O2: Bundesnetzagentur schaltet sich wegen schlechter Netzabdeckung ein

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Ein Mobilfunksender im ländlichen Raum
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy
O2 hat nach unabhängigen Tests das Netz mit der schlechtesten LTE-Abdeckung. Sogar der Anbieter selber nennt im Vergleich die miesesten Zahlen. Jetzt schaltet sich die Bundesnetzagentur ein. Der Grund: Alle Anbieter haben Auflagen zu erfüllen. Bei O2 könnte das zu Problemen führen.

Die Auflagen gehen zurück auf die Vergabe der Frequenzen aus dem 700-MHz-Bereich. Diese können die Anbieter bis heute nicht nutzen wie geplant, die Auflagen gelten nach Ansicht des Regulierers aber trotzdem. Demnach müssen bis Ende des Jahres 98 Prozent der Bevölkerung mit mindestens 50 Mbit/s versorgt sein. O2 ist davon offenbar weit entfernt.

O2-Netzabdeckung: 80 oder 90 Prozent?

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, liegt dem Beirat der Bundesnetzagentur ein Dokument vor, in dem von bundesweit 80 Prozent Netzabdeckung die Rede ist. Der Beirat tagt am 5. Mai und hat unter anderem die Aufgabe, die Lizenzauflagen zu prüfen. Die Zahl von 80 Prozent lässt jedoch aufmerken. Mit dieser Angabe hat O2 mehr als ein Jahr für sein LTE-Netz geworben. Nach einem Bericht über die LTE-Abdeckung der drei Netzbetreiber im Vergleich von inside handy hatte der Anbieter die Zahl Mitte April jedoch nach oben korrigiert und sprach seitdem von mehr als 90 Prozent. Das ist insofern auch glaubhaft, als dass O2 binnen eines Jahres mehrere tausend Sendemasten auf- und ausgerüstet hat. Alleine im Jahr 2019 sollen 10.000 Masten hinzukommen. Im ersten Quartal sei es rechnerisch stündlich ein Mast gewesen, teilte O2 unlängst mit. Zum Vergleich: Vodafone und Telekom liegen bei über 93 Prozent.

Im vom Handelsblatt zitierten internen Papier lesen sich die Zahlen zur Netzabdeckung richtig mies. Demnach erreiche O2 in Brandenburg beispielsweise nur 55 Prozent mit der in den Auflagen geforderten Bandbreite von 50 Mbit/s.

Wann müssen die Auflagen erfüllt sein

Um die Auslegung der Auflagen gibt es aber ohnehin unterschiedliche Auffassungen. Während die Bundesnetzagentur davon ausgeht, dass die Auflagen bis Ende 2019 zu erfüllen seien – also drei Jahre nach Zuteilung – argumentiert Telefónica Deutschland, dass die fraglichen 700-MHz-Frequenzen noch gar nicht wie geplant nutzbar seien und die Frist erst ab Zuteilung laufen könne. Nach dieser Lesart beginnt die Drei-Jahres-Frist erst im Sommer 2019.

Sollte die Bundesnetzagentur einen Verstoß gegen die Lizenzauflagen feststellen, so hat sie die Möglichkeit, Geldstrafen zu verhängen. Diese Bußgelder liegen bei bis zu 100.000 Euro – auch mehrfach. Der Betrag ist allerdings eher symbolisch zu sehen, bedenkt man, dass Insider davon ausgehen, dass ein sogenannter Makro-Sender im ländlichen Raum etwa 230.000 Euro kostet. Weiterhin gebe es Zwangsgelder von 500.000 Euro. Als absolutes Druckmittel wäre aber auch der Widerruf der Lizenzen möglich, wenngleich das mehr als unwahrscheinlich ist.

Auflagen bei 5G-Netzen noch strenger

Mit den kommenden 5G-Lizenzen werden die Daumenschrauben für den Ausbau der Netze übrigens noch weiter angezogen. Wenn einzelne Netzbetreiber aber mit dem Erfüllen der bisherigen Auflagen bereits Probleme haben, könnte es für sie erst recht schwierig werden, diese 5G-Auflagen zu erfüllen. O2 selber sagt gegenüber dem „Handelsblatt“ übrigens, man sei zuversichtlich, die Lizenzauflagen zu erfüllen und verwies dabei auf die Zahl von über 90 Prozent und den geplanten und laufenden Ausbau für 2019.

Der Netzausbau von O2 hat auch Konsequenzen für zahlreiche Discounter-Marken wie Aldi Talk, die das Netz von O2 nutzen. Aber auch der wahrscheinlich neue Netzbetreiber 1&1 Drillisch ist betroffen: Er will das O2-Netz im National Roaming nutzen und ist schon heute virtueller Netzbetreiber in dem Netz.

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1 KOMMENTAR

  1. Als Ausweg oder Ausflucht für die Netzbetreiber nicht erwähnt ist die „Unmöglichkeit der Erfüllung“ oder die „Unzumutbarkeit der Erfüllung“ selbst bei einer vertraglich auferlegten Verpflichtung.
    Egal wie ein Vertrag lautet:
    Die Agentur kann keine Erfüllung einer Auflage verlangen, wenn die Erfüllung den Verpflichteten in den Ruin treiben würde. Damit argumentieren die Betreiber. Ein einzelner „Cluster“ (Teilbereich) mag durchaus hoch defizitär sein, doch mehrere benachbarte Cluster zusammen müssen dann schon zumindest eine schwarze Null bringen.
    In der BRD gibt es zahlreiche Gegenden, in denen selbst mehrere direkt benachbarte Cluster zusammen nur Defizite einfahren. Dort hat sich die Agentur bislang weder bemüht, noch durchgesetzt. Da wird einfach „geschlabbert“, wie jemand es formulierte. „Man kann nicht dem letzten Funkloch-Bewohner seinen eigenen Mast hinsetzen“, hieß es.
    Die Betreiber wissen ganz genau, wo und warum sie „schlabbern“…
    – mlskbh –

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