Smart Home 2019: Die Zeichen stehen auf Vernetzung

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Symbolbild für den Themenbereich Smart Home
Bildquelle: Pixabay
Die schöne neue Welt des vernetzten Zuhauses ist aktuell noch ein Zukunftstraum. So richtig schlau sind viele Haushalte auch zu Beginn des Jahres 2019 noch nicht. Das könnte sich aber bald ändern. Für viele Unternehmen bricht in den kommenden zwölf Monaten eine kritische Phase beim Thema Smart Home an. Gelingt 2019 also endlich der Durchbruch?

2009 gelang der US-Comedy-Band The Lonely Island mit der HipHop-Parodie “Like A Boss” ein beeindruckender Erfolg. Innerhalb weniger Tage verbreitete sich das Video rasant im Internet und „ging viral“. Der Clip wurde zu Beginn von 2019 mehr als 160 Millionen Mal auf YouTube aufgerufen und die Phrase „Like A Boss“ gehört mittlerweile zum Standardrepertoire der Internet Memes.

Zehn Jahre später auf der Consumer Electronics Show (CES) 2019: Die deutsche Robert Bosch GmbH veröffentlicht pünktlich zur Messe in Las Vegas ein Video mit dem Titel „The Internet of Things presents – #LikeABosch“. Die Idee hinter dem Clip: Das Thema Smart Home und Internet of Things (IoT) in den Köpfen der Kunden verankern sowie The Lonley Island es einst mit der Phrase “Like A Boss” getan haben.

Es überrascht nicht, dass Bosch sich einem humoristischen Vorbild bedient, um unter anderem die eigene Smart-Home-Sparte zu bewerben. Das Video stellt die Welt des smarten Zuhauses auf humoristische Weise einfach, unkompliziert und komfortabel dar. Es soll dem potenziellen Kunden im Kopf bleiben und ihn vor allem unterhalten. Dieser Infotainment-Ansatz ist auch nötig, denn Smart Home wird von vielen Nutzern immer noch zurückhaltend betrachtet. So nutzen laut einer aktuellen Statistik nur rund 20 Prozent der Deutschen Smart Home. Zum Vergleich: Ein Smartphone nutzten 2018 circa 80 Prozent aller Bundesbürger.

Smart Home verstehen „Like A Boss”

2019 soll aber das Jahr des Smart Homes werden. Dieser Meinung waren viele Unternehmen auf der CES. Ziel sei es, mit den Produkten rund um das smarte Zuhause auf dem Massenmarkt anzukommen. Damit dieses Vorhaben gelingt, bedienen sich viele Hersteller zwei grundlegender Strategien. Einerseits sollen Kunden durch Informationen mit dem Bereich Smart Home vertraut gemacht werden. Denn fehlendes Wissen und komplizierte Geräte stellen für viele Nutzer ein Kaufhemmnis dar. Bosch beispielsweise will seinen Kunden die Produkte mit Info-Filmen näherbringen.

Andererseits wollen die Hersteller von Smart-Home-Produkten aber auch finanzielle Anreize schaffen. Das ist auch nötig, denn fast 50 Prozent der befragten Teilnehmer einer Statistik aus dem Jahr 2016 / 2017 gaben an, dass ihnen die Technologie noch zu teuer erscheint. Um diesen Vorbehalt entgegen zu kommen, setzten einige Hersteller auf besondere Aktionen. Manche bieten ihre Produkte zeitweise zum reduzierten Preis an oder bieten dank „Geld-Zurück-Garantie“ kostenlose Testzeiten an.

Geht’s auch günstig? Smart Home beim Discounter

Seit einigen Monaten finden immer mehr Produkte rund um das schlaue Zuhause aber auch ihren Weg in den örtlichen Discounter. So bietet Aldi seit Kurzem eine Alternative zu Philips Smart-Home-Beleuchtung Hue an. Und Discounter Lidl startete 2018 mit Silvercrest eine eigene Produktserie in Kooperation mit dem deutschen Hersteller eQ-3 AG. Der Vorteil solcher Angebote liegt auf der Hand. Sie sind im Vergleich zu Marken-Produkten teilweise deutlich günstiger. Die hohen Investitionskosten fallen somit als Hemmnis weg.

Wenn die Kunden einmal angefangen haben, in das smarte Zuhause zu investieren, kaufen sie auch weitere Produkte. Der Einstieg in den Bereich ist wichtig. Wer einmal Blut geleckt hat, kauft auch gerne mehr, so der Tenor auf der CES 2019. Laut des Statistik-Portals Statista geht man davon aus, dass 2019 im Smart-Home-Bereich ein Umsatz von 3,66 Milliarden Euro allein in Deutschland zu erwarten ist. In vier Jahren soll sich dieser Betrag auf circa 7,2 Milliarden Euro verdoppeln.

Smart Home statt Smartphone: Das Beispiel Archos und Lenovo

Kein Wunder also, dass viele Unternehmen in den Bereich vorstoßen möchten. Einer dieser Hersteller ist beispielsweise Lenovo. Der Elektronik-Konzern aus China dürfte hierzulande vor allem als Produzent von Laptops sowie als Mutter der Smartphone-Traditionsmarke Motorola bekannt sein. Auf der CES 2019 zeigte das Unternehmen vor allem neue Produkte, die sich im smarten Zuhause einsetzen lassen. Mit der Smart Clock stellte man einen modernen Schlafzimmerwecker mit Google-Assistant-Unterstützung vor. Die Lenovo Smart Tabs sind Tablets, die dank Amazon Alexa sich ganz einfach zum Smart Screen umwandeln lassen.

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Im Gespräch mit inside handy gab das Unternehmen außerdem zu erkennen, dass die Integration von Smart-Home-Produkten in das eigene Line-Up gerade erst begonnen habe: Smart Home werde eine immer wichtigere Rolle spielen. Außerdem versuche man künstliche Intelligenz mehr in den eigenen Produkten verarbeiten. Während Lenovo Smart Home ebenfalls abdecken möchte, verpflichtet sich die französische Smartphone- und Tablet-Marke Archos dem Thema komplett. Wer die Pressemitteilungen des Unternehmens durchstöbert, wird das eine oder andere Tablet oder Smartphone finden. Der eigentliche Fokus liegt mittlerweile aber auf künstlicher Intelligenz, Blockchain und dem smarten Zuhause. Dementsprechend zeigte Archos auf der CES 2019 vor allem Smart-Home-Produkte.

Die Zukunft von Smart Home durchdringt die eigenen vier Wände

In Las Vegas war nicht nur der aktuelle Status Quo von Smart Home zu sehen. Auch die Zukunft der Technologie präsentierte sich. So zeigte der deutsche Hersteller von Gartengeräten, Gardena, sein „smart system“. Mit der Reihe von vernetzten Produkten sollen sich viele Arbeitsprozesse im Garten automatisieren und per App steuern lassen. Es handelt sich dabei um sogenanntes Smart Gardening. Natürlich ist es auch möglich, den schlauen Garten mit dem schlauen Zuhause zu vernetzten.

Ein weiterer Ort, an dem Smart-Home-Technologie bald zum Einsatz kommen soll, ist das Badezimmer. Procter & Gamble, Hersteller von Marken wie Oral-B, Gillette oder Olay zeigte auf der CES, wie man eine Schnittstelle zwischen Smart Home und klassischen Haushaltsgütern bilden kann. Ob nun eine KI-Zahnbürste mit eigener App oder ein „Haut-Ratgeber“ per Selfie: Kosmetik- und Hygiene-Artikel sollen in Zukunft ebenfalls vernetzt sein.

Und da wäre natürlich noch der große Bereich der Connected Cars. Das vernetzte Auto soll nicht nur allein fahren können, sondern auch Teil des vernetzten Zuhauses sein. Vom Parkplatz des Supermarktes aus schon einmal den Backofen vorheizen? Kein Problem. Das Auto parkt sich selbst ein, während man die Einkäufe ins Haus bringt? Mit einem Tastendruck erledigt. So zumindest präsentiert es Bosch in seinem „Like A Bosch“-Video.

Smart Home im Jahr 2019: Die Zeichen stehen auf Vernetzung

Damit wäre der Zirkel geschlossen und die Rundreise durch den Bereich Smart Home beendet. Es muss abschließend noch erwähnt werden, dass trotz der vielen Bemühungen seitens der Hersteller und den neuen Innovationen in dem Bereich immer noch Stolpersteine für die Technologie gibt. Ob nun Sicherheitsbedenken seitens der Kunden oder fehlenden Kompatibilität der einzelnen Systeme untereinander: Smart Home hat noch einen langen Weg vor sich, um im Massenmarkt Fuß zu fassen. Bisher existieren die schlauen vier Wände nur in der Werbung oder in extra designten Umgebungen.

2019 könnte aber ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu Realität solcher Zukunftsgedanken werden. Die angestrebte Kombination aus Aufklärung der Nutzer und einem finanziellen Anreiz ist ein guter Angriffspunkt und sollte in den kommenden Monaten für immer mehr stolze Besitzer eines Smart-Home-Produkts sorgen. Ob sich dann mehr Leute wie ein Boss fühlen, bleibt jedoch abzuwarten.

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