iPhone-Warnung vor "ungesunder Luft": Das sagt der Wetterdienst zum neuen Apple-Feature

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Wetter-App auf dem iPhone XS Max zeigt das Wetter in Köln
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy
Die Wetter-App unter iOS 12 hat neue Optionen erhalten. Nach dem Update informiert die Wetter-App nun nicht mehr nur über Daten zu Temperatur, Niederschlag und Luftdruck. Je nach Verfügbarkeit gibt die App nun auch eine Einschätzung darüber, ob und für wen die Luftqualität vor Ort ungesund ist.

Die Textzeile zur Luftqualität ist in der App prominent platziert. Die iPhone-Warnung steht direkt unterhalb der eingestellten Ortsangabe. Auf dem iPhone XS Max warnt die App für den Samstagmorgen in Köln zum Beispiel: „Ungesunde Luft für empfindliche Gruppen“. Berliner müssten demnach über ähnlich schlechte Luft schimpfen.

Der Luftqualitätsindex wird angezeigt aber nicht erläutert.

DWD: iPhone-Warnung vor schlechter Luft „fraglich bis nutzlos“

Die Position in der App und die nüchterne Warnung samt Einschränkung „für empfindliche Gruppen“ lassen wohl kaum an der Authentizität der Angabe zweifeln. Allerdings bleibt Apple schuldig, welche Daten erhoben werden und auf welcher Grundlage die Behauptungen fußen.

In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) wurde Stefan Gilge vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zum neuen Apple-Feature gefragt. Seine Einschätzung in Kürze: Die Apple-Warnung sei „fraglich bis nutzlos“.

Fraglich deshalb, da der von Apple ausgegebene „Luftqualitätsindex“ nicht nachvollziehbar sei. Es fehle eine Erläuterung der Berechnungen. Grundsätzlich sei die Erstellung eines solchen Indizes einfach. Die Konzentration von „Luftbeimengen“ wie etwa Ozon, Feinstaub, Stickstoffoxid wird gemessen. Je höher die Werte, desto schlechter die Luft. Die Apple-App zeigt aber nicht, welche Werte erhoben werden und ab wann eine Warnung ausgesprochen wird.

Die Nutzlosigkeit bestehe darin, dass die App nicht spezifiziere, welche „empfindliche Gruppen“ gemeint seien. Ein Beispiel: Schlägt die App bei zu hohem Ozongehalt in der Luft Alarm, hätte dies für empfindliche Menschen, die aber nicht auf hohe Ozonwerte reagieren, keine gesundheitliche Relevanz.

Apples Datenlieferant ebenfalls ohne Hintergründe

Die Wetter-App von Apple greift auf Wetterdaten des amerikanischen Dienstes „The Weather Channel“ zurück. Auf den Internetseiten dieses Anbieters gibt es keinen Index zur Luftqualität, die die iPhone-App übernehmen könnte. Der Nutzer tappt also weiter im Dunkeln.

Erschwerend kommt hinzu, dass Apple via Siri teils andere Werte zu Stickstoffoxiden ermittle, als auf der Seite des Wetter-Anbieters zu lesen seien. Diese würden außerdem nicht mit Angaben von lokaleren und behördlichen Wetterdiensten übereinstimmen.

Das ganze Gespräch gibt es auf der Internet-Seite der NOZ (Paywall).

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