Telekom-Plan: So soll das (fast) flächendeckende Netz kommen

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Telekom-Chef Höttges zeigt die geplante Netzabdeckung für LTE
Bildquelle: inside handy / Thorsten Neuhetzki
Es ist ein ambitioniertes Ziel, das Telekom-Chef Tim Höttges heute in Berlin ausgerufen hat: Bis 2025 will der Konzern Deutschland weitgehend flächendeckend mit 5G versorgen. Das LTE-Netz soll schon bis 2021 nahezu jeden in Deutschland erreichen. Die Details des 8-Punkte-Plans.

LTE & 5G Netzausbau

99 Prozent der Bevölkerung will die Telekom bis 2020 mit 50 MBit/s per LTE versorgen. Bis Ende 2022 sollen es 100 MBit/s im Telekom-Netz werden. Dabei handelt es sich um die Datenrate, die die Telekom pro Mobilfunksektor anbieten will. Da es sei bei Mobilfunk um ein Shared Medium handelt, kann die Telekom diese Datenrate nicht jedem Kunden garantieren.

Das LTE-Netz bietet die Basis für das neue 5G-Telekom-Netz, das die Telekom ab 2020 anbieten will. Dieses soll bis 2025 etwa 99 Prozent der Bevölkerung erreichen. Auch hier will man bis dahin eine Flächenabdeckung von 90 Prozent erreichen. Das Telekom-Netz decke dann auch Fläche ab, die heute für Mobilfunk kaum eine Rolle spielt. Gemeint ist damit beispeise Ackerfläche (51 Prozent der Fläche Deutschlands) und Wald (30 Prozent). „Wo Bedarf besteht, werden wir Geschwindigkeiten von 1 Gbit/s anbieten“, verspricht die Telekom. Autobahnen, Bundesstraßen und die Schienentrassen will der Anbieter störungsfrei versorgen.

Ausbau von Glasfaser und Mobilfunksendern

Das Glasfasernetz bietet die Basis für 5G. Derzeit hat die Telekom eine halbe Million Kilometer verlegt. Jedes Jahr sollen 60.000 Kilometer dazu kommen. Zudem will das Bonner Unternehmen jedes Jahr mehr als 2.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen. Das dient vor allem der Schließung weißer Flecken. Weitere 10.000 kleinere Funkzellen baut die Telekom an Stellen mit besonders starker Nachfrage oder in Gebäuden.

Gemeinsame Nutzung der Infrastruktur

Die Telekom hat offenbar erkannt, dass es besser funktioniert, wenn man miteinander arbeitet statt gegeneinander. Die für 5G nötige Infrastruktur will die Telekom gemeinsam mit anderen Netzbetreibern nutzen. Das betrifft insbesondere die ländliche Region. „Daher öffnen wir unser Glasfasernetz für andere Anbieter“, kündigte Höttges an. Einen entsprechenden Deal hat die Telekom gerade erst mit O2 bekannt gegeben. 5.000 Sender von O2 wird die Telekom mit Glasfaser versorgen. „Alle unsere Mobilfunkmasten im ländlichen Bereich und entlang der Verkehrswege bieten wir unseren Wettbewerbern zur Mitnutzung an. Das wünschen wir uns auch von den anderen Netzbetreibern“, sagte Höttges. Hintergrund der Maßnahme ist ein beschleunigter und wirtschaftlicher Netzausbau.

Aufbau einer 5G-Infrastruktur gemeinsam mit der deutschen Industrie

5G ist die Grundlage für das Internet der Dinge, die Steuerung von autonomen Maschinen oder Smart Cities. „Wir bieten der Industrie an, sich beim Aufbau einer europäischen, standardisierten Plattform zu beteiligen – mit Know-how und Eigenkapital“, so die Telekom. Sie will gemeinsam mit der Industrie diese Hochleistungs-Infrastruktur bauen. Dafür soll es eine 5G-Anwenderkonferenz geben, die klären soll, welche Qualitätsanforderungen die Industrie bezüglich Versorgung, Latenzen und Bandbreiten konkret an das Telekom-Netz hat. „Projekten, die für den Standort Deutschland erfolgskritisch sind, räumen wir Vorrang ein“, so Höttges.

Digitalisierung der Verwaltung und Investitionszusage

Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut, Acatech und dem Städte- und Gemeindetag will die Telekom Vorschläge zur konsequenteren und schnelleren Digitalisierung von Behörden und Verwaltung erarbeiten.

Die Telekom will zudem weiter investieren. Kontinuierlich will das Unternehmen 5,5 Milliarden Euro pro Jahr investieren – zusätzlich zu den Kosten für den Erwerb von Mobilfunk-Spektrum. Die Telekom hofft zudem auf einen veränderten Regulierungsrahmen, der für zusätzliche Impulse sorgen könnte.

Wünsche des Konzerns für das Telekom-Netz

Die Telekom betonte aber auch, dass sie Hilfe braucht, um diese Schritte so erreichen zu können. Allerdings hielt sich Höttges heute mit seinen sonst oft kompromisslosen Forderungen in Richtung Politik und Regulierung zurück. Die Telekom betonte jedoch mit Blick auf die Frequenzvergabe, dass jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann. Geld, das für Frequenzen ausgegeben wird, wird beim Ausbau der Netze fehlen, so die Telekom.  Zusätzlich zu den bereits bekannten Auffassungen zu freiwilligem National Roaming und Themen wie der Diensteanbieterverpflichtung wäre es im Sinne der Telekom, wenn das Spektrum für die lokalen und regionalen 5G-Netze in einen anderen Frequenzbereich verschoben würde. Die Frequenzen um Bereich von 3,7 und 3,8 GHz seien ein rares Gut. Auch weitere Frequenzen im Bereich im 25- und 60-GHz-Band seien dringend notwendig. Die Telekom will darüber beispielsweise ein Netz aufbauen, mit dem Gigabit-Anschlüsse per Luftschnittstelle in die Häuser und Wohnungen kommt.

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