schwierigkeiten haben innerhalb der Klasse oder auf dem Pausenhof anzuknüpfen. Eigene technische Erfahrungen zu machen, ist heutzutage ebenso notwendig und gehört in unserer modernen Gesellschaft dazu. Eine nahliegende Lösung für die Eltern: „Wir kaufen unserem Kind ein Handy.“ Doch die Auswahl an kindgerechten Mobiltelefonen ist mittlerweile auf ein stattliches Maß angewachsen. Hinzu kommt die Problematik der Zugriffsbeschränkung auf gewisse Bereiche und Dienste. Schließlich sollen unangemessene Inhalte und unerwartete Mehrkosten zum Beispiel durch Käufe von bezahltem Inhalt vermieden werden.

Wann sollten Kinder ein Handy bekommen?

Das Alter eines Kindes ist weniger entscheidend bei der Frage nach dem Kauf eines Handys oder Smartphones, sagt Celina Kranich von der Computerhilfe der Deutschen Telekom. Viel wichtiger sind das Verhalten und der Umgang mit einem entsprechenden Gerät. Eltern sollten ihr Kind daher gut beobachten, um festzustellen, ob ein eigenes Handy bereits sinnvoll wäre oder nicht. Hat es beispielsweise Schwierigkeiten einen Weg aus der digitalen Welt zu finden, weiß also nicht von alleine wann Schluss ist oder beschäftigt sich trotz Absprachen oder festgesetzter Regelungen tagein, tagaus damit, ist es womöglich noch zu früh den Nachwuchs mit einem eigenen Gerät mit Internetzugang zu betrauen.

Oft lässt sich diese Verhaltensweise im Vorhinein ergründen, indem dem Kind zum Beispiel ein Smartphone eines Elternteils etappenweise, etwa für dreißig Minuten zur Verfügung gestellt wird. So können in kurzer Zeit erste Rückschlüsse bei der Handhabung und dem Einfluss des Gerätes auf den Sohnemann oder die Tochter gewonnen werden. Wie bereits erwähnt, sollten Eltern dabei grade zu Beginn Obacht geben und das Kind auf keinen Fall alleine mit dem Gerät hantieren lassen.

Problematik intesiver Handynutzung

Das Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) weißt darauf hin, dass es bei intensiver Handynutzung zu drei unterschiedlichen Problemrichtungen kommen kann. Finanzielle Ausgaben können sich, trotz sinkender Preise für Surfen und Prepaidhandys erhöhen, da Kinder und Jugendliche oft den Kostenüberblick verlieren. Desweiteren können sich jugendtypische Erfahrungen verändern, wenn das Erlebte nur über das Smartphone stattfindet. Die Problematik dabei: Ohne Handy kann sich das Gefühl einstellen, aus dem Freundeskreis ausgeschlossen zu sein. Zudem kommen Jugendliche eher an Inhalte, die sich um Gewalt, Pornografie oder problematische politische Inhalte drehen.

Kind mit Smartphone (Symbolbild)
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Umgang regulieren

Sobald die Entscheidung gefallen ist und tatsächlich ein neues Mobiltelefon ins Haus kommt, wird es wichtig gewisse Rahmenbedingungen zu setzen. In diesem Zusammenhang sollte der Umgang grade in der ersten Zeit klar reguliert und reglementiert sein und gegenseitig getroffene Abmachungen eingehalten werden, wie Kranich erklärt. Dazu gehört, wie lange und wie oft das Smartphone genutzt werden darf. Falls nicht bereits vorhanden, erleichtert ein Zeitplan, in den diese Nutzungszeiten eingetragen werden den Überblick. Auch Auszeiten sollten festgelegt sein. Dabei bietet es sich an, einen festen Ablageort für das Smartphone zu bestimmen, der von den Eltern gut eingesehen werden kann. Sollte das Kind doch mal auf die Idee kommen das Handy abseits der Nutzungszeiten verwenden zu wollen, kann diese Maßnahme die Hemmschwelle erhöhen. Beim gemeinschaftlichen Essen sollte das Gerät nichts zu suchen haben. Hier ist auch das Vorbild der Eltern gefragt, um klare Verhältnisse zu schaffen. Richtlinien über die Nutzung von Apps und Internetseiten sollten im Vorfeld eingerichtet werden, sind bei fortschreitenden Alter aber erweiterbar. Es bietet sich an, beliebte Social-Media-Dienste und Apps wie Whatsapp, Facebook, Twitter und Instagram als erste zu berücksichtigen und entsprechend des Alters und Verhaltens zu beschränken. Weitere Spiele und Apps sollten zusammen ausgewählt und nur von den Eltern auf das Handy installiert werden. Wichtig ist, dass die Regeln von Eltern und Kindern gemeinsam aufgestellt werden.

Das eigene Kind aufklären

Kranich weißt weiter darauf hin, dass Eltern möglichst offen mit ihrem Kind über Verhaltensregeln und den Umgangston im Netz sprechen und darauf hinweisen sollen, was passieren kann, wenn private Inhalte wie Fotos oder Ortsangaben unüberlegt veröffentlicht werden. Eigene Erlebnisse helfen oft dabei dem Kind Sicherheit zu geben und Vertrauen aufzubauen. Im Fall, dass doch mal etwas schief geht, weiß es, dass es darüber sprechen kann und keine Angst haben muss.

Grade in Communitys besteht das Risiko, mit unangemessenen Inhalten konfrontiert zu werden, warnt das BMFSFJ. Oft finden sich Diskussionsgruppen, die beispielsweise Magersucht propagieren oder Drogenkonsum verherrlichen. Kinder und Jugendliche geben oft viel privates Preis. Das geht von Kontaktdaten bis hin zu freizügige Fotos, um sich interessanter zu Präsentieren. Über das Smartphone geht das besonders einfach. Per integrierter Kamera lassen sich Fotos machen und sofort über ein Profil hochladen. Ist die Profilsteite dann auch noch öffentlich, steht einer Identifizierung und Belästigung durch Unbekannte nichts mehr im Wege. Hier gilt es, ebenfalls klare Regeln zu setzen und die Profile des Kindes ab und an zu kontrollieren.

Wie richtet man das Handy am besten ein?

Sogenannte In-App-Käufe, also das Erwerben von digitalen Inhalten innerhalb einer App sollten deaktiviert werden, da viele Anbieter mit sogenannten Freemium-Inhalten werben. Beim Spielen kann das jedoch teuer werden, da zusätzliche Umgebungen oder Elemente mit Extrakosten verbunden sind. Oft wird das von Kindern übersehen oder einfach übergangen, weil die Neugier zu groß ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Überprüfung und Aktivierung des Jugendschutzes. Sonderrufnummern, Auslandsnummern und Drittanbieter sollten ebenfalls gesperrt werden.

Über Apps wie Kids Place lässt sich eine Kindersicherung oder ein extra Internet-Browser auf Android-Smartphones installieren. Eltern finden das Programm im Google Play Store. Kids Place funktioniert dabei mit einer vierstelligen Geheimzahl, die beim erstmaligen Start der Software festgelegt werden muss. Zusätzlich dazu bietet es sich an eine E-Mail-Adresse zu hinterlegen, sollte man die Geheimzahl doch mal vergessen haben. Damit das Kind die Schutzumgebung nicht verlassen kann, sollte die Funktion „Hometaste sperren“ in den App-Einstellungen aktiviert werden. Das Verlassen ist jetzt nur noch über die Eingabe der Geheimzahl möglich. Über eine Symbol-Auswahl aller installierten Apps kann festgelegt werden, was das Kind nutzen darf. Ist das Smartphone dauerhaft im Besitz des Kindes sollte die App beim Einschalten des Gerätes automatisch mit gestartet werden. Des Weiteren lotsen Apps wie fragFinn den Nachwuchs auf kindgerechte Internetseiten und bieten damit zusätzlichen Schutz vor unerwünschten Inhalten. Dabei listet die eingebaute Suchmaschine pädagogisch geprüfte Websites auf, die für Kinder von sechs bis zwölf Jahren geeignet sind. Das Programm ist ebenfalls für Android und iPhone verfügbar.

Ratgeber Kinderhandys
Bildquelle: inside-handy

Welches ist das beste Kinderhandy?

Auch hier liegt die Entscheidung natürlich bei den Eltern. Hilfreich ist es, ein Model auszuwählen, dessen Betriebssystem bereits bekannt ist. Somit können dem Kind die wichtigsten Funktionen gezeigt und erklärt werden. Die Wahl sollte aber in jedem Fall auf ein Handy mit langer Akku-Laufzeit und möglichst einfacher Bedienung fallen. Sicherheitsfunktionen und -einstellungen helfen bei der Heranführung. Gerne darf es dabei auch robust sein. Outdoor-Handys bieten sich an und ermöglichen im Alltag eine bessere Widerstandfähigkeit gegen Umwelteinflüsse und einen groben Umgang. Auch auf Strahlung und die damit verbundenen Grenzwerte sollte ein Auge gelegt werden. Vor dem Kauf sollte feststehen, ob es tatsächlich ein neues Handy sein muss oder ob das eigene alte Smartphone nicht auch den nötigen Zweck erfüllt. 

Feature-Phones für Kinder

Bei mehreren attraktiven Modellen, kann das Kind durchaus mitentscheiden, wenn es um die Frage nach dem Design geht. Schließlich wird das Gerät primär von Tochter oder Sohn genutzt und soll dem Nachwuchs auch optisch gefallen. Wie bereits erwähnt, ist es von Vorteil die Funktionalität der Modelle zu kennen. Ist das nicht der Fall, kann es notwendig sein, sich damit auseinanderzusetzen, um Erklärungsnöte zu vermeiden und wichtige Eigenschaften nicht zu übersehen. Soll es möglichst einfach sein, bieten sich Feature-Phones an: Modelle wie das Nokia 105, das Caterpillar CAT B30 oder das Sony Ericsson W890i sind empfehlenswert. Erstere liegen preislich bei 30 beziehungsweise 70 Euro. Das Sony-Modell schlägt mit etwa 130 Euro zu buche. In jedem Fall ist es ratsam die Geräte untereinander zu vergleichen und im Vorfeld festzulegen auf welche Merkmale und Eigenschaften wert gelegt wird. Oft ist es auch hilfreich hierzu eine Liste aller gewünschten Eigenschaften der Priorität nach zu erstellen und von oben beginnend mit der Ausstattung des jeweiligen Handys abzugleichen.

Smartphones für Kinder

Soll es ein Smartphone mit Touch-Screen und voller Funktionalität wie Internetanbindung, Messaging über Whatsapp und Co., sowie Multimedia-Features sein, sollte ebenfalls auf Robustheit, einfache Bedienung und den Preis geachtet werden. Es bietet sich also die Einsteigerklasse mit möglichst einfachem Android oder Apples iPhones in älteren und damit günstigeren Versionen an. Gerade in der Einsteigerklasse kann der Smartphone-Markt auch mit kräftigen Farben und eher poppigen Designs aufwarten. Dazu können hier ab und an die Smartphone-Rückseiten getauscht werden, was dazu führt, dass das Äußere selten langweilig wird und der Spaß am Gerät länger erhalten bleibt. Alternativ dazu lassen sich viele Smartphones mit bunten Hüllen von Drittanbietern ausstatten.

Beispielhaft können also die folgenden Smartphones genannt werden:

Günstige und gute Smartphones lassen sich auch in der Mittelklasse des vergangenen Jahres finden. Die besten Handys unter 200 Euro beim aktuellen Marktpreis hat inside-handy.de in einem gesonderten Artikel aufgelistet. 

Welcher Vertrag ist sinnvoll?

Besonders gut eigenen sich für Kinder Prepaid-Karten. Der Vorteil: Eine vollständige Kostenkontrolle gegenüber Laufzeitverträgen. Eine Hohe Rechnung ist damit ausgeschlossen. Vertelefoniert kann nur das, was an Guthaben zuvor aufgeladen wurde. Darüber hinaus können Eltern ein monatliches Maximal-Budget festlegen. Diese Funktion wird mittlerweile von vielen Netzbetreibern angeboten. Achtung: Echtes Prepaid ist hier wichtig. Viele Anbieter haben sogenanntes Pseudo-Prepaid. Die Abrechnung erfolgt hierbei erst 24 Stunden später. Theoretisch kann das am Ende des Tages zu einem Minusbetrag führen. Bei tatsächlichen Prepaid Karten ist das nicht möglich. Das Gerät sollte dementsprechend nur durch manuelles Aufladen aktivierbar sein. Etwa durch eine Guthabenkarte oder einen Coupon von Tankstelle, Zeitungshändler oder Supermarkt. Nachteil: Ist das festgelegte Budget vor Ablauf des Monats wirklich mal aufgebraucht, lassen sich nur noch die bekannten Notrufnummer und gegebenenfalls Servicenummern des Anbieters anrufen. Der Guthabenstand sollte also regelmäßig überprüft werden.

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