Lukas Hermann und seine "Poesi": Vom Studenten zum App-Entwickler

6 Minuten
app-poesi
Bildquelle: Simone Warnke/inside handy
Ein jeder hat irgendwann mal einen Traum, den er versucht zu realisieren. Grundlegende Zutaten dafür sind wohl eine schmissige Idee, Zeit und – Geld. Lukas Hermann, seines Zeichens noch Student der Uni Bonn, hat sich seine Herzensangelegenheit erfüllt. Das Resultat: Poesi - eine eigens entwickelte App, die eine alte Kunst durch moderne Technik in die Gegenwart manövriert.

Die Welt ist eine schnelllebige geworden. Menschen rennen hektisch von einem Ort zum anderen, Informationen sind immer und überall abrufbar. Digitale Technik im Allgemeinen und Smartphones im Speziellen spielen eine gewichtige Rolle und ersetzen mittlerweile eine Vielzahl von analogen Dingen. Printmedien verschwinden immer mehr in der Bedeutungslosigkeit. Vor allem mit Literatur – egal welcher Art – scheinen sich immer weniger Leute zu beschäftigen oder sich die Zeit dafür nehmen zu können. Und wer begeistert sich eigentlich noch für Lyrik?

In einem Café der Universität Bonn trifft inside handy inmitten von Tassengeklapper und Kaffeeduft Lukas Hermann. Schon 2015 kam ihm eine zündende Idee: Wieso Gedichte nicht digitalisieren und für jedermann zugänglich machen? Der studierte Informatiker und Literaturwissenschaftler verwandelt die vermeintlich „alte Kunst“ in moderne Formate und realisierte im vergangenen Jahr seine App „Poesi“.

Poesi - Gedichte überall lesen
Poesi - Gedichte überall lesen
Entwickler: Lukas Hermann
Preis: 3,49 €
Poesi – Gedichte überall lesen
Poesi – Gedichte überall lesen
Entwickler:
Preis: 3,49 €+

Ein lohnenswerter Weg: Eigene App realisieren

Aller Anfang ist schwer. So auch bei Hermann und seiner App Poesi. Seitdem Apple sein erstes iPad auf den Markt brachte, ist der Bonner Student nebenbei auch als Technikjournalist tätig und kennt sich daher sowohl auf technischem als auch literarischem Gebiet aus. Lyrik ist dabei seine Leidenschaft. „Das hat mich einfach immer fasziniert. Und dann kam im Literaturstudium parallel die Idee oder die Frage, wie man unterwegs seine Lieblingsgedichte oder allgemein seine Lieblingstexte mitnehmen kann“, meint er. Um sich und seine Idee einordnen zu können, ist ein Blick zur Konkurrenz vonnöten. Wie Hermann meint, habe es zwar ähnliche Lyrik-Apps gegeben. Die entscheidende Frage sei jedoch gewesen: Was haben die anderen und was möchte ich gerne haben?

Zu Anfang übergibt Hermann seine Idee zunächst einer Entwicklerfirma. Doch die Realisierung der App ist ein steiniger Weg: Nach einiger Zeit scheitert das Projekt, lag zwei Jahre lang brach. Doch auch wenn der Weg lang erscheint, Konsequenz und Ehrgeiz gehören zu Projekten unabdingbar dazu. 2017 griff Hermann seine Idee also wieder auf und probierte einen Neuanfang: „Ich habe damals schon so viel Zeit reingesteckt und die Gedicht-Datenbank mit vielen Gedichten befüllt – der Inhalt war also schon da, aber die App noch nicht. Und das wollte ich nicht brach liegen lassen“, erklärt er. „Danach war der Ablauf relativ klar. Ich wollte jemanden engagieren, der das professionell macht, damit der ganze Rahmen stimmt. Dann hab ich einen Entwickler gefunden und den dafür engagiert.“ Ergebnis ist die App mit Namen Poesi.

Hürden nehmen

Mittlerweile ist Poesi seit einem Jahr auf dem Markt und sowohl mit Android als auch iOS kompatibel. Vor allem Apple-Nutzer scheinen die App den Download-Zahlen nach zu lieben.

Wie viel Geld er letztlich für Poesi bezahlt hat, weiß Hermann nicht genau. Diejenigen, die ihre App in einem ähnlichen Format entwickeln wollen, sollten aber etwa 4.000 Euro in die Hand nehmen, meint er: „Ich würde sagen, das ist ein guter Richtwert. Unter 2.000 Euro würde ich nicht anfangen. Man findet bestimmt jemanden, der es für relativ wenig Geld macht, aber dann ist auch die Frage, wie zuverlässig derjenige ist.“ Das gute am Programmieren sei allerdings, dass man die Summe nicht auf einmal zahlen müsse, sondern Schritt für Schritt. Bugfixing betreibt er indes selbst.

Gedichte für jedermann

Dass Herzblut und harte Arbeit hinter der App stehen, verdeutlicht ein Blick hinter die Kulissen: Von Beginn an hatte der Literaturstudent sich bereits vollständig in die Materie eingelesen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes einzelne Gedicht, das in der Datenbank seiner App eingespeist wird, hat Hermann vorher gründlich ausgewählt, gelesen und gemäß wissenschaftlichen Standards in die Datenbank eingepflegt. Auf die Frage, warum nur Lyrik für die App ausgewählt wurde und der Inhalt nicht breiter aufgestellt ist, kommt eine pragmatische Antwort: „Gedichte sind auf jeden Fall eine Leidenschaft von mir. Aber ich glaube, es ist auch das handhabbarste Format der Literatur, was man unterwegs nutzen kann.“

Sein Anspruch an die App: Nutzer sollen die Gedichte theoretisch in Arbeiten fehlerfrei und auf Grundlage von seriösen, wissenschaftlichen Ausgaben zitieren können. Zu jedem Autor stellt der Bonner Student außerdem ein paar Informationen bereit, beispielsweise Geburtsjahr und Erscheinung des Gedichts. Nutzer haben mit Poesi die Möglichkeit, sich das Gedicht des Tages oder ein zufälliges anzeigen zu lassen. Unterteilt ist die Datenbank in Epochen, Jahrhunderte, Themen und Autoren. Wer sein Lieblingsgedicht gefunden hat, kann es zu seinen Favoriten hinzufügen oder es mit anderen Leuten teilen.

Poesi wird stetig von Hermann selbst weiterentwickelt. Pläne für Vertonungen, fremdsprachige Gedichte und In-App-Käufe, die über das Basis-Format hinaus gehen, gibt es ebenfalls schon. Praktisch ist schon jetzt: Poesi ist auch offline jederzeit nutzbar.

Ziel: Spaß und Freude an Gedichten

Er sei relativ blauäugig, ohne Business-Plan oder Marketing-Strategie an die Veröffentlichung seiner App herangegangen, erzählt Hermann. Ziel sei es, dass Nutzer genauso viel Freude an Poesi haben wie er selbst. „Am meisten freue ich mich natürlich über Gedichtwünsche, weil ich auch will, dass die Leute, die die App nutzen, auch mitbestimmen können. Ich will niemand sein, der sagt: dass sind meine Lieblingsgedichte und hier könnt ihr sie jetzt alle lesen. Gedichtwünsche trage ich dann auch ein. Es geht darum, dass jeder seine Lieblingsgedichte auch mitnehmen kann, wenn er will.“

Manch einer mag deswegen fragen, warum die App nicht kostenlos ist, sondern rund 3,50 Euro kostet. Auf der einen Seite stehen die laufenden Betriebskosten. Auf der anderen Seite ist Hermann kein Freund von Gratis-Apps. Stattdessen vertraut er auf Nutzer, die wissen, in welche App sie ihr Geld investieren. „Am Anfang habe ich nicht über den Preis nachgedacht. Ich hatte nur überlegt, wie viel man dafür ausgeben würde. Ich hätte auch zwei, drei Euro mehr nehmen können, aber ich wollte auch nicht gierig sein. Und ich möchte auch die Zugangsschwelle so niedrig wie möglich halten.“

Zeit, Neues zu entdecken

Und was ist der konkrete Mehrwert seiner App? Hermann muss schmunzeln. „Der Mehrwert ist natürlich der Inhalt. Was mir wichtig war, dass der Inhalt, den ich bereitstelle, einfach zu lesen ist. Das heißt, dass es keine Hürde gibt, auf den Text zuzugehen, dass man ein gutes Werkzeug an die Hand bekommt, Gedichte zu entdecken. Nicht nur das zu lesen, was man eh schon liest, sondern Neues kennenzulernen und zwar so einfach wie möglich. Ich glaube, das hat die App ganz gut hinbekommen und das freut mich auch immer selber. Es ist echt schön, dass viele Menschen das genauso interessant finden.“

Poesi - Gedichte überall lesen
Poesi - Gedichte überall lesen
Entwickler: Lukas Hermann
Preis: 3,49 €
Poesi – Gedichte überall lesen
Poesi – Gedichte überall lesen
Entwickler:
Preis: 3,49 €+

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

VERWANDTE ARTIKEL