Schnelles-Glasfaser-Internet: Es scheitert am Bagger

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Ein Bagger auf einer Wiese bei einem Pressetermin zum symbolischen Verlegen von Leitungen
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki
Der Glasfaserausbau in Deutschland könnte scheitern – und zwar an einem scheinbar profanen Grund: Es gibt nicht genügend Tiefbau-Kapazitäten, die Leitungen in die Erde verlegen. Doch es gibt auch Lösungsansätze – die zum Teil recht unkonventionell sind.

Damit Deutschland mit einem flächendeckenden Glasfasernetz versorgt werden kann, müssen die Netzbetreiber zu jedem Haus in Deutschland neue Leitungen verlegen. Dabei handelt es sich um FTTB- und FTTH-Leitungen, also die Glasfaser bis ins Haus, nicht nur bis zu Verteilerkästen (VDSL). Das politische Ziel: Das soll bis 2025 erledigt sein. Das allerdings gilt inzwischen unter vorgehaltener Hand als unwahrscheinlich. Lediglich, wenn man sofort mehrere Stellschrauben verändere, gebe es noch eine Chance, das Ziel zumindest annähernd zu erreichen, sagt zumindest Dr. Iris Henseler-Unger. Sie ist Geschäftsführerin des WIK-Institutes, das für den Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) eine Studie zu Tiefbau-Kapazitäten erstellt hat.

Mangelnde Tiefbau-Kapazitäten und massiv steigende Preise sind für jene Anbieter, die eigene Glasfaser-Netze errichten, demnach derzeit ein massives Problem. Das widerspricht der Darstellung aus der Politik, die keine Preissteigerungen feststellen konnte. Der Verdacht dabei: Man befragte nur bundesweit tätige Tiefbau-Unternehmen, die aber zumeist gar keine Glasfasernetze verlegen. Der tatsächliche Ausbau erfolge primär durch lokale und mittelständische Unternehmen.

Preissteigerung um ein Drittel binnen zwei Jahren

Nicht nur mangelnde Kapazitäten sind für die ausbauenden Unternehmen ein Problem, auch die Preise steigen massiv an. In den vergangenen zwei Jahren, so hat die Studie ergeben, seien die Preise um ein Drittel angestiegen. Diesen Preisanstieg habe man zuvor über einen Zeitraum von sieben Jahren festgestellt. Das mache vor allem Probleme, wenn ein Netz und ein Projekt geplant und kalkuliert wird, die Preise aber zum Zeitpunkt der Realisierung schon deutlich angezogen haben. „Bei der Verlegung zukunftssicherer Glasfaserleitungen entfallen 80 bis 90 Prozent der Kosten auf den Personal-, Material- und Maschineneinsatz beim Tiefbau“, stellt das Gutachten fest. Aus diesem Grund wirken sich Verzögerungen und Kostensteigerungen beim Tiefbau erheblich auf Glasfaserausbauprojekte aus.

Das WIK empfiehlt, dass die Netzbetreiber langfristige Verträge mit Tiefbauunternehmen abschließen sollten. Der Breko als Branchenverband hat hierfür bereits Pläne in der Schublade, die er im Frühjahr vorstellen will. Diesen Verträgen sollten sich aus Sicht des WIK auch die großen Tiefbauunternehmen, die sich bislang oft gar nicht an Glasfaserausbauprojekten beteiligen, nicht verweigern. Auch der Einsatz ausländischer Bautrupps oder der Einsatz alternativer, kostensparender Verlegetechniken seien mögliche Maßnahmen. Das setze aber voraus, dass die Kommunen diese Verfahren akzeptieren.

5G-Netze als weiterer Abnehmer von Glasfasernetzen

Der flächendeckende Glasfaserausbau ist langfristig nicht nur für schnelle Internetanschlüsse für jeden einzelnen Haushalt relevant. Auch die kommenden 5G-Netze werden die Anbindung durch eine Glasfaserleitung langfristig benötigen. Zwar wird es im ersten Schritt aufgrund der Vergabebedingungen kein flächendeckendes 5G-Netz geben, doch wird die Verdichtung der Netze nach und nach ohnehin kommen. Wenn nicht schon ab 2020, dann spätestens 2025 – wenn denn hoffentlich schon ein flächendeckendes Glasfasernetz existiert, auf das die Mobilfunker dann schnell aufbauen können.

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1 KOMMENTAR

  1. Die mangelnden Tiefbau-Kapazitäten beruhen auf akutem Personal-Notstand. Keiner möchte mehr bei Wind und Wetter im Freien und nur saisonal arbeiten oder auf Montage gehen. Ausländische Trupps arbeiten schon viele am Glasfasernetzausbau.
    Dabei kommt es sehr oft zu Qualitätsproblemen. Alternative Verfahren wie Trenching funktionieren in Deutschland nur begrenzt. In den letzten Monaten kam es zu mehreren Preiserhöhungen für Asphaltmischgut, die Personal- und Treibstoffkosten steigen immens usw., daher werden die Tiefbaufirmen kein Interesse an langfristigen Verträgen mit festen Konditionen haben.

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