Krankschreibung per WhatsApp: Das müssen Nutzer wissen

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Krankschreibung über WhatsApp
Bildquelle: AU-Schein
Es ist wohl der Wunsch eines jeden Erkälteten: Eine Krankschreibung erhalten ohne einen Fuß auf die Straße setzen zu müssen und beim Arzt im Wartezimmer zu verweilen. Dank eines neuen Startup-Unternehmens wird der Wunsch nun Realität. Ab sofort kann die Bescheinigung für den Arbeitgeber auch über WhatsApp aus den eigenen vier Wänden beantragt werden. Ärzte haben jedoch ihre Zweifel an dem Dienst.

Ein Besuch beim Arzt ist bei einer Erkältung nicht nur lästig, sondern auch keineswegs förderlich für die Genesung. Genau hier hat das neue Start-up AU-Schein.de angesetzt. Damit können Kranke ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung direkt aus den eigenen vier Wänden beantragen. Der Service läuft über den bekannten Instant-Messaging-Dienst WhatsApp und ist recht unkompliziert. Um einen AU-Schein zu erhalten, muss der Nutzer zunächst die Website in einem mobilen Browser öffnen. Hier werden vorhandene Symptome, mögliche Risikofaktoren wie Schwangerschaften, Daten wie die WhatsApp-Nummer und die Bezahlmethode abgefragt. Im Anschluss wird die Bescheinigung dann als Bild per WhatsApp sowie in der üblichen Form per Post verschickt. Der Preis für die Dienstleistung beträgt dabei für alle Gesetzlich-Versicherten jeweils 9 Euro. Ohne Einschränkungen lässt sich das laut Angaben des Anbieters geprüfte und rechtskräftige Angebot allerdings nicht nutzen.

AU-Schein über WhatsApp – das müssen Nutzer beachten

Die globalen Schwächen des Angebots sind offensichtlich: Um dieses nutzen zu können, müssen Betroffene – zumindest aktuell noch – über ein WhatsApp-fähiges mobiles Endgerät verfügen. Weiterhin werden hier, im Gegensatz zu einem üblichen Arztbesuch, 9 Euro fällig. Andere Einschränkungen sowie Nachteile des Angebots sind hingegen weniger offensichtlich.

Wer kann das Angebot wahrnehmen?

Das Angebot kann sowohl von gesetzlich- als auch von privat-versicherten Patienten wahrgenommen werden. Dies gilt allerdings nur für Personen, die Erkältungssymptome aufweisen. Wer hingegen schon im Vorfeld eine Grippe oder eine andere Krankheit vermutet, sollte sich persönlich zum Arzt begeben. AU-Schein befasst sich derzeit nämlich nur mit Erkältungen.

Wie lange dauert es, bis der AU-Schein verfügbar ist?

Wer den Schein werktags (Montag bis Freitag) in den Morgenstunden beantragt, soll diesen laut Anbieter in der Regel bis zum Abend über WhatsApp erhalten. Die „offizielle“ Version sollte ihrerseits am übernächsten Tag per Post reingeflattert kommen. Zusätzlich erhält der Nutzer Therapieempfehlungen – weitere Fragen an den Arzt kann er allerdings nicht stellen.

Für wie viele Tage gilt die Krankschreibung?

Die Krankschreibung wird für maximal drei Tage ausgestellt – nicht rückwirkend. Die Anzahl der Tage hängt dabei von den jeweiligen Symptomen sowie der Entscheidung des Arztes ab. Weiterhin können Folgebescheinigungen nicht digital beantragt werden und auch sonst lässt sich der Service nur zwei Mal im Jahr nutzen. Damit sollen mögliche Missbrauchsfälle verringert werden.

Ist Telemedizin in diesem Fall rechtlich zulässig?

Laut Angaben von AU-Schein wurde das Angebot von Rechtsanwälten bestätigt und entspricht dem Datenschutz gemäß der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Dennoch hagelt es aktuell Kritik. So sagte Pedram Emami, Präsident der Hamburger Ärztekammer gegenüber dem NDR, er finde es als Arzt problematisch, einen Patienten vor einer Krankschreibung nicht persönlich zu sehen. Ähnlich sehen es auch zahlreiche Kollegen.

Wie sieht es in puncto Datenschutz aus?

Der Dienst wird aktuell über WhatsApp angeboten. Damit ist dieser zwar Ende-zu-Ende-verschlüsselt, läuft allerdings dennoch über einen US-Server. Unterm Strich sind die Daten hier also genauso viel oder wenig geschützt, wie private WhatsApp-Nachrichten. Das Start-up selbst speichert seinerseits nur Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Zusätzlich speichert der Arzt Angaben zu den Symptomen, die Risikoumstände, die Art der Versicherung sowie alle Informationen, die auf der Versichertenkarte zu sehen sind.

Krankschreiben per WhatsApp demnächst möglicherweise kostenfrei

Obwohl der Dienst aktuell 9 Euro kostet, könnte dieser in Zukunft von der Krankenversicherung übernommen und für den Endverbraucher somit „kostenfrei“ werden. Au-Schein arbeitet derzeit an entsprechenden Verträgen. Wer das Angebot bereits jetzt nutzen möchte, muss zunächst auf PayPal zurückgreifen. Weitere Bezahlmethoden werden laut Anbieter folgen.

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