Mate 20 Pro und Mate 10 Pro im Vergleich: So viel besser ist das neue Huawei-Smartphone

10 Minuten
Zwei Smartphones nebeneinander auf einem Holztisch: Das Huawei Mate 20 Pro und das Mate 10 Pro
Mit dem Mate 20 Pro hat Huawei ein Smartphone der Spitzenklasse vorgestellt. Das signalisiert auch der Preis, der zum Marktstart bei rund 1.000 Euro liegt. Das Mate 10 Pro hingegen ist aktuell für rund 400 Euro erhältlich und kostet somit nicht einmal die Hälfte. Doch lohnt sich der Aufpreis? Und wie sieht es mit einem Upgrade auf das Mate 20 Pro aus, wenn man bereits das Mate 10 Pro besitzt?

Display-Vergleich zwischen Mate 20 Pro und Mate 10 Pro

Ob bei der Frontansicht, der Betrachtung vom Rahmen samt Bedienelementen oder der Rückseite: Bereits auf den ersten Blick sind Unterschiede zwischen dem Mate 20 Pro und seinem Vorgänger zu erkennen. Doch der Reihe nach. Das Mate 20 Pro ist etwa zweieinhalb Millimeter höher und zwei Millimeter schmaler als das Mate 10 Pro. Das ist dem Display-Format geschuldet. Dieses liegt beim Mate 20 Pro bei 19,5:9. Das Mate 10 Pro besitzt ein 18,7:9-Display. Somit wirkt das neue Modell insgesamt nicht so wuchtig, obwohl es einen Millimeter dicker ist. Trotz dieser nur minimalen Größenänderung bietet das Mate 20 Pro einen größeren Bildschirm. Mit 6,39 Zoll in der Diagonalen misst es 0,39 Zoll mehr als das Display des Mate 10 Pro. Das spiegelt sich auch im Gewicht wider: So ist das neue Mate-Modell knapp zehn Gramm schwerer als sein Vorgänger.

Zwar besitzen beide Mate-Modelle ein OLED-Display, beim Mate 20 Pro legt Huawei aber noch eine Schippe Pixel darauf. So löst der Bildschirm des Newcomers mit 1.440 x 3.120 Bildpunkten in WQHD+ auf. Das Mate 10 Pro hingegen besitzt ein Full-HD+-Display, das eine Auflösung von 1.080 x 2.160 Pixeln bietet. Trotz etwas größerem Panel ergibt sich eine Pixeldichte von 538 ppi beim Mate 20 Pro und 402 ppi beim Mate 10 Pro. In dieser Kategorie hat das neue Modell, also die Nase vorn. Aller Voraussicht nach steigt aufgrund dessen aber auch der Stromverbrauch, weshalb Huawei gegensteuert und das Mate 20 Pro mit der Werkseinstellung „Smarte Auflösung“ ausliefert. Damit ist in den meisten Szenarien ebenfalls „nur“ Full-HD+ aktiv.

Die Displays in der Praxis

Der Bildschirm des Mate 20 Pro ist an den Seiten abgerundet und erinnert stark an jenes des Galaxy S9 oder Note 9. Zudem springt Huawei auf den Notch-Zug und versieht das neue Modell mit einem Display-Einschnitt am oberen Rand. Das Mate 10 Pro hingegen hat weder abgerundete Display-Kanten noch Notch. Wenn man vom alten auf das neue Mate umsteigt, muss man sich zunächst an beides gewöhnen. Die Notch akzeptiert man recht schnell, die abgerundeten Kanten hingegen fallen immer wieder bei der Bedienung auf. Nämlich dann, wenn Bedienelemente wie die Tastatur am Rand eingeblendet werden. 1 und 0, q und p oder Umschalt- und Löschtaste: Immer wieder tippt man fast schon seitlich auf die virtuellen Tasten. Aber auch das ist reine Gewöhnungssache. Bei der Bedienung mit einem Stift, wie es im Fall des Galaxy Note 9 ist, dürfte das schwerer ins Gewicht fallen.

Hinsichtlich der Schärfe gibt es selbst bei genauem hinsehen kaum Unterschiede. Im Alltag fällt die höhere Auflösung also nicht wirklich auf. Erst recht nicht, wenn man keinen Vergleich hat. Während man bei Farben keine Unterschiede feststellen kann, ist der Weißwert beim Mate 20 Pro deutlich besser. Beim Mate 10 Pro wirkt Weiß im Vergleich etwas dunkler und gelbstichiger. Aber auch hier gilt: Hat man nicht beide Geräte nebeneinander liegen, wird man das weißere Weiß nicht vermissen.

Design: Mate 20 Pro in ganz neuer Optik

Neben der Neugestaltung des Displays gibt es weitere Auffälligkeiten beim Design. So passt Huawei auch den Rahmen des Mate 20 Pro dem Galaxy-Look an. Während er beim Mate 10 Pro vor allem an den Längskanten sehr wuchtig ist, lässt der dünne Rahmen des Mate 20 Pro das Gerät sehr schmal in der Hand liegen. So wird das Gefühl vermittelt, dass das Mate 20 Pro ziemlich flach ist – dabei ist es sogar etwas dicker als sein Vorgänger. Ein weiteres optisches Highlight ist der Ein- und Austaster an der rechten Flanke. Huawei macht ihn im Vergleich zum Mate 10 Pro etwas breiter und färbt ihn orange ein. Wohl dem schmaleren Rand an der Seite geschuldet wandert die Schublade für SIM- und Speicherkarte ans untere Ende. Hier befindet sich beim Mate 10 Pro der Lautsprecher. Beim neuen Modell hingegen wird Musik durch den Micro-USB-Typ-C-Eingang nach Außen gepresst.

Vom Rahmen geht es weiter auf die Rückseite, auf der sofort das Kameramodul ins Auge springt. Beim Mate 10 Pro sind es zwei Kameras, einzeln eingefasst, und ein Fingerabdrucksensor, die untereinander liegen. Beim Mate 20 Pro hingegen verschwindet der biometrische Sensor von der Rückseite und macht es sich im Display gemütlich. Übrig bleibt das Kameramodul mit einer Kamera mehr. Damit es trotzdem symmetrisch bleibt, wandert die Dual-Tone-LED als vierte Kreisfläche in das Kameramodul.

Darüber hinaus findet sich im unteren Drittel der Huawei-Schriftzug, der beim Mate 20 Pro in einer neuen Schriftart in Silber durch das Glas schimmert. Ansonsten bleibt es bei Glas als Werkstoff. Im Mate 20 Pro jedoch hat Huawei – je nach Farbausführung – ein Nadelstreifenmuster hineingearbeitet. Bei der Twilight-Version verzichten die Chinesen jedoch darauf und setzen lieber auf den Farbverlauf als Blickfänger.

Hardware: Mehr künstliche Intelligenz

Mit dem Kirin 980 hält ein neuer High-End-Prozessor Einzug in die Smartphone-Sparte von Huawei und kommt sofort im Mate 20 Pro zum Einsatz. Beim Mate 10 Pro ist es das Spitzenmodell des Vorjahres, der Kirin 970. Auf dem Datenblatt ähneln sich beide sehr, wenn man sich die Anzahl der Kerne oder die Taktfrequenz ansieht. Jedoch soll der neue Chip – dank künstlicher Intelligenz – noch schlauer sein.

 Huawei Mate 20 ProHuawei Mate 10 Pro
 
Huawei Mate 20 Pro SchwarzQuelle: Huawei
Huawei Mate 10 Pro FrontQuelle: Huawei
Display6,39 Zoll, 1.440 x 3.120 Pixel
6,0 Zoll, 1.080 x 2.160 Pixel
Betriebssystem-VersionAndroid 9.0 PieAndroid 8.0 Oreo
ProzessorHuawei Kirin 980, Octa-Core /
2 x 2,6 GHz, 2 x 1,92 GHz, 4 x 1,8 GHz
Huawei Kirin 970, Octa-Core /
4 x 2,36 GHz, 4 x 1,8 GHz
RAM6 GB6 GB
interner Speicher128 GB128 GB
MicroSDja (256 GB)nein
Kamera vorne/hinten24 / 40 + 20 + 8 Megapixel8 / 20 + 12 Megapixel
Fingerabdruckscannerjaja
Akku4.200 mAh4.000 mAh
induktives Ladenjanein
Abmessungen (mm)156,9 x 72,4 x 8,6154,2 x 74,5 x 7,9
FarbenSchwarz, Blau, TwilightGrau, Blau, Braun
Einführungspreis999 Euro799 Euro
Aktueller MarktpreisMarktstart: 26. Oktober 2018406 Euro

Der Kirin 980 gehört neben dem Apple A12 zu den weltweit ersten Prozessoren in 7nm-Fertigung. Zudem unterstützt der Chip LTE Cat.21. Somit ist das Mate 20 Pro zusammen mit dem ebenfalls neuen Mate 20 und Mate 20 RS Porsche Design das erste Smartphone, das Download-Raten von bis zu 1,4 GBit/s erreicht. Darüber hinaus ist der Kirin 980 Huawei zufolge 134 Prozent schneller und 88 Prozent effizienter als der Vorgänger-Chip, der im Mate 10 Pro zum Einsatz kommt.

Das spiegelt auch der Benchmark-Test von AnTuTu wider: Hier kommt das Mate 20 Pro auf 249.187 Punkte. Das Mate 10 Pro hingegen erreicht 212.419 Punkte. Ob man das allerdings im Alltag spürt, bleibt fraglich. Das Mate 10 Pro macht selbst nach einem Jahr im Dauertest von inside handy eine gute Figur.

Beim Speicher bleibt nahezu alles gleich: 128 GB intern, 6 GB RAM. Jedoch lässt sich das Datendepot des Mate 20 Pro aufstocken, was beim Vorgänger-Modell nicht möglich ist. Somit behebt Huawei das offensichtliche Manko zwar. Allerdings ist es keine normale Micro-SD-Karte, die der Nutzer hier einsetzen kann. Vielmehr ist es ein von Huawei neu entwickeltes Format: die Nano-Memory-Card (NM Card). Warum sich Huawei dafür entscheiden hat, ist im Hands-On des Mate 20 Pro zu lesen.

Darüber hinaus müssen Nutzer von kabelgebundenen Kopfhörern weiterhin auf einen Klinkenanschluss verzichten. Als Trost legt Huawei aber einen Adapter von USB-C auf 3,5-Millimeter-Klinke dem Lieferumfang bei.

Software: Neue Nutzeroberfläche und Android 9

Während Android 9 von Smartphone-Herstellern nur schleppend verteilt wird und selbst neue Modelle mit der angestaubten Android-Version Oreo auf den Markt kommen, macht Huawei keine Kompromisse. So läuft das Mate 20 Pro mit Android 9 und der neuesten Huawei-Benutzeroberfläche EMUI 9.0. Was daran so besonders ist, erklärt inside handy in dem Artikel „EMUI 9.0: Das ist neu in Huaweis Android-Pie-Interpretation.“

Das Mate 10 Pro hingegen muss (noch) mit Android 8 Oreo vorlieb nehmen. Zwar gibt es bereits erste Beta-Versionen von Android 9, aber eben noch keine finale. Dass diese aber kommen wird, darf als sicher betrachtet werden. Interessanter wird jedoch, ob das Mate 10 Pro noch Android 10 erhalten wird, was hingegen beim Mate 20 Pro nicht angezweifelt werden darf.

Die Kamera-Unterschiede

Das Mate 20 Pro verfügt über insgesamt vier Kameras. Davon drei auf der Rück- und eine auf der Vorderseite. Zum Einsatz kommt hier ein Leica-Triple, bestehend aus einem Normalobjektiv mit Blende f/1.8 und 40-Megapixel-Sensor, ein Tele-Objektiv mit 3-fachem optischen Zoom, 8-Megapixel-Sensor, optischer Bildstabilisierung und einer Blende von f/2.4 sowie – und das ist neu – einem Ultraweitwinkel-Objektiv. Der chinesische Hersteller verzichtet von nun an auf einen dedizierten Schwarz-Weiß-Sensor, wie er beim P20 Pro noch verbaut ist, und setzt lieber auf eine Linsengruppe, die das Licht so bricht, dass mehr auf den 20-Megapixel-Sensor passt. Inwieweit die Kamera-Ausrüstung des Mate 20 Pro überzeugen kann, wird aber erst ein ausführlicher Test zeigen. Das Mate 10 Pro hingegen hat kein Ultraweitwinkel-Objektiv. Wie die Dual-Kamera des Vorjahresmodells abschneidet, ist im Test von inside handy zu lesen.

Akku: Mehr Power und rückwärts Laden

Huawei stattet das Mate 20 Pro mit 200 mAh mehr aus, als das Mate 10 Pro. Somit ergibt das in Summe 4.200 mAh. Dank „Huawei SuperCharge“ mit 40 W ist der Akku des Mate 20 Pro binnen 30 Minuten von 0 auf 70 Prozent aufgeladen. Hinzu kommt: Das Mate 20 Pro lässt sich nun per Qi kabellos aufladen. Diese Funktion fehlt dem Mate 10 Pro. Nutzer des älteren Modells müssen jedoch nicht neidisch sein, denn das Aufladen per Luftschnittstelle dauert deutlich länger als via Kabel. In einer halben Stunden füllt sich der Akku nur um 30 Prozent.

Das Besondere an Huaweis Qi-Aufladeverfahren: es funktioniert auch in die andere Richtung, Huawei nennt es „Wireless Reverse Charging“. Somit kann der spendable Mate-20-Pro-User Nutzern anderer Smartphones etwas von seiner Akkukapazität abgeben. Voraussetzung ist natürlich die Qi-Kompatibilität. Dabei werden beide Geräte aneinander gehalten und der Strom wechselt kabellos von einem Gerät zum anderen.

Die Akkulaufzeit des Mate 10 Pro ist beachtlich, wie sich im Test herausstellte. Selbst nach einem Jahr in Benutzung gibt es keinerlei Einbußen. Im Gegenteil: Huawei hat per Software-Update dem Energieträger noch einmal mehr Reserven entlocken können. Ob die Akkulaufzeit des Mate 20 Pro ebenso hervorragend ist, wird derzeit im Testlabor von inside handy untersucht. Ein erster Eindruck: Die Akkulaufzeit könnte die des Mate 10 Pro sogar noch übertreffen.

Fazit

Lohnt sich der Aufpreis? Ja, wenn man ein rundum verbessertes Mate 10 Pro haben möchte. Das neue Mate-Modell ist in nahezu jeder Kategorie ein Stück besser. Ob hinsichtlich der Kamera, des Akkus, der Rechenpower oder beim Display. Hinzu kommen weitere Features wie eine Speichererweiterung, Bluetooth 5.0 statt 4.2, kabelloses Aufladen und ein höherer Schutzstandard (IP68 statt IP67).

Darüber hinaus bietet das Mate 20 Pro die aktuellste Technik, die es derzeit auf dem Smartphone-Markt gibt. Dazu gehören 3D-Gesichtsentsperrung und der Fingerabdruckscanner im Display. Beides hat das Mate 10 Pro nicht. Es beherrscht zwar die Gesichtsentsperrung, die Hauwei Face Scan nennt, aber eben nur in 2D. Beim 3D-Verfahren ist die Erkennungsgenauigkeit höher sowie die Posenunabhängigkeit und Überwindungssicherheit besser. Das zeigt sich auch im Alltag: Die Sensoren in der Notch des Mate 20 Pro sorgen dafür, dass das Gesicht aus unterschiedlichen Winkeln blitzschnell erkannt wird, was mit dem Mate 10 Pro nicht möglich ist. Wer vom Mate 10 Pro auf das neue Modell umsteigt, wird diesbezüglich überrascht sein.

Betrachtet man in diesem Zusammenhang den Preis zum Marktstart, ist das Mate 20 Pro, das 200 Euro teurer ist, als das Mate 10 Pro einst war, diesen Aufpreis wert. Wer jedoch keine 1.000 Euro ausgeben will, wird auch nach wie vor mit dem Mate 10 Pro glücklich. Oder aber, man wartet einige Wochen. Dann dürfte der Preis vom Mate 20 Pro unter die 800-Euro-Marke fallen. Wer das Smartphone aber dennoch heute kauft (aktuell gibt es für Vorbesteller das Amazon Echo Show im Wert von rund 230 Euro dazu), bekommt eines der besten, wenn nicht das beste Smartphone, das es derzeit gibt.

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1 KOMMENTAR

  1. Das Mate 20 pro mit dem Formfaktor des normalen Mate 20 wäre ein richtiges Spitzensmartphone geworden. Leider nimmt der abgerundete Bildschirm zu viel von der Breite des Bildschirmes weg(genau wie bei der Samsung S-klasse), so dass die tolle Auflösung des Displays garnicht so zur Geltung kommt wie es sein könnte. Die Edge Displays werden bald verschwinden. Huawei kommt denke ich etwas zu spät damit auf den Markt.

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