Nach EU-Strafe: Google verlangt bis zu 40 Dollar pro Android-Gerät extra

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Bildquelle: Google
Werden Android-Smartphones und -Tablets in Zukunft teurer? Passieren könnte das, wenn Hersteller wie Samsung oder Huawei zukünftig lieber auf eigene Apps statt auf jene von Google setzen möchten. Denn Google setzt nach einer harten EU-Strafe in Kürze darauf, dass Hersteller für die Nutzung von diversen Google-Apps Geld bezahlen sollen. Es sei denn, sie installieren freiwillig auch den Chrome-Browser und aktivieren vorab die Google-Suche.

Millionen von Nutzern eines Android-Smartphones sind glücklich darüber, dass sie auf ihrem Handy kleine Programme von Google verwenden können, die ihnen das Leben in vielen Situationen des Alltags erleichtern. Zum Beispiel Google Maps bei der täglichen Navigation oder der Google Kalender bei der Organisation von Terminen. Jetzt kristallisiert sich heraus: Diese Apps will sich Google im Europäischen Wirtschaftsraum in Zukunft bezahlen lassen. Nicht von den Nutzern selbst, doch über Umwege könnten Käufer von Smartphones und Tablets in der Endabrechnung doch zur Kasse gebeten werden.

Google reagiert auf harte EU-Strafe

Rückblick: Im Juli hatte die EU-Kommission eine Rekordstrafe gegen Google verhängt. Satte 4,3 Milliarden Euro soll Google zahlen, weil der Konzern Smartphone-Herstellern unzulässige Vorschriften bei der Verwendung des Google-Betriebssystems gemacht habe. Besonders kritisch sah die EU, dass Google den Herstellern wie Samsung, HTC oder Huawei vorschrieb, bestimmte Apps auf Android-Smartphones und -Tablets vorinstallieren zu müssen. Vor allem aus Wettbewerbssicht sei das nicht hinzunehmen, so die EU. Konkurrenten von Google hätten so kaum eine Chance gegen die Apps des US-Konzerns zu bestehen, argumentierte die EU-Kommission.

Das Vorgehen der EU selbst war in diesem Zusammenhang keine große Überraschung. Mehrfach hatte sie Google zuvor ermahnt und Strafen angedroht – und diese auch umgesetzt als sich der US-Konzern nur unzureichend bewegte. Sehr wohl überraschend war aber die Höhe der verhängten Strafe. EU-Kommissarin Margrethe Vestager, die für einen harten Kurs bekannt ist, sagte im Juli: „Ich denke, das ist eine hohe Geldsumme. Aber wenn man auf den Anteil am Umsatz schaut, dann ist es im Rahmen dessen, was wir üblicherweise verhängen. Vielleicht ein bisschen am höheren Ende, aber nicht spektakulär in der Hinsicht.“

Bei Google selbst stieß die Strafe naturgemäß auf Unverständnis. Nur durch Google sei es überhaupt möglich gewesen, dass ein Wettbewerb unter vielen verschiedenen Smartphone-Herstellern entstanden sei. Google-Chef Sundar Pichai erklärte in einem Blogpost, dass die kostenlose Bereitstellung von Android „schnelle Innovationen, breite Auswahl und sinkende Preise“ mit sich gebracht habe. Und die kostenlose Nutzung habe man eben daran geknüpft, dass gewisse eigene Apps zur Querfinanzierung vorinstalliert werden müssten. Dass Smartphone- und Tablet-Hersteller gepeinigt worden seien, wies er ausdrücklich zurück: „Handyhersteller sind nicht verpflichtet unsere Apps zu installieren und es steht ihnen offen, auch eigene Apps zu installieren.“ Insgesamt ignoriere die EU-Entscheidung „die breite Auswahl sowie die Art und Weise wie Menschen heutzutage ihre Smartphones nutzen“, so Pinchai.

Google verlangt bis zu 40 Dollar pro Android-Gerät extra

Und jetzt, wenige Tage nach Bekanntwerden, dass Google in Europa sein Geschäftsmodell für das Betriebssystem Android verändern will, wird nach und nach deutlich, wie genau dies geschehen soll. Bisher kostenlose Apps von Google sollen zukünftig Geld kosten. Von bis zu 40 US-Dollar pro Gerät ist die Rede. Zahlen sollen das zunächst aber nicht die Smartphone- und Tablet-Nutzer, sondern die Hersteller.

Eine mit den Plänen vertraute Person sagte gegenüber dem US-Blog The Verge, dass Smartphone- und Tablet-Hersteller, die Android als Grundlage ihres Produktes nutzen, pro Gerät bis zu 40 Dollar zahlen sollen. Dieser Preis sei allerdings nicht in Stein gemeißelt. Auch Rabatte seien möglich – abhängig von der Größe des Geräts und des jeweiligen Landes. Es sei möglich, dass der Rabatt auf bis zu 2,50 Dollar sinke, im Schnitt sei aber mit einer Art Lizenzgebühr in Höhe von 20 Dollar pro Gerät zu rechnen. Zu zahlen sind die Aufschläge durch die Hersteller ab dem 29. Oktober – für jedes Handy und Tablet, das im Europäischen Wirtschaftsraum auf Basis von Android auf den Markt komme. Deutschland, die Niederlande, Großbritannien, Schweden und Norwegen gehören nach Informationen des Blogs zu den Ländern, in denen die höchsten Gebühren fällig werden.

Smartphones werden teurer? Nicht zwingend!

Heißt also, dass Smartphones in Zukunft deutlich teurer werden? Nicht zwingend. Denn anders als in der Vergangenheit will Google den Herstellern zwar nicht mehr vorschreiben, bestimmte Apps zu installieren, aber Anreize schaffen genau dies zu tun. Wer nämlich als Hersteller zum Beispiel den Browser Chrome und die Google-Suche weiterhin freiwillig vorinstalliert, muss den bis zu 40 Dollar teuren Aufschlag nicht bezahlen. Der Grund ist schnell erklärt: Über die Google-Suche, die auch Teil der Chrome-Infrastruktur ist, verdient Google das meiste Geld.

Mit Spannung bleibt also abzuwarten, wie große und kleine Hersteller in Zukunft mit den neuen Regeln umgehen. Samsung und Huawei könnten es sich zum Beispiel zweifelsohne leisten, auf die Vorinstallation von Google-Apps zu verzichten und eigene Apps anzubieten. In der Vergangenheit wurde das zum Teil auch schon probiert. Die Android-Lizenzgebühren dürften dann aber Teil des Smartphone-Preises werden und diesen weiter in die Höhe treiben – auch wenn das offiziell wohl niemals zugegeben würde. Zur Wahrheit gehört aber auch: Bis zu 40 Dollar mehr fallen bei Endgeräte-Preisen, die schon hart an der 1.000-Euro-Schwelle kratzen oder gar darüber liegen, kaum noch auf.

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