Google hört mit: Assistant macht es Amazons Alexa gleich

3 Minuten
Google Assistant
Bildquelle: Nokia
Nach Alexa nun auch Googles Assistant: Der lauscht über die Spracherkennung in die heimischen vier Wände. Das Problem dabei ist, dass es nicht nur Sprachbefehle sind, die ausgewertet werden und das die Menge an mitgeschnittenen und später ausgewerteten Audioschnipseln hoch ist.

Okay Google, wie wird das Wetter heute?“ – Das ist nur einer der vielen Sprachbefehle, auf die der Assistant von Google eine Antwort weis. Digitale Assistenzsysteme sind im Trend und kommen millionenfach zum Einsatz. Doch was geschieht eigentlich mit den ganzen Audioaufnahmen, die schlussendlich auf den Google-Servern landen? Zumindest in Teilen werden sie von Menschen ausgewertet. Tausende Mitarbeiter horchen so in Schlaf- und Wohnzimmer der Nutzer. Die Information stammt laut dem Niederländischen Magazin VRT NWS von einem Whistleblower aus dem inneren Zirkel von Google.

Google wertet 0,2 Prozent aller Aufnahmen aus

Nach dessen Informationen werten Mitarbeiter ganze 0,2 Prozent der Audioaufnahmen aus – also jeder Fünfhundertste. Bei Millionen von Befehlen und Aufnahmen ist das keine geringe Menge. Der Informant stellte laut VRT NWS mehr als 1.000 Aufnahmen zur Verfügung, von denen 153 keineswegs aufgenommen hätten werden dürfen. Darin kam nicht einmal der Befehl „Okay Google“ vor. Das prekäre daran: Auf den Google-Servern landen also auch Alltagsgespräche, intime Geheimnisse, Notfälle, Passwörter oder Bankverbindungen.

Anonymität – von wegen

Damit ist die Anonymität, die Google über die Auswertungen kommuniziert, nicht mehr gegeben. Namen von Dritten, Partnern, Geliebten, von Familie und Freunden oder Nachbarn werden so ebenfalls gespeichert und zum Teil ausgewertet. Wie es mit der Anonymität bei der Auswertung bestellt ist, zeigt VRT NWS mit einem Experiment. Man habe durch Daten in den Aufnahmen die Urheber herausgefunden. und denen die Aufnahmen vorgespielt. Sie konnten ihre Stimmen wiedererkennen.

Google reagiert bissig

Google hat bereits reagiert und versucht zu beschwichtigen: „Dieser Teil der Spracherkennungs-Entwicklung ist kritisch, aber nötig, um ein Produkt wie Google Assistant zu entwickeln.“ Man muss Sprache auswerten, um sich auf Sie einstellen zu können und beispielsweise Dialekte zu verstehen, so das Unternehmen. Die Mitarbeiter sind dabei angehalten, keine Hintergrundgespräche mit auszuwerten. Dazu sollen sie laut Google nur Sprache auswerten, die direkt an Assistant gerichtet ist.

Gegenüber dem Whistleblower wird Google jedoch bissig. Ein Auswerter aus den Niederlanden habe gegen die Datensicherheitsrichtlinien verstoßen. Damit ist wohl nicht die Information über das Vorgehen Googles gemeint, sondern das Herausschmuggeln und Weitergeben der Audiodateien. Man habe ein Team aktiviert, das den Informanten herausfinden soll. Die Konsequenzen für ihn kommunizierte Google jedoch nicht im Detail. Man wolle aber tätig werden.

So deaktiviert man Googles Audioaufzeichnungen

Nutzer können die Daten, die Google über sie speichert, löschen lassen. Das kann per manueller Eingabe oder automatisiert alle drei beziehungsweise 18 Monaten geschehen.

Screenshots der Einstellungen im Google-Konto
Einstellungen im Google-Konto

Doch wie kann man die Audioaufnahmen verhindern? Das ist ebenfalls möglich. Dafür muss im Google-Konto der Reiter „Daten & Personalisierung“ aufgerufen werden. Dort klickt man auf die Schaltfläche „Sprach- & Audioaufnahmen“. Darin befindet sich ein Schalter zum Deaktivieren der Sprachaufnahmen. Darüber hinaus, können dort gespeicherte Audioaufnahmen eingesehen und diese wiederum gelöscht werden.

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1 KOMMENTAR

  1. Moin,
    seit den ersten Tagen ist Google als Datensammler verschrien und jetzt wird sich gewundert?
    Was google aber alles für Dienste und das kostenlos anbietet wird dann ignoriert.

    Egal mit dem geschleime!

    Ich habe in fast jedem Raum einen Google Assistent stehen in der Stube sogar zwei.
    Es ist teilweise interessant auf was die Geräte reagieren, alleine wenn der Fernseher läuft und mit den heutigen Werbungen und Serien wo andauernd „OK Google“ gesagt wird ist es kein wunder das unabsichtlich etwas ausgelöst wird.
    Manchmal auch bei Sachen die nicht ma annähernd an „OK Google“ erinnern.

    Aber wir stehen am Anfang der Technik von Raumschiff Enterprise sind wir noch sehr weit entfernt und fast alle die ich kenne oder damit drüber spreche haben eher das Bild von der Essengeneration oder dem Holodeck im Kopf als eine irdische neue Technik die noch lernen und reifen muss.
    Eben ein hoch auf Konsum und natürlich sind ein paar Millionen echte Nutzer besser Tester als ein paar Laborratten!

    Was ich aber richtig schade finde ist einfach die Tatsache das ein Technikforum wie hier gleich für die kompletten Abschaltung ausspricht anstatt besser aufklärt!
    Sie empfehlen wahrscheinlich auch nur mit einer Burka vor die Tür zu gehen, sonst könnte der Nachbar ja noch das Gesicht sehen!

    Ich glaube in fast jeder Werbung zeigt google wie man ganz einfach das Mikrofon ausstellt!
    Es ist in jeder Beschreibung jedes Geräts klar und deutlich beigefügt!
    Bei dem Hub läuft es sogar im Einrichtungsvideo!

    Also wie bei so vielen hat der Benutzer auch sein teil mit zu tragen!

    Auf jeden Fall soll google seine Erkennung verbessern und nicht gewollte Aufnahmen verhindern, auch kommunikativer in solchen fällen sein aber immer gleich so zu verurteilen ist auch nicht das richtige wenn man selbst dazu beigetragen hat.

    By

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