Handy-Verträge mit maximal einem Jahr Laufzeit: Fachhandel in Gefahr

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Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) will dafür sorgen, dass unter anderem Handyverträge mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr in Deutschland abgeschafft werden. Jan Freynick, Gründer von inside handy und geschäftsführender Gesellschafter der inside intermedia Shop GmbH & Co. KG, sieht Gefahren für den stationären Handel. Ein Kommentar.

In ihrem Bemühen nach Bürgernähe, scheint in der Politik ein Überbietungswettbewerb eingesetzt zu haben, welche Partei die Verbraucher besser vor Lug und Trug insbesondere der Telekommunikationsanbieter schützen kann. So beispielsweise geschehen, als NRW-Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser jüngst ein 14-tägiges Rücktrittsrecht für Mobilfunkverträge im stationären Handel forderte. In Sachen Verbraucherschutz mag sich nun offenbar die SPD – in Gestalt von Bundesjustizministerin Katarina Barley – aber nicht von der CDU überholen lassen. Konkret will sie in Zukunft Langzeitverträge verbieten und maximal eine Vertragslaufzeit zwölf Monaten erlauben. Dabei hat die Ministerin auch die Handy- und Festnetzverträge im Visier.

Angriff auf eine ganze Branche

Welchen Blick hat die Politik eigentlich auf die Mobilfunk-Branche, wenn sie den Eindruck vermittelt, nach über 20 Jahren liberalisiertem Markt plötzlich und ohne Not die Verbraucher besser schützen zu müssen? Was für Klischees des „provisionsgeifernden Handy-Verkäufers” liegen diesen Äußerungen zu Grunde? Eine ganze Branche wird plötzlich und ohne Not an den Pranger gestellt, nur um ein paar Popularitätspunkte zu sammeln.

Dabei stehen die Verlierer dieser Maßnahme längst fest. Zum einen werden sich die Kunden an deutlich höhere Einmal- oder Monatsgebühren gewöhnen müssen, sofern sie zu ihrem Tarif auch ein neues Smartphone ihr Eigen nennen wollen. Denn wenn der Kaufpreis eines neuen Mobiltelefons nicht mehr auf 24, sondern nur noch auf zwölf Monate umgerechnet werden kann, wird der Kunde an irgendeiner Stelle tiefer in die Tasche greifen müssen. Ob Kunden das wirklich wollen, darf bezweifelt werden, denn es gab und gibt ja sowohl Verträge mit monatlicher als auch mit einjähriger Laufzeit. Allerdings waren alle Varianten ganz offenbar für die Kunden nicht attraktiv genug, als dass sie sich durchsetzen konnten.

Gefahr: Fachhändler sterben aus

Auf der anderen Seite würde der neue Vorstoß das Sterben der Fachhändler beschleunigen. Denn selbstverständlich ist für einen Vertrag mit kürzerer Laufzeit nicht dieselbe Provision zu bekommen. Da sich der stationäre Handel aber zwangsläufig schwertut, neue Kunden zu gewinnen und gleichzeitig die Kundenbindung in einem sehr vergleichbaren Markt immer stärker abnimmt, wird kaum ein Händler in der Lage sein, die fehlenden Provisionen durch Mehr-Geschäft zu kompensieren. Darüber hinaus ist die Beratungskompetenz und -zeit, die ein Händler für einen Kunden aufwenden muss, unabhängig von der Vertragslaufzeit. Platt gesagt: Für denselben Aufwand bekommt der Händler vor Ort plötzlich nur noch die Hälfte an Geld, ohne eine realistische Chance zu haben, die Ausfälle zu kompensieren.

Wenn also die Politik meint, den Verbraucher zwangsbeglücken zu müssen, dann sollte sie so ehrlich sein und auch sagen, zu welchem Preis sie das tut. Der stationäre Mobilfunk-Fachhandel, der ohnehin mit der schier übermächtigen Konkurrenz des Internets zu kämpfen hat, der Provisionsverluste und harten Wettbewerb wegstecken muss, wird nun von der Politik noch weiter aus den Innenstädten gedrängt.

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iPhone 4 mit verschiedenen Apps.

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Jan liebt Technik und ist einer der beiden Gründer von inside handy. Bereits seit 1998 ist er in der Telekommunikation zuhause und agiert in der Branche als Journalist, Verkäufer, Shop-Betreiber, Kommunikations-Trainer, Unternehmer und Smartphone-Fan. Als echter Rheinländer hat er dafür gesorgt, dass die Homebase von inside handy in Brühl liegt. Sein erstes Handy war ein Alcatel OneTouch Easy DB, gefolgt von einem Bosch 909s und einem Siemens ME45. Neben fundierten Analysen und meinungsstarken Kommentaren ist Jan für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder bei inside handy zuständig.

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9 KOMMENTARE

  1. Statt sich um die Verträge Gedanken zu machen sollte die Regierung uns vor ihrem gedanklichen Schwachsinn schützen. Sinnvoller wäre es wenn man ein Internetzugang braucht, auch nur den Internetzugang bezahlt und nicht noch Telefonkosten und rundfunkgebühren.wer nur telefonieren will sollte sich nur das telefonieren bezahlen und nicht noch Internet und Rundfunkgebühren. Wer Rundfunk nutzen will soll das mit einem separaten Vertrag und nicht auf zwang der Regierung

    • Wenn ich es recht in Erinnerung habe, dann gibt es eine Vorschrift der Netzagentur, dass sogenannte „Einzel-Verträge“ für zB. reine Internetanschlüsse von jedem Anbieter angeboten werden müssen. Allerdings sind die Konditionen für diese Tarife oft sehr unattraktiv.

  2. Es gibt inzwischen seit längerem bei Drillisch und O2 Verträge ohne feste Laufzeit und mit monatlicher Kündigung. Dadurch haben sich die Preise aber in keinster Weise verteuert. Was der stationäre Handel macht ist mir wurscht. Es liegen diesbezüglich tausende Beschwerden bei Verbraucherschützern vor. So viele Konsumenten werden vom stationären Handel betrogen und müssen im Nachhinein gegen die angeschlossen Verträge kämpfen.

    • Die Verträge mit kürzerer Laufzeit sind in der Regel 5€/Monat teurer. Der Kommentar zielte aber noch viel mehr auf Verträge mit neuem Handy hin. Hier verteilt sich der Gerätepreis ja dann nicht mehr auf 24 sondern nur auf 12 Monate. Das macht zumindest den monatlichen Preis höher oder erfordert eine höhere Einmalzahlung.

      • Na ja, oder die Hersteller werden endlich mal wieder BILLIGER !!!
        1.000 Euro für ein sehr gutes Smartphone was in der Herstellung 300 kostet ist einfach zu teuer.

        Schaut euch doch das iPhone, Google Pixel oder Huawei/Samsung Geräte an.
        Ab 1.000 Euro??? Ernsthaft?

  3. Ich bin gegen jegliche pauschale Händler-Schelte und kenne zB einen Händler in Köln, der langsam und nachhaltig gewachsen ist, indem er nutzenorientierte Beratung und Verkauf gepaart mit exzellentem Kundenservice in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten gestellt hat. Die Retailer werden einfach eine Fremd-Finanzierung einer Partnerbank anbieten, und den daraus generierten Provisionsgewinn entweder im Wettbewerb dazu nutzen, um den Gerätepreis attraktiver gestalten zu können- oder/und um sich eine höhere Marge zu sichern.

  4. Ich bin in diesem Falle Egoist. Wenn ich alle 12 Monate einen neuen Vertrag abschließen kann, dann kann ich mir den mit den besten Konditionen für mich auswählen.
    Ob Händler auf der Strecke bleiben ist fraglich. Die sind im ländlichen Bereich von größeren Ketten oder nur nebenbei als Nischenhändler mit anderem Hauptgeschäft.

  5. Find ich Super, man kann ja auch über die 12 Jahre verlängern. In dem Zusammenhang auch noch die dumme Geräte Supventionen streichen.
    Vielleicht verringert das den Konkurenz druck von jugendlichen, Weil dann kann nett mehr jeder Mit nem IPhone rumwedeln. Und es wird weniger Weggeschmissen, weil die meisten sich zweimal überlegen ständig neue Handys für unsummen brauchen zu müssen.
    Ich selber bin schon über 6 Jahre beim selben Anbieter und kaufe meine Handys ohne Vertrag. Benutze sie aber bis Akku oder Display etc schwächeln, also über die Zwei Jahre hinweg. Und es ist rechnerisch meist sogar Billiger als die 24 Monatigen Samrtphone Tarife.

  6. Leider werden die Geräte so gebaut, dass sie nach ein bisschen über 2 Jahre den Geist aufgeben, oder aber es keine Updates mehr für’s Gerät oder App’s gibt, sodass der Kunde förmlich zu einem Neukauf genötigt wird. Insofern finde ich es gut, dass die Politik der -sagen wir mal- „Profitgier“ in Gänsefüßchen – ein kleines „So nicht mehr“ entgegen stellt und die Mobilfunkriesen und Hersteller zum umdenken bewegt.

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