Telekom Mobilfunk-Offensive in Bayern: Funklöcher werden geschlossen

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Mobilfunkausbau Deutsche Telekom
Bildquelle: Deutsche Telekom
Ein Jahr nach dem Ausrufen einer Mobilfunk-Offensive in Bayern zieht die Deutsche Telekom eine erste Bilanz: In den kommenden Wochen werden mehrere Funklöcher geschlossen. Zudem bezog Telekom-Technikchef Walter Goldenits Stellung zu den in den vergangenen Woche festgelegten 5G-Vergaberichtlinien der Bundesnetzagentur. Sein Fazit fällt alles andere als positiv aus.

Es ist gar nicht lange her, da haben die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland im Rahmen eines Mobilfunkpakts für den Freistaat Bayern beschlossen, 1.000 neue Senderstandorte zu schaffen. Die Telekom hatte unabhängig davon schon vor rund einem Jahr eine Mobilfunk-Offensive im Süden von Deutschland verkündet und zieht nun eine erste Bilanz.

Telekom Mobilfunk-Offensive in Bayern: Von Wünschen und Hindernissen

Man habe bereits damit begonnen, 100 Funklöcher im bayerischen Mobilfunknetz zu schließen, nachdem diese von der örtlichen Staatsregierung benannt worden seien, teilte die Telekom am Montag mit. Der erste Standort auf der Liste findet sich in Lutzingen, wo in den nächsten Tagen ein 30 Meter hoher Betonmast in Betrieb geht. Er wird die Versorgung mit GSM und LTE sicherstellen. Telekom-Technik-Vorstand Walter Goldenits sagte am Montag in einer Telefonkonferenz: „Bei der Hälfte der Gemeinden liegen uns konkrete Standort-Vorschläge vor. Für 23 Standorte haben wir einen Anmietvertrag abgeschlossen und können jetzt in die Realisierung gehen. Wir werden in den nächsten Monaten also mehr und mehr Funklöcher schließen.“

Im November 2017 hatte die Telekom bekannt gegeben, bis Ende 2020 die Mobilfunkversorgung in Bayern durch 1.100 zusätzliche Standorte zu verbessern. Zusätzlich ist geplant, 1.200 bereits bestehende Standorte mit zusätzlichen Diensten auszustatten. Insgesamt betreibt die Telekom in Bayern derzeit mehr als 5.200 Mobilfunk-Basisstationen. Damit erreicht der Bonner Konzern nach eigenen Angaben 97 Prozent der Bevölkerung. Bis Ende 2020 sollen es 99 Prozent sein. Die Abdeckung bei der Fläche beträgt aktuell 83 Prozent und wird nach Konzernangaben auf über 88 Prozent steigen. Und das, obwohl 36 Prozent der Fläche Bayerns mit Wald bedeckt ist.

Telekom schließt Funklöcher – in diesen Orten

In den kommenden Monaten schließt die Telekom in den folgenden Kommunen Funklöcher:

  • Bad Füssing, Bayerisch Eisenstein, Bischofsheim a. d. Rhön, Breitbrunn, Buch a. Wald, Buchhofen
  • Cham,
  • Dorfen
  • Ebermannsdorf, Ebern, Ellingen, Eltmann, Ermershausen, Etzelwang
  • Falkenfels, Fischbachau (2x), Frammersbach, Fürsteneck
  • Gars a. Inn, Georgensgmünd, Gleiritsch, Gottfrieding, Grainet, Grassau, Grattersdorf, Gstadt a. Chiemsee
  • Halsbach, Harburg (Schwaben), Haundorf, Hirschbach, Höchheim (2x), Hohenthann, Holzheim a. Forst, Höttingen
  • Kammerstein, Kastl, Kirchdorf a. Inn, Kirchensittenbach, Kirchlauter (2x), Kolitzheim (2x)
  • Lichtenfels, Lohberg, Loiching, Lutzingen
  • Mainleus, Miltach, Monheim, Monheim, Moosach, Mötzing
  • Neubrunn, Neufraunhofen, Neunkirchen (2x)
  • Oberaudorf, Oberreichenbach, Oberscheinfeld, Oberstaufen, Obertrubach
  • Pappenheim, Parsberg, Perach, Polsingen, Pottenstein, Pöttmes, Prem
  • Reit im Winkl (2x), Rettenbach, Reut, Rögling, Rüdenau
  • Salzweg, Schernfeld, Schonungen, Schwarzach b. Nabburg, Sonnen, Stadtlauringen (2x), Steinfeld, Steinkirchen
  • Thanstein, Tittmoning, Treuchtlingen, Tyrlaching
  • Üchtelhausen
  • Volkach
  • Waldkirchen, Waldmünchen, Waldstetten, Wallerstein, Westheim, Willmars
  • Ziertheim.

Planung für einen neuen Mobilfunk-Standort braucht Zeit

Für die Planung und Errichtung eines neuen Mobilfunkstandorts kalkuliert die Telekom einen groben Zeitraum 12 bis 24 Monaten ein. „Neben den eigenen Planungen, der Anmietung und dem Bau muss auch ein Dialog mit den Kommunen durchlaufen werden. Dieser Dialog nimmt zum Teil mehrere Monate in Anspruch“, so Goldenits.

Hinderlich sei zudem, dass sich zwar viele Menschen überall ein Handynetz wünschen würden, aber oft keine Mobilfunksender vor der eigenen Haustür akzeptieren: „Der Wunsch nach Mobilfunk korrespondiert nicht immer mit der Bereitschaft, Mobilfunk auf der Flur bereitzustellen“, gibt Goldenits zu bedenken und verweist auf vielerorts auftretende Kritik durch visuelle Belästigungen wegen der Sichtbarkeit eines Mobilfunk-Standorts. „Die Neuerrichtung eines Mobilfunk-Standorts ist immer auch mit vielen Emotionen verbunden“, so Goldenits weiter.

Technik-Chef der Telekom bezieht Stellung zu 5G-Vergaberichtlinien

Der Technik-Chef der Telekom nutzte am Montag auch die Gelegenheit, um die Vergaberichtlinien für die 5G-Frequenzauktion zu kritisieren. „Die jetzt von der Bundesnetzagentur vorgeschlagenen Auflagen für die Frequenzauktion gehen deutlich darüber hinaus, was die Behörde zuvor selbst als zumutbar und verhältnismäßig bewertet hatte. Ein solch falsch dimensionierter Ausbau ist wirtschaftlich unrealistisch, wird an bürokratischen Hindernissen scheitern und ignoriert die Grundlagen der Physik.“

Und weiter: „Darüber hinaus bergen die unklaren Bestimmungen zu National Roaming im aktuellen Entwurf erhebliche, kaum abzuschätzende Risiken für investierende Unternehmen. Die Entscheidung über solche Milliarden-Investitionen – und damit über den Erfolg von 5G in Deutschland – erfordern Verhältnismäßigkeit und Rechtssicherheit. Beides sollte bis zur finalen Entscheidung der Vergabebedingungen am 26. November sichergestellt werden.“

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