Seehofer: Messenger-Dienste künftig ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

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WhatsApp, Telegram und Facebook Messenger auf einem Smartphone
Bildquelle: Simone Warnke/inside handy
Eine grundlegende Eigenschaft von Messenger-Diensten ist mittlerweile die sogenannte „Ende-zu-Ende“-Verschlüsselung. Das bedeutet, dass Nutzer der jeweiligen Apps ihre Nachrichten versenden können, ohne dass das Unternehmen oder Fremde auf diese Zugriff haben. Innenminister Seehofer will die Messenger-Dienste nun aber dazu verpflichten, den Nachrichtenverkehr zu entschlüsseln.

Der Kommuniktion über Messenger wie WhatsApp, Threema, Wire und Co. liegt unter anderem das Versprechen zugrunde, dass Nachrichten nicht vom jeweiligen, dahinterstehenden Dienstleister lesbar sind. Im Gegenteil: Die Nachrichten sind verschlüsselt und nicht einsehbar.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will dies nun verpflichtend in der Bundesrepublik ändern und die Unternehmen mittels einer richterlichen Anordnung dazu bringen, Chatverläufe und Telefonate unverschlüsselt an die deutschen Sicherheitsdienste zu übermitteln. Kommt ein Messenger-Dienst dieser Aufforderung nicht nach, soll die Bundesnetzagentur die jeweilige App für den deutschen Markt sperren, so Seehofer. Grund für diese Absicht ist die Befürchtung, dass die Arbeit der Sicherheitsdienste, auch mit Einführung von 5G, stetig schwieriger wird.

Bislang ist es den Behörden nur durch Quellen-Telekommunikationsüberwachung möglich, Chatverläufe und Telefonate einzusehen. Dazu muss man einen Staatstrojaner auf das Smartphone des jeweiligen Verdächtigen spielen.

Messenger-Dienste protestieren

Die Forderung des Union-Abgeordneten stößt schon jetzt auf eine große Protestwelle der Messenger-Dienste. Man prophezeit katastrophale Auswirkungen, die sich letztlich vor allem riskant auf den Verbraucher auswirken.

Der Messenger-Dienst Threema reagiert ablehnend, vor allem weil mehr als die Hälfte der Nutzer aus Deutschland stammen. Der vertrauliche Umgang von Daten und der Kommunikation gehöre grundlegend zu Threema. Dementsprechend ist man nicht bereit, in dieser Hinsicht Kompromisse zu machen. Weiter ist man der Meinung, dass wenn Threema in Deutschland verboten werden sollte, die Bundesrepublik sich auf gleiche Stufe mit totalitären Staaten wie China oder dem Iran stellen würde.

Durchsetzung unwahrscheinlich

Die deutschen Sicherheitsbehörden werden in ihrer Arbeit immer stärker behindert, heißt es derweil aus politischen Reihen. Auch der Fortschritt des kommenden Mobilfunkstandards 5G könnte den Handlungsspielraum der Sicherheitsdienste stark einschränken oder mindestens erschweren. Der EU-Anti-Terror-Koordinator Gilles des Kerchove soll außerdem gefordert haben, dass EU-Mitgliedsstaaten sich in den Entwicklungsprozess von 5G einmischen. Somit wolle man eine etwaige Ende-zu-Ende-Verschlüsslung als Teil von 5G verhindern.

Die Forderung von Seehofer soll auf der Innenministerkonferenz Mitte Juni in Kiel besprochen werden. Insider halten laut Spiegel Online die Umsetzung dessen sowohl aus politischer als auch technischer Sicht für unwahrscheinlich.

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