Telekom-Tochter will Mobilfunk-Netze für O2 & Vodafone bauen

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Ein Mobilfunk-Sendemast vor blauem Himmel
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy
Auf der Messe connect EC in Dresden zeigte eine Tochter-Firma der Telekom, wie sie künftig auch für Vodafone, O2 und möglicherweise 1&1 Drillisch die Netze bauen will. Es geht dabei um weit mehr, als nur das Teilen von Sendemasten

Wir bauen für alle, obwohl wir eine Tochter der Telekom sind“, leitete der Chef der DFMG Deutsche Funkturm, Bruno Jacobfeuerborn, die Vorstellung seines Konzeptes ein. Als DFMG habe die Tochter der Telekom bereits etwa 30.000 Antennenträger im Bestand, die sie zum Teil auch an die Telekom-Mitbewerber vermietet. Das war bislang das Geschäftsmodell: Bestehende Standorte auf Nachfrage auch anderen vermieten, damit diese ihre Antennen ebenfalls an den Mast hängen können.

„Auf der Technik-Ebene gibt es keine Berührungsängste zwischen den Operatoren.“ Bruno Jacobfeuerborn

Doch die Tochter der Telekom will in Zukunft weitaus mehr leisten. Und sieht darin sowohl für die Netzbetreiber als auch für die Kunden enorme Vorteile. „Ich glaube, nach der Auktion wird eines passieren: Die Netzbetreiber werden sind gegenseitig anrufen und abklären, wo sie zusammenarbeiten können“, sagte Jacobfeuerborn, der sich mit der Materie auskennt. Er war früher Technik-Chef der Deutschen Telekom und hat als solcher auch zwei Frequenzauktionen begleitet. „Es ist schon viel Geld ausgegeben worden. Und es muss viel ausgebaut werden“, begründete er seine Vorahnung. „Bei dem, was da ausgebaut werden muss, sind viele Standorte dabei, die für einen Netzbetreiber alleine wirtschaftlich nicht tragbar sind.“

Telekom-Tochter will Technik für alle Anbieter verwalten

Die DFMG entwickele sich derzeit weiter und will allen Mobilfunkanbietern künftig ein Komplettangebot anbieten. „Wir managen die Infrastruktur und stellen sie allen bereit“, so der Geschäftsführer. Das heißt, dass die Telekom-Tochter sich bei einem entsprechenden Auftrag um einen Standort kümmern und den Mast aufbauen will. Darüber hinaus will sie aber auch die Antenne und die aktive Technik vor Ort verwalten und managen. Diese Technik würden sich dann alle Anbieter, die einen Auftrag erteilen, untereinander teilen. Der Vorteil: Eine massive Senkung der Kosten im Ausbau, da die Technik nur einmal angeschafft werden muss.

„Man bekommt den Ausbau nur hin, wenn man sich zusammentut. Die Kosten müssen runter“, ist sich der ehemalige Telekom-CTO sicher. Derzeit gebe es in Deutschland kein Teilen von Mobilfunktechnik unter den Anbietern, wenn man eben von Sendemasten oder einzelnen gemeinsamen Versorgungsprojekten wie Fußballstadien und U-Bahn-Tunneln absieht.  „Dass Anbieter sich wirklich die komplette Technik und Frequenzen teilen, gibt es in Deutschland noch nicht. Das sind aber Themen, die gelöst werden müssen“, forderte Bruno Jacobfeuerborn die Branche auf. Und er weiß aus Erfahrung auch: „Auf der Technik-Ebene gibt es keine Berührungsängste zwischen den Operatoren.“

Ausbau in ländlichen Regionen im Fokus

Das Angebot seiner Firma, die Sendemasten und die Technik vor Ort für alle zu managen, richtet sich vor allem an die ländlichen Regionen. Nämlich dort, wo es sich nicht rechnet, dass jeder seinen eigenen Mast oder eigene Technik aufbaut. Ein solches Netz-Sharing bedeute auch nicht, dass sich die Netze vor Ort nicht unterscheiden – im Gegensatz zu National Roaming. Differenzierungsmerkmale über das Spektrum, die eingesetzte Technik wie MiMo und das Netzmanagement im Hintergrund sind weiterhin möglich.

Ob es zu einer solchen Zusammenarbeit zwischen den Netzbetreibern kommt, bleibt abzuwarten. Eine solche Zusammenarbeit müsste wohl auch erst einmal mit dem Bundeskartellamt abgesprochen werden. Die Bundesnetzagentur zumindest hatte im Vorfeld der Frequenzauktion schon durchblicken lassen, dass sie solche Modelle begrüßen würde. „Es werden noch ein paar Tage ins Land gehen, bis wir flächendeckend 5G sehen werden“, ist sich der Manager sicher.

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