Google Pixel: Nachtmodus kommt für alle Generationen

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Bild-in-Bild-Foto des Google Pixel 3 Xl mit dem Label
Die Pixel-Smartphones von Google erhalten einen neuen Nachtmodus für die Kamera. Die Option hört auf den Namen "Nachtsicht" und soll optimierte Bilder bei Dunkelheit erzeugen. Das Zusammenspiel von Rauschminimierung und Bildstabilisierung bei längerer Belichtung soll aber auch bei Tageslicht zu neuen Fotomöglichkeiten führen.

Die Kamera des Google Pixel 3 XL bewies im Test bereits, dass es keine zwei, drei oder gar vier Objektive braucht, um richtig gute Bilder zu schießen. Auch im Low-Light-Bereich konnten die Fotos überzeugen.

Mit der Einführung des Nachtmodus untermauert Google einmal mehr, dass eine gute Software in einer Handykamera mindestens so wichtig ist, wie passende Hardware in Form von Sensoren und Objektiven.

So funktioniert die Nachtsicht-Funktion

Damit die Smartphone-Fotos genügend Licht einfangen können und dabei möglichst wenig bis keine Unschärfen entstehen, ist eine lange Belichtungszeit bei wenig Bewegung nötig. Ein schwieriges Unterfangen, wenn das Foto aus der Hand und der Hüfte heraus geschossen wird.

KI und Co. So fotografieren wir in Zukunft

Die KI im Pixel-Smartphone misst allerdings die Bewegungen des Smartphones selbst, also der Hand, und zusätzlich die Bewegungen in der festzuhaltenden Szene. Nun beginnt eine softwaregesteuerte Gegensteuerung. Es gibt also zwei Möglichkeiten, wie „Nachtsicht“ funktioniert:

1. Das Smartphone ist fixiert oder liegt ruhig in der Hand

Die Kamera im Nachtmodus sammelt nun deutlich mehr Bild-Informationen, indem die Belichtungszeit verlängert wird. Hierdurch verlängert sich die Aufnahme und das Bildrauschen wird verringert. Warum das zusammenhängt? Normalerweise – also bei kurzer Belichtungszeit – werden dunkle Bestandteile des Bildes nur sehr körnig dargestellt, da der Sensor in kurzer Zeit zu wenige Lichtinformationen zu den betreffenden (im Dunkeln liegenden) Pixeln sammeln kann. Die Folge ist Bildrauschen. Eine längere Belichtungszeit kann also schummerige Szenen detaillierter und somit schärfer darstellen. Das macht der Nachtmodus von Google.

Langzeit-Belichtung mit dem Google-Nachtsicht-Modus.
Langzeit-Belichtung mit dem Google-Nachtsicht-Modus.Quelle: Google

2. Smartphone oder Szene sind in Bewegung

Lange Belichtungszeit verträgt sich nicht gut mit Bewegung – wenn man nicht darauf aus ist, zum Beispiel bei Lichtziehern. Im Normalfall sorgt Bewegung aber dafür, dass Fotos mit längerer Belichtungszeit unscharf sind. Der Nachtmodus schreitet dem entgegen, indem mehrere Bilder mit kurzer Belichtung aufgenommen werden. Die Bewegung im Bild wird also zerstückelt. Durch die verschiedenen Aufnahmen werden außerdem entsprechend viele Bildinformationen festgehalten – wie bei der Langzeitbelichtung. Die künstliche Intelligenz formt aus den Aufnahmen nun ein schlüssiges Bild, in dem die Bewegung klein gehalten wird und die Lichtinformationen gebündelt sind.

Nachtsicht-Modus von Google im Bewegtbild
So arbeitet der Nachtsicht-Modus bei Bewegung im Bild.Quelle: Google

Nachtmodus bei Tageslicht

Wie Google-Mitarbeiter in einem veröffentlichten Foto-Album zeigen, kann der Nachtmodus auch am Tag für dynamische Effekte im Bild sorgen. Dies zeigt das rauscharme und farbenfrohe Bild des Google-Mitarbeiters Florian Kainz (nicht der Werder-Bremen-Spieler).

Landschafts-Foto mit dem Google-Pixel-Nachtsicht-Modus
Landschafts-Foto mit Nachtsicht-Modus von Florian Kainz, Google.Quelle: Florian Kainz, Google

Googles Nachtsicht-Modus: Wann kommt das Update und für wen?

Google rollt den Nachtmodus nach eigenen Angaben noch im November aus. Alle Pixel-Smartphones, also Pixel, Pixel 2 und Pixel 3 mitsamt ihrer XL-Versionen sollen in den Genuss des Updates kommen. Der Nachtmodus wird dann über die Kamera-App verfügbar sein. In der Regel erkennt das jeweilige Handy, wenn eine dunkle Situation fotografiert wird und bietet den Nachtsicht-Modus proaktiv an. Etwa durch das Halbmond-Symbol auf dem Sucher oder den Hinweis „Try Night Sight“.

Will man den Nachtmodus experimentell nutzen, so steuert man ihn – nach der Installation – in der Kamera-App unter „mehr“ direkt an.

Google Kamera
Google Kamera
Entwickler: Google LLC
Preis: Kostenlos

Keine Zeit vergeuden: Nachtmodus selbst installieren

Wer ganz ungeduldig ist, kann den Nachtsicht-Modus auch als APK direkt herunterladen. Caschys Blog berichtet, dass die App-Erweiterung als Installationsdatei bei APK-Mirror gelistet ist – beziehungsweise in der aktualisierten Version der Google-Camera-App dort zu finden ist. Hierfür muss der Nutzer einerseits die Installation von Apps aus „unbekannten Quellen“ erlauben, andererseits ist Android 9 eine Voraussetzung für den App-Zuwachs. Pixel-Besitzer sollten zumindest an der zweiten Hürde nicht scheitern.

Auf anderen Smartphones mit Android 9 lässt sich die Kamera-App aus der Quelle zwar installieren, aber nicht öffnen. Überprüft wurde dies mit einem Huawei Mate 20.

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