waipu.tv startet 2019 die waiputhek

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waipu.tv-Chef Christoph Bellmer. Im Hntergrund sind Fernseher zu sehen.
Bildquelle: Exaring AG
Der Steamingdienst waipu.tv bringt sich beim Rennen um eine Super-Mediathek ins Spiel: waipu.tv will im kommenden Jahr die waiputhek starten. Das soll deutlich mehr sein, als nur eine Mediathek unter anderem Namen, wie waipu.tv-Chef Christoph Bellmer im Gespräch mit inside handy verraten hat.

In den vergangenen Monaten ist in vielen Diskussionen das Thema Super-Mediathek aufgekommen. Eine solche Super-Mediathek hatten RTL und ProSiebenSat1 bereits Anfang des Jahrzehnts geplant. Sie wurde aber vom Bundeskartellamt verboten. Nun hat ProSiebenSat1 einen neuen Anlauf unternommen und wirbt dafür, dass andere Sender wie RTL, ARD und ZDF ihre Inhalte für 7TV – ein Joint Venture mit dem in USA beheimateten Discovery – bereitstellen. Das bedeutet, dass Big Bang Theory, Galileo und die Inhalte von Eurosport künftig aus einer Hand kommen.

waipu.tv-Chef Christoph Bellmer weist im Gespräch mit inside handy jedoch darauf hin, dass waipu.tv die bessere Plattform-Alternative für eine Super-Mediathek wäre. Durch seine von Sendern unabhängige Gesellschafterstruktur sind aus Bellmers Sicht kartellrechtliche Themen, die Fragen der technischen Hoheit und andere medienpolitische Fragen – gerade, wenn ARD und ZDF sich beteiligen würden- deutlich unkomplizierter.

waiputhek kommt 2019

Als unabhängige Streaming-Plattform will waipu.tv im kommenden Jahr deutlich mehr auf On-Demand-Inhalte setzen. „Wir glauben die Mediathek gibt es schon, waiputhek noch nicht. Die waiputhek wird die Mediathek sein, die sich an Sie als Zuschauer anpasst“, gibt Bellmer einen Ausblick. Das meiste, was in den bisherigen Mediatheken geschaut wird, sei nur der zeitversetzte Inhalt aus dem Fernsehen, meint der waipu.tv-Chef. Aber nur ein ganz geringer Prozentsatz der generell verfügbaren Inhalte der Mediatheken würden auch wirklich abgerufen. Einer der Gründe: Der Zuschauer findet die Inhalte gar nicht. „Deswegen werden wir dem Zuschauer auf der Couch mit der waiputhek entsprechende Empfehlungen machen. Die Vorlieben kann der Nutzer von waipu.tv selber einstellen, beispielsweise sein Lieblings-Film-Genre oder einen Lieblingsschauspieler.“

Die Idee von waipu.tv: Die Empfehlungen sollen nicht nur innerhalb eines Senders oder einer Sendergruppe ausgespielt werden, sondern übergreifend. So würden letztlich auch Inhalte aufgefunden werden, von denen der Zuschauer bis dato gar nicht wusste, dass es sie gibt. Im Laufe der Zeit, so der Plan, soll sich die waiputhek auch immer weiter verbessern und dem Nutzerverhalten anpassen. Gespräche mit verschiedenen Sendern liefen bereits. Damit wäre die waiputhek eine Super-Mediathek mit den Inhalten vieler Sender und einer eigenen, übergreifenden Oberfläche. Der Start ist innerhalb des ersten Halbjahres 2019 geplant.

waipu.tv will Streamingkosten der Sender übernehmen

„Wir bieten den TV-Sendern auch an, dass wir die Inhalte bei uns speichern und in unserem Netz ausspielen“, sagt der waipu.tv-Chef. Zuletzt hatte sich der technische Direktor des ZDF, Andreas Berezky, über die hohen Streaming-Kosten beklagt, die inzwischen durch die vom ZDF ausgespielte Mediathek entstehen. „Wir entlasten die Sender gerne von diesen Kosten, wir müssen nur die Video-Inhalte auf unsere Server gespiegelt bekommen“, so Bellmer. Es sei nicht sinnvoll, aus der waipu.tv-Oberfläche wieder auf die Mediatheken der Sender zu verweisen. Das widerspräche der Nutzerführung. Außerdem blieben dann die Streaming-Kosten bei den Sendern, macht der Streaming-Anbieter-Chef den Sendern seine Pläne schmackhaft.

Neben der waiputhek, die dem Nutzer On-Demand-Inhalte empfehlen soll, stehen bei waipu.tv im kommenden Jahr aber auch viele andere Themen an. „Wir haben viel vor in 2019. Das geht von neuen Streaming-Angeboten über eine deutlich bessere Nutzerführung hin zu neuen Partnern im B2B-Bereich.“

New Channel: TV-Kanal werden, ohne Fernsehsender zu sein

Auch in dem von waipu.tv als New Channel bezeichneten Bereich werde es Neuigkeiten geben. „Wir wollen Inhalteanbietern die Möglichkeit geben, ihre Inhalte besser zu monetarisieren, als es bisher möglich ist.“ Bei YouTube als großer Streaming-Plattform können Content-Anbieter nach Angaben von Bellmer mit einem Erlös zwischen 50 Cent und 5 Euro pro tausend Zuschauer rechnen. waipu.tv könne hingegen 20 Euro und mehr erreichen. „Wir können Zuschauer zielgenau mit Werbung adressieren, die Streuverluste von klassischer Werbung minimieren und können Kauf-Buttons in Werbespots einbinden, die in ersten Tests auch sehr gut angenommen wurden.“ Alternativ könne auch ein Kanal auf die Plattform kommen, der vor allem die Marke des Unternehmens transportieren soll. Als Beispiele nennt Bellmer den ADAC, der gerade als neuer Kanal gestartet ist oder Paramount, die zum Start eines neuen Mission Impossible Films als Popup-Kanal zu sehen waren.

„Wir können beim Partner vorhandene Inhalte quasi über Nacht als TV-Kanal online stellen.“ Dadurch könnten Inhalteanbieter sich neben normalen TV-Sendern positionieren, ohne dass sie eine Sendelizenz haben oder große Investitionen haben. Beim ADAC werden bestehende Inhalte von anderen Videoplattformen genommen, hintereinander gereiht und in ein Sendeschema samt EPG-Daten aufbereitet. Das ist aber nur ein Anfang: Künftig seien auch Live-Schaltungen über solche Kanäle möglich. Eine komplett neue Fernseh- und Video-Welt soll sich so im Bereich des sonst oft so verstaubt wirkenden klassischen Fernsehens auftun.

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