Vodafone/Unitymedia-Fusion: Darum sind (fast) alle dagegen

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Flaggen mit dem Vodafone-Logo wehen vor der Konzernzentrale in Düsseldorf
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy
Die Fusion von Vodafone und Unitymedia ist immer noch in der Schwebe. Doch selbst wenn die EU ihr zustimmt, werden die Wettbewerber das nicht durchwinken. „Selbstverständlich werden wir gerichtlich kämpfen“, sagt beispielsweise Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner.

Mit der Fusion von Unitymedia und Vodafone entstünde ein TV-Kabel-Netzbetreiber, der ganz Deutschland abdeckt. „Ich finde das nicht gut“, sagte EWE-Tel-Chef Norbert Westfal im Rahmen einer Podiums-Diskussion auf der Anga Com. „Der Regulierer hat einmal entschieden, die Kabelnetze zu trennen. Jetzt sind dann bald wieder alle Kabelnetze beisammen.“ Dabei habe sich der Markt nicht so verändert, dass man das nachvollziehen könne. „Ich glaube eher, die Kabelnetze sind heute mächtiger als früher.“ EWE Tel versorgt im Nordwesten Deutschlands zahlreiche Haushalte mit VDSL und Glasfaser. ADSL werde man aber bald abschalten.

Vodafone hatte vor einigen Wochen angekündigt, im Fall einer Genehmigung der Fusion den Mitbewerber O2 das Kabel-Netz mitnutzen zu lassen. Doch auch dieser Schritt stößt auf Kritik. „Das ist Open Access für genau einen Anbieter, der zwar Mobilfunker ist, aber kein eigenes Festnetz hat“, begründet Westfal seine Kritik. O2 sei damit dann künftig in der Lage, wie Telekom und Vodafone Bündelprodukte anzubieten. „Wir als EWE werden das nicht können, weil es keine Diensteanbieterverpflichtung für 5G gibt. Wir sind strikt gegen die Fusion.“ Würde sein Unternehmen ein Angebot für den Zugang zum Kabelnetz bekommen, würde er sich den Vertrag aber gerne intensiv anschauen. Eine Pauschale Abnahmezusage wollte er aber nicht geben – es liege letztlich an den Konditionen.

Dass die Telekom gegen die Fusion der beiden Kabelanbieter ist, sagt sie schon seit einem Jahr. Das unterstrich Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner auch erneut. „Wir halten diese Fusion für nicht genehmigungsfähig. Und wir werden dagegen kämpfen.“ Das schließe auch gerichtliche Schritte im Fall einer Zustimmung durch die EU Kommission ein. „Dass wir das einfach durchgehen lassen, halte ich für unwahrscheinlich.“

Wössner: Fusion bringt nicht einen zusätzlichen Gigabit-Anschluss

Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter versteht, dass die Wettbewerber nicht erfreut über die Fusion sind. „Dass dagegen angekämpft wird, verstehen wird. Aber wir sind nicht marktmächtig“, so Ametsreiter. Er argumentierte, dass Vodafone mehr Gigabit-Anschlüsse für Deutschland bauen wolle. Dazu sei die Fusion notwendig. Diese Aussage allerdings sorgte für heftige Reaktionen bei Wössner: „Sie bauen durch die Fusion nicht einen Anschluss mehr mit Gigabit aus. Die Kabelnetze sind da. Und sie werden mit DOCSIS 3.1 ausgebaut, damit Sie Gigabit anbieten können. Dafür brauchen Sie keine Fusion.“

Es müsse außerdem primär darum gehen, die etwa drei Millionen Haushalte mit weniger als 50 Mbit/s mit schnellerem Internet zu versorgen und neu zu erschließen. Schaut man sich den Markt der Neuanschlüsse an, so baut Vodafone nach eigenen Angaben etwa 50.000 Haushalte im Jahr zusätzlich aus, die Telekom mit FTTH nach eigenen Angaben Telekom 200.000 Haushalte.

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  • Vodafone Zentrale in Düsseldorf: Thorsten Neuhetzki / inside handy
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Thorsten Neuhetzki
Thorsten liebt Technik und ist seit 2018 als Redakteur an Bord. Als "alter Hase" in der Branche schreibt Thorsten am liebsten über alles, was mit Breitband, Netzen und Tarifen zu tun hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Super Vectoring, DOCSIS 3.1 oder 5G geht - schnelles Internet ist für Thorsten und seine Berichterstattung das A und O. Abseits des Newsdesks ist Thorsten mit großer Begeisterung auf seinem Tourenrad unterwegs. Vor allem Schweden hat es dem in Berlin wohnhaften Ostwestfalen angetan.

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8 KOMMENTARE

  1. Zwei Unternehmen die nichts geregelt bekommen,und Vodafone zockt Kunden ab mit dubiosen Inkasso Unternehmen. Ich habe Gott sei dank bei beiden Unternehmen alles gekündigt.

  2. Wenn die Netze angeblich vom Gesetzgeber getrennt wurden, warum hat dann die Telekom schon seit Jahren als einziger gesamtdeutscher und damit konkurrenzloser Anbieter Kabel-, Festnetz- und Mobilfunknetz? Ob da die staatliche Aktienbeteiligung vielleicht doch eine Rolle spielt?

  3. Sehr gute Frage, Ingo! Dazu würde ich auch gern eine Stellungnahme seitens der Telekom lesen. Die scheinheilige Sorge um Gigabit-Ausbau dient nur dazu die Angst vor einem ähnlich starken Konkurrenten zu kaschieren. Den Kunden kann aber ein echter Konkurrent nur Recht sein, da dadurch Preise purzeln werden und der Ausbau vorangetrieben wird, allein schon wegen der generierten Neukunden.

  4. Guten Tag,
    bei uns rief gestern ein offizieller Vodafon Mitarbeiter aus einem Callcenter an.
    Dieser stelle zunächst Fragen zum Namen, Geburtsdatum sowie dem Wohnort. Die man alle samt, schnell hintereinander mit „Ja“ beantworten kann.

    Nun das kuriose. Der Mitarbeite sagte „Wissen Sie eigentlich schon, das Unitymedia von Vodafone aufgekauft wurde?“
    Und daraufhin fiel folgender Satz „Sind Sie damit einverstanden das wir den aktiven Vertrag bei Unitymedia in Ihren Namen kündigen dürfen?“

    Wir waren sehr sauer, haben sofort verneint und den Servicemitarbeiter aufgefordert uns vernünftige Dokumente zukommen zu lassen.

    Erst daraufhin hat der Mitarbeiter nachgefragt ob wir damit einverstanden sind das das Gespräch auf aufgezeichnet wird, warum nicht früher? 😉 Der Mitarbeiter hat uns danach auch gleich einen neuen Vertrag angeboten. Eine 100K Leitung, mit einer „Anschlussgebühr“ von 100€, sowie 50€ / Monat im 2. Jahr (Ohne TV, Telefon o.ä.)

    Die Rufnummer haben wir zurückverfolgt. Sie stammte wohl wirklich aus einem Vodafone Callcenter.

    Ich frage mich nur. Was ist da los? Hat jemand schon solche Erfahrungen gemacht?

    • Das sind keine Vodafone Mitarbeiter – eine Rufnummernanzeige kann manipuliert werden …. Es gäbe auch keinen Grund die Unitymedia-Verträge zu kündigen, denn es ist Ziel des Kaufs von Unitymedia die Kunden über eigenes Netz anzuschließen und nicht über DSL (was bei Telekom gekauft werden muss).

  5. Guten Morgen
    Ich bin Unitymedia Kunde und wurde schon zweimal von Vodafone angerufen und mir wurde gesagt das Vodafone Unitymedia übernommen hat. Ich habe weder vorher information bekommen das Unitymedia jetzt von Vodafone übernommen wurde.
    Der Mitarbeiter am Telefon sagte mir ich muss jetzt den Vertrag bei Unitymedia kündigen. Ich fragt warum wenn Vodafone Unitymedia übernommen hat geht doch mein Vertrag mit über in den Bestand von Vodafone. Er sagte nur damit ich keine zwei Rechnungen bekomme. Da kann doch was nicht korrekt sein und habe den nicht zugestimmt das sie in meinen Namen bei Unitymedia für mich kündigen.
    Sollte Vodafone wirklich Unitymedia übernehmen werde ich kein Vodafone Kunde wegen den zwei anrufen von Vodafone bei mir ohne daß ich vorher darüber informiert wurde das Vodafone Unitymedia übernommen hat. Ich wurde zum Schluss des Gespräches von dem Mitarbeiter unter Druck gesetzt mit den Worten dann müssen sie alles selber machen und müssen dann Anschluss Gebühren bezahlen. Worauf ich nur gesagt habe sollte ich Gebühren bezahlen müssen Wechsel ich den Anbieter und habe aufgelegt.
    Ich möchte nur alle warnen das genauso zumachen und nicht zustimmen den Vertrag bei Unitymedia zu kündigen.

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