Glasfaserersatz per 5G: O2 mit Gigabit-5G-Test in Hamburg

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Antenne auf dem Dach
O2 mit Gigabit-5G-Test in HamburgBildquelle:
Es war ein kleiner und sehr kurzer Test, der jetzt zu Ende geht. Im Hamburger Stadtteil Hamm hat der Netzbetreiber zwei Sendeeinheiten aufgebaut, die als Ersatz für die Glasfaserleitung zum Kunden dienen sollen. Diese Fixed Wireless-Anschlüsse basieren auf 5G-Technik.

Der Test, den O2 im September vergangenen Jahres bekanntgab, umfasste nur eine sehr überschaubare Anzahl an Hamburger Haushalten. Es war für O2 nach eigenen Angaben schwierig, Kunden zu finden, die gleichermaßen bereits zum Kundenstamm gehören, angesprochen werden konnten und im Abdeckungsgebiet leben. Waren diese Kriterien erfüllt, mussten sie auch noch gewillt sein, am Test teilzunehmen. So waren es letztlich nur eine „niedrige zweistellige Kundenzahl“ und auch ein kurzer Testzeitraum von drei Monaten. Doch nach Angaben des Netzbetreibers reichte das bereits aus, um wichtige Erkenntnisse zu gewinnen.

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Bis zu 4 Gbit/s sind „in der Luft“

Bei einem Pressetermin in Hamburg zeigte O2 den anwesenden Journalisten, wie leistungsfähig ein solcher 5G-Funkzugang sein kann. Eingesetzt werden im Test Frequenzen um 26 GHz. Das 400-MHz-Spektrum ist in der Theorie in der Lage, bis zu 4 Gbit/s zu übertragen. Im Test kam 1 GBit/s an, was sich durch technische Begrenzungen der LAN-Ports an den eingesetzten Geräten erklärt, wie Telefónica erläutert.

Eine der Erkenntnisse, die O2 aus dem Test gewinnen konnte, bezieht sich auf die eingesetzten Frequenzen. „Eigentlich dürften wir hier überhaupt keinen Empfang haben“, sagten die Verantwortlichen bei der Demonstration. Der Grund: Die Sendeeinheit, die sich einige hundert Meter entfernt befinden, sendet in eine andere Richtung. Zudem steht zwischen Sender und Antenne ein Baum. Doch eine Reflektion an einem großen Industriegebäude ermöglicht unerwarteterweise den schnellen Zugang, wo er eigentlich gar nicht funktionieren dürfte. Hintergrund: Die Frequenzen um 26 GHz sind extrem empfindlich, sobald der direkte Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger unterbrochen wird. Maximal einen Kilometer Reichweite könne man erreichen.

Eine weitere Erkenntnis: Die wenigen Kunden im Test haben selten mehr als 300 Mbit/s aus dem Netz gezogen. Welche Hintergründe das hat, ist allerdings offen. So war es auch beim Test der inside handy Redaktion vor Ort nur auf dem per LAN angeschlossen Rechner möglich, Datenraten von 800 Mbit/s und mehr zu erreichen. Per WLAN waren es aufgrund der technischen WLAN-Limitierungen im verwendeten Smartphone und dem eingesetzten Router lediglich 200 bis 300 Mbit/s. Lediglich eine Analyse-Software direkt an der Antenne zeigte wirklich 1 Gbit/s an. Im Klartext: Heutige Konsumenten-Endgeräte sind oftmals zu langsam für Gigabit-Netze.

Test mit Samsung im Pre-5G-Standard

Den Test in Hamburg führte O2 zusammen mit Samsung durch. Sowohl Sendetechnik als auch Antenne und der virtuelle Kern im O2-Netz kamen von den Koreanern. Das machte O2 den Test leichter, da nicht die Kompatibilität verschiedener Hersteller getestet werden musste. Die Technik kommt in den USA schon in der Praxis zum Einsatz und basiert auf einem Pre-5G-Standard. Ob und wann O2 ein solches Festnetz-Ersatzprodukt in Deutschland einführt, ist offen. Die 26-GHz-Frequenzen können derzeit aufgrund von Richtfunk-Strecken nur eingeschränkt verwendet werden.

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