Glasfaser als Ziel: Großer Internetanbieter kündigt Ende von ADSL an

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Netzwerkkabel auf einer Tastatur
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Gigabit und Glasfaser – zwei der Haupt-Schlagwörter auf der Anga Com in Köln in dieser Woche. Nahezu beiläufig kündigte hier auch ein großer Anbieter das Ende von DSL in seinem Netz an. Unterdessen ist der Weg zu schnellerem Internet für alle umstritten, wie der Breitband-Gipfel mit den Chefs von Telekom, Vodafone & Co. zeigte.

Glasfaser-Leitungen bis zu den Kunden zu bauen, ist eine Herausforderung“, sagte Timo von Lepel, Chef des Kölner Stadtnetzbetreibes NetCologne auf dem Breitbandgipfel der Anga Com und zeigte sich kampfeslustig. Denn während seine Mitstreiter nach dem Motto „Gigabit ja, aber egal mit welcher Methode“ agieren, machte er deutlich: „Es ist nicht egal, welche Technik gebaut wird. Das ist eine Augenwischerei, die es auch mit VDSL Vectoring schon gab“, so der Chef des Unternehmens, das auch VDSL und Kabel-Netze betreibt, aber vor allem Glasfasernetze ausbaut. „Mit Super Vectoring wird diese Augenwischerei nun fortgesetzt. Das behindert massiv den Glasfaserausbau“, griff er den Deutschland-Chef der Deutschen Telekom, Dirk Wössner, an.

Aber auch der Deutschland-Chef von Vodafone, Hannes Ametsreiter, und Unitymedia-Chef Winni Rapp blieben nicht verschont. „Das Aufrüsten von Kabelnetzen wird uns auch kein Glasfaser-Netz ersetzen. Wir brauchen ein ganz klares Ziel für Deutschland, und das heißt Glasfaser“, sagte er. Die Kabel-Netze bieten über DOCSIS 3.1 mittlerweile auch oftmals Gigabit-Leitungen an. NetCologne-Chef von Lepel bekannte aber auch, dass ein flächendeckendes Glasfaser-Netz auszubauen eine Generationen-Frage sei.

Telekom-Deutschland-Chef: FTTH ist die ultimative Technik

Auch Wössner bekannte sich vor dem zahlreich erschienenen Publikum zur Glasfaser bis zum Kunden. „Die ultimative Technik ist FTTH“, gab er den Glasfaser-ausbauenden Unternehmen recht. „Der Ausbau auf den letzten Metern ist wegen der Anforderungen im Vergleich zu anderen Ländern aber enorm anspruchsvoll. Wir haben deswegen bewusst erst einmal Glasfaser nur bis in die Straßen gelegt und so möglichst viele Kunden möglichst schnell mit hohen Bandbreiten versorgt.“ Für diesen Schritt wurde die Telekom in den vergangenen Jahren massiv kritisiert.

Laut Wössner ist aber auch die Nachfrage nach hohen Datenraten verhalten. Neukunden würden zumeist 50 bis 100 Mbit/s buchen. Wenn Kunden schon vergleichsweise schnelles Internet haben, bekomme man sie schwer auf höhere Datenraten umgestellt. Das betreffe sogar Kunden, die nur 16 Mbit/s gebucht haben.

EWE: Fördermaßnahmen haben für falsche Richtung gesorgt

Breitband-Gipfel auf der Anga Com 2019
Breitband-Gipfel auf der Anga Com 2019Quelle: Silviu Guiman / Unitymedia

Dass der Glasfaser-Ausbau in Deutschland nicht optimal läuft, musste auch EWE-Tel-Chef Norbert Westfal eingestehen. Sein Unternehmen versorgt den Nordwesten Deutschlands mit Internetleitungen. Ende des Jahres werde man etwa 200.000 ans Glasfasernetz anschließbare Haushalte haben. Die Buchungsrate liege bei etwa 35 Prozent. „Das ist für mich enttäuschend, ich wäre lieber schon weiter“, sagte Westfal. Er schob auch eine Begründung nach: „Wir haben uns durch Fördermaßnahmen auf die falsche Technologie bringen lassen“, sagte er.

Nahezu beiläufig gab Westfal auch bekannt, dass EWE Tel damit beginnt, bestehende Kunden mit ADSL-Anschlüssen auf VDSL umzustellen. „Wer werden Ende 2022 keine-ADSL-Kunden mehr haben.“ Für den Anbieter bedeutet das, dass er eine Technik weniger im Netz hat, die er warten und finanzieren muss. 16-Mbit/s-Leitungen, wie sie für ADSL typisch sind, lassen sich auch auf VDSL-Technik produzieren.

Vodafone: Auch das Kabel wird zum Glasfasernetz

Vodafone-Chef-Ametsreiter wollte in der Podiumsdiskussion den Glasfaser-Ausbau nicht unkommentiert stehen lassen. „Auch ein Kabelnetz wird perspektivisch ein Glasfasernetz. Das Glasfaserkabel wird immer näher an den Kunden herangeführt“, sagte er. Derzeit schaffe man es rein rechnerisch durch die Aufrüstung der Kabelnetze alle zwei Sekunden einen neuen Gigabit-Anschluss zu ermöglichen. Beim Gigabit sei aber noch nicht Schluss. Perspektivisch werde das Kabelnetz 10 GBit/s oder sogar 25 Gbit/s für jeden Haushalt ermöglichen können. „Das Kabelnetz hat noch einiges zu bieten“, pflichtete ihm Tele Columbus-Chef Timm Degenhardt bei.

So oder so: Bis Deutschland ein flächendeckendes gigabitfähiges Netz hat, wird es noch Jahre dauern. Aktuell erreichen die Netze zusammen etwas mehr als 15 Millionen Haushalte – einen Großteil davon über Kabel-Infrastruktur.

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Thorsten Neuhetzki
Thorsten liebt Technik und ist seit 2018 als Redakteur an Bord. Als "alter Hase" in der Branche schreibt Thorsten am liebsten über alles, was mit Breitband, Netzen und Tarifen zu tun hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Super Vectoring, DOCSIS 3.1 oder 5G geht - schnelles Internet ist für Thorsten und seine Berichterstattung das A und O. Abseits des Newsdesks ist Thorsten mit großer Begeisterung auf seinem Tourenrad unterwegs. Vor allem Schweden hat es dem in Berlin wohnhaften Ostwestfalen angetan.

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1 KOMMENTAR

  1. In dieser Frage sollten die Verbraucher entscheiden. Wer Glasfaser möchte, soll es auch
    bezahlen. Das ganze Netz mit Glasfaser auszubauen ist absolut schwachsinnig.

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